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Kommentar: Apple Pay bald in Deutschland? Warum das wichtig ist.

08.09.2017 | 17:38 Uhr | Stephan Wiesend

In der Schweiz ist Apple Pay schon verfügbar, in Deutschland lässt aber Apples Zahlungssystem weiter auf sich warten. An Apple liegt dies aber nicht.

Bezahlung per iPhone oder Watch ist sogar für die eingefleischtesten Apple-Fans noch ein Randthema. Kontaktloses Zahlen per iPhone klingt praktisch , angesichts zahlloser Alternativen ist es wohl für die meisten doch eher ein „nice to have“. Für Apple ist das Thema aber vielleicht sogar wichtiger als manch neues iPhone und dies aus zwei Gründen: Ein erfolgreicher Einstieg in das mobile Bezahlen hat ein wenig Ähnlichkeit mit einer Lizenz zum Gelddrucken. Aktuell tummeln sich in diesem Bereich laut PWC in Deutschland noch  knapp 80 Anbieter, von denen bis 2020 vielleicht eine Handvoll überleben wird. Aktuell sind auch die Gewinne für Apple noch niedrig, in den USA betragen sie etwa 0,15 Prozent vom Umsatz. Aber: Die Masse macht's und die Umsätze sollten rasant steigen. Allein in Deutschland könnte mobiles Bezahlen Kreditkarten und Lastschrift ablösen und ihre Gewinne von 11 Millionen auf etwa 500 Millionen steigern. Das beliebteste Zahlungssystem zu kontrollieren hätte aber noch einen weiteren Vorteil: Es würde Apples Plattform stärken.

Aktuell sieht es allerdings nicht so aus, als könne Apple dies in Deutschland schaffen: In den Supermärkten von Aldi, Spar und Lidl ist zwar schon längst die Bezahlung per Apple Pay möglich – allerdings nicht in den deutschen Filialen. In der Schweiz ist dagegen Apple Pay schon seit über einem Jahr verfügbar, in Frankreich ebenfalls. So kann man sogar Apple Pay bereits in Deutschland nutzen, wenn man den Umweg über einen französischen Bezahldienst nutzt. Man muss nur im französischen App Store die App Boon von Wirecard laden und eine Master Card registrieren, zusätzlich dazu eine Ausweiskopie an Boon schicken. In den USA wird Apple Pay dagegen bereits von 36 Prozent der Einzelhändler akzeptiert und hat damit schon den nächsten Konkurrenten Paypal überholt.

Zur Keynote in der nächsten Woche könnte sich dies aber für deutsche Kunden bessern: Laut Gerüchten soll Apple zusammen mit dem iPhone 8 und iOS 11 auch die Verfügbarkeit von Apple Pay in Deutschland ankündigen – was aber wohl an diesem Abend zu Unrecht kaum Aufmerksamkeit erregen wird. Die Frage ist aber, welche Banken das Bezahlsystem unterstützen werden. Vom IT-Finanzmagazin gibt es bereits eine Prognose, bei welchen Banken dies wahrscheinlich ist. N26, DKB und Commerzbank gelten als die wahrscheinlichsten Kandidaten, nur gering sind die Chancen für Kunden der Sparkassen, Targo und Genossenschaftsbanken.

Offensichtlich sind viele deutschen Banken nicht besonders an Apples Bezahlsystem interessiert. Mangelnde Innovationsfähigkeit ist es wohl nicht, eher Konkurrenzdenken. Sind doch etwa schon alle von den Sparkassen aktuell ausgegebenen Kreditkarten  für kontaktloses Zahlen geeignet – die Sparkassen setzen offenbar auf das eigene System Paydirect . Das größte Hindernis für die Banken: Apple hat Zugriff auf die Kundendaten und die Banken müssen die Einnahmen mit Apple teilen. Offensichtlich hat Apple in Deutschland ein altbekanntes  Problem: In Deutschland sind die Geräte von Apple weit weniger verbreitet als in anderen Ländern. Während sich Kreditkartenfirmen in den USA und England mit Apple arrangieren müssen, besteht dieser Druck in Deutschland nur begrenzt. Für Apple aber nicht nur ein finanziell spürbares Problem, wird die fehlende Unterstützung von wichtigen Diensten die Beliebtheit in Deutschland doch nicht gerade steigern.

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