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eGPU Razer Core X im Test: Günstiger und vielseitiger als die Blackmagic-Lösung?

26.07.2018 | 16:54 Uhr | Stephan Wiesend

In unserem Test prüfen wir das neue Thunderbolt-Gehäuse Razer Core X vom Gaming-Spezialisten Razer – und machen einige positive Entdeckungen.

Beim Erscheinen der neuen eGPU von Blackmagic dachte wohl mancher, Hersteller von eGPUs könnten es jetzt schwer haben. Bekam die neue externe Thunderbolt-Grafikkarte doch von Apple viel PR und wird über den Apple Store verkauft. Ihr großer Nachteil: Sie kann nicht aufgerüstet werden, der Radeon-Chip ist fest verbaut. Nicht zuletzt ist ja die RX 580 längst von neueren Radeon-Modellen überholt worden.

Konfiguration und Aufbau

Probleme mit Upgrades hat man mit der Razer X nicht, innerhalb Minuten kann man beliebige Grafikkarten auswechseln und etwa gar eine RX Vega 64 oder Radeon Pro WX9100 einbauen – falls man die knapp 1700 Euro für letztere übrig hat. Unterstützt werden laut Razer neben Radeon-Grafikkarten auch neuere Nvidias Grafikkarten inklusive Geforce GTX Titan, mangels nativer Unterstützung durch Apple würden wir unter macOS High Sierra aber von der Nutzung abraten.

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Die Razer Core X ist bereits das zweite Thunderbolt-Grafikkartengehäuse von Razer und kann bei Kauf oder Recherche schnell mit der Razer Core V2 verwechselt werden. Die V2 ist aber ein völlig anderes Konzept mit kleineren Abmessungen, besserer Ausstattung und schwächerem Netzteil. Die neue Version erhielt dagegen ein Desktop-Netzteil mit 650 Watt und hat eigentlich bereits die Abmessungen eines kleineren Windows-Rechners. Dafür kann die eGPU ein Macbook Pro mit 100 Watt aufladen und bietet bei Bedarf Platz für eine große so genannte 3-Slot-Karte. Auf zusätzliche USB- oder Ethernet-Schnittstellen, wie sie andere eGPUs bieten, muss man aber verzichten. Es steht nur ein Thunderbolt-3-Port zur Verfügung, zusätzlich die Schnittstellen der Grafikkarte. Zum Vergleich: Beim kürzlich getesteten 2,4 Kilo schweren Modell von Gigabyte lag ja sogar eine handliche Tragetasche dabei – für den mobilen Einsatz ist die 6,5 Kilo schwere Core X (Abmessungen: 23 x 37,4 x 16,8 Zentimeter) weit weniger geeignet. Schade: Das beiliegende Thunderbolt-Kabel ist etwas kurz geraten. Kompatibilitätsprobleme konnten wir keine feststellen, unter einem aktuellen High Sierra gibt es da aktuell keine größeren Probleme. Windows 10 wird ebenfalls unterstützt.

Lautstärke und Wärmeentwicklung

Wie wir beim Test und Durchführung unserer Benchmarks feststellten, sorgt das voluminöse Gehäuse für einige Vorteile: Einbau und Ausbau einer PCI-E-Grafikkarte ist (nach Lesen der Anleitung) Sache von Minuten, außerdem scheint das große Gehäuse auch für gute Durchlüftung zu sorgen. Neben der Klimaanlage in unserem Büro war die eGPU bei geringer Last aus etwas Distanz kaum zu hören. Zwei Lüfter sind integriert, ein Netzteillüfter und ein zusätzlicher seitlicher 140-mm-Lüfter. Beide waren deutlich vernehmbar, wurden aber auch unter Dauerlast kaum lästig. Der neue Konkurrent von Blackmagic soll ja laut ersten Tests flüsterleise sein, hat dafür aber die bereits erwähnten Nachteile.

Grafikkarte

In unserem Test verwendeten wir diesmal ein günstigeres Modell, eine von Razer bereitgestellte Sapphire Pulse Radeon RX 570 mit 8 GB RAM. Dieses Modell ist eine Gamer-Grafikkarte der Mittelklasse für knapp 300 Euro Straßenpreis, die sich vor allem durch niedrige Lautstärke (bei leiser Grafikkarte!) und solide Leistung auszeichnet. Während die Blackmagic eGPU 695 Euro kostet, zahlen wir also für Gehäuse und Grafikkarte knapp 600 Euro – und könnten beim Erwerb der Karte auch auf den Gebrauchtmarkt ausweichen.

In dem großen Gehäuse wirkte die Karte fast etwas verloren, sie zeigte sich aber im Test auch unter Vollast sehr leise und stabil und ist wohl eine gute Wahl für den Alltagsgebrauch.

Wie bei unserem letzten Test prüfen wir die Leistungsfähigkeit angeschlossen an einem Macbook Pro 15-Zoll von 2016 mit 2,9 GHZ und Radeon 460 Pro. Eine weit größere Leistungssteigerung liefert eine eGPU natürlich in Verbindung mit einem Macbook Pro mit 13-Zoll, das nur eine vergleichsweise lahme integrierte Grafikkarte bietet

Open GL und Open CL

Im Test mit Cinebench 4D lag die RX 570 dann vor dem Konkurrenten von Gigabyte und erzielte 79,77 Punkte bei der Open GL-Leistung. Auch beim Open GL-Test Unigine Valley lieferte die eGPU 35,3 Frames und  einen Wert von 1472 Punkten. Damit kommt sie nah an die Gigabyte-eGPU heran, die hier 1559 Punkte erzielte.

Auch beim Geekbench-Test Compute ist sie nah an der RX 580 und schafft beim Open CL 110 986 und Metal 113 101 Punkte. Vor allem bei diesen spezialisierten Benchmarks zeigt eine eGPU vorbildliche Leistung. Bei Anwendungsprogrammen selbst kann man aber nicht die gleichen Leistungssteigerungen erwarten. So sind etwa Programme wie Final Cut Pro und Premiere noch nicht auf eGPUs optimiert.

Spieletests

Nicht nur für Grafikprofis, auch für Spielefans ist die externe Grafikkarte interessant. In unserem Test installieren wir wieder die beiden Titel „Tomb Raider: Rise of the Tomb Raider“ und „Hitman: Game oft The Year Edition“. Ein Macbook Pro ist kein Gaming-Notebook und auch Mac-Spiele sind oft etwas lahmer als die Windows-Version

So erzielt das Macbook Pro beim integrierten Benchmark von „Tomb Raider“ mit der Auflösung Full-HD eine gute Gesamtwertung von 39,11. Mit einer Gesamtwertung von 53,69 ist die externe Razer-Lösung aber deutlich schneller. Die Gigabyte-Lösung war nebenbei kaum schneller und erreichte eine Gesamtwertung von 55 Punkten.

Mäßig waren beim letzten Test die Ergebnisse bei unserem zweiten Spiel „Hitman: Game of The Year Edition“. Auch hier starten wir bei HD-Auflösung den Benchmark und messen mit  der internen GPU 27,22 fps. Bei unserem letzten Test hatte die externe Grafikkarte hier Schwächen gezeigt und nur magere 22,31 Frames erzielt. Offensichtlich hat Feral das Spiel aber mittlerweile besser auf eGPUs optimert: In unserem Test lief das Spiel mit 57,76 Frames (6683) und kann überzeugen.

Fazit: Die neue Razer Core X machte einen erstklassigen Eindruck. Angenehm überrascht waren wir von der einfachen Installation der Grafikkarte und der mittlerweile soliden Unterstützung durch macOS. Zusätzliche Schnittstellen liefert die eGPU leider nicht, außerdem belegt sie einigen Schreibtischplatz und ist unter Last unüberhörbar. Als Note vergeben wir  deshalb eine 1-.

Grundsätzlich taugt das Konzept einer eGPU allerdings nicht für jeden: Interessant finden wir eine eGPU vor allem für Besitzer eines Macbook Pro 13-Zoll, die gelegentlich mehr Grafikpower benötigen. Gegenüber einem aktuellen Macbook Pro 15-Zoll oder iMac 27-Zoll ist der Performance-Gewinn immer noch recht mäßig.

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