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Digitaler Radioempfang in Perfektion – Ruark Audio und Pure zeigen, wie es geht

24.05.2017 | 16:08 Uhr |

Das Internet ist überall und auch das Radio wird heutzutage gerne übers Netz gehört. Warum daher also noch Radioempfänger, die digital empfangen? Hintergründe von DAB+ und die besten Empfänger im Vergleich.

DAB+, so die Bezeichnung des digitalen Radios, dass man über eine normale Zimmerantenne empfängt, hat viele Vorteile gegenüber dem Internetradio. Zum einen den ganz offensichtlichen, dass es wirklich überall empfangbar ist, also auch ohne einen Internetzugang. Einfach Antenne ausziehen, einschalten und der DAB+-Empfänger sucht alle Sender in seiner Nähe. Den gewünschten Sender kann man einfach über seinen Klarnamen aus der Liste auswählen. Die Senderfrequenz wie beim analogen Radio muss man nicht kennen. Überall ist dabei fast wörtlich zu nehmen, laut Digitalradio Deutschland GmbH ist Deutschland zu 96 Prozent abgedeckt

Ein weiterer Vorteil ist die Empfangsqualität. Gegenüber UKW kennt man bei DAB+ weder Rauschen noch Knistern. Während das Internetradio oft mit 128 kbit/s und MP3 gerade noch ertragbar ist, sendet DAB+ bis 160 kbit/s in AAC. Im Gegenzug besticht das Internetradio durch seine Auswahl an Sendern – inklusive der vielen Special Interest Sender. Beim DAB+ finden sich dagegen die großen privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosender mit ihrem bekannten Programm.

Wir haben uns in dem großen Angebot drei hochwertige Geräte von Ruark Audio und Pure herausgepickt. Es handelt sich um zwei kleine Radiowecker und ein größeres Stereogerät, das auch einen Streaming-Audioplayer mit Internetradio besitzt.

Ruark Audio R1 Mk3 und Pure Evoke H4

Ausstattung

Unsere kleinen Radiowecker im Testvergleich sind der Evoke H4 von Pure und der R1 Mk3 von Ruark Audio. Mit eingebauten Empfängern für DAB+ und FM-Radio sowie Bluetooth, Line-In und Kopfhörer-Anschluss sind sie gut ausgestattet. Für favorisierte Sender stehen Speicherplätze zur Verfügung, je zehn beim R1 Mk3 und 20 beim Evoke H4. Die ersten fünf bedient man beim Evoke H4 über Tasten, alle weiteren ruft man über eine Liste auf. Beim R1 MK3 gibt es keine Direkttasten, hier wird die Liste über eine Taste und der Speicherplatz mittels Drehrad auf der Oberseite aufgerufen.

Das Evoke H4 setzt auf klar beschriftete Tasten, die keine Fragen aufkommen lassen.
Vergrößern Das Evoke H4 setzt auf klar beschriftete Tasten, die keine Fragen aufkommen lassen.
© Thomas Bergbold

Ebenfalls bei Beiden gibt es einen Akkupack für den mobilen Betrieb. Da der Evoke H4 ein größeres Gehäuse hat, ist hier ausreichend Platz für den verdecken Einbau hinter einer Klappe. Beim R1 Mk3 sitzt der Akku huckepack auf der Rückseite. Für den R1 MK3 gibt es auch noch eine schicke Tragetasche aus Leder mit einem Griff. Der Evoke trägt seinen Griff direkt auf dem Gehäuse.

Das Display des R1 Mk3 bietet einen ausgezeichneten Kontrast und gehört zum Besten, was wir je im Testlabor hatten.
Vergrößern Das Display des R1 Mk3 bietet einen ausgezeichneten Kontrast und gehört zum Besten, was wir je im Testlabor hatten.
© Thomas Bergbold

Soweit die Gemeinsamkeiten in der Ausstattung. Der R1 Mk3 verfügt noch über eine praktische USB-Ladebuchse mit 5 W, die also für ein iPhone, aber nicht für ein iPad geeignet ist. Beim Display setzt er auf ein kontraststarkes OLED, Pure kontert mit einem 2,8-Zoll-TFT-Farbdisplay.

Bedienung

Bei den Bedienelementen setzten beide Hersteller auf Tasten und Drehregler. Und zwar nicht in minimalistischer Form, sondern - wo es Sinn macht – auch in Form einer Extra-Taste anstatt einer Doppelbelegung. Das ist sehr angenehm, zum Beispiel beim Wecker: Eine klar gekennzeichnete Taste ruft das Weckenmenü auf. Der Pure zeigt dann übersichtlich in seinem großen Display eine Übersicht über beide Wecker und zeigt an, ob diese aktiv sind, sowie die Weckzeiten. Über den rechten Dreh-Drück-Regler kann man nun den Eintrag auswählen und die Einstellungen ändern. Das ist logisch und einfach zu verstehen.

Was nützt ein Radiowecker, wenn man nachts nicht die Uhrzeit sehen kann oder das Display hell wie eine Taschenlampe ist? Beide Kontrahenten verhalten sich hier mustergültig und dunkeln ihre Displays nachts ab.
Vergrößern Was nützt ein Radiowecker, wenn man nachts nicht die Uhrzeit sehen kann oder das Display hell wie eine Taschenlampe ist? Beide Kontrahenten verhalten sich hier mustergültig und dunkeln ihre Displays nachts ab.
© Thomas Bergbold

Der Ruark Audio geht hier etwas anders vor. Nach Aktivieren des Weckenmenüs sieht man erst einmal nur einen Eintrag. Drückt man nochmals, kommt man zum zweiten Wecker. Jetzt geht es weiter in den Einstellungen mit dem großen Dreh-Drück-Regler, der auch für die Lautstärke zuständig ist.

Beim Ruark Audio ist man etwas schneller, was aber nicht mit der Übersicht auf dem Display zu tun hat, hier ist der Pure eindeutig besser, es liegt an der Position der Bedienelemente. Die liegen beim R1 Mk3 auf dem Gerät und können damit mit nur einer Hand – also auch im Bett liegend - ausgeführt werden. Beim Pure sind sie auf der Vorderseite, damit kann man sie zwar besser vom Bett aus sehen, nur braucht man eine Hand zum Festhalten des Geräts, denn es würde bei der Bedienung des Dreh-Drück-Reglers wegrutschen.

Die Benutzerführung des Streaming-Audioplayer sieht sehr altmodisch aus. Das kleine Display ist zur Musikauswahl nur im Notfall geeignet. Gut, dass es die UNDOK-App von Frontier Silicon gibt.
Vergrößern Die Benutzerführung des Streaming-Audioplayer sieht sehr altmodisch aus. Das kleine Display ist zur Musikauswahl nur im Notfall geeignet. Gut, dass es die UNDOK-App von Frontier Silicon gibt.
© Thomas Bergbold

Um auf den Wecker zurück zu kommen, so bieten beide die gleichen sinnvollen Optionen: Zwei Weckzeiten, freie Eingangswahl für das Weckprogramm, also DAB+, FM-Radio, Line-In und Summer. Die Weckzeiten lassen sich auf täglich, nur am Wochenende und unter der Woche einstellen. Bei der Spieldauer kann man bis maximal 90 Minuten wählen.

Die Gemeinsamkeiten gehen dann sogar bei der Snooze-Funktion, also der kurzzeitigen Weckerunterbrechung, weiter. Beim Ruark Audio drückt man den großen Dreh-Drück-Regler und beim Pure berührt man den schicken Handgriff. Also alles griffgünstig auf der Oberseite und vor allem auch im Schlaf zu finden.

Auch der Evoke H4 kann mobil eingesetzt werden. Den Henkel bringt er schon mit und der optionale Akkupack landet versteckt hinter einer Klappe.
Vergrößern Auch der Evoke H4 kann mobil eingesetzt werden. Den Henkel bringt er schon mit und der optionale Akkupack landet versteckt hinter einer Klappe.
© Pure

Display

So viele Gemeinsamkeiten sie auch haben, so gibt es doch auch kleine Unterschiede und ein sehr auffälliger - neben dem Design natürlich - das Display.

Während der R1 Mk3 mit einem sehr schlichten, aber bei Tag und Nacht perfekten Display aufwartet, zeigt sich der Evoke H4 verspielter. Das große TFT-Display ist farbig und glänzt daher auch mit einem schön anzusehenden bunten Hauptmenü. Darüber hinaus zeigt es neben dem Sendernamen auch das bunte Logo des Senders. Das ist zwar ganz nett, hat aber auch den großen Nachteil, dass die Senderinformationen so viel Platz einnehmen, dass die dann sehr kleine Uhrzeit vom Bett aus nicht zu erkennen ist.

Da ist der Ruark Audio praxisnäher, die Uhrzeit hat Priorität vor den Senderinformationen. Auch ist der Kontrast des Ruark Audio besser, sein Hintergrund ist richtig schwarz, das Pure Display ist leicht gräulich.

Bei der Anzeige im ausgeschalteten Zustand herrscht wieder traute Gemeinsamkeit. Die große Uhrzeit ist immer gut zu erkennen und ob ein Wecker aktiv ist, lässt sich klar sehen. Ein Punkt für Pure ist die Zusatzinformation mit den Weckzeiten. Die automatische Helligkeitsanpassung an das Umgebungslicht tut ihr übriges zum allgemein positiven Eindruck beider Probanten.

Musik via Bluetooth

Ein großes Highlight der beiden Radiowecker ist natürlich der DAB+ Empfänger für digitales Radio. Was sie aber etwas universeller macht, ist das eingebaute Bluetooth. So wird aus einem Wecker für morgens eine kleine Musikanlage für den ganzen Tag. Damit man die Musik mitnehmen kann, gibt es für beide optional einen Akkupack. Eine tolle Idee. Eine Hürde zum Musikgenuss ist jedoch die Kopplung mit dem Abspieler. Das ist ohne Anleitung bei keinem Gerät intuitiv zu erledigen. Ist das jedoch geschafft, erfreuen beide mit einer guten Musikqualität.

Eine Topempfehlung für die Steuerung des Streaming-Audioplayer im R2 Mk3 ist die kostenfreie UNDOK-App von Frontier Silicon.
Vergrößern Eine Topempfehlung für die Steuerung des Streaming-Audioplayer im R2 Mk3 ist die kostenfreie UNDOK-App von Frontier Silicon.
© Thomas Bergbold

Kleine Unterschiede gibt es im Komfort: Beim Ruark Audio ist nicht nur die Musikübertragung gekoppelt, sondern auch die Steuerung. Somit lässt sich mit den Steuerungstasten und dem Lautstärkeregler auch das iPhone bedienen. Ganz so, wie man es von dem meisten Bluetooth-Kopfhörern her kennt. Beim Pure ist das nicht so. Auf die Musiksteuerung könnte man noch verzichten, aber gerade die nicht gekoppelte Lautstärkeregelung ist etwas unpraktisch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man den Pure mit Akkupack so schön bequem in den Garten mitnehmen kann.

Empfehlung

Sowohl Ruark Audio als auch Pure haben ihre Hausaufgaben gemacht und solide, zuverlässige Radiowecker auf den Markt gebracht. Dass die Modelle nicht ganz neu, sondern mit den Jahren gereift sind, merkt man ihnen an. Beim Pure wünscht man sich ein Update, um im Display während des Weckens die Uhrzeit groß sehen zu können. Da die Möglichkeit zum Einspielen von Updates besteht, sollte das kein Problem sein.

In Verarbeitung und Anmutung gibt es kaum etwas auszusetzen, die Gehäuse aus Holz sehen bei beiden einfach klasse aus und sagen ganz eindeutig: Wir sind nicht aus der billigen Ecke. Genau, billig sind sie nicht, aber sie sind ihr Geld wert. Denn nicht nur die optische Qualität stimmt, sondern auch Bedienung und Technik. Der Empfang ist selbst an schwierigen Orten ohne Klagen gut, und der etwas höhere Preis des Ruark Audio lässt ich mit dem etwas besseren Klang begründen. iPhone-Nutzer werden sich auch über den Ladeanschluss via USB und die der höhere Komfort bei der Bluetooth-Anbindung beim Ruark Audio freuen.

Ruark R1 Mk3

Hersteller:

Ruark Audio

Preis:

ab 299,- Euro (bei Amazon)

Note:

1,7 gut

Vorzüge:

sehr guter DAB+ Empfang, sehr guter Klang, sehr gutes Display, gute Bedienbarkeit, hochwertiges Gehäuse, gute Bluetooth-Anbindung

Nachteile:

hoher Preis

Pure Evoke H4

Hersteller:

Pure

Preis:

ab 200 Euro (bei Amazon)

Note:

2,3 gut

Vorzüge:

sehr guter DAB+ Empfang, guter Klang, Platz für den Akkupack im Gehäuse

Nachteile:

Uhrzeit zur Weckzeit nicht erkennbar, keine Koppelung der Steuerung über Bluetooth

Es geht auch noch größer, mit dem Ruark Audio R2 Mk3

Der R2 Mk3 ist auf den ersten Blick als großer Bruder des R1 Mk3 zu erkennen. Gleiches Design mit den gleichen überzeugenden Tugenden des kleinen Bruders: Gute Bedienbarkeit und schönes Holzgehäuse. Doch der R2 Mk3 kann mehr, denn in ihm steckt nicht nur ein weiterer Lautsprecher, sondern auch ein Streaming-Audioplayer. Damit stellt er eine richtige kleine Stereoanlage dar, mit Internetradio und DLNA-Musikplayer. Gönnt man sich einen zweiten R2 Mk3, hat man sogar Multiroom.

Das klingt sehr verlockend. Wir haben getestet, in wie weit der R2 Mk3 eine Stereoanlage ersetzen kann. Der zusätzliche Lautsprecher bringt ein deutlich breites Klangbild und vor allem Stereo-Musikgenuss. Damit klingt der R2 Mk3 sehr klar, durch die geringe Membranfläche aber ohne kräftigen Bass. Adele zum Beispiel überzeugt mit einer präzisen Stimme und selbst Dave Gahan auf dem neuen Album "Spirit" kommt klarer rüber als man von vergleichbaren Stereoanlagen gewohnt ist. Das ist sehr angenehm beim Radioempfang, bei dynamisch abgemischter Musik dürfte er ruhig tiefer gehen. Gut, dass es einen Equalizer gibt, mit dem man den Bass und die Höhen nach eigenen Vorstellungen anpassen kann.

Der R2 Mk3 ist unverkennbar der große Bruder des kleinen Radioweckers R1 Mk3. Die kleine Stereoanlage bringt nicht nur deutlich mehr Sound, sondern auch einen DLNA Streaming-Audioplayer mit Internetradio und Spotify Connect mit.
Vergrößern Der R2 Mk3 ist unverkennbar der große Bruder des kleinen Radioweckers R1 Mk3. Die kleine Stereoanlage bringt nicht nur deutlich mehr Sound, sondern auch einen DLNA Streaming-Audioplayer mit Internetradio und Spotify Connect mit.
© Ruark Audio

Wo beim kleineren R1 Mk3 das Display voll überzeugt, ist es für einen Streaming-Musikplayer zu klein. Ruark Audio verzichtet nämlich zur Steuerung auf eine Extra-App und setzt voll auf die Navigation über das Display mit der Fernbedienung. Das erinnert nicht nur stark an die ersten Player auf dem Markt, das Menü sieht auch noch so aus. Das ist weder besonders chic noch sehr komfortabel.

Auf der Suche nach einer passenden App sind wir bei Synology und der zum Medienserver passenden App DS Audio hängen geblieben. Musikauswahl vom Server, Tracksteuerung und Lautstärke klappte bestens. Bei der Lektüre zur Multiroomfähigkeit des R2 Mk3 sind wir auf eine weitere App gestoßen. Die kostenfreie UNDOK-App von Frontier Silicon. Hiermit werden Steuerungsträume von R2-Nutzern wahr. Zwar wird sie im Apple Store schlecht bewertet, bei uns leistete sie aber alles das, was wir uns von einer Hersteller eigenen App wünschen: Volle Kontrolle der Quellen, Tracksteuerung und sogar Einstellungen wie der Equalizer sind mit ihr möglich. Den passenden Internetradiosender finden man somit viel leichter und die Musik auf dem Server ebenso. Eine große Coveransicht ist ebenso vorhanden, eine Lautstärkeregelung auch.

Empfehlung

Der R2 Mk3 sieht klasse und vor allem hochwertig aus. Seine Tugenden sind der tolle Radioempfang via DAB+ und ein ausgewogener, klarer Klang. Ein kräftiger Partyklang gehört nicht dazu, das will er aber auch nicht, er ist eher ein Feingeist. Der Streaming-Audioplayer hinterlässt einen gespaltenen Eindruck. Die Steuerung über das Display macht nicht wirklich Spaß, funktioniert aber ohne Probleme. Eine zusätzliche App von Ruark Audio wäre ein großer Schritt hin zu mehr Komfort, der sich vor allem beim Internetradio bezahlbar machen würde. Solange es die kostenfreie UNDOK-App von Frontier Silicon gibt, ist dieses Manko aber kein Problem. AirPlay vermissten wir sehr.

Ruark R2 Mk3              

Hersteller:

Ruark Audio

Preis:

ab 599,- Euro (bei Amazon)

Note:

2,0 gut

Vorzüge:

sehr guter DAB+ Empfang, ausgeglichener Klang, hochwertiges Gehäuse, gute Bluetooth-Anbindung

Nachteile:

hoher Preis, ohne App Streaming-Player schwer zu bedienen, kein Airplay

 

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