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Ersatzakkus: Neue Energie für alte Macbooks

07.08.2018 | 14:39 Uhr | Stephan Wiesend

Hat man altes Macbook Pro, wird die Suche nach einem neuen Akku schnell zum Problem, das Angebot im Netz ist recht beschränkt.

Ein zehn Jahre altes Macbook Pro mit 15-Zoll-Bildschirm ist nicht nur ein eleganter Oldtimer, für manche Aufgaben es noch immer brauchbar: Es hat einen großen Bildschirm, ist für Word und Excel schnell genug und bietet eine erstklassige Tastatur. Nur schade, dass der Akku nur noch 20 Minuten hält... Für ein altes Macbook Pro bedeutet ein defekter Akku oft den Totalschaden: Es ist nämlich gar nicht so einfach, günstigen Ersatz zu finden. Im Prinzip hat man drei Alternativen: Einen billigen Akku, einen hochwertigen Ersatzakku und einen gebrauchten Original-Akku.

Wann man einen Akku tauschen sollte

Mit einem neuen Akku kann man mit einem Macbook Pro von 2007 bis zu drei Stunden arbeiten (wenn auch Apple damals über "up to 6 hours" jubelte). Nach wenigen Jahren sinkt die Akkulaufzeit aber schnell auf vielleicht 80 Prozent und nach mehr als 300 Zyklen bzw. kompletten Ladevorgängen ist der Akku oft schon reif für die fachgerechte Entsorgung. Erst ab 2008 verbaute Apple Akkus , die über 500 später sogar 1000 Zyklen standhalten.

Das ist kein gutes Zeichen.
Vergrößern Das ist kein gutes Zeichen.

Natürlich fällt der Akku nach 300 Ladevorgängen nicht sofort aus, es verschlechtert sich schrittweise die Leistung. Meist sieht man nach einigen Jahren in der Menüleiste außerdem eine von drei Warnungen: Neben „Batterie warten“ gibt es die Warnungen „Bald austauschen“ und „Jetzt austauschen“. Die beiden letzteren Meldungen beziehen sich auf eine stark verringerte Kapazität, man kann das Macbook laut Apple aber ohne Bedenken weiterhin nutzen. Als gesund gilt ein Akku mit 80 Prozent Restkapazität, bei niedrigerer Kapazität können leider auch Probleme mit der Spannung auftreten – der Akkus ist dann nicht mehr in der Lage, die volle Leistung zu liefern.

Da man ihn aber nur noch wenige Viertelstunden ohne Netzteil benutzen kann, wird aus dem Laptop dann eigentlich ein Desktop-Rechner. Im Laufe der Jahre wird die Leistung noch schwächer und auch bei längerem Standby leert sich der Akku rapide und ist permanent am Laden. Ideal ist dies nicht. Oft tritt dann auch noch ein Aufblähen des Akkus auf,  was bei Macbook mit internen Akkus öfter auch mal das Touchpad blockiert oder das Gehäuse verbiegt.

Dass sich ein alter Akku aufbläht ist nicht gerade selten.
Vergrößern Dass sich ein alter Akku aufbläht ist nicht gerade selten.

Erst spät tritt der Komplettausfall ein, der Akku kann nicht mehr aufgeladen werden, zeigt fehlerhafte Daten und beim Ziehen des Steckers wird sofort das System hart ausgeschaltet. Hier hätten wir auch Sorge um unser Macbook und würden den Akku keinesfalls mehr nutzen. Das Problem bei einem Macbook Pro ohne Akku: Man kann es eigentlich auch nur per Netzteil betreiben, das System reduziert dann aber automatisch die Leistung auf 50 Prozent und statt einer CPU mit 2,4 GHz hat man nur noch eine mit 1,2 GHz und das ist sogar für Textverarbeitung etwas wenig.

Akkus gibt es doch schon ab 18 Euro?

Sucht man einen Ersatzakku für sein zehn Jahre altes Macbook Pro wie das Modell A1175, ist man oft zuerst erstaunt, wie teuer Ersatzakkus bei Mac-Fachhändlern wie Gravis, Mac&Pc oder iFixit sind. Findet man auf Ebay und Amazon doch überraschend viele günstige Ersatzakkus, etwa für 17 Euro ein Modul vom Anbieter naskmarket! Dass das Produktbild einen Akku für ein Macbook Pro 17-Zoll zeigt, darf einen natürlich ebenso wenig stören, wie die Absenderadresse Shenzen. Vermutlich handelt es sich um einen seriösen Händler und der Akku ist vielleicht sogar erstklassig.

Das Problem: Bei günstigen Akkus gibt es arge Probleme mit der Qualität der Zellen und Elektronik. Wie schon zahllose Nutzer in Foren, Ebay und Amazon übereinstimmend berichteten, arbeiten die meisten anfangs noch einigermaßen problemlos. Mies ist allerdings meist die Laufzeit in der Praxis. Aus den versprochen 6000 mAh werden nach zwei Ladevorgängen schnell 4000 oder weniger und mancher Käufer fragt sich, ob er da nicht lieber bei seinem  zuverlässigen Alt-Akku geblieben wäre. Es gibt weitere Schwächen: Bei einem Apple-Akku kann man sich darauf verlassen, dass das Macbook kurz bevor der Akku komplett leer ist, den Ruhemodus aktiviert. Bei Billig-Akkus funktioniert dies nicht und der Mac wird unsanft ausgeschaltet – und das Dokument, an dem man gerade arbeitet, geht verloren.

Das eigentliche Problem: Schon nach einem halben Jahr ist der Akku oft bereits am Ende und fällt aus – und die Suche nach einem neuen Akku beginnt erneut. Und ein Austauschprodukt bringt wenig, wenn dieses oft ebenfalls bald seinen Geist aufgibt. Dabei sind simple Ausfälle noch nicht die echte Gefahr, einige Akkus blähen sich nach Berichten von Käufern auf und können sogar das Notebook beschädigen.

Das gilt aber nicht nur für Akkus für ältere Macs, die noch vom Nutzer austauschbar waren. Auch für neuere Modelle mit fest eingebauten internen Akkus wie dem Macbook Air gibt es zahlreiche billige Ersatzakkus – mit ebenfalls problematischer Qualität. Wobei bei einem internen Akku noch das für den Mac nicht ganz ungefährliche Einbauen hinzukommt. Bietet Apple für das betroffene Macbook noch einen Akku-Service an etwa für das Macbook Pro nach 2012, sollte man den Akkutausch besser vom Apple Service Provider vornehmen lassen – allein schon wegen des leistungsfähigen und langlebigen Original-Ersatzakku. Bei einem Macbook Air kostet dies 139 Euro, für ein Retina Macbook Pro werden allerdings gleich 209 Euro fällig.

Hochwertige Ersatzakkus

Von Apple selbst gibt es bei einem so alten Macbook Pro keine Ersatzteile mehr, eine Folge des Status "obsolet". Unseres Wissens gibt es aktuell zwei Hersteller, die fast gleichwertige Akkus herstellen und von Mac-Fachhändlern angeboten werden: Dabei handelt es sich zum einen um den Hersteller LMP, der etwa bei Gravis, Amazon und Cyberport im Angebot ist. Auch der Reparaturdienstleister Macundpc in München verbaut Akkus von LMP. Günstiger Anbieter ist hier Cyberport, dort kostet ein A1175 stolze 95 Euro, was eigentlich weit über dem Restwert eines zehn Jahre alten Laptops liegt.

Einen guten Ruf haben außerdem die Akkus der Firma Newertech , so wurden sie etwa vom Betreiber der leider nicht mehr aktiven Firma „Apfelklinik“ vehement empfohlen . In Europa werden sie unter dem Namen ihres Distributors OWC verkauft, in Deutschland sind sie aber schwer zu bekommen. Aktuell erhält man sie unseres Wissens nur von Alternate oder den EU-Store von OWC .

Für 95 Euro bekommt man ihn bei OWC, für 90 Euro kann man das Modell A1175 bei Alternate bestellen (bei Redaktionsschluss stand die Lieferbarkeit allerdings auf "Liefertermin unbekannt"). Diese Akkus funktionierten meist problemlos, beim Fachhändler gilt zumeist auch ein Jahr Herstellergarantie. Der Preis erscheint zwar hoch, liegt aber immer noch unter dem Preis, den damals Apple für einen Ersatzakku verlangte. Auch interne Akkus sind im Angebot, inklusive Einbauwerkzeug.

Für Risikobereite gibt aber noch eine dritte Alternative:

Gebrauchter Original-Akku

Wenn ein Billig-Akku schlechtere Leistungen als ein alter Original-Akku bringt: Warum dann keinen gebrauchten Apple-Akku kaufen? Über Ebay kann man unter zahlreichen originalen Macbook-Akkus wählen, vom originalen ungebrauchten Akku bis zum Gebrauchtmodell in verschiedenen Qualitätsstufen. Das ist aber bei sehr alten Modellen aber fast immer eine schlechte Idee: Apple hat vermutlich seit 2006 Akkus diesen Typs herstellen lassen. Diese könnten also über 11 Jahre alt sein –  für Lithium-Akkus mit veralteter Technologie sind sie also viel zu alt und da bekanntlich defekte Akkus sogar zur Selbstentzündung neigen, nicht ungefährlich. Als „alt“ gilt schließlich schon ein Akku, der mehr als fünf Jahre gelagert wurde...

Es ist ein Glücksspiel: So erwies sich ein von einer Kollegin geerbter Alt-Akku als klarer Totalausfall, ein als „defekt“ bei Ebay erworbener dagegen als gut erhaltener Original-Akku mit 10 Zyklen und 94 Prozent Rest-Leistung. Tipp: Über die Seite Chipmunk.nl kann man die Seriennummer eines Akkus eingeben und erhält das Datum der Herstellung angezeigt.

Tipps zur Akkupflege

Über die richtige Behandlung eines Akkus gibt es viele Missverständnisse: Die schädlichste Mär ist vermutlich, einen Akku immer komplett zu entladen und dann komplett zu laden. Apple empfiehlt, dies regelmäßig durchzuführen, allerdings dient dies nicht der Akku-Pflege sondern der Kalibrierung des Ladeprozessors. Dieser kann dann sehr genau die Kapazität anzeigen und auch bei fast leerem Akku den Schutz-Ruhezustand aktivieren. Der Akku wird aber durch dieses komplette Aufladen und Entladen stark belastet. Weit besser ist es für einen Akku, ihn schon bei über 20 Prozent Restkapazität aufzuladen und ihn auch nicht immer komplett aufzuladen.

Dauerbetrieb am Netzteil ist für einen Akku ebenfalls ein Problem, hohe Temperaturen sind Gift für den Energiespeicher. Der Vorschlag, einen Akku im Kühlschrank zu lagern ist aber ebenfalls völlig falsch.

Lagern mit halber Kapazität

Nutzt man ein altes Macbook Pro nur noch selten, sollte man auf die richtige Lagerung des Akkus bzw. Macbook achten. Man sollte es nämlich keineswegs komplett aufgeladen längere Zeit lagern. Apple empfiehlt stattdessen, ein Macbook zu etwa fünfzig Prozent aufzuladen bzw. zu entladen und jeden Monat wieder halb aufzuladen. Das ist für den Akku langfristig die beste Pflege.

Tools

Über den Systemprofiler kann man die wichtigsten Daten des Akkus auslesen, zwei nützliche Zusatztools sollte man aber trotzdem kennen. Zusätzliche Daten wie Spannung, Leistung und die wichtige Temperatur zeigt die App Battery Monitor von Marcel Bresink. Sie kann auch auf Fehlermeldungen des Akkus, Infos des Netzteils und Spannungsabweichungen der internen Akkuzellen (schlecht) hinweisen. Die Werte von Kapazität, Strom, Leistung und Spannung zeigt die App außerdem als Verlaufsgrafik. Verfügbar ist die App für knapp 6 Euro über den App Store.

Das Tool liefert Daten über den Akkuzustand.
Vergrößern Das Tool liefert Daten über den Akkuzustand.

Die kostenlos nutzbare Software Coconut Battery liefert zahlreiche Informationen zu einem Macbook-Akku, neben Zyklen, Temperatur und weiteren Informationen kann das Tool auch das Herstellungsdatum und den Hersteller eines Akkus auslesen. Schließt man ein iPhone an, kann man sogar die Ladezyklen des iPhone-Akkus auslesen.

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