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Günstige Akku-Reparatur: Hat sie Apples Bilanz verhagelt?

15.01.2019 | 13:28 Uhr | Stephan Wiesend

Im letzten Jahr hat Apple 11 Millionen Akkus vergünstigt ausgetauscht, möglicherweise hat dies für viele Kunden einen Neukauf ersetzt.

Für die schlechten Geschäftszahlen im letzten Quartal lieferte Apple bereits viele Erklärungen : Die schlechte Konjunktur in China, die sich auch auf die Absätze des teuren iPhones auswirken soll der Hauptgrund gewesen sein. Dann gibt es noch den den so genannten „S-Effekt“, den Apple nicht nennt, aber viele Experten für eine der Ursachen halten: Schon öfter litten iPhone-Modelle mit S-Namen, die einem komplett neuen Modell wie dem iPhone 6 oder iPhone X folgten, unter schwachen Verkaufszahlen. Schon das iPhone 6S enttäuschte gegenüber dem erfolgreichen iPhone 6. So bietet auch das iPhone XS für einen Besitzer eines iPhone X wenig Gründe zum Upgrade. Das führte wohl alles zu sinkenden Umsätzen.

Trotzdem bleiben einige Fragen offen: Apple hatte seinen Aktionären noch im November 2018 einen Umsatz zwischen 89 und 93 Milliarden versprochen – mit 84 Milliarden blieben die Umsätze aber knapp 5 Milliarden Dollar unter Apples eigenen Erwartungen. Apple bleibt natürlich mit 84 Milliarden Umsatz steinreich, trotzdem scheint Apple sich um einen Betrag von fünf bis acht Milliarden verrechnet zu haben – was einem CEO wie Tim Cook eigentlich nicht passieren sollte. Die Probleme mit der chinesischen Wirtschaft waren ja kein Geheimnis.

Die Lösung für diese Fehleinschätzung könnte simpel sein: Laut Cook soll nämlich die im letzten Jahr laufende Akku-Tauschaktion ebenfalls Kaufzurückhaltung ausgelöst haben. Das klingt etwas weit hergeholt, auch ein Apple-Kenner wie Jean-Louis Gassé wollte dies anfangs kaum glauben. Laut internen Zahlen von John Gruber lagen die Zahlen der Upgrade-Aktionen aber überraschend hoch und über allen Erwartungen von Apple. Wie Tim Cook bei einem internen Apple-Meeting erklärte, hatte Apple mit ein bis zwei Millionen Akku-Upgrades gerechnet, insgesamt aber wurden 11 Millionen Akkus zum Sonderpreis von 29 Dollar verbaut. Wie Gruber vermutet, hat sich dies dann bei Einführung der neuen Modelle iPhone XR und XS ausgewirkt, ein Effekt, den Apple völlig unterschätzte: Einige Millionen an iPhone-Besitzern, die vor einer Kaufentscheidung standen, waren dank neuer Akkus völlig zufrieden mit der Performance ihres alten Modells und verschoben den Neukauf. Nachvollziehbar: Kurz nach der „Überholung“ seines vertrauten und dank Akku taufrischen iPhone 7 oder iPhone 8 Plus ist man einfach weniger zum Neukauf bereit.

Unsere Meinung:

Die große Anzahl der Akku-Upgrades hat Apple wohl wirklich überrascht und die Auswirkungen auf die Verkäufe wollte man vermutlich nicht wahrhaben. Er war aber wohl groß: Hätte nur ein Drittel der elf Millionen Akku-Upgrader ein iPhone XS gekauft, hätten sich Apple Umsätze um fast vier Milliarden Dollar erhöht – und Apple seine Umsatzerwartungen nicht verfehlt.

Einen ähnlichen Effekt hatte vermutlich das 2018 eingeführte iOS 12, das manch altem iPhone plötzlich wieder zu zeitgemäßer Performance verhalf.

Die schlechten Verkaufszahlen in China kann dies zwar nicht entschuldigen, zumindest die peinliche Fehlkalkulation von Apple aber erklären. Zumindest kann sich Apple damit trösten, dass das Akku-Upgrade Apple bei seinen Nutzern viele Bonuspunkte brachte – langfristig also gut für das Ökosystem Apple ist. Tim Cook hat ja immer wieder betont, Kundenzufriedenheit sei für ihn weit wichtiger als hohe Aktienkurse. Ein Trost für Cupertino: Der „Akku-Effekt“ hat ja vermutlich nur eine aufschiebende Wirkung: 2019 wird das Programm nicht mehr die Verkaufszahlen schädigen und die zahllosen Nutzer eines iPhone 6S und iPhone SE werden langsam ein neues iPhone benötigen. Und leider wird wohl auch iOS 13 weit höhere Hardwareanforderungen stellen als iOS 12. Schließlich unterstützt iOS 12 noch die Geräte mit dem A7-Chip aus dem Jahr 2013: iPhone 5S und iPad Mini 2.

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