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iOS 12 und macOS: Was die Zukunft bringt

28.08.2017 | 14:04 Uhr | Peter Müller (Übersetzung)

Gehen iOS und macOS in den nächsten Jahren in ein völlig neues System auf? Darauf deutet nicht viel hin, anderes scheint plausibler.

Es ist bequem, sich auf aktuelle Fragen zu konzentrieren, so dass man offensichtliche Fragen nach der näheren und weiteren Zukunft übersieht. Schon vor zwölf Jahren hat auf "Arstechnica" John Siracusa über die Gefahr geschrieben , dass Mac-OS X veralten könne. Damals war das Unix basierte Betriebssystem gerade erst fünf Jahre alt, Siracusa berichtete aber über etliche Unzulänglichkeiten, die Apple abstellen müsste – dabei ging es ihm vor allem um automatisches Speichermanagement und APIs.

Mit dem Erfolg von iOS, das als Basis für die Betriebssysteme von neuen Produktkategorien wie Apple Watch oder HomePod dient, ist es schwer vorzustellen, was als nächstes kommt. Steve Troughton-Smith hat angesichts Googles Betriebssystemprojektes Fuchsia aber einige Vorstellungen: "Wir sind soweit schon in das Zeitalter der Mobilität vorangeschritten, dass die großen Player ihre Betriebssyteme daran ausrichten – überraschender Weise macht Apple nicht das Gleiche. Es ist aber nicht so kühn anzunehmen, dass Apple iOS und macOS durch etwas Neues und Vereinheitlichteres ersetzen wolle: Post-XNU und Post-BSD."

macOS ersetzen? Darüber haben wir uns ja bereits Gedanken gemacht – da Apple die Chip-Plattform etwa einmal im Jahrzehnt auswechselt und die Ära von OS X respektive macOS nun schon seit 17 Jahren währt, und das "klassische" MacOS etwa genau so lange hielt. iOS ist dagegen mit seinen zehn Jahren noch relativ jung und setzt wie OS X auf die gleiche Basis. Vielleicht passiert der nächsten Paradigmenwechsel schon bald, vielleicht auch nicht. Apple hat aber prinzipiell drei Optionen für die Zukunft von macOS und iOS:

An beiden Fronten weiter marschieren : In diesem Szenario unterhält Apple zwei unterschiedliche, wenn auch verwandte Betriebssystem und entwickelt sie weiter: macOS und iOS. Auf iOS wird sich Apple verstärkt konzentrieren, macOS bekommt aber mit der Zeit neue starke Features, vor allem solche, die für das Zusammenspiel mit iOS wichtig sind. Getrennte Entwicklung würde jede Menge Mehrarbeit bedeuten, zumal wir hier die Systeme für Nebenprodukte wie Apple Watch, Apple TV oder Home Pod noch gar nicht in Betracht ziehen. Apple will aber das Geschäft mit dem Mac nicht aufgeben, iOS werde das Mac-Betriebssystem macOS aber nicht ersetzen können. Im Wesentlichen ginge es also weiter wie bisher.

iOS aufbohren, damit es macOS ersetzen kann : Einige Leute würden argumentieren, dass Apple genau das derzeit versuche. Kann man so nicht uneingeschränkt stehen lassen, macOS bekommt ja nach wie vor jährliche Updates. Der Unterschied zum erste Szenario besteht vorwiegend in den langfristigen Plänen, die Apple für iOS hegt. Will man iOS vor allem auf dem iPad so weit ausbauen, dass es macOS bald ersetzen könne? Derzeit sieht es aber eher so aus, dass Apple noch einen weiten Weg vor sich haben könnte, damit iOS so produktiv wird, damit iOS-Laptops oder -Dektops Macbook (Pro) und iMac (Pro) ersetzen könnten.  Aber an einen solchen Punkt zu gelangen, sollte für Apple möglich sein, wenn das Cupertino wirklich wollte.

Apple OS 2020 : Apple könnte natürlich auch zunächst im jährlichen Updaterhythmus verweilen, aber nach und Ressourcen abziehen, die in den nächsten Jahren etwas völlig Neues programmieren würden: Ein Betriebssystem, das auf allen Apple-Geräten von den Airpods über die Apple Watch, das iPhone und auch dem iMac Pro mit 27-Zoll-Monitor liefe. Ein System, das das Beste von iOS nimmt, aber sich von einigen zugrundeliegenden Techniken trennen würde – Troughton Smith hat hier den XNU-Kernel und Unix-Unterbau im Sinn. Dieses neue System wäre die Grundlage auch für alle weiteren Apple-Produkte, die Unterscheidung zwischen macOS und iOS wäre nicht mehr gegeben.

Das OS von Theseus

Unserer Ansicht nach hat Apple derzeit nicht die Nerven für eine komplizierte Migration der Betriebssysteme, vor allem, weil sich iOS und der App Store weiterhin hervorragend machen.  iOS hat sich in den vergangenen Jahren zudem als sehr anpassbar erwiesen und Apple in der Zeit nach und nach Einzelteile ausgetauscht anstatt völlige Kehrtwenden vorzunehmen. So arbeiten iOS-Geräte nun mit einem anderen Dateisystem als noch vor einem Jahr, Apples Programmiersprache der Zukunft, Swift, lebt in friedlicher Koexistenz mit Objective-C, welches Apple seinerzeit mit NeXT übernommen hatte. 

Apple zieht wann immer möglich, unsichtbare, subtile und langsame Technologieänderungen vor. Es sieht so aus, als dass Apple lieber Dinge im Hintergrund von iOS ändert, wann immer das möglich ist, um es relevant und modern zu halten, anstatt einen klaren Schnitt zu vollziehen, der den Markt nur verwirren, das Leben für Entwickler schwer machen und das Momentum von iOS und App Store ausbremsen würde.

Bei einer Schritt-für-Schritt-Verbesserung von iOS, was bliebe da für macOS übrig? Wir glauben daran, dass iOS zwar die Basis für allerlei neue Gerätschaften wird, der Mac aber lebendig bleibt, so lange ihn die Leute wirklich nutzen wollen. Der Fortbestand des Mac gibt Apple aber auch die Chance, ein Gerät zu haben, das manche Dinge erledigen kann, die für iOS-Geräte nicht möglich sind. Märkte oder Zielgruppen, die iOS nicht bedienen kann, spricht Apple dann eben mit dem Mac an.

Das dürfte der Plan sein: Apple investiert in iOS, tauscht immer wieder mal Teile aus um es zu einem noch mächtigerem Instrument wachsen zu lassen, es aber nicht auf Kollisionskurs mit macOS zu schicken. macOS bleibt am Leben, gewinnt neue Features hinzu, aber wird nicht vordringlich behandelt.

Das ist jetzt gewiss nicht das aufregendste Szenario und es stellt sich womöglich ja auch als falsch heraus, aber manchmal gewinnt man mit langsamen aber stetigen Entwicklungen das Rennen.

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