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Iovine: "Apple Music muss wie Netflix werden"

23.03.2018 | 09:24 Uhr | Peter Müller

Streaming boomt, ernährt derzeit aber weder Künstler noch Anbieter. Jimmy Iovine sagt, was sich ändern muss.

Ob Jimmy Iovine Apple Music tatsächlich verlässt und nur noch beratend für den Streamingdienst tätig sein wird, ist nach wie vor nicht bestätigt, Hinweise darauf verdichten sich aber. Was der Musikproduzent, der vor 42 Jahren als Produktionsassistent für John Lennons Werk "Walls and Bridges" in die Branche kam, laut Radiotimes.com in einer Netflix-Dokumentation sagt, lässt aber tief blicken.

Streamingservices würden es einfach noch nicht richtig machen, inklusive der Marktführer Spotify und Apple Music, erklärt Iovine in der Dokumentation "The Defiant Ones", die seinen Weg als Gründer von Beats nachzeichnet. Die Situation unbefriedigend für Künstler wie für Anbieter. Denn Musiker beklagen, mit Streaming kaum Geld verdienen zu können, auch sind weder Apple Music noch Spotify profitabel. Problem: Alle Angebote würden sich zu sehr ähneln, käme nun einer auf die Idee, den Preis signifikant zu senken, wären alle anderen zerstört.

Die Streamer müssten von Netflix lernen und Iovine erklärt auch, was genau: "Netflix hat tonnenweise originäre Inhalte, jedes Jahr kommen solche im Wert von sechs Milliarden US-Dollar hinzu." Streamingdienste von heute haben hingegen alle den gleichen Katalog und die gleiche Musik. Das sei die Schuld der Plattenfirmen, die das so wollten.

Aber wenn nicht Dienste wie Apple Music oder Spotify zu einer eigenen Plattform würden, könnten sie auch nicht nennenswert wachsen und profitabel werden, meint Iovine. Auch Apple sei es trotz vielversprechender Anfänge nicht gelungen, Künstler wie Drake oder Adele zu überreden, ihre Musik nicht bei Spotify anzubieten. Verbleibendes Alleinstellungsmerkmal ist Beats One, das auf prominente Radio-DJs setzt. Apple Music werde sich weiter um exklusive Inhalte kümmern, auch wenn Iovine nur noch beratend tätig sein wird, verrät der Beats-Gründer.

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Vergrößern HomePod in Rainbow. Was es damit auf sich hat: www.macwelt.de/2335829

Der Verbraucher stünde damit aber wieder vor Mehrausgaben. Denn ist man vielseitig musikalisch interessiert, benötigt man mehrere Streamingabos. Die Situation kennt man aber vom TV-Streaming: Will man alle interessante Serien und Filme genießen, muss man mehrere Dienste abonnieren. In Sachen Musik erscheint das aber nur fair: Vor Apple Music, Spotify und Co haben sich Musikfreunde je nach Budget vielleicht drei, fünf oder zehn Alben jeden Monat gekauft, für den Gegenwert einer CD hat man nun Zugriff auf 40 Millionen Titel, die Erweiterung der eigenen (nur gemieteten) Musikbibliothek ist immer nur einen Klick weit entfernt.

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