2280045

Fossil Q Marshal: Eine Smartwatch mit Android Wear und iPhone – Geht das?

22.06.2017 | 14:02 Uhr |

Seit der Veröffentlichung von Android Wear 2.0 sind Android-Smartwatches selbständiger geworden, auch die iPhone-Unterstüzung klappt besser. Doch reicht das aus?

Seit Google Android Wear 2.0 Anfang des Jahres veröffentlicht hat, sind viele weitere Modelle herausgekommen. Mit den neuen Funktionen machte Google die smarten Uhren selbständiger, so konnte man meinen, ein Ausflug in die Android-Welt würde sich für einen iPhone-Nutzer lohnen. Wir haben genau das ausprobiert und über zwei Wochen eine Fossil Q Marshal getragen. Die Marshal gehört zu den Fossil-Modellen, die die neueste Version von Android Wear unterstützen, auch unser privates iPhone SE ist theoretisch Android-Wear-fähig. So ist unser Experiment-Setup perfekt.

Installation und Einstellungen

Da wir davor noch eine Hybrid-Uhr von Fossil getestet haben, hatten wir bereits auf dem iPhone die Q-App des Herstellers installiert. Diese erlaubt es angeblich, aus der Liste der Gerätekategorien eine Smartwatch zu wählen und diese mit dem Smartphone zu verbinden. Doch weiter als zum ersten Einstellungsbildschirm kommen wir nicht, die Q-App schickt uns gleich in den Store und empfiehlt, Android Wear herunterzuladen.

Gesagt, getan: Die Android Wear App ist ebenfalls im App Store verfügbar und unterstützt iPhones ab iPhone 5, also das iOS ab 9. Theoretisch könnte die Verbindung mit einem neueren iPod Touch oder auch iPad klappen. Sehr gut finden wir die Infos dazu, welche Marken und Modelle der Smartwatches die Verknüpfung mit iOS unterstützen, diese Liste ist in der Beschreibung der App im App Store zu finden . Wer also mit dem Gedanken spielt, sich eine andere Smartwatch als die Apple Watch zuzulegen, findet an der Stelle eine gute Entscheidungshilfe, ob überhaupt die angedachte Uhr mit dem eigenen iPhone funktioniert.  

Ist die App heruntergeladen, geht die Koppelung und Einstellungen ziemlich problemlos: Die Uhr blendet einen alphanumerischen Code ein, den gleichen Code sieht man in der Android-Wear-App, ein Tipp darauf gibt ein Zeichen, dass die beiden, die Uhr und die App nun zusammengehören. Anders als in der Apple-Watch-App sind weitere Einstellungen relativ rudimentär: Man kann gleich auf dem ersten Screen diverse Zifferblätter auswählen. Dazu erlaubt es die App, das eigene Google-Konto einzugeben, den Google Assistant zu aktivieren, und die Benachrichtigungen der iPhone-Apps zu steuern.

Fossil Q Marshal kaufen

Steuerung auf der Smart Watch

An der Smartwatch selbst führt der Einrichtungs-Assistent den Nutzer durch die wichtigsten Gesten, so ist es möglich, mit einem Wink des Armgelenkes auf dem Bildschirm durch die Texte oder Benachrichtigungen nach oben oder nach unten zu scrollen. In der Praxis haben wir dies jedoch kaum genutzt, das Bildschirm verschwindet so für die kurze Zeit aus dem Blickfeld, deutlich komfortabler ist dabei, mit einer gewohnten Wisch-Geste durch die Bildschirme der Watch zu navigieren. Diese Wedel-Gesten sollten wohl die Nutzer dabei unterstützen, die Smartwatch ohne die andere Hand zu bedienen. Das geht jedoch bis zu einer gewissen Grenze, eine ganz wichtige Rolle spielt bei der Bedienung die Krone an der Seite des Gehäuses. Diese lässt sich im Unterschied zu der Digitalen Krone an der Apple Watch nicht drehen, dafür aber drücken, und sie wirkt in etwa wie ein Homebutton der Smartwatch. 

Die androiden Uhren sind übrigens deutlich selbständiger als Apple Watches: manche Apps laufen alleine auf der Uhr, ohne dafür auf das iPhone heruntergeladen zu werden, dafür muss man logischerweise auf der Uhr die Verbindung zum heimischen Netzwerk einrichten. Diese Einrichtung läuft übrigens über das iPhone, denn ein Passwort auf der Smartwatch einzugeben erscheint momentan nicht möglich zu sein. Google Play Store ist auf der Uhr vorinstalliert und bietet eine kurze Übersicht der verfügbaren Apps, die auf der Smartwatch laufen.

Fossil Q Marshal Technische Details

Wie der Hersteller ankündigt , reicht die Batterielaufzeit für den ganzen Tag, selbst beim Aufzeichnen einer längeren Aktivitätsstrecke über mehrere Stunden reicht der Akku aus. Was uns im Test etwas enttäuscht hat, ist der Bildschirm. Seit der Einführung von Retina-Displays (ab iPhone 4) haben wir uns die pixeligen Anzeigen auf mobilen Geräte abgewöhnt. Fossil gibt auf der Seite für die technischen Spezifikationen keine Pixeldichte für die Uhr an, diese beträgt 320 x 290 Pixel, also 229 DPI. Die Fossil Q Marshal ist nach IP67 zertifiziert, ist also wasserabweisend, aber nicht wasserresistent.

Was in keiner Anleitung steht

Nun mag jeder iPhone-Nutzer, der sich eine Android-Smartwatch überlegt, andere Kaufgründe haben: Dem einen gefällt die rechteckige Form der Apple Watch nicht, der andere will eine der professionellen Pulsuhren einsetzen, die es momentan auf dem Markt gibt. Der letztere Grund dürfte wohl nicht für Android-Uhren sprechen, denn man kann das Fitnesstracking im Allgemeinen oder eine etwas intensivere Sportstunden-Überwachung mit der Kombination aus Fossil Q Marshal und  iPhone nicht betreiben. Freilich, es lässt sich eine Trainings-Einheit in der Fit-Trainigs-App starten. Bei einigen Aspekten gefällt sie uns besser, als die vergleichbare auf der Apple Watch: Beim Krafttraining kann die App wohl die einzelnen Übungen und Wiederholungen erkennen und dem Nutzer als Vorlage vorschlagen. Der Riesenhaken an der Sache: Die Daten aus den beiden Apps – Fit und Fit-Training – werden mit einer entsprechenden Android-App synchronisiert. Google bietet keinen iOS-Pendanten an, es gibt ein Webportal fit.google.com , die Daten werden dorthin nicht automatisch übertragen.

Im Grunde genommen bedeutet das, dass sämtliche Fitness-Funktionen wie Schritte zählen oder die Trainings mittracken sich auf der Uhr durchführen lassen, sie werden jedoch nirgendwo anders gespeichert und verschwinden so am nächsten Tag bzw. nach dem Trainingsende. Google gibt im Hilfebereich zu Fit an, dass eine autonome Nutzung der Fit-App nur auf einer Android-Uhr die Schrittanzahl der letzten sieben Tage und die letzten zehn Pulsmessungen anzeigen kann, dazu kann man sich noch ein Zifferblatt mit Google Fit installieren. Die Liste der Funktionen, die bei der autonomen Verwendung nicht unterstützt werden, ist jedoch länger : Die Erfassung von Sit-Ups, Kniebeugen und Liegestützen, verbrannte Kalorien und zurückgelegte Strecken, Verknüpfung mit den Drittanbieter-Apps wie Strava, Runkeeper oder Myfitnesspal, einige weitere Funktionen.

Übersicht der Funktionen, die ohne entsprechende Google Fit App möglich sind.
Vergrößern Übersicht der Funktionen, die ohne entsprechende Google Fit App möglich sind.

Fazit

Das Konzept einer (billigeren) Android Smartwatch mit dem iPhone ist zu schön, um wahr zu sein. In der Praxis scheitert der Einsatz an der fehlenden Unterstützung von mindestens einem wichtigen Aspekt des Fitness-Trackings. Dadurch, dass Google Fit nicht für iOS existiert, wird so eine Smartwacht zu einem reinen Benachrichtigungsarmband degradiert. Ob der Preisunterschied zu einer Apple Watch diese Funktionseinschränkung berechtigt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2280045