2285895

Führt iPhone-Plus-Nutzung zum Karpaltunnelsyndrom?

13.07.2017 | 16:21 Uhr |

Smartphones werden immer größer, nach einem Karpaltunnelsyndrom ist der Journalist Om Malik aber lieber vom iPhone 7 Plus zum iPhone SE gewechselt.

Das iPhone Plus bietet einen großen Bildschirm, ist für Nutzer mit kurzen Fingern aber nicht immer bequem zu bedienen. Viel zu oft versucht man, ein Objekt mit dem Daumen anzutippen und muss ihn unnatürlich weit strecken. Das kann unangenehme Folgen haben:

Der Journalist und Unternehmer Om Malik fand sich nach intensiver iPhone-7-Nutzen plötzlich mit einem entstehenden Karpaltunnelsyndrom wieder. Nach eigenen Angaben hatte er bis zu zehn Stunden am Tag sein iPhone 7 Plus verwendet, für E-Mails, Blogs, Fotografieren und News lesen. In den letzten Monaten hatte er aber immer mehr Schmerzen in seinem linken Handgelenk und Daumen gespürt, manchmal wachte er sogar nachts mit extremen Schmerzen auf. Laut der bald darauf besuchten Ärztin kamen die Schmerzen durch eine Überbeanspruchung des linken Daumens. Die Gefahr bestünde, das sich ein echtes Karpaltunnelsyndrom entwickle, das man nur noch mit einer Operation beheben könne.

Nach Anlegen der obligatorischen Schiene entschied sich Malik deshalb, zu einem ergonomischeren Smartphone zu wechseln und tauschte sein Apple Phablet gegen ein iPhone SE ein. Und hofft nun, keinen Ärger mehr mit seinem Mediannerv mehr zu bekommen.

Führt Smartphone-Nutzung zu körperlichen Schäden?

Ob intensive Smartphone-Nutzung zu gesundheitlichen Folgen führen kann, ist keine neue Frage. So überrascht es nicht, dass sich unter den etwa zehntausend Studien zum Karpaltunnel Syndrom auch einige Studien zum Effekt von Smartphonenutzung gibt. In einer dieser Studen bestätigen die Forscher  Woo, White, Ng und Lai , dass für Smartphone-Nutzung typische Handbewegungen den Mediannerv stark belasten – was zu Problemen führen kann. Besonders stark ist anscheinend eine Daumen-Opposition, bei dem sich das Handgelenk in ulnarer Abweichung befindet. Nach unserem Verständnis könnte dies beispielsweise beim Scrollen per Daumen auftreten oder beim Versuch, mit dem Daumen ein zu weit entferntes Menü zu erreichen. Inwieweit Smartphone-Nutzung zu gesundheitlichen Schäden führen kann, lässt sich aber kaum abschätzen. Computernutzung gilt etwa eigentlich nicht als riskant. Stundenlange tägliche Intensivnutzung wie bei unserem Journalisten kann aber wohl das Risiko erhöhen, ist aber sicher nicht die Norm. Hatte man aber schon ähnliche Probleme oder gehört zu einer Risikogruppe , sollte man aber nach unserer Einschätzung vorsichtig sein – und den Daumen auch mal eine Pause gönnen.

Bestimmte Daumenbewegungen belasten den Mediannerv besonders stark.
Vergrößern Bestimmte Daumenbewegungen belasten den Mediannerv besonders stark.

Mit verkrampften Handbewegungen kann man aber nicht nur das Risiko eines Karpaltunnelsyndrom erhöhen, es gibt eine Vielzahl anderer möglicher Schäden. Schon vor Jahren gab es Berichte von Smartphone-Nutzern, die sich durch stundenlanges SMS-Schreiben eine Sehnenscheidenentzündung zuzogen. Auch diese kann bei zu einseitiger Daumennutzung schnell auftreten, schädlich ist hier eine so genannte „Überdehnung im ersten Streckerfach“. Durch Smartphones kann man aber nicht nur seine Hände und Handgelenke belasten, auch eine starke Beugung des Nackens gilt als Gefährdung für die Gesundheit – etwa wenn man stundenlang auf ein in Hüfthöhe gehaltenes iPhone starrt.

Nebenbei sollte man aber nicht vergessen, dass Jugendliche trotz oft angemahnter „Fehlhaltung“ nur seltenst Probleme mit Sehnenscheidenentzündungen oder Karpaltunnelsyndrom haben. Diese treten erst im späteren Alter verstärkt auf. So gehört wohl nicht zufällig das iPhone-7-Opfer Om Malik zu einer etwas fortgeschrittenen Altersgruppe. Jüngere machen sich zwar öfter über Erwachsene lustig, die ihr iPhone in der linken Hand halten und mit der anderen darauf herumtippen. Für lässige Einhandbedienung ist man aber wohl irgendwann einfach zu alt – egal ob man ein iPhone SE oder iPhone 7 Plus nutzt. In einer Gesellschaft, die älter wird und immer längere Zeit mit Smartphones verbringt, sollte man langfristig wohl besser ein wenig auf ihre ergonomische Nutzung achten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2285895