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Update: Ist Apple schuld an Smartphonesucht?

10.01.2018 | 07:00 Uhr |

Investorengruppen verlangen von Apple bessere Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Soll Intensivnutzung doch zu Depressionen, Übergewicht und sozialen Fehlentwicklungen führen. Apple hat bereits reagiert.

Update vom 9.1.

Auf die Vorwürfe der Investoren hat Apple bereits reagiert und neue Eltern-Funktionen angekündigt. Diese sollen Eltern helfen, die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder besser zu kontrollieren. Apple habe immer auf die Bedürfnisse von Kindern geachtet, so eine Unternehmenssprecherin . Das Unternehmen arbeite hart daran, leisstungsstarke Produkte zu entwickeln, die Kinder inspirieren, unterhalten und bilden. Ebenso wolle man Eltern helfen ihre Kinder online zu schützen. Für die Zukunft wären für die bereits bestehenden Eltern-Funktionen Verbesserungen geplant, die das bestehende System funktionsreicher und robuster machen.

Vorbild macOS

Apple hat auf Investorenkritik reagiert, das iPhone würde speziell junge Leute zu schnell abhängig machen. Nutzungskontrollen, die Eltern einsetzen könne, habe iOS zwar schon seit 2008 an Bord, doch werde man in Zukunft mehr davon machen. Wie so etwas aussehen könnte, sieht man an der Kindersicherung in macOS . Diese erlaubt es etwa, einen bestimmten Nutzungszeitraum für das Gerät zu definieren oder eine maximale Nutzungszeit. Was bei einem Mehrbenutzersystem auch leichter fällt, wir sind gespannt, wie Apple derartiges unter iOS implementieren könnte. pm

Ursprünglicher Artikel

Normalerweise beschweren sich aktive Investoren bei Apple eher über zu niedrige Dividenden oder bestimmten Managementenscheidungen. Die Investoren Jana Partner LLC und der Lehrer-Pensionsfonds Calstrs verlangen von Apple dagegen, sich um die zu intensive Nutzung von Smartphones zu kümmern. Viele Leser werden da nur den Kopf schütteln, wenn man sich die Forderungen genauer ansieht, werden die Forderungen aber verständlicher.

Laut einem auf der Seite thinkdifferentlyaboutkids.com veröffentlichten offenen Brief erhält ein amerikanisches Kind mit zehn Jahren sein erstes Smartphone und benutzt es über 4,5 Stunden pro Tag (ohne Texteingabe und Telefonie). So sei es ja kein Geheimnis, dass soziale Medien und Apps bewusst als zeitaufwendig und süchtig machend konzipiert sind.

Als Referenz für ihren offenen Brief haben die Anleger zwei Fachleute zurate gezogen, den Kinderarzt Dr. Michael Rich und die Psychologieprofessorin Jen M. Twenge benannt, letztere ist etwa durch ihren aktuellen Bestseller iGen bekannt, in dem die Autorin stark die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien kritisiert. So sollen laut Forschungen von Twenge Jugendliche, die mehr als fünf Stunden pro Tag mit ihrem Smartphone verbringen eine um 71 Prozent höhere Suizidgefährdung aufweisen als Jugendliche, die nur eine Stunde damit verbringen.

Bei einer Umfrage unter 2300 Lehrern beobachteten außerdem 75 Prozent sinkende Konzentrationsfähigkeit ihrer Schüler. Auch ein Problem: Früher hätten sich Schüler in Pausen bewegt und unterhalten, heute würden sie nur herum sitzen und auf ihren Geräten spielen. Vor allem die Nutzung sozialer Medien wird kritisch gesehen, so soll bei Achtklässlern, die soziale Medien intensiv nutzen, das Risiko einer Depression um 27 Prozent höher zu sein.

Laut einer Umfrage würden zwar 94 Prozent der Eltern versuchen, den Technologie-Gebrauch ihrer Eltern zu beschränken, Apple dürfe dies aber nicht komplett den Eltern überlassen. Dabei gehe es nicht um Verbote, so werden die bisher schon von Apple gebotenen Einschränkungen als ungenügend bezeichnet. Apple solle bei seinen Geräten Eltern aber mehr Wahlmöglichkeiten und Werkzeuge geben. Vorgeschlagen wird etwa ein System, das schon bei der Einrichtung eines iPhone oder iPad altersgerechte Einstellungen vornimmt und etwa die Nutzung zu bestimmten Uhrzeiten verbietet. Ein Experten-Kommitee, empfohlen werden hierzu die beiden genannten Experten Rich und Twenge, soll weitergehende Forschungen anstellen. Gerade ein Unternehmen wie Apple könnte eine Signalwirkung erzielen. Was man nicht vergessen darf: Social Responsibility haben auch bei Investoren Vorteile, es gibt also auch einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund.

Unsere Meinung: Die intensive Nutzung sozialer Medien durch Schulkinder ist sicher ein Problem. Allerdings wird die Smartphone-Nutzung in deutschen Schulen und Zuhause anscheinend  stärker reglementiert als in den USA, die Nutzungszeiten erscheinen doch recht hoch. Auch die Studien zum Thema Depression und Entwicklung machen einen eher unvollständigen Eindruck. In den nächsten Jahren wird es aber sicher verstärkt zum Diskussionsthema werden, inwieweit soziale Medien Auswirkungen auf die Entwicklung Heranwachsender haben.

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