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FaceApp lässt Dich alt aussehen und sammelt Daten

17.07.2019 | 10:42 Uhr | Markus Schelhorn, Halyna Kubiv

FaceApp ist gerade der große neue Hit. Mit der App kann man sich altern oder verjüngen sowie sein Geschlecht tauschen. Aber es lauert eine potentielle Gefahr.

Update vom 17. Juli 2019:

Offenbar haben Menschen doch nicht nur eine die Aufmerksamkeit- und Gedächtnisspanne von wenigen Minuten, sondern eine etwas längere. Denn knapp zwei Jahre nach dem Start geistert wieder die FaceApp bzw. die von ihr erstellten Bilder durch diverse soziale Medien. An der Funktionalität hat sich nichts geändert – die App lässt den Nutzer digital altern und zeigt ihm, wie er in zwanzig bis dreißig Jahren aussehen soll. Auch an miserablen Privatsphäre-Bedingungen hat sich nichts geändert: Die App lizenziert die Nutzer-Bilder im vollen Umgang und behält sich vor, sie zu bearbeiten, zu speichern, zu publizieren und mehr. Neben den üblichen Analytics-Daten, die dem Entwickler verraten, wie die Anwender seine App nutzen, sammelt FaceApp die Infos zu den besuchten Seiten im Browser. Mittels der Geräte-ID, die die App ebenfalls einliest, können sich so datenreiche Benutzerprofile erstellen. Wir können also nur empfehlen: Hände weg! Außerdem reicht ab dem Alter von 30 eine durchzechte Nacht, um am Morgen im Spiegel sich selbst in vielen Jahren zu sehen.

Ursprüngliche Meldung vom 28. April 2017:

Seit kurzem begeistert die App FaceApp Selfie-Verliebte. Und es ist kein Wunder, dass diese App, die es für iOS und Android gibt, so viral geht. Denn nachdem so alle erdenklichen Fotofilter durchprobiert wurden, von Vintage bis Popart, bietet FaceApp eine ganz andere Art der Veränderung an: Denn mit dieser App kann man sich altern oder verjüngen lassen und sich in das andere Geschlecht verwandeln. Das klappt am besten, wenn man ein gleichmäßig ausgeleuchtetes Selfie erstellt. Ein eingeblendeter Rahmen zeigt in der App zudem die ideale Position an. Des Weiteren kann man Fotos aus der Cameraroll wählen und so Freunden oder seine Liebste zeigen, wie sie in einigen Jahren aussehen werden. Das Ergebnis hängt aber ganz von der Person ab: Bei jüngeren Personen beispielsweise funktioniert der Altern-Filter recht gut, nicht aber der Verjüngungs-Filter.

Mit FaceApp kann man beeindruckende Gesichts-Simmulationen erstellen und auf Instagram oder Facebook teilen sowie als Bild exportieren.
Vergrößern Mit FaceApp kann man beeindruckende Gesichts-Simmulationen erstellen und auf Instagram oder Facebook teilen sowie als Bild exportieren.

Experten warnen vor dieser App

Laut dem russischen FaceApp-Gründer Yaroslav Goncharov verwendet die App im Gegensatz zu der ähnlichen App Prisma neuronale Netzwerke, um ein Gesicht auf jedem Foto zu modifizieren und danach einen fotorealistischen Eindruck zu erhalten. Dazu braucht sie eigentlich nur das Bild, doch die App greift weit mehr Informationen ab. Und teilweise ist es auch unklar, welche Informationen nun genau übermittelt werden. Dies ist zwar nicht neu und sicher ein Problem vieler anderer Apps und Services. Doch FaceApp erhält bereits ganz offiziell eine sehr private Information: Ihr Gesicht.

Die App möchte nach einem Start auf einem iPhone auf die Kamera und die Cameraroll, also die Foto-Bibliothek, zugreifen (Android nicht getestet). Experten warnen laut der australischen Nachrichten-Seite ABC News allerdings, dass die App auf viel mehr Daten zugreift, als es zunächst scheint. Problematisch ist die Gesichtserkennung in Verbindung mit den Namen. Der Vorsitzende der Australien Privacy Foundation David Vaile rät laut ABC News daher, sein Gesicht in gleicher Weise zu schützen wie das Geburtsdatum, Steuer-Datei Nummer und ähnliche private Informationen.

In seiner Privacy ( www.faceapp.com/privacy ) beschreibt der App-Entwickler teils recht schwammig, welche Daten abgerufen werden. Folgende Informationen erhält die App unter anderem von Ihnen:

- Eigene Fotos, die man mit FaceApp verwendet und teilt.

- FaceApp verwendet Analyse-Tools von Drittanbietern, die das Nutzerverhalten messen. Diese Dienste erhalten nicht nur die Informationen, wie man FaceApp selber verwendet, sondern auch Informationen zu den Webseiten, die man aufruft sowie weitere Informationen, die nicht näher beschrieben sind und dabei helfen sollen, die App zu verbessern.

- Cookies und ähnliche Techniken wie Web Beacons sollen dazu dienen, das Anwenderverhalten von FaceApp auszuwerten.

- Die Analyse der Daten dient der kostenlosen Version von FaceApp dazu, gezielte Werbung ausspielen zu können. Dies ist indes durchaus üblich und so in der Nutzerbestimmung vermerkt.

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Rassismusvorwürfe

Außer der teils schwammigen Information, was nun genau mit Ihren Daten passiert, ist FaceApp wegen angeblich rassistischer Tendenzen in die Kritik geraten. Denn mit dem Effekt „Spark“ soll das Gesicht unter anderem dadurch verschönert werden, indem die Haut aufgehellt wird.

Fazit FaceApp

Es mag zwar verlockend sein, intelligente Apps zu verwenden, die Spielerein mit Ihrem Gesicht zulassen. Und es ist auch wirklich beeindruckend, welche Ergebnisse FaceApp liefert. Doch sollte man sich dabei bewusst sein, dass auch sein Gesicht eine Information seiner privaten Identität ist, die man schützen sollte.

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