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Garmin Edge Explore: Navigation für das Fahrrad

22.08.2018 | 15:29 Uhr |

Wo das iPhone nicht mehr richtig hinkommt, übernehmen Speziallösungen die Navigation. Garmin hat das Edge Explore gut durchdacht.

Elf Jahre iPhone und so manche bewährte Lösung ist veraltet. Das herkömmliche Mobiltelefon und der iPod, klar, aber als "break through internet device" hat das iPhone noch weit mehr überflüssig gemacht. Das Adressbuch. Die Kompaktkamera. Das Lexikon und das Wörterbuch. Den Straßenatlas. Und auch das Navigationsgerät.

Wobei letzteres als Spezialist nach wie vor die gleiche Existenzberechtigung hat wie die Spiegelreflexkamera mit ihren Wechselobjektiven. Letztere kommt überall dort hin, wo die iPhone-Kamera längst an ihre Grenzen stößt und das Navi zieht sich in Nischen zurück, die für das iPhone zumindest uninteressant sind. Wir hatten letztens von Tomtom eine Speziallösung für Camper , die andere Anforderung erfüllt, als sie Fahrer eines PKW ohne Anhänger an einer digitalen Orientierungshilfe haben.

Wir haben nun von Garmin das Fahrradnavigationssystem Edge Explore getestet, das wie eine Spiegelreflexkamera auch als eigenständiges Gerät funktioniert, das iPhone dient aber als sinnvolle Ergänzung. Das kleine und leichte Gerät – 116 Gramm schwer und mit 3-Zoll-Bildschirm noch kleiner als das originale iPhone, wenn auch etwas dicker – lässt sich schnell und unkompliziert an den Lenker montieren. Die Halterung, in die man das Garmin Edge Explore eindreht, ist dabei mit Gummibändern am Lenker fixiert. Das klingt instabiler als es ist, zahlreiche Gummiringe in unterschiedlichen Größen liegen bei, wir haben bei der Festigkeit keine Bedenken und auch keine Probleme festgestellt.
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Braucht kaum Platz am Lenker, hier das Edge Explore in der einfachen Ansicht
Vergrößern Braucht kaum Platz am Lenker, hier das Edge Explore in der einfachen Ansicht

Nur beim Koppeln mit dem iPhone stoßen wir auf erste kleine Probleme, die Verbindung will erst klappen, nachdem wir  am iPhone Bluetooth aus- und wieder eingeschaltet haben, auch später im Betrieb verliert sich die Verbindung ab und an und ist nur mit diesem Trick wieder zu knüpfen. Bei den ersten beiden Touren müssen wir zudem auf das GPS-Signal eine ganze Weile warten – dann hat sich das Navigationsgerät aber gemerkt, welche Signale in Büro- und Heimatnähe die entscheidenden sind und ist fortan sofort startklar.

Mehr als ein Navi

Weshalb hängt man sich ein dediziertes Navigationsgerät an den Lenker, wenn man ohnehin schon einen Fahrradcomputer mit analoger Messung montiert hat und eine Apple Watch am Armband trägt? Gute Frage, aber ab und an gerät man mit dem Radl selbst in der Heimatstadt in weniger bekannte Gegenden – und der Blick auf die Apple Watch, die einen navigieren soll, lenkt unter Umständen gefährlich ab. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich das iPhone mit einer vernünftigen Halterung an den Lenker zu packen und ins Blickfeld zu bringen. Doch hat das Apple-Ökosystem eine Schwäche bei Navigation mit speziellen Anforderungen. Versuchen Sie mal, sich in Apple Maps einen Fahrradweg auszugeben und dann probieren Sie das gleiche mal mit Google Maps –  oder eben gleich mit Garmin.

Im App Store gibt es zwar zahlreiche Apps auch für Zwecke, bei denen wir den besten Weg von der Wohnung zum Büro suchen, doch hat das Garmin Edge Explore als solitäre Lösung durchaus seine Vorteile. Eines ist aber klar: So richtig in Genuss dieser Vorzüge kommt man nur, wenn man das iOS-Ökosystem ein Stück weit verlässt, Garmin ist an sich eine eigene Plattform. Das fängt damit an, dass die Garmin-App keine Daten für Health oder wenigstens die Aktivität zur Verfügung stellt, statt dessen ihre eigenen Statistiken pflegt. Das ist kein Nachteil, nur hatten wir etwa keinen kompatiblen Herzfrequenzsensor zur Verfügung (Und auch keine Garmin-Action-Cam der Virb-Reihe , die wir vom Lenker aus hätten steuern können, aber das nur nebenbei).

Interessante Streckenführung

Beginnen wir aber mit dem Hauptzweck des Navi, der sicheren Hinführung ans Ziel. Wir nehmen zunächst uns bekannte Wege, stören uns aber schon mal daran, dass das Edge Explore zwar unsere Straße im Vorort findet, dort uns aber hartnäckig zu einer anderen Hausnummer leiten will. Die Route, die das Gerät ausgibt, ist aber durchaus plausibel, sind wir so ähnlich auch schon gefahren. Nur mit der Erfahrung von gut 1000 Fahrten auf der Strecke kennen wir noch ein paar Nebenbedingungen mehr. So empfiehlt es sich am frühen Abend nicht, die Strecke am Olympiasee vorbei zu nehmen, zu viel Verkehr.

Das Display lässt sich gut ablesen, auch bei etwas reduzierter Helligkeit
Vergrößern Das Display lässt sich gut ablesen, auch bei etwas reduzierter Helligkeit

Also meckert das Edge Explore schon recht bald über eine Streckenabweichung, fügt sich dem aber recht schnell mit einer Neuberechnung. Dass es ein Fahrradnavi ist, merken wir kurz hinter der BMW-Welt, als uns ein Trampelpfad neben einer Brücke empfohlen wir. Für das Stadtrad aber eher ungeeignet, immerhin war die Abkürzung dem Gerät bekannt. An manchen Stellen will uns das System auf die andere Straßenseite schicken, doch am Uptown Munich führt auch auf der von uns aus rechten Seite ein Fahrradweg vorbei und kurz vor der Paulaner-Brauerei sind wir auf der Straße besser aufgehoben. Im Großen und Ganzen passen die Vorschläge aber und die Positionierung auf der Karte ist präzise, wir würden uns der Navigation durchaus im unvertrauten Terrain anvertrauen. Also speichern wir die aufgezeichnete Route ab, um sie am nächsten Tag nochmals abzufahren, dann mit weniger Streckenabweichungen. "Bitte wenden" sehen wir bei einem kleinen Schlenker nur einmal kurz, bis das Gerät die Route wieder gefunden hat. Das Gepiepse wird sonst penetrant, aber den Ton stellen wir doch nicht ab, denn sonst müssten wir ja ständig auf das Display schauen – keine gute Idee.

Zusammenfassung der Tour auf mehreren Screens, wir bekommen auch ein Höhenprofil angezeigt.
Vergrößern Zusammenfassung der Tour auf mehreren Screens, wir bekommen auch ein Höhenprofil angezeigt.

Aber egal, ob wir einer vorgefertigten oder einer berechneten Strecke folgen oder einfach nur unseren Weg vermessen und aufzeichnen, das GPS weiß, wo es Gefahrenstellen wie enge Kurven gibt und warnt rechtzeitig davor. Das ist auf alle Fälle ein großes Plus.

Für Freizeittouren mit Überraschung

Doch sind Navigationsgeräte ja vor allem für unbekanntes Terrain konzipiert. Sehr gut gefällt uns die Möglichkeit der Tour-Vorschläge. Wir sagen einfach, wie weit wir radeln wollen und in welche Richtung wir losfahren, schon spuckt uns das Garmin Edge Explore eine schöne Route durch die nördlichen Vororte aus. Die Strecke kann man auf dem iPhone oder auch direkt am Navi erstellen - und dann den Anweisungen des Gerätes folgen.

Guter Vorschlag, wobei wir nur 40 Kilometer radeln wollten. Passt schon.
Vergrößern Guter Vorschlag, wobei wir nur 40 Kilometer radeln wollten. Passt schon.

Was uns nur anfangs ein wenig verwirrte: Der Touchscreen des Edge Explore übernimmt zwar die meisten Aufgaben, doch um eine Tour zu starten oder zu beenden, muss man immer den Play/Pause-Knopf drücken. Apropos Pause: Anders als die eigenen Lösungen von Apple für das iPhone und die Watch hat das Garmin Edge auch die Möglichkeit der automatischen Pause, diese ist aber nicht vorab eingeschaltet. Wir finden die Option aber recht bald im durchaus benutzerfreundlichen Menü und sehen nun an jeder Ampel, wie die Messung von Zeit und Strecke kurz anhalten. Auch andere wichtige Optionen sind im Auslieferungszustand erst einmal nicht eingestellt, denn der helle Bildschirm im Tagmodus verbraucht natürlich mehr Strom, wenn er sich nicht nach gewisser Zeit abschaltet. Nach drei Fahrten à 20 Kilometer haben wir die Hälfte der Ladung verbraucht, den Akku des Navis lädt man per Micro-USB.

Nachrichten vom und an das iPhone

Das Edge Explore lässt sich auch wunderbar ohne iPhone (oder Android-Smartphone) verwenden, doch ergänzt das Smartphone das Navigationssystem in sinnvoller Weise. So bezieht das Garmin-Gerät Strecken sowie Updates für Karten und Firmware über die Internetverbindug des iPhone und dient diesem für bestimmte Zwecke auch als Bildschirm. Denn mag man vielleicht auf dem Fahrrad nicht wirklich erreichbar sein, könnten wichtige Kontakte doch die Verbindung aufrecht erhalten. Von welchen Kontakten man SMS empfangen will, lässt sich in der App mit wenig Aufwand einrichten - andere SMS werden unter "verpasste Nachrichten" gespeichert, kann man dann am Ende der Tour oder bei einer Pause darin stöbern.

Bei einem Unfall werden die Notfallkontakte informiert - sofern das iPhone dabei ist.
Vergrößern Bei einem Unfall werden die Notfallkontakte informiert - sofern das iPhone dabei ist.

Umgekehrt meldet das Edge Explore auch Notfälle via iPhone per SMS an zuvor definierte Notfallkontakte. Diese werden schon bei der Einrichtung darüber informiert. Ausprobiert, was bei einem Unfall passiert, haben wir nicht. In der Theorie ist es aber so, dass die Beschleunigungssensoren heftige Erschütterungen erkennen, auf dem Display erscheint dann die Nachricht, dass in 30 Sekunden die Notfallkontakte eine SMS mit dem Standort erhalten, wenn man den Vorgang nicht rechtzeitig abbricht. Eine sinnvolle Sicherheitseinrichtung.

Wo bin ich und wer kann das sehen?

Aktiviert man Live Tracks, können Twitter-Follower verfolgen, wo man langradelt, das Feature kann man aber völlig ignorieren und in den Datenschutzeinstellungen festlegen, dass man nur selbst einen Überblick über die eigenen Aktivitäten bekommt. Mit Freunden kann man sich via Facebook verbinden, um etwa gemeinsame Challenges zu vereinbaren oder sich auf der Karte zu sehen – aber auch das kann man natürlich lassen.

Wer will, kann sich natürlich mit seinen Fahrradfreunden vernetzen
Vergrößern Wer will, kann sich natürlich mit seinen Fahrradfreunden vernetzen
Beim Datenschutz kann man ruhig restriktiv sein
Vergrößern Beim Datenschutz kann man ruhig restriktiv sein

Weit interessanter sind die Möglichkeiten, zusätzliche Sensoren mit dem Garmin Edge Explore zu verbinden, also solche, die die Trittfrequenz oder den Puls messen. Wie bereits erwähnt, lässt sich auch eine Virb-Kamera des gleichen Herstellers mit dem Navi verbinden oder ein Fahrradlicht. Ebenso stellt Garmin eine Schnittstelle für die Kommunikation mit E-Bikes bereit.

Fazit

Der Fahrradcomputer Garmin Edge Explore bringt mit durchdachten Funktionen und technischer Präzision (Elektro-)Fahrrad und iPhone zusammen und ergänzt die Kombination mit sinnvollen Features sowie einer sehr genauen Navigation. Sehr gut gefällt auch die einfache Montage, der Wechsel vom einen Fahrrad zum anderen ist schnell und unkompliziert erledigt, zumal im Lieferumfang gleich zwei Halterungen inbegriffen sind. Der Preis von 249 Euro geht in Ordnung , denn das Garmin Edge Explore ist Fitnessgerät und Navigator in einem.

Belohnungen für neue Bestleistungen sollen zusätzlich motivieren.
Vergrößern Belohnungen für neue Bestleistungen sollen zusätzlich motivieren.

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