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Instar IN-9020 Full HD: Rundum-Außenkamera mit starkem Bild

20.08.2018 | 15:45 Uhr |

Einrichtung, Aufbau und Installation sind zwar ein wenig mühselig, für große Grundstücke lohnt sich der Aufwand in jedem Fall.

Begeistert legen wir bei der Installation der IP-Kamera Instar IN-9020 Full HD sofort los: Die Packungsinhalte sind selbsterklärend. Hier die Kamera, in ihrem schicken und robusten weißen Gehäuse, dort die Kabelpeitsche, dazu die beiden Halterungen für Wand und Decke und – als großer Pluspunkt – zwei Schablonen für die Bohrlöcher. Das hatten wir so auch noch nicht gesehen, aber jetzt, wo wir die Folien an die Wand kleben, um gleich die Bohrmaschine anzusetzen, wissen wir erst, was wir bei bisherigen Kameratests vermisst haben.

So begeistert sind wir, dass wir den Online-Einrichtungsassistenten erst einmal links liegen lassen, bohren, schrauben, stecken, fädeln und zufrieden die Kamera an der Wand betrachten. An sich könnten wir sie auch gleich wieder abschrauben, für die Einrichtung sollten wir sie besser in die Nähe des Routers bringen und die Kamera per Kabel verbinden.

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Denn leider funktioniert bei uns die Einrichtung per WPS nicht. Das liegt vermutlich aber nicht aber der Kamera,  unser Router hat zwar das Wi-Fi Protected System zu bieten, IN-9020 und Speedport Smart finden aber nicht zueinander. Das Problem tritt auch bei anderen Geräten auf, weswegen wir die Ursache eher in unserem Hausnetz sehen, in dem auch noch ein Google Wi-Fi herumfunkt und die Netze der Nachbarn in der Reihenhaussiedlung theoretische Störquellen sind. Bevor wir aber uns auf Fehlersuche begeben und eine Lösung herbei konfigurieren, ziehen wir den Joker in Form unseres eigenen zehn Meter langen Ethernetkabels, das den Weg von Terrasse bis Telefonanschluss im Flur überbrückt.

Feine Idee: Schablone für die Bohrlöcher
Vergrößern Feine Idee: Schablone für die Bohrlöcher

Die Einrichtung erfolgt wie erwähnt mit Hilfe einer Webadresse, über die wir uns nach dem Lesen des Tutorials das Instar Camera Tool auf den Mac laden. Dieses dient im Wesentlichen dazu, die Kamera im Netz aufzuspüren und ihr Web-User-Interface zu laden. Dort richten wir dann alles Wesentliche ein und verbinden die Kamera mit dem WLAN des Speedport – nicht mit dem auf die Terrasse an sich besser funkenden Google-Mesh, damit hatten wir beim letzten Test einer Instar-Kamera schon ein Problem . Die Kamera versteht sich nur auf das 2,4-GHz-Band und kann ins Schleudern kommen, wenn der Zugangspunkt nicht eindeutig benannt ist – was ja im Mesh der Fall wäre.

Aber für unseren Test ist WLAN des Speedport völlig ausreichend, die externe Antenne macht es möglich – hat ja auch nicht jede Kamera. Wer eine schnellere und zuverlässigere Verbindung braucht, sollte ohnehin die Kamera mit Kabel betreiben. Strom, Ethernet und das Relais für die Alarmanlage kann man auch durch die Decken-  oder Wandhalterung nach drinnen oder droben fädeln. Man müsste dazu natürlich die Wand durchbrechen, was wir bei uns aus verständlichen Gründen vermeiden wollen – dick müsste das Bohrloch dabei nicht einmal sein. Wenn direkt hinter dem Loch Steckdose und Netzwerkbuchse warten, wäre das der ideale Aufbau. Dann ist die Kabelpeitsche sicherlich auch nicht zu kurz, bei unserer Geometrie kommen wir in Schleudern. Aber für den Test haben wir nur den Platz an der Rosenwand, von dem aus wir unseren eigenen Grund (und nur den!) im Auge behalten – Datenschutz.

Aus dem Rosenspalier betrachtet die IN-9020 Full HD nur den eigenen Grund.
Vergrößern Aus dem Rosenspalier betrachtet die IN-9020 Full HD nur den eigenen Grund.

Die Kabelpeitsche mit den drei Anschlüssen ist übrigens eine hervorragende und recht bequeme Lösung, die man an die Kamera anstecken kann,  ohne sie aufschrauben zu müssen, vor Feuchtigkeit schützt die massive Wandhalterung in Ampel-Form. Wir haben andere Fummeleien und Schraubereien noch in Erinnerung , bei der wir einige Male hin und her werkelten. So aber stecken wir halt nach dem missglückten Versuch mit WPS das lange Ethernetkabel in die freie Buchse. Nach der Einrichtung verpacken wir diese und den ebenso hier nicht benötigten dritten Strang für die Alarmanlage möglichst wasserdicht in eine kleine Cellophantüte, in der zuvor die Schrauben zur Montage gesteckt hatten.

Klares Bild, guter Ton, Riesenblickwinkel

Warum wir erst einmal so lang und breit auf den Aufbau und die Einrichtung eingehen? Nun, der Rest ist an sich bekannt, die Weboberfläche respektive die iOS- oder Android-App ist die gleiche wie beim Test der Innenkamera Instar IN-8015 HD , die wir schon seinerzeit als eine der besten lobten, die wir im Test hatten. So gibt es auch jetzt nichts an der Optik auszusetzen (von Panasonic), dem akkuraten und gut justierbaren Bewegungsmeldern, der Nachtsicht und der Bedienbarkeit. Alarmzeiten können wir auf die halbe Stunde genau konfigurieren und Bereiche von Interesse definieren. Das können andere Kameras auch, doch die Mechanik der IN-9020HD erlaubt uns einen Rundumblick. 359 Grad um die Längsachse und 89 Grad um die Querachse können wir die Optik fernsteuern, sehen also buchstäblich in jede Richtung – schön! Der Platz vor der Wand ist bei uns gewissermaßen verschwendet, aber unter (Deckenhalterung) oder vor den Balkon (Wandhalterung) gehängt, hätten wir mit der Stromzufuhr ein noch größeres Problem bekommen und auch mit dem Einblick in fremde oder öffentliche Bereiche. Für die großartige Kamera scheint uns unser Grundstück ein Stück zu klein.

Der optische Zoom ist dreifach, die Auflösung maximal Full HD – da könnten wir auch in zwölf Metern Entfernung Details gut erkennen, so weit reicht der Bewegungssensor, der nach Angaben des Herstellers Objekte erkennt, die mindestens einen Temperaturunterschied von 4 Grad Celsius erkennen lassen und sich mit mindestens 1,0 m/s bewegen. Die wetterfeste Kamera verspricht, im Temperaturbereich von -20° bis 55° C zu arbeiten. Kleine Einschränkung bei der Wetterfestigkeit (IP65): Die Anschlüsse sind es nicht, in unserm Aufbau aber wenigstens unter dem Balkondach zu liegen gekommen. Wie gesagt: Durch die Wand bohren ist für diese Kamera die beste Option.

Die extreme Beweglichkeit hat natürlich zur Folge, dass wir alles im Blick behalten wollen. Zu diesem Zweck kann man bis zu acht Kamerapositionen festlegen. Schicken wir die Kamera dann mit ihrer WebUI auf Tour, späht sie abwechselnd in jeden zuvor definierten Winkel. Mit der Methode Scan verbreitert man sein Sichtfeld, die Kamera schwenkt dann stets zwischen zwei horizontalen Endpunkten hin und her. Hat man Alarmbereiche definiert, sind diese fest an den Bildausschnitt gebunden, schwenkt man also etwa in die Büsche, deren Zweige vom Wind bewegt werden, bekommt man unter Umständen einen Fehlalarm. Für die dauerhafte Überwachung verschiedener Bereiche und Blickfelder empfehlen sich eher zwei oder mehrere Kameras mit Festbrennweite.

Alarm auf das Telefon und ins Postfach

Alarme bekommt man auf Wunsch per E-Mail oder in die App zugestellt. Die P2P-Verbindung stellt man mit einem QR-Code her, den die WebUI der Instar anzeigt. Wie schon in unserem Test der Innenkamera beschrieben, lässt die App nur eingeschränkten Zugriff zu, Werkzeuge sind gut versteckt und die Symbolik nicht ohne Weiteres ersichtlich – immerhin liegt eine Legende bei. Für den schnellen Blick genügt die Instar Visio App aber vollauf, ganz im Gegenteil bietet sie einen guten Überblick über mehrere Kameras, wenn auch nur mit einem aktuellen Standbild.

Mehrere Kameras auf einen Blick in der App. Die WebUI ist für jede Kamera eine andere.
Vergrößern Mehrere Kameras auf einen Blick in der App. Die WebUI ist für jede Kamera eine andere.

Mails bekommen wir vor allem tagsüber viele, wir haben den Bewegungsmelder offenbar zu empfindlich eingestellt und die Alarmzeiträume zu großzügig. Wenigstens liefert uns die Kamera nicht gleich ein Video in Full HD, sondern nur sechs Einzelbilder, aufgrund derer wir nun entscheiden können, ob wir uns das ganze Video ansehen.

Das finden wir entweder auf der in Deutschland gehosteten Instar-Cloud oder direkt auf der Micro-SD-Karte der Kamera. Uns gefällt, dass wir beide Optionen haben. Die Cloud-Speicherung kostet zwar monatlich, bietet aber auch den ungemeinen Vorteil, wenn Langfinger auch noch die Kamera samt Speicherkarte klauen, wir sie dennoch im Bild haben dürften – so schnell ist die Kamera nicht zu deaktivieren oder die Karte zu entfernen, vor allem dann nicht, wenn der Strom durch die Mauer kommt.

In der Cloud gehosted: Katze macht sich bemerkbar
Vergrößern In der Cloud gehosted: Katze macht sich bemerkbar

Der Cloudspeicher ist zu einem fairen Preis zu bekommen, 10 GB kostet 30 Euro im Jahr, für 55 Euro bekommt man 20 GB und für 125 Euro 50 GB. Der erste Monat ist für Käufer gratis (10 GB), so lässt sich abschätzen, wie viel Platz man bei welchen Einstellungen benötigt. Nach einer guten Woche haben wir 20 Prozent des Speichers belegt, auf 10 GB sollten wir also durchaus die Ereignisse eines Monats speichern können.

Für den Betrieb notwendig ist die Cloud des Anbieters aber nicht, denn optional kann man sich die Alarmvideos auch auf einen (eigenen) FTP-Server laden lassen – oder ganz darauf verzichten, im Vertrauen, Karte und Kamera kämen schon nicht abhanden. Der Zugriff von außen auf die WebUI geht über eine Port-Weiterleitung, die man in seinem Router einrichten muss und den DDNS-Service des Anbieters. Die Kamera bekommt darüber eine feste URL, eine feste IP muss sie dafür auch im Hausnetz einnehmen. Dann kann aber auch vom Büro oder aus dem Urlaub aus vom Rechner sämtliche Details beobachten und steuern. Ein kleiner Nachteil für Mac-Anwender: Das Format der Videos ist .avi, der Quicktimeplayer kann damit nicht umgehen. Aber der VLC-Player ist ja schnell installiert. Ein weiterer Nachteil der Software: H.264 setzt Flash im Desktop-Browser voraus.

Fazit

Aufhängen, einrichten und konfigurieren – das geht mit anderen Kameras schneller. Der zusätzliche Aufwand ist jedoch überschaubar und in jedem Fall lohnenswert, bekommt man mit der IN-9020 Full HD doch eine professionelle und sehr funktionsreiche Lösung. Zudem müssen wir uns über unsere Daten keinerlei Gedanken machen oder dürfen sie zumindest den strengen Regeln des EU-Datenschutzes anvertrauen. Die schicke Kamera mit ihrem massiven Gehäuse ist auf jeden Fall ihr Geld wert, für 349 Euro ist sie bereits im Store von Instar erhältlich. Um dort die Kamera angezeigt zu bekommen, muss man aber erst ein Benutzerkonto anlegen.

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