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EZB-Direktor Mersch: Europa braucht eigenes Apple Pay

04.09.2018 | 10:21 Uhr |

Online-Zahlungsdienste wie Apple Pay oder Paypal sind auf dem Vormarsch. Die Europäische Zentralbank fordert eine eigene Lösung.

Europa muss einen eigenen elektronischen Zahlungsdienst entwickeln, der in der Lage ist, mit internationalen Modellen wie PayPal oder Apple Pay zu konkurrieren und sich vor geopolitischen Spannungen zu schützen, forderte ein Beamter der Europäischen Zentralbank am Montag. Dies berichtet Bilan.ch .

Trotz eines günstigen Umfelds für innovative Zahlungsdienste im Euroraum "nutzen die europäischen Akteure es immer noch nicht ausreichend, um moderne paneuropäische Zahlungslösungen anzubieten", sagte EZB-Direktor Yves Mersch auf einer Konferenz in Paris.

Während das US-Unternehmen PayPal mittlerweile den Online-Zahlungsmarkt in Europa dominiert, wo digitale Riesen wie GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) neben den chinesischen Firmen Alibaba und Tencent auch Zahlungsdienste anbieten, verwies Mersch auf die mangelnde Homogenität der nationalen Lösungen in Europa und führte Girocard-Debitkartendienste in Deutschland und Cartes Bancaires in Frankreich als Beispiel an.

"Diese beiden Zahlungsnetzwerke bleiben isoliert, wie die meisten anderen nationalen Kartensysteme auch. Es bleibt daher praktischer, Karten aus den USA o. Ä. in Europa zu verwenden", stellte der Zentralbanker fest.

Die europäischen Banken "scheinen einen großen Teil der europaweiten Zahlungsaktivitäten aufgegeben zu haben" und müssen nun handeln, "wenn sie nicht von mächtigeren internationalen Akteuren verdrängt werden wollen", warnte Mersch.

Andererseits besteht die Gefahr einer zunehmenden Abhängigkeit von Mitbewerbern, die nicht in Europa ansässig sind und deren Tätigkeit durch "extraterritoriale Gerichtsbarkeiten" verändert werden kann, was "im schlimmsten Fall" zu einer "Fehlfunktion der Zahlungen zwischen europäischen Gegenparteien" führt. "In der heutigen geopolitischen Lage sind solche Risiken leider nicht mehr so gering wie früher und müssen von den europäischen Politikern gebührend berücksichtigt werden", warnte der Verantwortliche für Zahlungsinstrumente bei der EZB.

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