2342024

Kommentar: Apple soll liefern und nicht nur ankündigen

09.04.2018 | 10:04 Uhr | Peter Müller

Gilt bei Homepod, Airplay 2, Airpower und dem neuen Mac Pro noch die Ausrede "Apple liefert aus, wenn's fertig ist"?

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass Apple in einer trauten Journalistenrunde einräumte, mit dem zylinderförmigen Mac Pro in eine Sackgasse geraten zu sein und sein Angebot für Profianwender neu aufstellen zu wollen. Ein iMac Pro war damals schon angekündigt, weitere Details zur Maschine folgten im Juni auf der WWDC, im Dezember endlich war das neue High-End-Modell zu haben. Im April 2017 hatte Apple auch versprochen, einen modularen Mac Pro zu entwickeln, der dann eben "später" komme. Ein Jahr später tauscht sich Apple zu dem Thema erneut mit Journalisten aus und nennt nun das Jahr 2019 als Termin - was bedeutet, dass man von heute an noch zwölf bis 18 Monate auf den Mac Pro wird warten müssen.

Sicher, mit dem iMac Pro hat Apple nun eine Maschine im Angebot, die höchsten  professionellen Ansprüchen im Videoschnitt, Entwicklung, 3D-Animation und Musikproduktion genügt , der iMac Pro von heute  wäre jetzt nur schwer zu toppen, Ende 2019 hingegen sieht das gewiss wieder anders aus. Doch fällt auf, dass Apple in den letzten Monaten und Jahren viel angekündigt hat, was nicht zum versprochenen Zeitpunkt fertig war oder unvollständig. Jüngstes Beispiel: Der HomePod . Angekündigt im Juni 2017 für "Ende des Jahres" kam er erst mit gut drei Monaten Verspätung Ende Februar heraus und dann auch noch unvollständig. Da Airplay 2 (auch im Juni 2017 auf der WWDC gezeigt) immer noch nicht fertig ist, lassen sich zwei HomePods nicht zu einem Stereosystem verknüpfen, wie es die Technik verspricht. Dass der HomePod nach wie vor nur englisch spricht, berücksichtigen wir hier noch nicht einmal.

Verspätet und dann auch noch schlecht lieferbar

Auch die verwandten AirPods hatte Apple im Herbst 2016 erst mit Verspätung auf den Markt gebracht, im Dezember statt Oktober. Apple hat Tradition darin, Produkte erst heraus zu bringen, wenn sie reif dafür sind - und sie nicht schon Monate vorher anzukündigen und dann zu unterliefern. Das ist neu. Unter Steve Jobs hatte sich nur ein Produkt signifikant verspätet, das weiße iPhone 4, und das gleich um ein Dreiviertel Jahr. Das originale iPhone hingegen musste Apple ein halbes Jahr vor Verkaufsstart erstmals zeigen, die notwendigen Freigabeprozesse der Fernmeldebehörden hätten es unmöglich gemacht, das Produkt noch länger unter dem Deckel zu halten. Sonst aber galt das Mantra: "We don't talk about future products" Und vor allem das Motto, mehr zu liefern, als angekündigt war und nicht umgekehrt.

In iOS 11 gibt es noch weitere Baustellen, die Apple nicht geschlossen hat. Neben AirPlay 2 warten wir auch noch auf Messages in der iCloud , das wie Airply 2 auch schon in einigen Betas von iOS 11.2. und 11.3 enthalten war, aber nicht in der finalen Fassung. Immerhin scheint mit iOS 11.4 das bald zu passieren. Apple Pay Cash, eine andere Neuerung von iOS 11, hat es immerhin in die finale Fassung von iOS 11.2 geschafft.

" Carpool Karaoke " wurde übrigens mit einer Verspätung von acht Monaten auf Apple Music ausgestrahlt. Ach, und watchOS 2 wurde um rund eine Woche verzögert , weil der Entwickler kurz vor dem Start einen kritischen Fehler bemerkt hat.

Wofür es immer noch keinen konkreten Termin und nicht einmal einen Preis gibt: Apples Qi-Matte Airpower , die in der Lage sein wird, gleichzeitig iPhone 8/8 Plus/X, Apple Watch und das Ladekästchen für die AirPods aufzuladen. Auch hierfür liegt die Ankündigung schon eine Weile zurück, im September 2017 war sie erfolgt.

Nun also die nächste Ankündigung einer langen Wartezeit. Profi-Anwender haben drei Optionen: Einen iMac Pro kaufen, einen überholten Mac-Pro-Zylinder ohne USB-C und Thunderbolt 3 oder eben auf die modulare Maschine warten, unter Umständen bis Ende des nächsten Jahres.

Sicher ist die Zielgruppe dafür recht klein und Apple tut gut daran, sich die nächsten Monate und Jahre ausgiebig mit den Bedürfnissen der Profis zu beschäftigen, um nicht wieder zu unterliefern.

Macwelt Marktplatz

2342024