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Italien verhängt Millionenstrafen gegen Apple und Samsung

25.10.2018 | 12:38 Uhr |

Die Kartellbehörde verlangt von Apple 10 Millionen Euro für die geplante Drosselung alter Geräte.

Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat die beiden Firmen Samsung und Apple mit Millionenbußen belegt . Der Vorwurf der Autorità garante della concorrenza e del mercato: Geplante Obsoleszenz. Beide Hersteller hätten ihre Nutzer veranlasst Softwareupdates auf Geräten zu installieren, die diese nicht richtig unterstützten und durch starke Leistungseinbußen zum Kauf neuer Geräte veranlassten. Bei Apple kritisiert die Behörde die bekannte „Akku-Bremse“, das Heruntertakten der CPU bei einem Gerät mit schwachem oder unzuverlässigen Akku.

Zu den technischen Hintergründen lesen Sie hier mehr

Die Kartellbehörde, die sich sehr ausführlich mit den technischen Hintergründen beschäftigt hat, macht Apple zwei Vorwürfe: Der Hersteller habe Nutzer des iPhone 6 durch häufige Update-Aufforderungen veranlasst, das neuere System iOS 10 zu installieren, ohne über den erheblichen Energiebedarf und mögliche Nachteile zu informieren oder die Installation des alten Systems zu ermöglichen. Mit dem Update auf 10.2.1 habe Apple versucht, Probleme wie plötzliche Abschaltungen zu beheben, ohne auf die Reduzierung von Reaktionsgeschwindigkeit und Funktionalität hinzuweisen. Erst im Dezember 2017 habe Apple mit einem Batterie-Austauschprogramm reagiert. Außerdem habe Apple seine Kunden viel zu spät über die Batterie-Problematik informiert. Letzteres wertete die Behörde als zusätzlichen Verstoß und belegte deshalb Apple mit dem doppelten Bußgeld im Vergleich zu Samsung.

Samsung trifft ein ähnlicher Vorwurf: So habe der Konzern Besitzern eines Galaxy Note 4 empfohlen das neue Android-System Marschmellow zu installieren: Ein Update, das schwere Störungen ausgelöst habe, zudem habe Samsung nicht auf die erhöhten Belastungen der Hardware und potentielle hohe Reparaturkosten hingewiesen.

Italienische Verbraucherverbände werten die Entscheidung laut Corriere sehr positiv, so ermögliche die Entscheidung weitere Schadensersatzklagen gegen Apple und Samsung. Laufende Untersuchungen gibt es übrigens auch in anderen Ländern .

Beide Unternehmen müssen außerdem auf ihrer italienischen Webseite eine Erklärung veröffentlichen und über die Entscheidung der Behörde informieren. Samsung hat bereits reagiert und will gegen die Entscheidung Berufung einlegen und bekräftigte,  Kundenzufriedenheit habe höchste Priorität, so der koreanische Hersteller.

Unsere Meinung:

Für Konzerne wie Apple und Samsung sind Strafen von 10 bzw. 5 Millionen wohl wenig beeindruckend, schwerer wiegt aber die Schädigung des Ansehens und mögliche weitere Klagen. Apple hatte auf die „Akkubremse“ zwar mit einem günstigen Akku-Tauschprogramm und Softwareupdates reagiert, für viele iPhone-6-Kunden kam dies einfach zu spät. Viele Nutzer eines plötzlich halb so schnellen iPhone 6 oder 6 Plus hatten da schon ihr eigentlich noch nutzbares iPhone ersetzt und sind zu Recht verärgert.

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