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Escam QF910: IP-Kamera mit schwacher Software

19.02.2019 | 13:35 Uhr | Peter Müller

Günstiger Preis, aber einige Nachteile bei der Benutzung: Vor allem die Software der Sicherheitskamera überzeugt uns nicht.

Bei der Platzierung der microSD-Karte für die Aufnahmen der Sicherheitskamera hat sich der Hersteller Escam sinnvolle Gedanken gemacht. Denn so einfach kommt man an den Chip nicht heran, da man das Objektiv abschrauben und aus dem Gehäuse nehmen muss, der Slot für die MicroSD-Card sitzt auf der Platine dahinter. So an die Aufnahmen zu kommen ist also noch komplizierter, als die Kamera komplett von der Wand zu trennen und mitzunehmen – drei Schrauben befestigen die Halterung an der Wand.

Für die Bohrung legt Escam eine Schablone bei, sehr schön. Auch der beinahe schon obligatorische Aufkleber, der Eindringlinge oder Passanten vor der Kamera warnt, fehlt nicht. Dessen Nutzen ist äußerst begrenzt, würde er Diebe eher noch mit der Nase darauf hinweisen, dass es hier noch etwas abzuschrauben gibt. Und was Passanten betrifft: In den öffentlichen Raum zu filmen ist und bleibt untersagt, da hilft kein Aufkleber.

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Montage mit Hindernissen

Wir montieren für den Test also die Kamera erneut an unserer Rosenwand auf der Terrasse und richten ihre Optik nur auf unseren privaten Bereich aus. Leider braucht es schon wieder drei neue Löcher, so nahe an der Steckdose wie nur möglich. Denn das Stromkabel der Escam ist reichlich kurz, aus der Augenhöhe von gut zwei Metern kommen wir damit nicht an die Dose am Boden, dort in der Hausmauer gut zwei Meter von der nämlichen Wand entfernt. Also mit einem (Indoor-)Verlängerungskabel gearbeitet und die Konstruktion bei Schneeverwehungen wieder abgebaut - wollen ja keinen Stromunfall riskieren. Der Hersteller meint nur lapidar, es handle sich hier um Standardlängen, doch haben wir schon bessere Lösungen an der Wand gehabt, etwa die Nest IQ Outdoor mit ihrem fünf Meter langen USB-C-Kabel oder die Lösungen von Reolink mit ihrem eigenen Kraftwerk in Form eines Solarpanels.

Das Kabel ist zu kurz, keine Frage.
Vergrößern Das Kabel ist zu kurz, keine Frage.

Prinzipiell ist die Escam dazu ausgelegt, den Strom und das Ethernet durch die Wand von hinten an die Kamera zu führen, das würde ja auch das einfache Trennen von der Stromquelle unterbinden. Aber durch unsere Dämmung bohren wir nicht durch und verlegen im Wohnzimmer auch für den Test keine Strom- und Datenleitungen, zumal wir bei solch einem Aufbau wieder unbeabsichtigt in den Privatbereich unserer Nachbarn spähen würden. Prinzipiell lässt sich die Kamera aber gut außen montieren und von innen steuern, wenn die Wände nicht zu dick sind.

Schablone für die Bohrlöcher: Sehr gut. Der Warnaufkleber: Gut gemeint.
Vergrößern Schablone für die Bohrlöcher: Sehr gut. Der Warnaufkleber: Gut gemeint.

Ohne Cloud-Konto kaum zu gebrauchen

Die Einrichtung als solches ist flott erledigt, die Kamera hält auch durch Dämmung und Dreifachverglasung guten Kontakt zu unserem Drahtlos-Router. Nur bei der weiteren Konfiguration stoßen wir zunächst auf Schwierigkeiten. Wir entscheiden uns zunächst dazu, die Kamera als lokales Gerät einzurichten. Damit kommen wir nur bedingt weit, denn eine Konfiguration der Alarm- und Aufnahmezeiten ist so nicht möglich.

Also die kostenlose Cloud des chinesischen Anbieters genutzt, in der Hoffnung, das darüber nur Steuerungsdaten zwischen iPhone und Kamera ausgetauscht werden und keine Fotos und Videos irgendwo gespeichert werden. Genau das versichert uns der Hersteller auf Nachfrage: Der Server in China diene nur zum Übertrag der Daten von der Kamera zur entfernten App, nichts werde gespeichert. Wir können aber nur die andere Richtung überprüfen und stellen fest: Es ist korrekt, alle Aufnahmen, die wir erstellt haben, sind auf der microSD-Karte (nicht im Lieferumfang enthalten) gespeichert. Sie wären dann allerdings auch mitsamt der Karte verschwunden, montiert jemand die komplette Kamera ab, sofern wir sie nicht auf einen FTP-Server geladen haben.

Der microSD-Card-Slot ist gut versteckt. Pluspunkt für ein wenig mehr Sicherheit.
Vergrößern Der microSD-Card-Slot ist gut versteckt. Pluspunkt für ein wenig mehr Sicherheit.

Erst nachdem wir uns aus der Cloud ausgeloggt und wieder eingeloggt haben, finden wir Einstellungen für Alarme und Weiteres. Die App glänzt aber nicht durch Übersichtlichkeit und Präzision, die Konfiguration erfolgt mit viel Fummelei und lässt sich nur auf eine Stunde genau einstellen. Die Stunde schlägt übrigens ab Werk nach Pekinger Zeit, die Synchronisation mit dem iPhone hat nicht geklappt, wir konnten aber die Zeit dann doch noch manuell auf GMT+1 einstellen.

Fummlige App, keine Software für den Mac

Aufnahmen, die von Bewegungen oder dem festgelegten Zeitschema ausgelöst wurden, finden wir auch nur mit ein wenig Mühe wieder, an die Benutzerführung der App muss man sich gewöhnen. Erst die Quelle auswählen – bis zu 16 Kameras kann die App verwalten, deshalb so herum – dann das Datum manuell einstellen und in der Zeitleiste herum wischen. Die Aufnahmen sind recht großzügig geschnitten, das auslösende Moment meist überhaupt nicht zu erkennen. In die Zeitleiste zoomen geht nicht, alles ist recht ungenau anzusteuern. Zwar kann man die Kamera auch mit einer Desktop-Software konfigurieren und steuern, eine solche gibt es aber nicht für den Mac. Das stört uns an einer anderen Stelle nochmals.

Bis zu 16 Kameras in einer App, gute Nachtsicht mit nur einem Überwachungsbereich und etwas umständliches Stöbern nach Aufnahmen
Vergrößern Bis zu 16 Kameras in einer App, gute Nachtsicht mit nur einem Überwachungsbereich und etwas umständliches Stöbern nach Aufnahmen

Denn es fehlt der Push-Alarm für die App, iPhone und angeschlossene Apple Watch bleiben stumm, wenn die Kamera etwas entdeckt haben will. Dafür aber auch das Postfach und der Ordner im FTP-Server leer, denn diese Methode der Zustellung von Überwachungsaufnahmen bietet die Kamera zwar, wir bekommen aber keine Lösung konfiguriert. Das ist aber gar nicht der Kamera anzulasten, auch die per WLAN mit dem Netz verbundene Reolink Argus 2 spricht nicht auf diese Weise mit uns, während wir mit der Reolink Go das über das gleiche Mailkonto bei Yahoo ohne Probleme hinbekommen haben. Vermutlich trägt unser Telekomrouter Schuld daran, wir haben es auch vergeblich mit Portweiterleitungen versucht. Noch haben wir nicht völlig aufgegeben und reichen das Ergebnis nach, sobald wir die Ursache gefunden haben.

So lasten wir der App der Escam-Kamera nicht an, keine E-Mails mit Alarmevents an uns zu versenden, sehr wohl aber, dass es keine Alternativen gibt. Und eben auch keine Fassung für den Mac.

Bildqualität in Ordnung, aber kein Ton

Nicht anlasten können wir der Kamera fehlende Mikrofone und Lautsprecher, das ist eben nicht das Produktversprechen der gerade mal 60 Euro kostenden Sicherheitskamera. Wobei wir zunächst stutzen: In der App ist die Tonübertragung vorgesehen – aber eben auch die Steuerung eines Schwenkobjektivs und digitaler Zoom, beides hat das Modell Escam QF910 nicht zu bieten, der Hersteller hat noch andere Lösungen in seinem Angebot.

Über die Bildqualität brauchen wir gar nicht zu sprechen, die ist tags wie nachts so gut wie man es von Sicherheitskameras erwarten darf. Wir verzweifeln allerdings an der für uns unübersichtlichen App, an der Verkabelung an der Kamera und dem Fehlen einer Mac-Software.

Fazit

Für den einfachen Einstieg in die Sicherheitstechnik ist die Escam QF910 trotz ihres niedrigen Preises nicht unbedingt zu empfehlen, zumindest dann nicht, wenn man Lösungen für iOS und macOS gewohnt ist. Zudem fehlt uns der Ton, wir erwarten zwar keine Gegensprechanlage, aber in vielen Fällen ist das Hören mindestens so wichtig wie das Sehen.

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