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Experte: Deshalb verliert Apple in China

09.05.2017 | 09:40 Uhr |

Zum iPhone 7 (Plus) gibt es keine Alternative, solange nicht das iPhone 8 (Plus) erschienen ist. In China gilt das nicht.

Apple hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres zwar etwas mehr Umsatz mit dem iPhone erlöst als ein Jahr zuvor , aber etwas weniger Geräte verkauft – die Kunden greifen tendenziell also zu neueren, größeren und damit teuren Geräten. Was aus Sicht der Kritik am iPhone 7 (Plus) überraschend ist: Obwohl sich das Modell nicht wesentlich vom iPhone 6s (Plus) unterscheidet, kaufen es die Leute trotzdem und wechseln nicht etwa zu Samsung oder HTC. Der Investor Warren Buffet hat das bereits erkannt , er ist der Auffassung, dass Apple praktisch jeden Preis verlangen kann, die Kunden trotzdem treu bleiben und dann auch zum neuen iPhone greifen. Den Grund dafür hat er nicht genannt, dabei scheint er offensichtlich, wenn man die Analyse von Ben Thompson auf seinem Blog Stratechery liest: Es gibt einfach keine Alternative. Denn wechselt man von Apple zu Samsung, müsste man gleichzeitig von iOS auf Android wechseln. Das machen nur sehr wenige, während der Umzug in die andere Richtung weit üblicher ist und Apple daher sogar noch in einem gesättigten Markt wachsen und auf Kosten der Konkurrenz praktisch alle Gewinne abschöpfen kann.

Das gilt aber nicht in China und die letzten Zahlen der Apple-Bilanz für "Greater China" (Volksrepublik China, Taiwan und Hongkong) lesen sich in gewisser Weise auch Besorgnis erregend: Dort weist Apple für das Q2 2017 ein Minus von 14 Prozent aus, im Vorjahr waren es sogar Minus 26 Prozent. Der Grund ist nicht nur der große Verkaufserfolg des größeren iPhone 6 und von dessen Nachfolgemodellen, Apple konnte in China die Käufer nicht davon überzeugen, schon ein oder zwei Jahre später ein kaum verändertes iPhone zu kaufen.

Denn in China gebe es eben eine Alternative, da dort das Betriebssystem eine wesentlich geringere Rolle spiele. Chinesische Nutzer würden vor allem WeChat nutzen, den weit verbreiteten Messenger aus dem heraus man praktisch alle anstehenden Aufgaben erledigen kann, ohne die App zu verlassen. In WeChat liest man News, bestellt sich ein Taxi, bezahlt sich das Mittagessen – so spielt es kaum eine Rolle, ob die App nun unter Android oder unter iOS läuft. Mit der Erweiterung des Messengers, mit der Apple in iOS 10 begonnen hatte, versucht der iPhone-Hersteller einen ähnlichen Klebstoff zu produzieren, den es in der Form eben nicht für Android gibt.

Die mangelnde Treue zum Betriebssystem schlägt sich in den Zahlen nieder. So haben in China nur 50 Prozent der iPhone-Käufer im Jahr 2016 auch wieder ein iPhone gekauft – in anderen Teilen der Welt beträgt diese Rate 80 Prozent und mehr. Apple bleibe aber die Hoffnung, mit spektakulären neuen Features im iPhone 8 wieder neue oder wiederkehrende Käufer zu gewinnen. Der hohe Preis von vermutlich 1000 US-Dollar aufwärts werde auch in China nicht abschrecken.

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