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iOS-Bildschirmzeit vs. Androids Digitales Wohlbefinden gegen Smartphone-Sucht

09.08.2018 | 13:31 Uhr |

Apple und Google liefern mit ihren neuen Betriebssystemen Werkzeuge gegen die Smartphone-Sucht. So unterscheiden sie sich, so helfen sie.

Egal, ob Sie ein iPhone oder ein Android-Handy verwenden, werden Sie in K√ľrze viel mehr dar√ľber erfahren k√∂nnen, wie oft Sie das Ger√§t und darauf einzelne Apps nutzen. Sowohl Apple als auch Google haben in die neuesten Versionen ihrer mobilen Betriebssysteme neue Tools eingearbeitet, die den Menschen helfen sollen, die Smartphone-Zeit in den Griff zu bekommen. Dar√ľber hinaus k√∂nnen Eltern mit diesen Tools festlegen, wie viel Zeit ihre Kinder jeden Tag vor dem Bildschirm verbringen d√ľrfen. Beide L√∂sungen sind noch im Beta-Status und werden diesen Herbst final, aber wir hatten bereits die Chance, sie auszuprobieren. So schlagen sie sich im Vergleich.

Apple und Google beschränken ihre neuen Zeiterfassungswerkzeuge auf Smartphones mit der neuesten Version von iOS bzw. Android:

¬†¬† Google ‚Äď Digitales Wohlbefinden: Zun√§chst nur Pixel, kommt mit Android One auf anderen Ger√§ten sp√§ter in diesem Jahr.

¬†¬† Apple ‚Äst Bildschirmzeit: Jedes iPhone 5s, iPad mini 2, iPad Air, iPad Pro oder iPad (5. Generation) oder h√∂her, mit iOS 12.

Es ist nicht klar, wie viele Android-Handys die Vorteile von Googles Digitalem Wohlbefinden nutzen werden, aber es wird wahrscheinlich eine relativ weite Verbreitung auf Android-P-Ger√§ten geben. Bei der Markteinf√ľhrung unterst√ľtzt Apple jedoch deutlich mehr Ger√§te. Au√üerdem sammelt es Daten von allen Ihren Ger√§ten, nicht nur von dem, das Sie verwenden.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: Einrichten

Da sich sowohl Digitales Wohlbefinden als auch Bildschirmzeit in der Beta-Phase befinden, m√ľssen Sie einige Schritte unternehmen, bevor Sie mit der Arbeit beginnen k√∂nnen. Zuerst die Android-Anforderungen:

  • ¬†¬†¬† Stellen Sie sicher, dass Sie ein Pixel-Smartphone haben.

  • ¬†¬†¬† Upgrade auf Android 9 Pie.

  • ¬†¬†¬† Gehen Sie auf die Beta-Seite¬† von Androids Digitalem Wohlbefinden und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

  • ¬†¬†¬† Warten Sie auf eine E-Mail-Best√§tigung von Google.

Der Prozess ist auf dem iPhone etwas unkomplizierter, aber es gibt auch hier ein paar Anforderungen:

  • ¬†¬†¬† Stellen Sie sicher, dass Sie ein iPhone 5S oder h√∂her haben.

  • ¬†¬†¬† Melden Sie sich f√ľr die iOS 12 Public Beta an.

  • ¬†¬†¬† Installieren Sie iOS 12 auf Ihrem Smartphone

Sobald die offizielle Version von iOS 12 im September erscheint und Google Digitales Wohlbefinden aus der Beta-Phase nimmt, sollte der Einrichtungsprozess so einfach sein wie das Einloggen in Ihre Apple-ID- und Google-Konten.

Das Dashboard in Android's Digitalem Wohlbefinden (links) ist auf einen Blick besser lesbar.
Vergrößern Das Dashboard in Android's Digitalem Wohlbefinden (links) ist auf einen Blick besser lesbar.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: Dashboard

Sowohl Apple als auch Google teilen die Nutzungszeit nach Anwendungen auf visuelle Weise auf, so dass Sie auf einen Blick sehen können, wie viel Zeit Sie mit Ihrem Handy verbringen. Im Digitalem Wohlbefinden sehen Sie ein Tortendiagramm, sobald Sie es öffnen, zeigt es die verbrachte Zeit an, die Anzahlen von Entsperrungen und Benachrichtigungen, die eingegangen sind.

Apples Bildschirmzeit zeigt Ihnen auch an, wie lange Sie Ihr Handy schon benutzen, aber Sie ben√∂tigen einen zus√§tzlichen Fingertipp, um ein Diagramm zu sehen. Die damit visualisierten Daten sind jedoch n√ľtzlicher. Bildschirmzeit zeigt an, wie oft Sie Ihr Handy in die Hand genommen haben, zusammen mit einem Durchschnittswert und der Stunde, in der Sie es am h√§ufigsten genutzt haben. Benachrichtigungen werden auch nach App und Zeit aufgeschl√ľsselt, und es zeigt auch die l√§ngste durchgehende Benutzung an.

√úberraschenderweise ist die einfache und elegante Chartdarstellung von Google √ľberlegen. Sie k√∂nnen Digitales Wohlbefinden schnell √∂ffnen und sich einen schnellen √úberblick √ľber die Nutzung Ihres Telefons verschaffen, ohne scrollen oder tippen zu m√ľssen, und sofort sehen, welche Anwendungen die meiste Zeit in Anspruch nehmen.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: App-Timer

Im Mittelpunkt der beiden digitalen Gesundheitsstrategien steht die M√∂glichkeit, die Nutzung Ihrer Apps einzuschr√§nken. Aber die beiden L√∂sungen unterscheiden sich. In Digitalem Wohlbefinden k√∂nnen Sie mit Google zeitliche Grenzen f√ľr jede Anwendung setzen (abgesehen von Einstellungen oder anderen Systemfunktionen). Alles, was Sie tun m√ľssen, ist Ihr Dashboard aufzurufen und auf eine Anwendung zu tippen, um einen Timer einzustellen. Sobald das Limit erreicht ist, wird das Programmsymbol in Graustufen umgewandelt, und wenn Sie versuchen, es anzutippen, zeigt es Ihnen an, dass der Timer abgelaufen ist.

Apples Bildschirmzeit (rechts) konzentriert sich mehr auf App-Kategorien als auf einzelne Apps, wenn es um Limits geht.
Vergrößern Apples Bildschirmzeit (rechts) konzentriert sich mehr auf App-Kategorien als auf einzelne Apps, wenn es um Limits geht.

Apple nutzt ebenfalls Timer, aber das System ist anders. Auf der Hauptbildschirmseite sehen Sie die Registerkarte App-Limits. Tippen Sie darauf und Sie k√∂nnen Grenzen f√ľr Kategorien von Anwendungen wie Kreativit√§t, Unterhaltung oder Spiele festlegen. Sie k√∂nnen die Apps, die sich in diesen Kategorien befinden, nicht ausw√§hlen. Wenn Sie also zum Beispiel einen 60-Minuten-Timer f√ľr Spiele verwenden, k√∂nnen Sie keine Spiele mehr auf Ihrem Handy spielen, sobald die Zeit abgelaufen ist. Wenn Sie ein Limit f√ľr eine einzelne Anwendung festlegen m√∂chten, m√ľssen Sie diese auf Ihrem Dashboard finden, was schwierig sein kann. Aber solange Sie die App finden, k√∂nnen Sie einen individuellen Timer f√ľr jede Anwendung auf Ihrem Handy einstellen (au√üer Einstellungen). Und schlie√ülich gibt es noch eine Funktion namens Auszeit, die alle Anwendungen au√üer denjenigen, die Sie zur Verf√ľgung haben, herunterf√§hrt. Unabh√§ngig davon, welche Methode Sie w√§hlen, wenn das Limit erreicht ist, werden die entsprechenden App-Icons abgedunkelt und eine kleine Sanduhr erscheint daneben.

Wenn Ihr App-Timer erreicht ist, verblasst unter Android das Symbol (links, eingekreist), während Apple das Icon dimmt und eine Sanduhr hinzufügt.
Vergr√∂√üern Wenn Ihr App-Timer erreicht ist, verblasst unter Android das Symbol (links, eingekreist), w√§hrend Apple das Icon dimmt und eine Sanduhr hinzuf√ľgt.

Sobald der Timer abgelaufen ist, werden beide Systeme die Nutzung der App einschr√§nken. Wenn Sie unter Android eine solche zu √∂ffnen versuchen, erscheint eine Box, die mitteilt, dass die App angehalten ist. Auf dem iPhone wird Ihnen eine Vollbildmeldung angezeigt, dass Sie Ihr Zeitlimit erreicht haben. Beide Systeme sperren Sie jedoch nicht vollst√§ndig aus. Sie k√∂nnen die Taste "Learn more" auf Ihrem Android-Handy dr√ľcken, um die Zeitbegrenzung in den Digital-Wellness-Einstellungen anzupassen. Ebenso bietet das "Limit Ignorieren" auf Ihrem iPhone eine Reihe von Optionen: Erinnern Sie mich in 15 Minuten, was die Zeit um eine Viertelstunde verl√§ngert, oder Ignorieren Sie das Limit f√ľr heute, was es komplett abschaltet.

Beide Systeme sind gut darin, die Anwendungen, die Sie am h√§ufigsten verwenden, einzuschr√§nken, aber die granularen Einstellungen von Google sind etwas einfacher zu verwenden. Allerdings ist Apples schnelle Zeitverl√§ngerung f√ľr Anwendungen, die ihr Limit erreicht haben, sehr n√ľtzlich.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: Nicht stören

Zus√§tzlich zu den App-Limits haben Apple und Google ihre digitalen Gesundheitsinitiativen um neue Nicht-st√∂ren-Funktionen erweitert. W√§hrend die Kernfunktionalit√§t bei jeder Einstellung gleich ist ‚Äď eine Zeitspanne, in der Benachrichtigungen Sie nicht st√∂ren ‚Äď unterscheiden sie sich in einem Schl√ľsselbereich: dem Ende des Tages.

Nicht stören ist ein wichtiger Bestandteil der digitalen Gesundheitsinitiative von Apple und Google.
Vergrößern Nicht stören ist ein wichtiger Bestandteil der digitalen Gesundheitsinitiative von Apple und Google.

Wenn Sie auf dem iPhone einen Zeitplan f√ľr "Nicht st√∂ren" festlegen, erhalten Sie auch die Option, einen Schlafenszeitmodus einzustellen. Neben dem Stummschalten von Anrufen und Benachrichtigungen wird auch der Sperrbildschirm abgedunkelt, damit Sie nicht √ľber Nacht gest√∂rt werden. Google hat ein √§hnliches System namens "Wind Down". Auch sie wird Anrufe und Benachrichtigungen stumm schalten, aber anstatt den Sperrbildschirm zu dimmen, ents√§ttigt sie den gesamten Bildschirm und gibt Ihnen eine Schwarz-Wei√ü-Ansicht Ihres Home-Bildschirms und Ihrer Anwendungen anstelle von Farbe. Die Idee ist, die Augen ausruhen zu lassen, damit Sie schneller einschlafen k√∂nnen.

Das sind nat√ľrlich zwei sehr unterschiedliche Ans√§tze. W√§hrend Google sein System um die Annahme herum aufgebaut hat, dass Sie Ihr Handy nachts im Bett benutzen, konzentriert sich Apple mehr darauf, sicherzustellen, dass Ihr Handy Sie nicht st√∂rt, wenn es sich auf Ihrem Nachttisch befindet.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: Kindersicherung

Das ist der gro√üe Unterschied zwischen den beiden Systemen: Google's Digitales Wohlbefinden ist nicht wirklich f√ľr Kinder gedacht, sondern f√ľr erwachsene Nutzer. Es gibt eine separate Anwendung f√ľr die Kindersicherung, die seit einiger Zeit unter dem Namen Family Link erh√§ltlich ist und mit der Eltern die Telefone ihrer Kinder aus der Ferne √ľberwachen und Grenzen setzen k√∂nnen, was sie tun k√∂nnen und was nicht.

Apple kombiniert das alles in Bildschirmzeit mit Hilfe der Familienfreigabe. Es funktioniert √§hnlich wie Googles Family Link, so dass Eltern Inhalte einschr√§nken, Schlafenszeiten festlegen und nat√ľrlich die Nutzung von Apps einschr√§nken k√∂nnen. Und da alles hinter einem Passcode steckt, k√∂nnen die Kleinen die Grenzen nicht ignorieren wie ihre Eltern. Wie Bildschirmzeit auf dem Haupttelefon funktioniert es auf allen iOS-12-Ger√§ten.

Digitales Wohlbefinden vs. Bildschirmzeit: Was ist besser?

Es f√§llt schwer, einen klaren Sieger zu finden. Beide Plattformen k√∂nnten sich in einigen Bereichen verbessern, aber beide werden den Nutzern helfen, ihr digitales Leben in den Griff zu bekommen. Ich habe das Dashboard von Google dem von Apple vorgezogen, aber die Benutzer werden mit jedem zufrieden sein und ich sehe niemanden, der deswegen die Plattform wechseln w√ľrde.

Allerdings scheint das digitale Wohlbefinden von Google etwas √ľberdachter und eleganter zu sein als das von Apple. Da es eine separate Anwendung f√ľr die Kindersicherung gibt, konnte sich Google auf die individuelle Nutzung konzentrieren, anstatt zu versuchen, alle m√∂glichen F√§lle abzudecken. Aber Apples System ist ein gro√üartiger Anfang und ich vermute, dass es sich schnell verbessern wird. Beide sind l√§ngst √ľberf√§llig, und es ist toll zu sehen, dass dieses Thema endlich Aufmerksamkeit von den entscheidenden Leuten bekommt, die etwas gegen Smartphone-Sucht unternehmen k√∂nnen.

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