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iOS 11: Das iPad wird fast zum Computer

05.06.2017 | 22:31 Uhr |

Apple hat einige neue Funktionen von iOS 11 ganz für das iPad vorbehalten. Damit soll das iPad Pro seinem Namen gerechter werden.

Bisherige Schwachstellen, die Apples Tablets in der Flexibilität gegenüber Laptops noch abfallen ließen, werden damit behoben. Das beginnt damit, dass dank des größeren Display beim „kleinen“ iPad Pro die Display- und Zubehör-Tastaturen Vollformat erreichen und somit angenehmer für produktives Arbeiten werden sollen. Viel wichtiger ist jedoch die Softwareunterstützung. Denn um tatsächlich Apples Behauptung mit Leben zu füllen, dass das iPad der bessere Computer sein könne, fehlte bislang noch vieles: Kein Dateibrowser, mangelnde Interaktion zwischen Anwendungen und bis auf Splitview immer nur die Fokussierung auf eine Vordergrund-App.

Dem iPad Pro war es immer deutlich anzumerken, dass es auf einer Medienkonsummaschine basiert, daran konnte auch stärkere Hardware und der Apple Pencil nichts ändern. Mit iOS 11 sollen diese Kritikpunkte vollkommen ausgeräumt werden.

Ein Dock wie am Mac

Apple schickt den alten Mechanismus in Rente, mit dem wir bisher zwischen Apps gewechselt haben. Unter iOS 11 gibt es ein Dock mit Apps, wie wir es vom Mac kennen. Ein Wisch von unten nach oben ruft dieses auf. Hier können Nutzer Ihre Lieblingsapps ablegen, iOS 11 lernt jedoch auch mit und hält dort weitere Apps bereit, die wir häufig verwenden. Beispielsweise Anwendungen, die wir erst kürzlich genutzt haben oder Apps, die wir zuletzt auf einem anderen Apple-Gerät nutzten.

Ein Dock wie am Mac.
Vergrößern Ein Dock wie am Mac.
© Apple

Beinahe ein Dateibrowser

Zunächst wäre da Apples neue App „Files“. App ist hier untertrieben. Es ist mit iOS 11 besser möglich, Dateien gezielt in Ordnern abzulegen oder aus bestimmten Quellen zu öffnen. Dies bedeutet aber nicht, dass jetzt von jedem Ort und aus jeder App heraus tatsächlich in den Untiefen des Dateisystems gefischt werden kann. Apples Containersystem wird weitgehend bleiben. Stattdessen ist Files die Möglichkeit, auf zahlreiche Quellen gleichzeitig zuzugreifen.

Alle Cloudspeicher auf einen Blick. Dazu auch lokale Dateien. Apples "Files" ist keine offene Dateinstruktur, jedoch ein Schritt in diese Richtung.
Vergrößern Alle Cloudspeicher auf einen Blick. Dazu auch lokale Dateien. Apples "Files" ist keine offene Dateinstruktur, jedoch ein Schritt in diese Richtung.
© Apple

Dateien aus diversen Cloudspeichern wie iCloud Drive oder Dropbox werden so einheitlich und an einem Ort verwaltet. Auch auf lokale Dateien erhält man hier Zugriff. Direkt in die von Apps in der eigenen Sandbox gespeicherten Dateien dürfen wir aber von außen weiterhin nicht schauen.

Drag and Drop und Fenster wie am Rechner?

Der vielleicht gravierendste Unterschied zwischen dem iPad und jedem Laptop, den das iPad laut Apples früheren Aussage ersetzen könne: Eingabemethoden. Mangels Maus oder Trackpad war das iPad bisher immer darauf begrenzt, auf Schaltflächen zu tippen. Dies wird sich ein Stück weit ändern. Zusätzlich konzentrierte sich beim iPad immer alles auf die Vordergrund-App, während jedes Desktop-OS Fenster beliebig anordnet.

Fenster übereinander, mehrere "Spaces", das iPad entwickelt sich tatsächlich zum Laptopersatz.
Vergrößern Fenster übereinander, mehrere "Spaces", das iPad entwickelt sich tatsächlich zum Laptopersatz.
© Apple

Bald kommt Drag and Drop auf das iPad. Damit wird der lang gehegte Wunsch wahr, nach Belieben Dateien oder andere Inhalte von A nach B schieben zu können. Über die Grenzen von Apps oder Bildschirmansichten hinweg. iOS 11 erlaubt es, Dateien (beispielsweise E-Mailanhänge), Text, Bilder oder URLs von einer App in eine andere zu schubsen. Dabei ist auch Mehrfachauswahl möglich.

Dank Spaces und neuem Multitasking wird die Anordnung von Inhalten deutlich flexibler als zuvor. Das bedeutet, dass Apple es erlaubt, zwischen mehreren Anordungen von Splitview zu wechseln. Wir können uns damit einen „Space“ anlegen, in dem wir Safari und Mail als 50/50-Ansicht nebeneinander sehen. Oder einen anderen, in dem „Nachrichten“ und eine andere App sich den Bildschirm teilen. Sogar schwebende Fenster könnten zu einem bestimmten Grad möglich sein, das deutet jedenfalls die Präsentation an.

Der Pencil wird smart – Schrifterkennung

Zu dieser Annäherung an Desktoprechner passt auch, dass der Apple Pencil unter iOS 11 und mit einem entsprechenden iPad Pro mächtiger wird. Die Funktion, Bilder mit Anmerkungen zu versehen, wird deutlich ausgebaut. Erstellen wir einen Screenshot, erscheint automatisch kurz eine Miniatur dieses Screenshots, den wir mit Beschriftung versehen, zuschneiden und schnell weitersenden können.

Die Notizen-App erhält einen Dokuemtenscanner. Unterlagen abfotografieren, per Pencil unterschreiben und direkt per Mail zurücksenden.
Vergrößern Die Notizen-App erhält einen Dokuemtenscanner. Unterlagen abfotografieren, per Pencil unterschreiben und direkt per Mail zurücksenden.
© Apple

Auch die Notizen-App wird erneut cleverer. Endlich baut Apple hier eine Handschrifterkennung (OCR) ein. Das ermöglicht es, Notizen zu durchsuchen. Ob es auch möglich wird, handschriftliche Notizen in Druckschrift ersetzen zu lassen und so beispielsweise Emails per Pencil zu schreiben, hat Apple nicht gezeigt. Dafür können wir jetzt "Inline"-Zeichnungen in Notizen und Emails malen. Direkt zwischen zwei Absätze beispielsweise.

Es wird laut Apple möglich, jeden Inhalt mit Anmerkungen zu versehen, der Quicklook-kompatibel ist oder dessen App eine Druckfunktion hat. iOS erstellt dann automatisch ein PDF, das wir nach Belieben mit dem Apple Pencil bekritzeln können.

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