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Faktencheck iMac Pro: Gibt es wirklich keine günstigen PC-Alternativen?

09.06.2017 | 15:07 Uhr |

Beim Preis des iMac Pro muss auch manch Apple Fan erst einmal schlucken, nach einer billigeren PC-Version kann man aber lange suchen.

Fast nach jeder Vorstellung eines High-End-Macs bekommt man aus dem Windows-Lager und Foren die gleichen Kommentare zu hören : Mein 2000-Euro-PC ist schneller, Apple zockt alle ab und natürlich sind alle Apple-Käufer verblendete Schwachköpfe. Beim iMac Pro für 5000 US-Dollar muss aber auch manch Apple-Fan etwas schlucken. Echte Workstations kosten zwar immer eine Menge Geld aber für diese Summe bekommt man schließlich schon einen gut erhaltenen Gebrauchtwagen .

Eine Behauptung Apples während der Keynote verdient aber etwas nähere Untersuchung: Stimmt Apples Behauptung wirklich, eine gleichwertige Windows-Workstation würde über 7000 Dollar kosten?

Eine Workstation mit gleichen Fähigkeiten soll laut Apple über 7000 Dollar kosten
Vergrößern Eine Workstation mit gleichen Fähigkeiten soll laut Apple über 7000 Dollar kosten

Zumindest eine günstigere Windows-Lösung existiert nicht: So haben die Kollegen bei PC-Gamer versucht, eine Workstation mit ähnlicher Leistung zusammenzustellen – als herkömmlicher Desktop mit zusätzlichem 5K-Display von LG. Endergebnis: 4686,71 Dollar. Teuer wird es hier vor allem, da eine Xeon-CPU ein kostpieliges Mainboard erfordert, ebenso ist eine Workstation-Grafikkarte sehr teuer, dazu kommt der immens teure ECC-Speicher .

Auch ein Versuch bei Reddit bringt ein ähnliches Ergebnis, hier kommt man bei einer Konfiguration über den Lenovo-Shop sogar auf 5392 Dollar ohne, 7336 Dollar mit Bildschirm. Das gilt ebenfalls bei unseren Konfigurationen mit einem All-in-One-Rechner von Dell. Die Dell Workstation AiO 5720 hat nämlich große Ähnlichkeit mit dem iMac Pro, so gibt es ihn ebenfalls mit Xeon und Workstation-Grafikkarte – wenn auch nur mit 4K-Monitor. Stattet man allerdings i m Dell-Shop eine Version mit Xeon-CPU und 1 TB SSD aus, landet man auch hier bei 4149 Euro – aber nur dank 30 Prozent Aktions-Rabatt. Noch teurer kommt eine herkömmliche Desktop-Workstation von Dell, hier landen wir schnell bei über 9000 Euro.

Workstations sind teuer, vor allem Xeon-CPUs und Workstation-Grafikkeraten treiben den Preis in die Höhe.
Vergrößern Workstations sind teuer, vor allem Xeon-CPUs und Workstation-Grafikkeraten treiben den Preis in die Höhe.

Wie kommt aber Apple überhaupt bei seinem iMac Pro auf 5000 US-Dollar bzw. 5800 Euro, kostet doch sogar der Mac Pro nur 3000 Dollar? Der Betrag ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern erklärt sich durch Apples Ausstattungs-Politik: Der kommende iMac ist schon in der Standardversion besser ausgerüstet als der alte Mac Pro. Bestellt man etwa den 8-Core-Mac Pro mit 32 GB Arbeitsspeicher (720 Euro) und 1 TB SSD (840 Euro) aus, ist man auch schon bei 5800 Euro - und bekommt beim iMac Pro zusätzlich noch einen Tausend-Dollar-Bildschirm dazu. Einen iMac Pro mit Minimalausstattung gibt es nicht, offenbar will Apple hier den Abstand zu den "gewöhnlichen" iMacs wahren.

Zugegeben: Ohne Monitor wird es günstiger, aber ein hochwertiger Monitor wird in der Praxis wohl auch vom Windows-Kreativen benötigt. Richtig teuer wird jede Workstation durch zwei Komponenten: Den für schnelle Berechnungen empfehlenswerten  Multikern-Xeon-Prozessor und eine Workstation-Grafikkarte. Kostet doch ein Xeon mit 18-Kernen wie der Core i9-7980XE schon allein 2000 US-Dollar. Billig ist auch eine Workstation-Grafikkarte nicht, es handelt sich dabei schließlich nicht um eine Consumer-Grafikkarte, sondern Spezialhardware mit zertifizierten Treibern. Kostet  schon die Arbeitsstunde des Workstation-Nutzers 150 Euro oder eine verpasste Abgabefrist den Verlust des Auftrags, lohnt die Nutzung schnell und stabil laufender Hardware.

5800 Euro sind  für eine Workstation von Apple zwar imposant aber mit diesen beiden Komponenten auch in der Windows-Welt üblich. Wie schon beim Mac Pro ist die entscheidende Frage, ob der Nutzer wirklich einen Xeon-Prozessor und eine Workstation-Grafikkarte benötigt.

Ein Gamer ist ja schließlich nicht die Zielgruppe: Will man mit seinem Computer vor allem Prey und Dirt zocken, ist eine Konsole oder Standard-PC mit aktueller Grafikkarte die bessere Wahl. Gedacht ist der iMac Pro für „Videocutter, 3D Animatoren, Musiker, Software-Entwickler und Wissenschaftler“, so Apple. Vor allem für kommende Aufgaben wie VR und 4K-Schnitt ist man mit dem iMac Pro  gut gerüstet. Das bedeutet andererseits, das er für Heimanwender einfach überdimensioniert ist – gerade der aktuelle iMac 27-Zoll bietet mehr als genug Leistung. Schlussendlich erfüllt der iMac Pro aber wohl auch noch einen Marketing-Zweck: Neben einem iMac Pro kommt einem ein herkömmlicher iMac schon fast wie ein Schnäppchen vor.

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