2338785

iPhones aus China: Wie Apple das US-Handelsdefizit mitverursacht

22.03.2018 | 17:45 Uhr |

Die USA klagt über das Handelsdefizit gegenüber China, dabei wird es oft von US-Produkten wie dem iPhone mitverursacht.

Zu den größten Klagen Donald Trumps gehört das Außenhandelsdefizit der USA: Um 375 Milliarden US-Dollar sind die Importe aus China höher als die Exporte der USA nach China. Allerdings sind die häufig genannten Zahlen in einer globalisierten Welt sehr anfechtbar, wenn man den Ort der Wertschöpfung berücksichtigt. "Reuters" hat dies jetzt an einem simplen Beispiel nachgerechnet : Apples iPhone. Apple trägt nämlich recht beträchtlich zum Handelsdefizit bei, wurden doch im letzten Jahr 61 Millionen iPhones in die USA importiert. In den Handelsstatistiken tauchen sie als chinesische Importe mit einem Wert von etwa 15,7 Milliarden US-Dollar auf, lässt Apple sie doch im Schnitt für 259 US-Dollar in China produzieren. Es wäre aber falsch, die sogenannte Wertschöpfung komplett China zuzuweisen, wie es die herkömmliche Handelsstatistik macht.

Der einfache Grund: Beim iPhone handelt es sich nicht um ein komplett in China aus chinesischen Komponenten hergestelltes Produkt. Es wird dort eigentlich nur aus zahlreichen global eingekauften Bauteilen zusammengesetzt – was in den USA deutlich teurer wäre. Abgesehen von wenigen chinesischen Bauteilen bekommen Apples Herstellerfirmen wie Foxconn für dieses Assemblieren etwa 8 bis 15 Dollar pro iPhone. Weit höhere Beträge gehen dagegen an die Hersteller der vielen Bauteile. Besonders wertvoll sind laut Analysefirmen wie IHS etwa die Displays, die von den koreanischen Firmen LG und Samsung stammen. Aus Japan wird der teure Speicher bezogen, aus Europa ebenfalls einige Bauteile, nicht zu vergessen das Modem der US-Firma Qualcomm. Ein Großteil der Wertschöpfung erfolgt ja in den USA aber über die Entwicklung, Forschung, Werbung und Vertrieb – so kostet das iPhone X ja vielleicht 400 Dollar in der Herstellung, wird aber für 1150 Dollar in den USA verkauft. Dabei wird es nach unserer Meinung noch einmal komplizierter, wenn man die von Apple selbst hergestellten Komponenten wie die CPU in dieser Rechnung auftauchen sollen.

Diese begrenzte Wertschöpfung gilt natürlich nicht für alle aus China importierten Produkte. Nach Berechnungen eines Ökonomen, den "Bloomberg" zitiert, ist das Handelsdefizit aber eigentlich um 36 Prozent niedriger und liegt eher bei 239 Milliarden statt 375 Milliarden. Ein Eingriff in dieses System durch Zölle ist deshalb besonders problematisch. Für andere asiatische Länder wie Korea und Taiwan wird ein starker Kollateralschaden befürchtet, aber auch US-Firmen und Verbraucher werden durch höhere Zölle stark betroffen – würden doch teurere Importe auch höhere Preise für Verbraucher oder niedrigere Gewinne nach sich ziehen. Apple hat zwar angekündigt, stärker auf amerikanische Anbieter zurückzugreifen, mit einem Betrag von 55 Milliarden pro Jahr, trotzdem wird wohl der Großteil der iPhone-Herstellung außerhalb der USA stattfinden.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

2338785