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Handystrahlung und Krebs: Bundesamt widerspricht US-Studie

12.02.2019 | 13:30 Uhr |

Eine US-Studie hatte bei Ratten eine Erkrankung durch Handystrahlung nachgewiesen, das Bundesamt für Strahlenschutz bezweifelt aber die Anwendbarkeit auf Menschen.

Führt Handynutzung zu Hirntumoren? Diese Frage wird seit Jahrzehnten heiß diskutiert, eine neue US-Studie sollte hier für Klarheit sorgen. Ratten und Mäuse wurden für die Studie über zwei Jahre 2G- und 3G-Strahlung ausgesetzt, danach obduziert und auf Krebserkrankungen untersucht.

Die Forscher des National Toxicology Program kamen in ihrer zehn Jahre laufenden und und Oktober 2018 veröffentlichten Abschlussbericht zu folgendem Ergebnis : Bei männlichen Ratten führe Mobilfunkstrahlung unter hoher Ganzkörperexposition zur Entstehung von Tumoren am Herzen. Schwächer seien Belege für die Entstehung von Hirntumoren und Erkrankungen des Nebennierenmarks. Bei weiblichen Ratten und Mäusen ließen sich dagegen keine erhöhten Risiken nachweisen. Zumindest für männliche Ratten sieht deshalb das NTP einen klaren Zusammenhang zwischen Strahlung und Krebserkrankung als erwiesen an.

In einer Pressemitteilung hat nun das Bundesamt für Strahlenschutz eine ausführliche Stellungnahm e veröffentlicht. Nach Meinung des BfS für Strahlenschutz sei das Ergebnis nicht auf Menschen übertragbar. Es gebe Hinweise auf eine karzinogene Wirkung, die Studie liefere aber keineswegs einen klaren Beweis. Das Bundesamt hat zahlreiche Kritikpunkte an der 30 Millionen Dollar teuren Studie und sie ausführlichst dokumentiert :

Wichtigste Kritik: Die in der Studie genutzte Strahlendosis wäre deutlich oberhalb bestehender Grenzwerte und könnte sogar zu einem Erwärmungseffekt bei den Nagetieren führen. Vereinfacht gesagt: Statt nicht-thermischer Effekte durch Strahlung könnte thermischer Stress die Ursache der Erkrankungen sein. So würde dies die fast ausschließliche Erkrankung der größeren und schwereren männlichen Ratten erklären, deren Herz und Kreislauf einfach stärker belastet wurde, – was ebenfalls zu malignen Erkrankungen führen kann. Das Bundesamt hat noch eine Reihe an weiteren Kritikpunkten an der Studie, so starben viele Ratten in der Kontrollgruppe ohne Strahlenbelastung vor Ablauf des zwei Jahre dauernden Tests – möglicherweise bevor sie eine Krebserkrankung entwickeln konnten.

In diesen Kammern wurden die Nagetiere Handy-Strahlung ausgesetzt.
Vergrößern In diesen Kammern wurden die Nagetiere Handy-Strahlung ausgesetzt.
© NTP

Das BfS will damit aber nicht behaupten, Handystrahlung sei ungefährlich. Um eine schädliche Körpertemperaturerhöhung auszulösen, müsste der geltende Ganzkörper SAR-Wert von 0,08W/kg aber um den Faktor 50 übertroffen werden.

Unsere Meinung:

Schon seit Jahrzehnten ist man sich uneins, ob die Strahlung eines Handys gesundheitsschädlich ist. Leider scheint auch die neueste US-Studie nicht mehr Klarheit liefern zu können. Da die Studie schon 2007 geplant wurde, bleiben außerdem neuere Technologien wie 4G und 5G unberücksichtigt. Nicht nur Laien lassen Studienergebnisse wie „Höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aber Krebserkrankung bei den männlichen Tieren“ etwas ratlos zurück. Als Entwarnung will das BFS ihre Kritik aber nicht verstehen. Grundsätzlich rät das BfS, die tägliche Dosis an Handystrahlung zu minimieren – etwa per Headset oder die Nutzung von Textnachrichten . Wie gesundheitsschädlich Handys wirklich sind, lässt sich wohl erst in einigen Jahren durch epidemiologische Studien feststellen.

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