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Geheimtreffen mit Entwicklern: Apple empfiehlt Abo-Modell

13.08.2018 | 16:30 Uhr | Stephan Wiesend

Schon vor einem Jahr soll Apple App-Entwicklern den Wechsel zu Software-Abos angepriesen haben.

Knapp 30 Softwareentwickler waren es, die Apple im April 2017 zu einem geheimen Treffen einlud. Wie "Business Insider" unter Berufung auf Teilnehmer berichtet , ging das Treffen von Apple aus. Die Entwickler wurden von Apple wohl gezielt als Repräsentanten des App Store ausgesucht, das Thema war nämlich die Weiterentwicklung des Geschäftsmodell App Store: Mitte 2017 stand Apple kurz vor dem Umbau seines iOS-Stores und wollte offensichtlich um Unterstützung der Entwickler werben. Das Problem für Entwickler laut Apple: Das Geschäftsmodell der Apps habe sich geändert und Entwickler erfolgreicher Apps müssten auf langfristige Einnahmen achten. Eine ideale Lösung wäre deshalb der Wechsel zu einem Abo-Modell.

Die Hintergründe: Seit der Gründung des App Stores 2008 ist der Kaufpreis der einzelnen Apps gering und die Nutzer  an Preise wie ein oder zwei Dollar pro App gewöhnt. Das ist aber für die Finanzierung einer langfristigen Softwareentwicklung für viele kleine Firmen zu wenig – sind doch nach Veröffentlichung einer App die Einnahmen schnell am Sinken, es gibt aber weiter Kosten für Software-Pflege und kostenlose Updates.

Betroffen sind von diesem Problem vor allem Apps wie Dienstprogramme, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen. Apps, die Dienstleistungen anbieten, haben dieses Problem dagegen nicht. Den Entwicklern wurde deshalb im Meeting ausdrücklich der Wechsel zu einem Abo-System geraten, das laut aktuellen Zahlen steigende Umsätze bringt. Schon 2016 hatte Apple ein entsprechendes Abo-System eingeführt, das durch das Gebührenmodell des Store auch Apple steigende Einnnahmen verspricht.

Ein Jahr später ist Apple mit den Ergebnissen offenbar zufrieden – zumindest laut Äußerungen von Tim Cook. Die Anzahl der per Abo verkauften Apps sei noch eher gering, aber die Aboeinnahmen von Apple- und Dritthersteller-Apps wären gegenüber dem Vorjahr auf über 300 Millionen Dollar gestiegen, ein Wachstum von 60 Prozent. Bereits 30 000 Apps wären verfügbar, gegenüber den insgesamt 2 Millionen Apps im Store sind sie aber noch in der Minderheit. Auch bei den Gebühren hält sich Apple bei den Abo-Apps ja stärker zurück. Beim ersten Abschluss eines Abos geht zwar 30 Prozent als Gebühr an Apple, bei folgenden Abo-Zahlen sinkt der Apple-Obolus laut Artikel aber auf 15 Prozent.

Wie "Business Insider" berichtet, wird der Erfolg des Abo-Modells von manchen Beobachtern angezweifelt. So vermutet ein Analyst, viele der Abo-Annahmen würden von Diensten wie Netflix und HBO stammen, weniger kleinen Entwicklern. Sind doch in den Umsatzzahlen auch Apples Dienste wie Apple Music enthalten. Selbst der Aufwand des Wechsels zu einem Abo-Modell sollte nicht unterschätzt werden: So soll die Entwickler der Text-App Ulysses, die nur noch als Abo verfügbar ist, allein die technische Umsetzung anderthalb Mannjahre (bzw. anderthalb Jahresgehälter) gekostet haben. Negative Reaktionen der Nutzer bleiben dabei noch unberücksichtigt.

Unsere Meinung: Vermutlich war dieses Treffen nur eines von vielen. Der von Apple so vehement empfohlene Wechsel von der Kauf- zur Abo-Software ist ein eindeutiger Trend, immer öfter sind Apps nur noch als Abo zu haben. In den USA und UK werden Software-Abos nebenbei weit besser akzeptiert als in Deutschland. Warum sich Apple aber weiterhin gegen kostenpflichtige Updates ausspricht, eine alte Forderung vieler Entwickler, ist uns weniger verständlich.

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