2397010

iOS 13: Aufspaltung in iPhone- und iPad-Version?

04.01.2019 | 08:25 Uhr | Stephan Wiesend

Die kommende iOS-Version wird ein großes Update mit tiefgreifenden Änderungen – vor allem für iPads soll es viele neue Funktionen geben.

Neue Optik

Der gut informierte Bloomberg-Redakteur Mark Gurman hatte angeblich schon im letzten Februar viel über iOS 13 erfahren. Der Hintergrund: Um die allgemeine Qualität von iOS 12 zu verbessern, habe Apple  vor einem Jahr beschlossen , viele geplante Neuerungen erst einmal zurückzustellen und sich bei iOS 12 auf Stabilität und Performance zu konzentrieren. Nach unserer Meinung keine schlechte Entscheidung, ist doch iOS 12 ein erfreulich solides und angenehm performantes System geworden – wenn auch ein wenig langweilig. Für iOS 13 besteht dadurch aber einiger Nachholbedarf, was neue Funktionen betrifft.

Was hat Apple nun auf 2019 verschoben? Auf dem Plan soll nicht zuletzt ein Redesign des Homescreens stehen, der ja seit langem unverändert seine App-Icons präsentiert. Wie die neue Version aussehen wird, kann man aber bisher nur spekulieren. Überfällig ist außerdem ein echter Darkmode: Kann dieser bei einem iPhone-Modell mit OLED-Display sogar die Akkulaufzeit deutlich verbessern.

Zeit wird es: iPad im Fokus

iOS ist auf iPad und iPhone das gleiche Betriebssystem, wenn auch mit kleinen funktionalen Unterschieden wie Pencil-Unterstützung und den Splitscreen auf dem iPad. Die iPad-Version schien zuletzt aber zu wenig im Fokus zu stehen, vor allem Profi-Nutzer vermissen immer lautstärker einige Funktionen. Wir vermuten, dass mit den komplett neuen iPad-Pro-Modellen auch viele neue iOS-Anpassungen für das iPad geplant waren – die nun aber erst 2019 nachgeliefert werden.

Immer wieder wird ja spekuliert, dass Apple iOS in eine Version für iPads und eine Version für iPhones aufspalten könnte. Dies halten wir aber für unwahrscheinlich. Es gibt zwar viele Funktionen, die nur auf einer der beiden Plattformen verfügbar sind, die grundlegenden Systemkomponenten sind aber weiterhin identisch. Eine Aufspaltung würde hier nur unnötige Probleme bringen. Apples Tendenz war ja in den letzten Jahren dagegen eher eine Annäherung von iOS an macOS zu erzielen, weniger die Aufspaltung in noch mehr Unter-Systeme. Auch 2019 wird es wohl bei der Aufteilung in vier Systeme bleiben: macOS, iOS, tvOS und watchOS.

Der Schwerpunkt von iOS 13 wird aber wohl auf dem iPad liegen. Zu den kommenden neuen Funktionen sollen unter anderem Tabs gehören: Es wird endlich möglich sein, mehrere Fenster einer App zu verwenden und bequem zwischen ihnen zu wechseln – ähnlich wie bei den Tabs von Safari. Auf dem Mac und PC eine Selbstverständlichkeit, auf alten iPad forderte dies aber bisher wohl einfach zu viel Rechenpower. Es soll nun ebenfalls möglich sein, zwei Fenster einer App nebeneinander zu sehen – beispielsweise zwei Excel-Dateien, die man abgleichen will. Mit 11-Zoll und 12,9-Zoll-Bildschirm bieten die neuen Pro-Modelle ja dafür genug Arbeitsfläche.

Apple Pencil

Apples Pencil sollte man nicht unterschätzen: Zusammen mit den neuen iPad-Pro-Modellen hatte Apple den neuen Pencil 2 vorgestellt, der nur mit den neuen Modellen kompatibel ist. Schon für iOS 12 sollten offenbar einige zusätzliche Optionen ergänzt werden, diese werden dann wohl erst 2019 nachgereicht. Unser Wunsch: Vielleicht löst Apple ja mit dem Pencil das Problem, das viele iOS-Nutzer besonders stört: Schnelles und komfortables Auswählen von Text – per Touchbewegung ist das ja oft immer noch so fummelig, dass auch der größte iPad-Fan die Maus vermisst.

Neben Smartcover, Case und Apple Pencil bekommt das iPad zusätzliches Zubehör.
Vergrößern Neben Smartcover, Case und Apple Pencil bekommt das iPad zusätzliches Zubehör.
© Apple

Neue Fotos-App mit Foto-Vorschlägen

Für viele Anwender ist eine herkömmliche Fotoverwaltung auf Dauer etwas zu langweilig: Man öffnet seine Foto-Sammlung und sieht nur seine chronologisch geordnete Fotosammlungen und Ordner. Ähnlich Google Fotos plant Apple deshalb anscheinend neue Optionen für die inhaltliche Erschließung der Fotos – Für Puristen sind Google-Fotos-Funktionen wie „Diesen Tag neu entdecken“ zwar ein Graus, die meisten Anwender freuen sich offenbar über die Erinnerung an alte gelungene Fotos  – und diese sind nun einmal die Zielgruppe.

Die Option Fotobücher zu drucken hat Apple ja nicht aus Geiz eingestellt, sondern weil die Nachfrage nach gedruckten Fotos stark gesunken ist. Zu oft verbreitet man Fotos mittlerweile über Instagram oder WhatsApp. Hier wird auch im nächsten Jahr noch viel ergänzt werden – aber eher im Hintergrund. An der Oberfläche der einfach bedienbaren Foto-App und der Fotosammlung wird sich dagegen wenig ändern.

Intelligente Funktionen wie "Diesen neuen Tag entdecken" kommen anscheinend vermehrt auch für die Fotosammlung.
Vergrößern Intelligente Funktionen wie "Diesen neuen Tag entdecken" kommen anscheinend vermehrt auch für die Fotosammlung.

Mail

Von Apple Mail auf dem iPad sind längst nicht alle begeistert, vor allem berufliche Anwender mit hunderten täglichen Nachrichten vermissen die Verwaltungsfunktionen eines Desktop-Programms wie Outlook. Auch hier soll Apple aber an neuen Funktionen arbeiten. Gemunkelt wird beispielsweise über eine Funktion, Benachrichtigungen von bestimmen Threads stumm zu schalten.

Dateiverwaltung

Was nützt die schnelle USB-C-Schnittstelle des iPad Pro, wenn man keine externen Datenquellen nutzen kann, etwa einfach die  Daten auf einem USB-C-Stick? Vielleicht gibt es ja 2019 hier neue Möglichkeiten. So ist eine neue Dateiverwaltung im Gespräch, wird doch das Verwalten von Dateien nicht nur von Profis immer wieder bemängelt. Auf dem Mac ermöglicht der Finder das schnelle Verwalten von Dateien, eine Alternative unter iOS gibt es noch immer nicht. Selbst Apple neue iOS-App Dateien hat da ja noch zu viele Einschränkungen.

Apple Music

Hohe Umsätze verspricht sich Apple von seinem Angebot Apple Music, Spotify und Konkurrenten sollen endlich überholt werden. Nach unserer Meinung lässt sich dies aber nur über die Pflege der größten Apple-Music-Abspielplattform erreichen – und die läuft vornehmlich unter iOS. Hier wird vor allem unter der Haube der Musik-App einiges passieren. Nach dem Fiasko mit der völlig überladenen Oberfläche der ersten App-Version wird Apple die Bedienung wohl weiter vereinfachen, aber versuchen einige intelligente Zusatzfunktionen zu liefern. 

Im Bereich Musik hat Apple ja bereits einige Firmen übernommen, nicht zuletzt für 400 Millionen Dollar den Dienst Shazam . Dank Shazam kann ja Siri schön länger Musik per Mikro identifizieren, diese und ähnliche Dienste wird Apple sicher stärker integrieren.

Siri

Ein leidiges Thema ist die Intelligenz von Siri: Hier hatte Apple zuletzt kein glückliches Händchen, neben Alexa und Google Assistent wirkt die einst revolutionäre Assistentin immer mehr veraltet und überholt. Dabei investiert Apple riesige Summen in die Weiterentwicklung des Sprachassistenten, wird aber durch seine strikten Einschränkungen beim Umgang mit Nutzerdaten behindert. Woher soll Siri die Interessen und Freunde des Fragenden kennen, wenn es keinen Zugriff auf Datenbanken voller Nutzerdaten hat? Hier wird Apple auch 2019 auf eine evolutionäre Weiterentwicklung setzen – und Siri weiterhin nur wenig über seine Nutzer wissen.

AR

Die Technologie Augmented Reality hatte viel versprochen, abgesehen von einzelnen coolen Apps wie Pokémon Go scheint sich der Fokus der Entwickler aber auf nützlichere Anwendungen wie Google Lens oder die Lineal-App des Systems zu verlagern – und die Anzahl der AR-Apps ist weiterhin enttäuschend. Man sollte die Technologie aber weiterhin nicht unterschätzen, in der „erweiterten Realität“ liegt noch viel Potential: Vermutlich aber weniger im Bereich Games als im Bereich Navigation und Dienstprogramme.

Mit ARKit 2 ist Apple in dieser Zukunftstechnologie weiter führend und wird auch zur WWDC 2019 weitere Neuerungen vorstellen.

The Bad: Hardwaresupport

Große Freude bei Besitzern älterer iPhones löste die Ankündigung der Hardwareanforderungen von iOS 12 aus: Sogar das 2013 vorgestellte iPhone 5S wird von iOS 12 unterstützt, dank optimierter Software läuft iOS 12 sogar schneller als iOS 11. Das sorgte bei vielen Besitzern alter Geräten für erfreute Gesichter und das Verschieben von Neuanschaffungen. Bei Android-Geräten enden dagegen Software-Aktualisierungen oft schon nach zwei Jahren.

iOS 13 wird aber wohl nicht mehr auf dem dann sechs Jahre alten Gerät laufen, auch beim noch weit verbreiteten iPhone 6 sind wir uns da gar nicht mal so sicher. Für Besitzer eines iPhone SE besteht aber keine Gefahr.

Marzipan – das nächste große Ding?

Hatten Sie schon einmal den Wunsch, eine iPhone-App auch auf dem Mac zu benutzen? Nach Meinung vieler App-Programmierer wäre dies eine der sinnvollsten Neuerungen für iOS 13 – könnten sich doch dann Programmierer einer App viele Anpassungsarbeiten sparen und eine für iPhone gedachte App mit weniger Aufwand als macOS App veröffentlichen. Erste Beispiele sind ja schon unter Mojave vertreten: Die Apple-Programme Sprachmemos, Home und Aktien sind auf Mac und iPhone so gut wie identisch. Das Projekt wurde aber offenbar überschätzt. Anfangs hatte man sogar auf eine gemeinsame Codebasis zwischen iOS und macOS gehofft, laut dem Apple-Insider Gruber will Apple aber nur das Erstellen der Programmoberfläche einer App für iOS und macOS vereinfachen. Das ist zwar auch hilfreich, aber etwas enttäuschend.

Apple hofft aber in jedem Fall darauf, dass Millionen an iOS-Apps auch der Mac-Plattform neuen Schwung zu verleihen, ist doch das Angebot von Mac-Apps im Vergleich zur Flut an iPhone-Apps geradezu winzig. Mit dem Mac App Store war Apple ja bisher weit weniger erfolgreich als mit dem iOS App Store. Allerdings hat Apple mit unnötigen Einschränkungen viele bekannte Mac-Softwarefirmen selbst vergrault, etwa durch das anfängliche Verbot von Demo-Versionen.

Wir sind da allerdings skeptisch. Es kam schon öfter vor, dass eine viel gelobte iOS-App, die auf dem iPhone erstklassig funktionierte, als hastig portierte macOS-App an Attraktivität verlor. Wir denken da beispielsweise an einige E-Mail-Apps für das iPhone, deren Mac-Versionen wenig überzeugten.

Fazit:

iOS 13 wird einige Überraschungen bringen, wenn auch die Hardwareanforderungen wohl steigen. Eigentlich wäre es uns persönlich aber fast lieber, wenn Apple weiterhin mehr Wert auf Stabilität und Performance als auf neue Gimmicks und Gizmos legt.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2397010