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Heute vor 22 Jahren: Apple kauft Next, Steve Jobs zurück

20.12.2018 | 09:21 Uhr |

Wer vor 22 Jahren in den IT-Redaktionen auf einen ruhigen Tag hoffte, wurde eines Besseren belehrt. Große Nachrichten kamen aus Cupertino.

Das Weihnachtsfest fällt heuer wieder recht Arbeitnehmer-freundlich in den Kalender, aber das ändert sich ja von Jahr zu Jahr. Im Jahr 1996 etwa fiel der Heilige Abend auf einen Dienstag, der 20. Dezember somit auf einen Freitag. Für die meisten war das dann auch der letzte Arbeitstag vor den Ferien, den man ja locker ausklingen lassen konnte, wenn alles erledigt war. Was soll da noch groß passieren?

An jenem Freitag vor 22 Jahren passierte aber noch jede Menge und das sogar noch zur hiesigen Abendstunde. Denn Apple gab im fernen und gerade erwachenden Kalifornien eine Sensation bekannt: Der verlorene Sohn Steve Jobs werde mitsamt seiner Zweitgründung NeXT nach Cupertino zurück kehren. Der Kaufpreis: 430 Millionen US-Dollar. Das ist auch ohne Inflationszuschlag für 22 Jahre Apples zweitgrößte Akquise nach der von Beats im Jahr 2013, sogar Shazam hat mit 400 Millionen vor einem Jahr weniger gekostet.

Das Geld war aber bestens investiert, denn ohne das Eingeständnis, mit seinem Latein am Ende zu sein und den elf Jahre zuvor vergraulten Gründer wieder in das Unternehmen zu holen, wäre Apple heute Geschichte. NeXT aber auch nicht mehr existent, denn es bewahrheitete sich Steve Jobs' Prognose aus dem Gründungsjahr 1986: "Wir sind entweder der letzte Computerhersteller, der es schafft oder der erste, der es nicht schafft." Wobei sich das "nicht Schaffen" vor allem auf die Hardware bezog, die NeXT-Workstations waren zwar elegant und höchst leistungsfähig, aber eben viel zu teuer und ohne einen Markt, der die Firma dauerhaft hätte ernähren können.

Das eigentliche Asset der Firma lag aber in der Software und dem Team, das sie entwickelte. Aus dem Betriebssystem NeXTStep respektive Open Step wurde die Grundlage der kompletten Softwarebasis für das Apple von heute: Mac-OS X. macOS, iOS, tvOS und watchOS sind im Wesentlichen Ausgliederungen aus dem zentralen Betriebssystem, das wiederum auf einem Unix-Kern aufsetzt: Free BSD.

Apple hatte seinerzeit die Wahl zwischen NeXT und einem anderen Unternehmen eines Ex-Mitarbeiters, Jean-Louis Gassées Be Inc. Apples damaligem CEO GiI Amelio muss es damals vorgekommen sein wie die Wahl zwischen Skylla und Charibdis, ihm war klar, dass entweder Jobs oder eben Gassée ihm den Posten an der Unternehmensspitze würden streitig machen. Dass die Wahl auf NeXT fiel und nicht auf Be hatte wohl auch damit zu tun, dass Gassée zu hohe Forderung stellte, was den Kaufpreis und seinen Posten im Unternehmen betraf.

Steve Jobs hingegen ließ sich weit bescheidener an jenem Freitag vor 22 Jahren als externer Berater engagieren. Als solcher baute er jedoch sogleich den Aufsichtsrat um, im August 1997 war Gil Amelio bei Apple Geschichte. Die Erfolgsgeschichte des NeXT-Kernes in Apple hatte da noch gar nicht begonnen, die finale Version von Mac-OS X 10.0 kam erst im März 2001 auf den Markt. Aber auch eine andere Entwicklung hatte NeXT im Gepäck, die sofort durchstarten konnte: Die Entwicklungsumgebung für Internetanwendungen WebObjects. Darum ging es schlussendlich auch bei Apples Suche nach einem neuen Betriebssystem: Das klassische macOS war auf das Internet nur mäßig vorbereitet und schließlich zum Flickwerk verkommen.

Zu den Lehren des 20. Dezember 1996 gehört aber auch, dass man nicht zu früh in die Ferien geht. Wir rechnen zwar heute und morgen nicht mit weltbewegenden Nachrichten von unserem Lieblingshersteller, bleiben aber bis zuletzt am Ball. Heute Nachmittag etwa werden Sie unter magazin.macwelt.de und in unserer Kiosk-App die digitale Ausgabe über die Apple-Trends des Jahres 2019 finden. Immerhin wird der Mac im Januar 35 Jahre alt und auch halbrunde Jubiläen sollte man ausgiebig feiern.

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