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Homepod: Das muss besser werden

19.04.2018 | 10:50 Uhr |

Der Homepod klingt schon mal recht gut und auch Siri liefert gar keine schlechten Ergebnisse. Es muss aber noch einiges besser werden.

Update vom 19. April 2018: Der Homepod ist bisher nicht der erhoffte Erfolg, anstatt zehn Millionen Stück pro Jahr wird Apple eher nur zwei bis drei Millionen des smarten Lautsprechers verkaufen, meint KGI-Analyst Ming-Chi Kuo. Apple gehe daher der Überlegung nach, einen Homepod Mini zu einem günstigeren Preis anzubieten, um Wachstum in diesem Segment zu erreichen.

Wie Apple sonst noch in die Spur kommen und zur echten Konkurrenz zu Amazon und Google in diesem Segment aufsteigen könnte, fragt sich Christina Bonnigton auf slate.com – und liefert auch eine Antwort. Apples bislang überschaubarer Erfolg habe nur teilweise mit dem Preis zu tun, sondern mehr mit der Abkapslung des Systems. Der Homepod setzt auf Apple Music alleine und ignoriert das immer noch deutlich größere Spotify und andere Dienste, hier liege aber die Ursache des Problems. Wenn Apple tatsächlich den Homepod aus seiner Nische mit einem geschätzten Marktanteil von drei Prozent bringen wolle, müsse es auch die Musik-Streamingdienste Dritter integrieren und sie mit Siri vernünftig auf dem Homepod steuern lassen. Schon jetzt kann man beliebig Musik von Spotify, Deezer,Tidal und anderen auf dem Homepod abspielen, aber eben nur über den Umweg Airplay , auf dem iPhone oder iPad den Homepod als drahtlosen Lautsprecher nutzen. Das ist aber nicht im Sinne eines intelligenten Lautsprechers, der seinem Besitzer auf's Wort gehorcht und dessen Musikgeschmack immer besser kennen lernt.

Stand vom 21. Februar 2018 : Der größte Raum ist immer der Raum für Verbesserungen – das klingt im Deutschen ein wenig schief, der "Room for Improvement" ist eine derart gängige Redensart im Englischen, dass die direkte Übersetzung sich so einbürgern könnte wie zuvor schon "Sinn machen" oder "in 2018". Sinn machen würden in 2018 und 2019 für den Homepod aber noch jede Menge Verbesserungen, zuerst muss aber die Lokalisierung kommen. Doch schon jetzt haben unser Macworld-Kollege Jason Cross und wir einige Felder ausgemacht, auf denen Apple gewiss Verbesserungsbedarf hätte. Einiges davon wird zweifelsohne kommen, wie das Multiroomsystem per Airplay 2, auf anderes wird Apple vermutlich aus strategischen Überlegungen verzichten, etwa die Öffnung zu anderen Streaming-Diensten. Hier aber sieben Punkte, die uns wichtig erscheinen:

Zuallererst : Wir wollen den Homepod auch in Deutschland, und zwar bald. Mit lokalisierter Siri und einem in EU-Steckdosen passenden Stecker. Dass man diesen auch am Gerät abziehen könnte, ohne Schaden anzurichten, wäre das Nonplusultra. Doch falls Apple einen flachen Stecker anschließt, wären wir auch damit zufrieden. Den dicken UK-Stecker haben wir aber nicht hinter unser Regalbrett hindurchfädeln können, weswegen wir ja überhaupt erst auf die Idee des abziehbaren Kabels gekommen sind.

Zweitens: Multi-User

Klar: Die Apple Watch ist das persönlichste Produkt, das Apple nach eigenen Angaben je gebaut hat. Das iPhone ist mit Sicherheit auch am Besten bei einem Individuum aufgehoben, beim iPad beißt es aber schon aus. Warum Apple für das Tablet, das gerne im Familienkreis gemeinsam genutzt wird, immer noch kein Multiuser-System anbietet, lässt sich beinahe nur mit einer dahinter steckenden Strategie erklären – soll halt jeder in der Familie oder der Arbeitsgruppe ein eigenes iPad kaufen. Beim Homepod greift eine derartige Erklärung aber viel zu kurz. Selbst wenn sich die Familie oder WG mehrere Lautsprecher anschaffen sollte, immer wird einer oder mehrere in gemeinsam genutzten Räumen stehen – eben dem Wohnzimmer, in dem Apple den primären Einsatzort des Homepod sieht. "Hey Siri, spiele meine Lieblingsmusik!" – das kann in einem Vierpersonenhaushalt acht unterschiedliche Stilrichtungen bedeuten oder gar mehr. Vater steht auf Rock und Soul, Mutter auf Schlager und Klassik, Sohn auf Jazz und R&B, Tochter auf Dance und Pop. Siri kann auf dem Homepod aber einfach (noch) keine Stimmen unterscheiden und denen verschiedene Mediatheken respektive Apple-Music-Accounts zuordnen. Noch schlimmer: Wenn die Personal Requests einmal (auch auf Deutsch) funktionieren, will oder soll der Vater nicht erfahren, woran sich die Tochter erinnern lassen will. Ganz schlimm: Wenn albern gelaunte Gäste nach ausführlicher Plünderung des Weinkellers des Gastgebers auf die Idee kommen, unter dessen Namen interessante Nachrichten an beliebige Kontakte diktieren. Am allerschlimmsten: Die abgefüllten Gäste kommen auf abstruse Musikwünsche, die die Siri-Empfehlungen für den Hauptaccount nachhaltig ruinieren. Die Horrorszenarien kann man zwar vermeiden, indem man die Personal Requests abstellt und Siri sagt, sie solle sich auf dem Homepod gespielten Titel nicht merken, aber das sind doch gerade zwei Features, die das System Apple Music – Homepod – Siri von der Konkurrenz abheben könnten. Warum also darauf verzichten? Apple muss in Sachen Multiuser und Stimmenunterscheidung dringend nachlegen.

Drittens: Andere Musikdienste

Das ist wohl eher ein frommer Wunsch, warum sollte Apple auch sein System der Konkurrenz gegenüber öffnen? Der Homepod hat offenbar ein vergleichsweise geringe Marge, sprich, Apple verdient eher indirekt damit. Vom Klang überzeugte Käufer lösen vielleicht doch ein Probeabo und bleiben nach der dreimonatigen Probezeit überzeugt dabei. Oder sie kommen dann doch nicht mehr auf die Idee, ihr iPhone gegen ein Android einzutauschen. Auf der anderen Seite ist die starre Bindung an Apple Music womöglich eine zu hohe Hürde. Denn es soll Musikfreunde geben, die Spotify schon entdeckt hatten, als man in Cupertino das Thema Streaming noch als absurd betrachtete. So sind Mediatheken und Wiedergabeliste über etliche Jahre gepflegt, an Funktionen von Spotify hat man sich gewöhnt. Oder man ist Kunde von Amazon Prime und genießt es sehr, am Wochenende Live-Berichte vom Fußball per Stream empfangen zu können – nur halt nicht auf dem Homepod. Da ist mit Radio ohnehin nicht viel los, wir wollen aber nicht nur Beats 1 hören, sondern auch Bayern 1, SWR 2 und NDR 3. Natürlich geht das alles auch – Spotify, Amazon Prime Fußball, Radio – per Airplay-Stream von iPhone und iPad – aber dazu brauchen wir dann keinen Homepod, es gibt auch andere hörenswerte Lautsprecher in dieser Preisklasse.

Wenn eine Öffnung des Homepods für Dritte erst einmal unwahrscheinlich erscheint, unmöglich ist sie nicht. Wir kennen Präzedenzfälle: Der iPod arbeitete in seiner ersten Version ausschließlich mit dem Mac zusammen, das iPhone ebenso. iTunes auf Windows und native Apps kamen jeweils erst mit der zweiten Generation ein Jahr später. Andere Geräte aus dem Apple-Kosmos sind schon jetzt weit offener: Airpods kann man natürlich auch mit einem Android-Handy nutzen, auf dem Apple TV die Inhalte von Amazon Prime und Netflix abspielen. Für das iPhone braucht man längst keinen Mac mehr, ja, inzwischen gar keinen anderen Computer.

Apple müsste aber das SiriKit um eine Musikdomain öffnen, damit man per Sprache auch andere Dienste bedienen kann. Doch hat Apple noch an anderer und – wie wir meinen – wichtigerer Stelle an Siri zu schrauben, so schnell wird das nicht passieren. Im Gegenteil scheint nun auch Spotify an einem eigenen Lautsprecher zu arbeiten . Horror: Vierpersonenhaushalt mit vier unterschiedlichen Smart-Speaker-Systemen. Aber dann können sich Frau, Sohn und Tochter auf ihren jeweiligen Geräten ganz ihren persönlichen Requests widmen …

Viertens: Bluetooth-Speaker

Apple treibt Technologieeinsatz auf die Spitze: Der NFC-Chip in Apple Watch und iPhone ab 5S dient lediglich zur Bezahlung mit Apple Pay – ist in Deutschland also noch recht nutzlos. Jetzt im Homepod eine ähnliche, nun ja, Verschwendung: Der smarte Lautsprecher kann zwar Bluetooth 5.0 – aber  nur beim Einrichten, dann schaltet der Homepod diesen Funkkanal ab. Was wäre aber, könnte man den Homepod einfach als Bluetooth-Lautsprecher betreiben und damit etwa auch Gästen ihre Musik so anhören lassen? Die wollen dann auch alle einen haben, bestimmt. Siri könnte man ja recht leicht beibringen, Bluetooth an- oder auszuschalten. Apple wird sich aber darauf berufen, dass Airplay die fortschrittlichere Technik sei. Müssen die Gäste halt ihre Apple-Geräte mitbringen und um Einlass in das drahtlose Netz bitten, in dem auch der Homepod hängt.

Fünftens: Bessere Integration

Ja, der Homepod ist exklusiv für das Apple-Universum gemacht, das haben wir längst verstanden. Und dennoch könnte die Integration in das Apple eigene Ökosystem besser sein. Ja, besser. Zwar gelingt es unseren Kollegen der Macworld, den Homepod als Audio-Ausgang für das Apple TV zu nutzen, die Erfahrungen sind damit aber recht gemischt. Besser wäre doch der umgekehrte Weg: "Hey Siri, zeig mir wie das Wetter wird auf dem Apple TV (respektive dem daran angeschlossenen Fernsehapparat)". Amazon hat mit dem Echo Show einen Teil dieses Weges schon beschritten. Sicher, bei der Navigation ist ein Bildschirm unerlässlicher, auch andere Informationen zeigt Siri auf Wunsch besser als Bild auf Apple TV, iPhone und iPad als nur darüber zu sprechen. Für die meisten Einsatzzwecke des Homepod ist eine Visualisierung unnötig. Aber haben wir nicht auch ein paar coole Videos in unserer iTunes-Mediathek, von der wir nicht nur die Tonspur hören wollen? Apple hat doch selbst in seinen verzweifelten Aktionen, das Album zu retten, diverse Formate erfunden, von vielen im iTunes Store erworbenen Komplettwerken haben wir nun Bonusmaterial wie Making-of-Videos oder Interviews in der iCloud herumliegen. Das wollen wir nicht nur hören, sondern auch sehen!

Ein anderes Beispiel für eine bessere Verknüpfung zwischen einzelnen Geräten: Im Auto haben wir via iPhone und Carplay auf der Heimfahrt einen interessanten Podcast gehört oder ein fesselndes Hörbuch. Oder ein Musikwerk ließ uns nicht los. Wie wäre es, würde der Homepod sofort an der zuletzt gehörten Stelle wieder einsetzen, wenn wir ihm nach dem Betreten des Wohnzimmers höflich darum bitten? Und dass die Apple Watch zwar in der Lage ist, Musik zu regeln – Skip, lauter/leiser, Start/Stop – wenn sie per Stream (Bluetooth oder Airplay) auf einem externen Lautsprecher dudelt, aber nicht das, was gerade der Homepod sich direkt aus der Cloud zieht, ist eine kleine Enttäuschung. watchOS 5 sollte diesbezüglich nachlegen, nicht immer will oder kann man etwas per Sprachkommando regeln.

Überhaupt, die Apple Watch: Wenn ich schon der alleinige Nutzer des Homepods bin – sein muss – dann sollte der Homepod doch auch erkennen, ob ich im Raum bin und wenn ich diesen verlasse, die Musik anhalten? Oder erst mal ein wenig lauter machen, damit ich in der Küche auch etwas höre?

Sechstens: Multi-Speaker

Das wird kommen, Apple hat es versprochen. Mit Airplay 2 wird es möglich sein, mehrere Homepods zu einem Multi-Room-System zu koppeln. Dann läuft in der Küche das Gleiche wie im Wohnzimmer oder im Arbeitszimmer im Keller. Nur hat Apple noch mit der Software zu kämpfen, aus der dritten Beta von iOS 11.3 ist Airplay 2 entfernt, ungewiss, ob es vor der Veröffentlichung der finalen Version zurück kommt, so fehlerhaft war es bisher. Die Sache ist auch recht komplex. Schon wenn man zwei Homepods zu einem Stereosystem zusammen koppeln will, steht man vor Herausforderungen. Denn die Homepods müssen dann unabhängig voneinander  den Raum vermessen und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen, welcher Mix denn nun optimal ist für den Raum und den Standort. Das wird von Anfang an auch fehlerfrei funktionieren müssen. Hinzu kommt die Herausforderung, dass ein jeder Homepod den anderen wird steuern müssen und das auch ohne Murren. Steht man in der Küche und brutzelt gerade bei vollem Einsatz des Dunstabzugs, muss der KitchenPod lauter werden, ohne den LivingRoomPod mitzureißen – und umgekehrt. Steht man irgendwie zwischen allen Homepods, will man vielleicht selbst den Mix gestalten: Den einen Pod mach noch etwas lauter, den anderen dafür bitte wieder etwas leiser und der aus der Ferne könnte ein bisschen mehr Bass liefern. Würdest du das für mich tun, Siri? Oder anders: Vater will beim Kochen auf seinen Homepods in Küche und Keller seine Musik hören, die Gattin ungestört im Wohnzimmer die ihre. Einmal zusammen gespannte Homepods müssen sich leicht wieder trennen lassen. Für letzteres Szenario brauchen wir dann auch noch die zuvor geforderte Unterstützung mehrerer Nutzer.

Das wird also knifflig: Vor unseren geistigen Augen sehen wir jede Menge verzweifelte und übermüdete Ingenieure, die um die optimale Lösung für solche Szenarien ringen. Multiroom und Stereo werden kommen, gewiss. Bevor sich aber Homepod-Käufer einen zweiten oder gar dritten anschaffen, muss das auch perfekt sein. Was man von Apple kaum erwarten darf: Mengenrabatt für den zweiten, dritten und vierten Homepod...

Siebtens: Siri, versteh' mich nicht falsch

Zugegeben, über Siri können wir hierzulande noch lange kein abschließendes Urteil fällen, unsere Verständigungsprobleme sind noch zu groß. Was sie sagt, verstehen wir sehr gut, umgekehrt ist das nicht immer der Fall. Dass wir aber schon früh auf Grenzen stoßen, haben wir auch so bemerkt. Rückfragen etwa zu Themen, die Siri gerade vorträgt, scheitern meist. Da stört es beinahe weniger, dass das vom Homepod aus gesteuerte HomeKit bei Weitem nicht mit allen smarten Geräten im Haushalt kommuniziert, weil sich eben erst wenige auf Apples Lösung eingelassen haben und im Zweifel eher Amazons Alexa und Google Home den Vorzug geben.

Bei unseren Tests ist uns mehrmals auch passiert, dass Siri eine bestimmte Wiedergabeliste plötzlich nicht mehr findet und stumm bleibt – ohne Fehlermeldung. Andere Wiedergabelisten sind auffindbar, reproduzierbar ist das Verhalten nicht. Bugfixes dringend benötigt!

Überhaupt muss Siri schlauer werden, nicht nur auf dem Homepod. Die KI weiß zwar, wo die Olympischen Spiele Winter 2018 steigen, aber die Frage “Siri, what time is it in PyeongChang” erntet nur ein "Weiß nicht, wo das liegt" – auch dann, wenn Siri den Namen des Ortes richtig versteht. Erst “Siri, what time is it in PyeongChang, South Korea?” bringt eine Antwort: “In Seoul, South Korea, it’s 21:19”. Das mag zwar stimmen und im britischen Englisch auch mit dem 24-Stunden-Format, und Seoul ist zwar auch eine Olympiastadt in Südkorea, aber halt die von 1988. Auch nicht so ganz verstanden hat Siri, wollen wir Milch, Eier und Käse auf eine Einkaufsliste setzen. Wird halt eine Erinnerung daraus: "Milk, Eggs and Cheese". Na, ganz toll, das können andere digitale Assistenten besser. Und was die Küche betrifft: Alexa kann mehrere Timer gleichzeitig setzen. Etwa einen für die Kartoffeln, einen für das Gemüse und einen für den Backofen, die alle zu unterschiedlichen Zeiten beginnen und ablaufen. Siri auf dem Homepod kann genau einen Timer. Der meldet sich zwar mit einem durchaus angenehmen Sound bei Ablauf, aber was wirklich cool wäre, wenn man Siri sagen könnte, sie möge doch in vier Minuten, wenn der Kaffee in der French-Press-Kanne gezogen hat, doch mit Peter Cornelius daran erinnern: "Der Kaffee is' fertig... " Das kann die Konkurrenz zwar auch nicht, aber hier könnte sich Apple wieder abheben.

Homepod? Ja, gerne. Aber bitte recht bald schon Verbesserungen in der Software und den Services bringen. An der Hardware gibt es nichts zu meckern.

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