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eGPU im Praxistest: Gigabyte Gaming Box RX 580

06.05.2018 | 18:45 Uhr |

Mit der Gaming Box von Gigabyte kann man seinen Thunderbolt-3-Mac um eine Radeon RX 580 aufrüsten.

Die schnelle Schnittstelle Thunderbolt 3 macht's möglich: Verbindet man eine externe Grafikkarte wie die Gaming Box von Gigabyte per Thunderbolt mit seinem Macbook Pro oder iMac, kann der Mac sie fast wie eine interne Grafikkarte nutzen. Gigabyte bietet seine kompakte Thunderbolt-3-Gaming-Box mit den Grafikkarten GTX1070, GTX1080 und Radeon RX 580, letztere konnten wir in der Redaktion jetzt ausführlich testen.

Zur Verfügung stand uns die knapp 650 Euro teure Version mit Radeon-Grafikkarte, die für Mac-Anwender besonders interessant ist. Wird doch diese AMD-Karte von aktuellen Macs nativ unterstützt und auch von Apple empfohlen. In unserem ersten Versuch mit einem Macbook Pro mit 10.13.2 hatten wir noch einige Probleme, die Grafikkarte in Betrieb zu bringen, das änderte sich aber schlagartig nach einem Update auf macOS 10.13.4. Werden doch erst ab dieser Systemversion externe Grafikkarten nativ unterstützt. Auch im laufenden Betrieb kann man dann eine sogenannte eGPU verbinden, sie wird sofort erkannt und kann verwendet werden. Will man die Grafikkarte wieder abstecken, muss man diese nur wie eine externe Festplatte auswerfen – in der Menüleiste blendet sich für diese automatisch ein kleines Symbol ein.

Gigabyte Gaming Box RX 580 für 650 Euro bei Cyberport

Warum eine externe Grafikkarte?

Die Anforderungen an die Grafikleistung sind in einigen Bereichen extrem gestiegen, so empfiehlt Apple für die Entwicklung von VR-Anwendungen eine Grafikkarte mit 8 GB VRAM – eine Anforderung, die nur die schnellsten iMac und der iMac Pro erfüllen. Apple bietet ja deshalb in Zusammenarbeit mit Sonnet Apple-Entwicklern ein eigenes eGPU-Paket an. Aber auch einige aktuelle Spiele sind nur noch mit den schnellsten Grafikkarten zu spielen, viele Macbook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm und schmalbrüstiger Iris-Grafik bleiben da außen vor. Beschleunigen kann eine externe Grafikkarte aber nicht nur Spiele und virtuelle Welten, man kann sie auch als eine Art zusätzlichen CPU nutzen und Anwendungen beschleunigen. Unterstützt werden vom System dabei Metal, OpenGL und OpenCL. Unterstützt werden allerdings von macOS High Siera nur die Grafikkarten AMD Radeon RX 470, RX 480, RX 570, RX 580 und Radeon Pro WX 7100 und nur Macs ab Baujahr 2016. Apple hat vor kurzem eine Reihe an empfohlenen eGPU-Lösungen veröffentlicht , die Gaming Box von Gigabyte wird dabei nicht genannt. Nach unserer Meinung aber grundlos.

Gehäuse

Im Vergleich zu anderen externen Thunderbolt-Gehäusen ist die Gaming Box relativ kompakt. Bei einem Gewicht von 2,4 kg misst das Gehäuse 21,2 x 9,6 x 16,2 cm, ist also sehr handlich. Eine an eine Kameratasche erinnernde Transporttasche liegt bei, man kann die Gaming Box also problemlos mit zu einem Projekt oder Gaming-Abend mitnehmen. Praktisch – das 450 Watt-Netzteil ist in das Gehäuse integriert. Beim noch kleineren eGPU-Puck von Sonnet muss man dagegen Platz für ein großes externes  Netzteil finden.

Ein großes Manko aller eGPUs: Eigentlich ist ein zusätzlicher externer Monitor obligatorisch. Beschleunigen kann man die Darstellung aktuell nur auf einem externen Monitor, der direkt mit der externen Grafikkarte verbunden ist. Das Gigabyte Gaming Box bietet dazu drei Displayport-Schnittstellen und eine HDMI-Schnittstelle, die eine kombinierte Auflösung von 7680 x 4320 unterstützen – etwa zwei 4K-Monitore. Nebenbei wird die eGPU dabei auch zu einer Art Thunderbolt-Dock, vier weitere USB-3.0-Schnittstellen bietet die Box nämlich ebenso. Eine dieser USB-Schnittstellen ist übrigens eine reine Schnelllade-Schnittstelle, die Quick Charge unterstützt. Tastatur und USB-Maus, aber auch externe SSD ließen sich problemlos nutzen. Auch das Macbook Pro 15-Zoll wird über die externe GPU schnell und zuverlässig geladen.

Das Gehäuse bietet alle wichtigen Schnittstellen
Vergrößern Das Gehäuse bietet alle wichtigen Schnittstellen

RX 580

Im kompakten Kästchen von Gigabyte steckt eine Radeon 580 mit 8 GB, für die der Hersteller sonst knapp 370 Euro verlangt. 2304 Stream Prozessoren und 1340 MHz sorgen für hohe Leistung, es handelt sich um eine kompakte Version, aber eine vollwertige Desktop-Grafikkarte. Über ein Windows-Tool könnte man die Taktung ändern, was wir aber nicht ausprobiert haben. Auch das Verändern der coolen RGB-Beleuchtung ist nur unter Windows möglich. Gigabyte hat neben unserer Test-Lösung zwei Versionen mit den unter Gamern beliebteren Grafikkarten GTX1070 und GTX1080 im Angebot, für Mac-Anwender ist aber die Version mit RX 580 aktuell die  Lösung mit der besten Kompatibilität. Für die Nutzung einer Nvidia-Grafikkarte wie der beliebten GTX1080 sind Treiber von Nvidia notwendig, die für High Sierra noch fehlen und mit jedem Systemupdate von Nvdia bereitgestellt werden müssen.

Schade ist die fehlende native Nvidia-Unterstützung aber wegen CUDA, einer nur mit Nvidia-Karten verfügbaren Technologie. Einige Anwendungen wie Davinci, Blender und Octane Render  können per CUDA sehr stark beschleunigt werden, das betrifft vor allem bestimmte Aufgaben wie das Rendern eines Projektes. Stärke der Radeon liegt dagegen im Bereich OpenCL und Metal wie unsere Performancetests schnell zeigen.

Kompatibilität und Lautstärke

In unserem Test verwenden wir die Gigabyte Gaming Box an zwei Macbooks Pro: einem Macbook Pro 15 Zoll von 2016 mit Radeon 460 und einem Macbook Pro 13 Zoll von 2016. Vor allem beim Macbook Pro 13 Zoll zeigte sich die eGPU von ihrer besten Seite. Sie wurde problemlos erkannt und auch externer Monitor und Schnittstellen funktionierten einwandfrei. Beim Macbook Pro 15 Zoll hatten wir dagegen gelegentlich kleinere Probleme mit der Erkennung der Grafikkarte. Dies führen wir aber auf eine installierte Hintergrundsoftware von Jabra zurück, die beim Auswerfen der eGPU vom System bemängelt wurde. Insgesamt machte die externe Festplatte aber einen guten Eindruck. Auch die Lautstärke blieb im Rahmen. Bei niedriger Last ist das Gerät zwar gut hörbar, die Geräuschentwicklung der beiden Temperatur-geregelten Windforce-Lüfter ist aber noch akzeptabel. Erst bei hoher Grafiklast wird der Grafikkartenlüfter relativ laut, was aber die meisten Gamer wenig stören sollte. Wenn die Lüfter des Macbook Pro 15 Zoll oder einen iMac anspringen, ist dies übrigens kaum leiser, zumindest kann man zur eGPU etwas Abstand einnehmen.

Eine Transporttasche gehört zum Lieferumfang.
Vergrößern Eine Transporttasche gehört zum Lieferumfang.

Benchmark-Tests

Bei allen Performance-Tests schneidet die externe Grafikkarte hervorragend ab. Mit dem bekannten OpenGL-Test Unigine Valley erzielt die eigentlich erstklassige Mobilgrafikkarte des 15-Zoll-Macbook mit 4GB VRAM gute 16,5 fps (bei 1920 x 1080), die eGPU dagegen 37,2 Frames und einen Score von 1559. Auch der Test der Open-CL-Leistung beeindruckt: Während das Macbook Pro 49 589 Punkte erzielt, erzielt die externe Version ganze 127 357 Punkte, also mehr als das Doppelte. Um die Metal-Leistung zu prüfen verwenden wir den Benchmark Gfx Metal. Die interne Grafik schafft hier 5 092 Punkte, die externe Lösung 14 171 Punkte. Probleme mit externen Grafikkarten scheint dagegen der Test Cinebench zu haben, wir messen mit der internen Grafikkarte beim OpenGL-Test 70,86 fps, mit der externen GPU schlechterer 66,16 Frames. Auf Tests mit Anwendungsprogrammen wie Premiere und Lightroom haben wir vorerst verzichtet.

Bei Tests wie Unigine zeigte die Lösung sich von ihrer besten Seite.
Vergrößern Bei Tests wie Unigine zeigte die Lösung sich von ihrer besten Seite.

Einen noch größeren Leistungssprung macht die eGPU aber bei der Nutzung an einem Macbook Pro 13 Zoll. Beim Open-CL-Test steigt die Leistung von 30 169 auf 111 681, beim Test Gfx Metal von 2 388 auf 14 047 Punkte. Was man nicht vergessen sollte: Die vergleichsweise lahmen Dualcore-CPUs des Macbook Pro 13 Zoll fallen bei diesen Benchmarks kaum ins Gewicht, bei Spielen oder Grafikanwendungen würde diese aber die Gesamtleistung noch zusätzlich ausbremsen.

Für die Spieletests beschränken wir uns deshalb auf das Macbook Pro 15 Zoll. Erfüllen doch die beliebten Macbook Pro 13 Zoll bei neueren Titeln nicht einmal die Minimalanforderungen an Grafikleistung.

Spieletests

Auch für Spielefans ist die externe Grafikkarte interessant. In unserem Test installieren wir die beiden Titel "Tomb Raider: Rise of the Tomb Raider" und "Hitman: Game oft The Year Edition". Was man aber vorab berücksichtigen muss: Die im Macbook Pro installierte Grafikkarte schlägt sich nicht ohne Grund hervorragend, handelt es sich doch um Apples letztjähriges und nicht gerade preiswertes Top-Modell. Beim integrierten Benchmark von "Tomb Raider" erzielt sie bei Full-HD eine gute Gesamtwertung von 39,11. Die Gigabyte-Lösung ist aber klar schneller und erreicht eine Gesamtwertung von 55 Punkten.

Eine Anmerkung: Das ist aus Sicht eines PC-Gamers eigentlich kein wirklich guter Wert für dieses Spiel. Unter Windows sind mit einer Radeon 580 weit höhere Frameraten üblich. Sowohl die Mac-Portierung des Spiels und die Nutzung per Thunderbolt reduzieren die Leistung aber deutlich, so werden vom Spiele-Anbieter Feral eGPUs noch nicht offiziell unterstützt .

Mäßig sind die Ergebnisse bei unserem zweiten Spiel "Hitman: Game of The Year Edition". Auch hier starten wir bei HD-Auflösung den Benchmark und messen mit  der internen GPU 27,22 fps. Die externe ist zu unserer Überraschung aber diesmal sogar langsamer und erzielt nur 22,31 fps – was auch einige Wiederholungen bestätigen. Das Spiel ist offensichtlich nicht für externe Grafikkarten optimiert, so erkennt es etwa die eGPU nicht als Radeon 580 sondern als Radeon 460, offensichtlich würde das Spiel nach einer Optimierung durch den Hersteller weit bessere Leistung abliefern.

Offensichtlich können nicht alle Spiele eine eGPU voll ausnutzen.
Vergrößern Offensichtlich können nicht alle Spiele eine eGPU voll ausnutzen.

Insgesamt hinterlassen die Spieletests einen schwächeren Eindruck als die synthetischen Benchmarks. Erwirbt man eine eGPU, kann man aktuell wohl noch nicht erwarten, dass die externe GPU ihre Leistung auch immer „auf die Straße“ bringen kann. So sind ja auch viele Profi-Programme von Apple wie Final Cut Pro noch gar nicht für externe GPUs vorbereitet. In Zukunft erwarten wir hier aber einige Verbesserungen.

Fazit : Die externe GPU von Gigabyte liefert erstklassige Grafikleistung, vor allem Besitzer des Macbook Pro 13 Zoll profitieren von einem starken Leistungsplus. Um die Leistung der externen Grafikkarte auszuschöpfen, müssen die jeweiligen Programme und Spiele aber darauf optimiert sein. Von Benchmark-Ergebnissen sollte man sich dabei nicht zu sehr beeindrucken lassen und auch für Geräuschempfindliche ist die Gigabyte-Lösung weniger geeignet.

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