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HomePod: Alexa-Killer oder Abspielgerät für Apple Music?

07.06.2017 | 08:52 Uhr |

Back in Black: Beim neuem Lautsprecher HomePod geht es vor allem um das Abspielen von Apple Music, Siri scheint dagegen fast nur ein Bonus zu sein.

Bei der Vorstellung des HomePod während der WWDC fiel es sofort auf: Während sich  Phil Schiller ausführlich über die Tonqualität und Apple-Music-Unterstützung begeisterte, wurde das Thema Siri nur kurz angerissen. So gab es keine obligatorische Vorführung einer Terminplanung per Siri, nicht einmal der Spielstand der NBA-Playoffs wurde abgefragt - das hätte die meisten Entwickler aber auch wohl kaum mehr vom Hocker gerissen.

Offensichtlich setzt Apple vor allem auf die Funktion als Lautsprecher. Das Gerät würde in der tägliche Nutzung vorrangig als Abspielgerät für Apple Music dienen - diese Aufgabe soll es aber auch richtig gut erfüllen. In gewisser Weise legt der Name ja schon nahe, dass es sich um den iPod-Nachfolger für die Wohnung handeln soll.

Nach der Keynote konnten Journalisten den HomePod gegen seine offensichtlichen größten Konkurrenten probehören: Den Lautsprecher Amazon Echo und den drahtlosen Lautsprecher Sonos 3 . Die Auswahl ist kein Zufall, so hat der HomePod Kontrahenten aus gleich zwei Lagern: WiFi-Lautsprecher und intelligente Assistenten wie Google Home und Alexa.

Konkurrent: Wifi-Lautsprecher

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der HomePod sollte mit drahtlosen Laustprechern wie JBL Flip oder Bose Sound Link konkurrieren. Das ist aber falsch, handelt es sich hier doch um tragbare Akku-Geräte, die nur per Bluetooth kommunizieren. Dank Netzanschluss und Wi-Fi-Unterstützung ist der HomePod aber klanglich eine Klasse höher angesiedelt und konkurriert mit hochwertigen drahtlosen Lautsprechern, den so genannten Multiroom-Lautsprechern: Geräte wie Denon Heos, Teufel Raumfeld Cube oder Bose Soundtouch . Das ist ein Marktfeld, das sich erst seit einigen Jahren immer stärker etabliert hat, vor allem die Beliebtheit von Musikstreaming war dafür eine Ursache. Erfolgreich ist hier vor allem Sonos mit Lautsprechern mit Sonos 3 und Sonos 4. Diese sind zwar per App steuerbar, bieten aber keine künstliche Intelligenz wie Siri oder Alexa. Zumindest die klangliche Abstimmung an einen Raum beherrschen die neueren Lautsprecher aber ebenfalls. Gerade die Nutzung von Webdiensten wie Apple Music und vor allem Spotify ist ihre Stärke.

Der Sonos Play 3 unterstützt neben Spotify auch Apple Music.
Vergrößern Der Sonos Play 3 unterstützt neben Spotify auch Apple Music.

Gegen diese Konkurrenten könnte sich Apple dank seiner intelligenter Software behaupten. So kann man ja den HomePod während des Abspielens etwa Fragen stellen wie „Wann wurde der Song aufgenommen“, „Wer ist der Drummer?“ oder „Spiel den Moana Soundtrack“ und „Ergänze den Song zu meiner Workout-Abspielliste“. Was die Klangqualität betrifft, sind wir aber auf die ersten ausführlichen HomePod-Tests gespannt. Schlechter als bei Apples erstem Lautsprecher Boombox kann sie aber kaum sein, auch die Besucher der WWDC berichten bisher von einem guten ersten Eindruck . Laut WhatHifi ist der Klang hervorragend, aber eher basslastig.

Konkurrent: Spotify

Nicht vergessen sollte man, dass beim Thema HomePod indirekt auch zwei Streaming-Dienste konkurrieren: Apple Music gegen Spotify. Gerade für Kunden von Apples Musikdienst ist ein guter und moderner Lautsprecher nämlich dringend nötig. Während Spotify von Geräteherstellern in breitem Umfang unterstützt wird, sieht es mit der Verbreitung von Apples Protokoll Airplay bzw. Apple Music eher mau aus. Vermutlich hat der HomePod nicht zuletzt die Aufgabe, den Verkauf von Apple Music-Abos zu steigern und Apple-Fans ein angemessenes Musik-Abspielgerät zu bieten. So sind die Abonnentenzahlen des Apple-Dienstes doch deutlich hinter Spotify zurück - dabei sollen Dienste doch eigentlich Apple neue Umsatzzuwächse garantieren. Das würde auch erklären, warum der HomePod preislich eher günstig ist - zumindest für ein Apple-Produkt. Natürlich unterstützt der HomePod auch Spotify und andere Streaming-Dienste - dass dies von Apple bei der Präsentation aber ausgespart wurde, ist keine Überraschung.

Konkurrenten: Alexa Echo und Google Home

Geradezu ein Nebenthema war die Bedienung per Siri: Etwas verwunderlich, da Konkurrenten wie Alexa und Google Home ihre Geräte vor allem über die Funktion als  Sprachassistent verkaufen. Dabei scheint der HomePod hier einiges zu bieten zu haben: Man kann wie mit Siri Internetabfragen starten wie „Welche Bücher hat James Patterson geschrieben“, „Was ist das nächstgelegene koreanische Restaurant“ oder „Schreibe eine Nachricht an Erik, dass wir uns um 7 im Theater treffen“. Das ist sicher eine tolle Funktion des Home Pod. Aber eigentlich doch längst nicht mehr neu und eine Aufgabe, die das iPhone oder iPad des Nutzers besser erledigen könnte.

Die Siri-Unterstützung ist sehr umfassend.
Vergrößern Die Siri-Unterstützung ist sehr umfassend.

Auf einen Wettkampf im Bereich der künstlichen Intelligenz scheint sich Apple aktuell  nicht einlassen zu wollen. So betonte Phil Schiller lieber den guten Datenschutz der Lösung. Datenverbindungen zu Apple sollen nur verschlüsselt erfolgen, außerdem anonymisiert. Bei einem Lautsprecher, der permanent die Umgebung „belauscht“ eigentlich eine echte Stärke der Apple-Lösung. Das hier Google und Amazon weniger restriktiv mit Daten umgehen, scheint ihre Nutzer allerdings kaum zu stören.

Das bedeutet nicht, dass Apple sich Alexa und Google Home nicht genau angesehen hätte, so wirkt der neue Lautsprecher nach unserer Meinung geradezu wie ein Gegenentwurf: Bei Echo und Home habe sich Amazon und Google für einen Kompromiss zwischen Preis und Klangqualität entschieden. Tester bemängeln bei Amazon Alexa deshalb etwa den blechernen Klang, bei höheren Lautstärken und Mängel bei der Spracherkennung bei laufender Musik - beides in der Keynote betonte Stärken des neuen Apple-Gerätes. Aber auch der Klang von Google Home gilt eher als „zufriedenstellend“ denn als gut. Man kann zwar ein Echo-Dot auch an eine gute Stereoanlage anschließen, ein einzelnes Gerät mit guten Lautsprechern ist aber die elegantere Lösung und Apple sieht hier offenbar ein Alleinstellungsmerkmal für seine Lösung.

Auch Googles Lautsprecher hat eine begrenzte klangliche Qualität.
Vergrößern Auch Googles Lautsprecher hat eine begrenzte klangliche Qualität.

Nicht unterschätzen sollte man außerdem die Unterstützung von Homekit. Dank erstklassiger Mikrofone hat man mit dem HomePod erstmals ein Gerät in sein Heim, das permanent auf Befehle wartet und Homekit-Geräte wie Philips Lampen oder Elgato Thermostate steuern kann. Leider sind Homekit-Geräe in Deutschland noch etwas selten.

Fazit:

Der HomePod ist eine interessante Alternative zu Amazon Echo und Google Home, dank guter Tonqualität könnte er sogar Apple Music einen Schub geben. Wir sind aber sehr gespannt, ob das Gerät die hohen klanglichen Ansprüche auch in der Praxis erfüllen kann.

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