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KI-Forschung: Computer sollen sich erinnern können

30.03.2017 | 11:15 Uhr |

Wovon träumen Maschinen, wenn sie in den Ruhezustand gefallen sind? Natürlich nichts, denn noch können sie sich nicht einmal an das erinnern, was sie eben noch gemacht haben. Das soll sich in Zukunft ändern.

Auf der Konferenz MIT Technology Review hat Apples Direktor für die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) Ruslan Salakhutdinov über den Stand der Entwicklung geplaudert und über die Schwierigkeiten, Computern so etwas wie eine künstliche Erinnerung beizubringen. Derzeit forschen Unternehmen intensiv an Reinforcement Learning, einer Art Versuch-und-Irrtum-Strategie für Computer. Google nutze das etwa in seinen Rechenzentren, damit die Maschinen selbstständig herausfinden, welche Einstellungen für die effizienteste Kühlung sorgen. Salakhutdinov selbst arbeitet an der Carnegie-Mellon-Universität – dort ist Salakhutdinov Professor – mit dem klassischen Shooter Doom - die KI habe mittlerweile herausgefunden, wie die Spielfigur am effizientesten schießt und dass Ducken bei Angriffen der Gegner hilft. Wozu die KI aber noch völlig unfähig ist: Sie kann sich nicht das Layout der Labyrinthe in Doom merken und daher keine Strategien für eigene Angriffe entwickeln. Daran arbeite man nun intensiv und erziele auch erste Erfolge. So gelang es etwa der Software, im Spiel den Turm der eigenen Farbe zu finden. Stieß sie auf den falschen Turm, konnte sie sich erinnern, welche Wege die Figur im Labyrinth bereits beschritten hatte und sich so effizienter auf die Suche nach dem korrekten Ziel machen. Es sei auch eine besondere Leistung, sich an die eigene Farbe zu erinnern, betont Salakhutdinov. Die Software aber derart zu trainieren, sei sehr aufwändig und benötige viel Rechenleistung. Derzeit sei das System noch sehr spröde und nicht auf größeren Skalen anwendbar. Die Software müsse nun lernen, aus weniger Beispielen mehr Erkenntnisse zu gewinnen.

Für Apple ist die Verbesserung der KI ein großes Ziel, vor allem der Sprachassistent Siri muss in Zukunft schlauer werden. Angesichts zunehmender Konkurrenz ist Apple in Zugzwang, Samsungs Bixby etwa kann nun schon Nachfragen im Kontext beantworten – sich gewissermaßen an das erinnern, was er schon beantwortet hat. Dass ein Apple-Entwickler überhaupt aus dem Nähkästchen plaudert, wo Cupertino in Sachen zukünftige Produkte sonst intensiv schweigt, hängt auch mit einem Ende letzten Jahres kommunizierten Strategiewechsel zusammen, Apple hatte damals gesagt, über seine KI-Forschung berichten und die Ergebnisse mit anderen Wissenschaftlern teilen zu wollen.

Mit seinem Fokus, die Daten seiner Nutzer besonders zu schützen und anders als Google sie nicht für Werbezwecke zu durchforsten und zu nutzen, kann Apple aber unter Umständen auf eine kleinere Datenbasis als die Konkurrenz zugreifen. Auf der WWDC im letzten Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, wie es das Dilemma lösen wolle: Im Rahmen der Differential Privacy erhebe man Daten nur anonymisiert und randomisiert und auch nur Ausschnitte aus der Gesamtheit der Daten einzelner User. Profile über Individuen kann man so nicht anlegen, aus der Gesamtheit des gesammelten Nutzerverhaltens aber dennoch Schlüsse ziehen.

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