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Fünf Maßnahmen für eine bessere iCloud

07.03.2017 | 16:08 Uhr |

iCloud ist Apple weit besser gelungen als der Vorgänger Mobile Me. Dennoch gibt es Bedarf zur Optimierung.

Ab April zieht die komplette Belegschaft Apples in den neuen Apple Park um. Die komplette Belegschaft? Nein, das Gebäude am Infinite Loop 1 wird weiter genutzt. Einem Bericht von Bloomberg zufolge will Apple am etablierten Standort all seine Teams zusammensetzen, die sich um den Service iCloud kümmern. Das ist auch dringend nötig. Messbar halten die Kunden relativ wenig von Apple als Datenhoster, in einer Studie von Brand Keys landet Apple auf dem letzten Platz von 13 Bewerbern in einem 24-Milliarden-Dollar-Markt.

Der Kopf in den Wolken

Dabei hat Apple seine iCloud sehr eng mit seinen Betriebssystemen und Services verknüpft, der Dienst ist essentiell geworden. Und vor allem dadurch nützlich, dass sich Daten nahtlos über mehrere Geräte und Kategorien synchronisieren lassen. Auch Geräte, von Fotomediatheken und vieles mehr. Die iCloud stellt so viele Dienste bereit, dass es für jedermann ersichtlich ist, dass die kostenlos zu jeder Apple ID angebotenen 5 GB Speicher bei Weitem nicht ausreichen. Egal, wen man fragt, jeder meint, Apple solle die Preise für iCloud-Speicher reduzieren respektive den freien Platz deutlich vergrößern. Das ist angesichts der Konkurrenz von Google, Dropbox, Box, OneDrive, HiDrive und anderen mehr als offensichtlich. Das wäre also die erste Maßnahme für eine bessere iCloud. Was könnte Apple aber sonst noch tun?

Mehr für Profis

Apple stellt stellt seit Jahren erfreut fest, dass seine iOS-Geräte sich in Unternehmen großer Beliebtheit erfreuen, vor allem wegen der hohen Sicherheitsansprüche, denen iPhone und iPad genügen. Die großen Firmen, bei denen Apples Geräte in Mode gekommen sind, sind die Wegbereiter für Industrie 4.0, in der Automatisierung und Kollaboration von Mensch und Maschine erfolgskritisch geworden sind. Vor allem für letzteres benötigt die digitale Wirtschaft qualitativ hochwertige Kollaborationswerkzeuge, wie es etwa Slack oder Microsofts Lync sind, oder maßgeschneiderte Dienste von Cisco.

Apple reagierte auf diese Herausforderungen bisher mit Kooperationen mit Deloitte, Cisco, SAP, IBM und anderen, um iOS in der Geschäftswelt zu verankern. Für iCloud hat Apple in der Hinsicht aber nichts unternommen.

iCloud müsste daher ein für die Industrie geeigneter Service sein, den auch Verbraucher nutzen können. Es müsste die beste Kombination aus Nützlichkeit, maschinellem Lernen und Sicherheit bieten, um die Leben von Privat- wie Businessanwendern zu bereichern.

Lasst die Entwickler ran

Es mag seltsam erscheinen, wie einfach und flexibel  es ist, über die Dropbox beliebige Dateien mit anderen zu teilen und welche Umstände iCloud dabei macht. Warum kann man nicht bestimmen, wer in der Lage sein sollte, Dateien zu öffnen? Was ist mit den Daten, die bei Kollaborationssitzungen anfallen? Warum kann man nicht sehen, ob die Empfänger die Daten überhaupt eingesehen haben oder sie mit weiteren Leuten teilten?

Das braucht natürlich nicht jeder, aber es wäre für Apple sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wie sich die iCloud mit Diensten zusammentun könnte, die derartiges leisten. Apple sollte also entsprechende APIs für Entwickler bereit stellen, die iCloud als Storagebasis für ausgeklügelte Lösungen für anspruchsvolle Anwender einsetzen könnten.

Alles online

Wir haben uns schon öfter beim Gedanken erwischt, was denn mit unserer Musiksammlung passiert, wenn sich die Umstände ändern und wir uns neue Zugangsgeräte dafür nicht mehr leisten können - wie kommen wir wieder an unsere Songs und Alben heran? Eine andere Frage, die wir uns oft stellen: Warum können wir keine Kartendaten von Apple teilen und warum gibt es kein Web-Interface für iMessages? Apple scheint aber immerhin den Bedarf dafür zu kennen - deshalb gibt es immerhin schon iWork als Onlineversion.

Noch mag Apples Philosophie des "walled garden" dagegen sprechen, doch eine Öffnung seiner Programme und Services könnte Apple eine größere Kundenloyalität einbringen und denjenigen den Wind aus den Segeln nehmen, die Apple heute für zu kontrollierend halten. Es wäre bestimmt auch sinnvoll, dass die Anwender entscheiden könnten, welche ihrer Daten sie auf ihren Geräten aus Online-Backups wieder herstellen könnten, derzeit läuft das eher nach dem Motto "Ganz oder gar nicht".

Einfachere Problemlösungen

Auch langjährige Apple-Nutzer sind bei der Nutzung einiger iCloud-Services verwirrt. Welches Login hat man wann auf welchem Gerät genutzt? Dafür gibt es keine einfachen Tools. Auch Fotos lässt einem im Stich, wenn man wissen möchte, welches Album im Original auf welchem Rechner gespeichert ist und was mit den Bildern passiert, wenn man welche Einstellungen verändert. Schön wäre auch eine Art Flowchartlösung, die beim Einrichten eines iCloud-Accounts genau erklärt, was passiert, wenn man diese oder jene Einstellung trifft: Hier sind die optimalen Einstellungen für jedes Gerät. Viele Leute wollen mehrere Apple-IDs auf ihren Geräten verwenden, um etwa die für die Einkäufe vom Rest zu trennen, das sollten diese Problemlösungen auch berücksichtigen.

Leistung und Zuverlässigkeit

Immer wieder gibt es Problem bei der Verfügbarkeit der Dienste, gerade in der letzten Woche hatte der Teilausfall von Amazons S3-Infrastruktur schmerzlich gezeigt, wie sehr Apple bei seiner Infrastruktur noch auf Dritte angewiesen ist. Glücklicherweise steht Apple davor, diese Abhängigkeit zu reduzieren und noch mehr eigene Rechenzentren in Betrieb zu nehmen. In Cupertino ist man auch nicht sonderlich zufrieden mit der Geschwindigkeit der Amazon Webservices, wenn es darum geht,den Anwendern Bildern und Musik auf ihre Geräte zu spielen. Es bleibt aber Apples Aufgabe, die verlangte Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit selbst zu gewährleisten.

Das Original dieses Artikels ist auf englisch bei den Kollegen der Computerworld erschienen.

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