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Earth Day: Für eine grünere IT

21.04.2017 | 09:34 Uhr |

Der Earth Day am 22. April steht in diesem Jahr unter dem Motto "Green IT". Apple weist die Richtung - trifft aber auf Widerstände.

Der April macht seinem Ruf mal wieder alle Ehre und verabschiedet sich allmählich in einer Form, in der wir ihn seit Alters her kennen: Wechselhaft, nass, windig – und dann wieder mit kraftvollem Sonnenschein. Gefällt einem das Wetter nicht, kann man ja fünf Minuten warten. Doch haben wir, die wir Handschuhe und Mütze wieder aus den Kellerschränken geholt haben, anscheinend vergessen, wie sich der April und weite Teile des März bisher im Jahr 2017 verhalten haben. Nämlich in der Tendenz zu warm und zu trocken. Wenn das einmal passiert, ist das Wetter, derartige Ereignisse häufen sich aber: Klima. Auffällig ist, dass sich Jahresverläufe des Wetters häufen, wie sie in den Computermodellen der Klimaforscher als eine typische Folge der Erderwärmung auftauchen. Demnach sollen in unseren Breiten kurze, milde Winter, die von einem langen und trockenen Frühjahr abgelöst werden, eher die Regel als die Ausnahme sein. Auf meist verregnete Sommer folge dann wieder ein eher warmer und trockener Herbst, der eben erst spät endet. Aussichten sind das …

Klimawandel lässt sich nicht leugnen

Man kann es auch nach dem ersten Trump-Quartal eigentlich immer noch nicht glauben, dass da einer das Weiße Haus bezogen hat, der den Klimawandel ernsthaft als eine Erfindung "der Chinesen" hält, die damit der US-Wirtschaft schaden wollen. Ironischer Weise scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein, denn "die Chinesen" haben die negativen Folgen unbegrenzten industriellen Wachstums, das auf Ressourcenverbrauch - insbesondere Öl und Kohle - setzt, längst erkannt. Während die USA zurück zur Kohle und europäischen Autoherstellern offenbar wieder ungebremst Emissionen erlauben wollen, verschärft China die Umweltauflagen für seine Industrie massiv und treibt vor allem den Ausbau der Elektromobilität zum Leidwesen der europäischen Autobauer voran. Dass es nicht genügt, wenn die Städte wieder aufatmen können und der fossile Brennstoff eben wo anders die Luft verschmutzt, ist den Machthabern in Peking offenbar klar. Man wünschte derartige Einsichten auch wieder jenseits des Atlantik (aus unserer Sicht) respektive des Pazifik (aus Sicht Chinas).

Der Earth Day, seit 1970 jeweils am 22. April begangen, setzt in diesem Jahr nicht nur das Motto "Green IT für's Klima - Unsere Kommunikation wird grüner", sondern ruft am Samstag auch zu Protesten gegen die erklärte Politik der Trump-Administration auf. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass selbst narzisstische Ignoranten einmal die Fakten erkennen, aber ändern würde die von Fakten befreite Politik wohl nur die Wirtschaft. Denn Kohle aus den USA braucht bald keiner mehr, mit wachsenden Märkten für erneuerbare Energien sinkt die Nachfrage immer weiter. Einfach gesagt: Das Weiße Haus kann das Klimaschutzabkommen folgenlos kündigen, wenn Apple und Konsorten einfach ein Solar- oder Windkraftwerk nach dem nächsten für seine Büros, Rechenzentren und Fabriken ans Netz nehmen. Es wäre eigentlich Aufgabe der Politik, die sozialen Folgen technologischen und ökonomischen Wandels abzufedern und nicht von sterbenden Industrien mit in den Untergang gerissenen Landstrichen erklären, man werde sie wieder so großartig machen wie früher, wenn man die Maßnahmen früherer Regierungen zurück nimmt und den Wandel der Zeiten einfach leugnet.

Apple geht voran - klare Aussagen

Apples im Vorfeld des Earth Day veröffentlichter neuer Umweltreport macht in diesem Jahr staunen, nicht nur wegen der eindeutigen Aussage in der Überschrift, dass sich der Klimawandel eben nicht leugnen lassen. Der iPhone-Hersteller geht weiter und hat sich nichts weniger zum Ziel gesetzt, als keine Rohstoffe mehr aus der Erde zu holen und neue Produkte und Verpackungen vollständig aus wieder verwerteten (Aluminium, Zinn, Wolfram) oder wieder verwertbaren (Holz) Materialien zu gewinnen. Und das nur mit dem Verbrauch (genauer: der Umwandlung) von erneuerbarer Energie (genauer: aus tendenziell "ewigen" Quellen wie Sonne, Erdwärme Wind und nachwachsenden Stoffen).

Das Ende des Bergbaus sei damit eingeleitet, kein Cobalt mehr als von Warlords ausgebeuteten Erdlöchern im Kongo, kein Zinn mehr aus Böden, auf denen einst Regenwald gedieh, aber eben auch keine Kohle mehr aus den Appalachen, dem Ruhrgebiet und anderen Minen der Alten und Neuen Welt. Eine Herkulesaufgabe, die an sich nicht ohne politische Unterstützung gelingen kann. Denn es geht darum, auf Umsatz und Verbrauch sowie dem Zyklus vom Rohstoff zum Produkt zum Sondermüll aufgebaute Industrien auf Nachhaltigkeit umzubauen. Apple ist und bleibt ein Unternehmen, das auf Maximierung seines Profits aus ist, weshalb es nicht im Sinne Cupertinos ist, iPhones, iPads und Macbooks so zu gestalten, dass sie sich reparieren und schon allein deshalb länger verwenden ließen. Die Vision hinter dem kühnen Plan des stetigen Recyclings ist aber eine, die hoffen lässt, die Menschheit könnte auch das 21ste Jahrhundert überstehen. So zeigt Apple hoffentlich den längeren Atem, bis zur nächsten Inauguration sind es regulär nur noch 15 Quartale.

Laufen und radeln  für die Natur – und aus Eigennutz

Viel wäre der Erde schon geholfen, wenn ihre Bewohner der Gattung Homo sapiens sapiens mal öfter Wegstrecken zu Fuß zurücklegten oder wenigstens eine Technik des frühen 19ten Jahrhunderts nutzten, das Fahrrad. Freunden der Technik des frühen 21sten Jahrhunderts bietet Apple am Samstag immerhin ein kleines Zuckerl, wenn sie sich unter Beobachtung ihrer Apple Watch mindestens 30 Minuten lang bewegen. Denn unter den "Erfolgen", die man mit seinen Aktivitäten sammelt, kommt am Samstag die "Earth Day Challenge" hinzu, wenn man eben das minimale Trainingsziel erreicht hat. Womöglich reicht es sogar, sich die Frühstückssemmeln morgen zu Fuß beim Bäcker zu holen - wir müssen unsere Nahrung nicht mehr selbst jagen. Apple-Watch-Nutzer werden heute eine Erinnerung auf ihr Handgelenk gespielt bekommen, der Rest ist einfach nur Überwindung des inneren Schweinehundes.

Energie für alle

Apple räumt zwar selbst ein, noch nicht zu wissen, wie das mit dem vollständigen Recycling funktionieren könnte, aber wer immer sofort all seine Ziele erreicht, hat sich die Latte meist zu niedrig gelegt. Schon jetzt hat Cupertino die Erkenntnisse gesammelt, dass aus den eigenen Produkten zurückgewonnenes Aluminium besser passt als das aus anderen Recyclingquellen und gegenüber "frischem" nicht zu wünschen übrig lässt. In Sachen Energieversorgung wird das Unternehmen konkret und nennt in seinem jüngsten Umweltbericht einige Details zum in Dänemark geplanten Rechenzentrum. Demnach werde die Anlage teilweise durch auch Biogas erzeugten Strom versorgt, die Rohstoffe dafür bekomme der Generator aus der lokalen Landwirtschaft: Pflanzenabfälle und Gülle.

Apple werde aber auch wieder Energie zurückgeben, wenn sie aus elektrischer in thermische verwandelt ist: Die Abwärme der Serverracks will Apple in das lokale Fernwärmesystem der Gemeinde einspeisen. Bei der Konzeption des Energiesystems arbeite man mit Spezialisten der Universität von Aarhus zusammen. Die andere neue Anlage in Europa, die im irischen Athenry entsteht, soll ihre Energie vorwiegend aus einem Gezeitenkraftwerk gewinnen, Kühlung ist in Nordeuropa weniger aufwendig. In der Wüste von Arizona hingegen bezieht Apple seinen Strom aus der direkt neben dem Rechenzentrum errichteten Solarkraftwerk. Die Zeiten, in denen Greenpeace zurecht IT-Unternehmen - speziell Apple - dafür kritisierte, für ihre Datenwolken "schmutzigen" Strom aus dem öffentlichen Netz zu beziehen, sind vorbei. Die IT-Industrie hat aber noch einen langen Weg zu gehen, bis sie wirklich "grün" ist.

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