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Interview mit CNBC: Cook wehrt sich

09.01.2019 | 13:28 Uhr | Peter Müller

Im CNBC-Interview über "Mad Money" widerspricht Tim Cook pessimistischen Ansichten über Apple und gibt Hinweise auf das Business im Jahr 2019.

In der vergangenen Woche musste Apple-CEO Tim Cook einräumen, dass Apple seine selbst gesteckten Umsatzziele für das Dezemberquartal verfehlen werde, recht klar sogar. Der Kurs der Apple-Aktie gab in Folge dessen deutlich nach, hinter Amazon, Microsoft und Google ist der iPhone-Hersteller in Sachen Marktkapitalisierung nur noch Nummer vier. Der Krise respektive dem Krisengerede begegnet Cook recht offensiv in Form eines Interviews, dass der dem Sender CNBC in der Sendung "Mad Money" gab .

Schon früher hatte Tim Cook darüber geklagt, dass die Börse kurzfristig reagiere und die vierteljährliche Berichtspflicht als lästig bezeichnet, wenn man wie Apple langfristiger denke als im Dreimonatstakt. Die Erzählung von "Apple is doomed" kennt man schon lange, so führt Cook auch aus, dass Pessimisten der Wall Street immer und immer wieder Apple schlecht geredet hätten, er habe das in den vergangenen Jahrzehnten immer und immer wieder hören müssen. Die alarmistischen Einwürfe der Analysten sei deren gutes Recht, in Amerika dürfe jeder seine Meinung sagen. Doch sei ihm die Anmerkung erlaubt, dass die Kombination aus Apples Innovationskultur und einer sehr loyalen Kundschaft womöglich nicht genug geschätzt werde. Der Absturz des Aktienkurses nach der Umsatzwarnung käme für ihn nicht überraschend, da er wisse, dass die Börse kurzfristig sehr emotional reagiere. Bei Apple denke man aber langfristig und das Unternehmen sei in dieser Hinsicht stark wie nie. So würden etwa weltweit 1,3 Milliarden Menschen Apple-Geräte nutzen, diese installierte Basis sei im vergangenen Jahr noch um 100 Millionen Personen gewachsen. Auch hinsichtlich der Verhandlungen zwischen den USA und China über den Handelskonflikt zeigte sich Cook optimistisch.

Klartext gegen Qualcomm im Krieg der Worte

Im Streit mit Qualcomm zeigt sich Cook nicht kompromissbereit. Gegenüber seinem Interviewpartner Jim Cramer stellte der Apple-CEO die Kerne des Konflikts heraus. Qualcomm verfolge die Politik "Keine Lizenzen - keine Chips" - das betrachte Apple als illegal. Ebenso müsse Qualcomm seine Patente zu fairen und vernünftigen Bedingungen lizenzieren, das geschehe aber auch nicht. Zudem bezichtigte Cook den Hersteller von Mobilfunkchips, mit erfundenen Geschichten über Apple Marketing in eigener Sache zu betreiben: "Sie bezahlen jemanden, um Fake News zu schreiben und zu verbreiten." Die Streitthemen sollten aber unter den beteiligten Firmen bleiben, den Konflikt öffentlich auszutragen gehöre sich nicht. So bestreitet Cook auch Berichte, man würde in weit fortgeschrittenen Verhandlungen über eine außergerichtliche Einigung stehen. Derartige Gespräche habe es aber seit dem dritten Quartal 2018 nicht mehr gegeben - Qualcomm verbreite hier Falschaussagen. Qualcomm streitet dies in Folge der Ausstrahlung ab und bezeichnet Cooks Aussagen als Versuch, der Reputation des Unternehmens zu schaden.

Das Geschäft von morgen und übermogen

Apple wird im neuen Jahr auf eine Ausweitung seiner Services setzen, kündigt Tim Cook weiter an. Dabei sprach er aber nicht über den spekulierten TV-Dienst, sondern konkret nennt Cook Services im Gesundheitsbereich. Werde man in ferner Zukunft auf Apple und seine Auswirkung auf die Menschheit zurückblicken, werde man das Wirken im Gesundheitssektor als den wichtigsten Einfluss sehen, verspricht der Apple-CEO vollmundig. Mit der EKG-Funktion der Apple Watch habe das Unternehmen bereits einen ersten Schritt zur "Demokratisierung" des Gesundheitswesens unternommen. Gesundheitsvorsorge sei nun nicht mehr länger eine Angelegenheit von Institutionen, sondern von Individuen. An den neuen Services, die 2019 kommen werden, habe man teilweise jahrelang gearbeitet.

Kommentar: Gesund ins verflixte dreizehnte Jahr

Heute feiert das iPhone seinen zwölften Geburtstag: Am 9. Januar 2007 zog Steve Jobs um 9.41 Uhr Ortszeit das "Telefon, iPod, Internetdevice" auf der Bühne der Macworld Expo aus der Hosentasche. Kaum ein anderes Gerät der IT-Geschichte hat die Szene so auf den Kopf gestellt und durch seine disruptive Kraft alte Gewissheiten beseitigt und neue Ökosystem geschaffen. Doch geht das iPhone in ein kompliziertes 13tes Jahr und eine noch ungewissere Zukunft: Denn der Marktmist gesättigt, die Technik weit ausgereift. Fast alle, die sich ein iPhone leisten können und wollen, haben schon eines und sehen kaum noch die Notwendigkeit, sich jedes Jahr ein neues Gerät zu leisten.

Das müsste an sich kein Problem sein, auch der Mac im Speziellen und der PC im Allgemeinen entwickeln sich nicht mehr sprunghaft weiter, sondern nur evolutionär: Das Wachstum ist seit Jahren, Jahrzehnten gar, recht flach. Apple verkauft rund 20 Millionen Macs im Jahr, das iPhone dürfte sich auf etwa 200 Millionen Stück pro Jahr einpendeln. Vom Markt verschwinden, wie der von neuartigen Geräten wie eben dem iPhone obsolet gemachte iPod, wird das iPhone so schnell nicht.

Aber eben nicht mehr exorbitant wachsen, nicht bei den Stückzahlen und auch nicht bei den Erlösen, denn irgendwann wird der Preis zu hoch.

Apples Dilemma: Die Börse belohnt keine soliden Geschäfte, sondern exorbitante Zukunftsaussichten. Diese hatte Apple seit nunmehr zwölf Jahren geliefert und wird jetzt von Anlegern für solide Geschäfte abgestraft.

Also ist es Zeit für eine neue Wachstumsgeschichte und deshalb geht Tim Cook auch per Interview in die Offensive. Services, vor allem im Gesundheitsbereich, sind die neue Hoffnung auf exorbitantes Wachstum. Das iPhone mit seiner massiven installierten Basis, die auch nur noch langsam wächst, ist hier das Vehikel: Um die fortschrittlichen Dienste aus Cupertio nutzen zu können, braucht man ein Apple-Gerät. Und umgekehrt gibt es bereits so viele in Umlauf, dass die Anwerbung von Kunden für die Services ein Klacks ist.

Populärer mag der TV-Dienst Apples sein, damit mag man viel umsetzen, aber nicht besonders viel verdienen. Das Gesundheitswesen bietet aber einen Multimilliardenmarkt, vor allem in den USA, in denen Vorsorge und Kur vor allem eine Frage des Geldes ist. Mit einer "Demokratisierung des Gesundheitswesens" wird Apple nicht die Welt oder wenigstens die USA retten können, doch profitieren Kunden wie Unternehmen gleichermaßen. Man kann es platt sagen: Health macht Apple gesund. Nicht wieder gesund, sondern noch gesünder, als es ohnehin schon ist. Denn die Gerüchte über das Ableben Apples sind mal wieder maßlos übertrieben. pm

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