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Kommentar: Aus für den Mac Mini?

21.07.2017 | 09:52 Uhr |

Mehr als 1000 Tage wurde der Mac Mini nicht mehr aktualisiert. Warum der Rechner doch im Apple-Portfolio bleiben soll.

Update 21.07.2017:

Hoffnung: Den Mac Mini hat Apple seit fast drei Jahren nicht mehr aktualisiert und auch das Vorgängermodell – das sogar schneller war – hatte schon zwei Jahre auf dem Buckel, als das derzeit verkaufte in den Apple Store kam. Ob und wann Apple den Mac Mini nochmals aktualisieren und ihm neuere Intel-Chipsets und moderne Schnittstellen verpassen wird, steht in den Sternen. Jason Snell verdingt sich aber gewissermaßen als Sterndeuter und sieht in Intels NUC einen Hoffnungsschimmer für den Mac Mini. NUC steht für "Next Unit of Computing" und ist gewissermaßen ein Nebenprojekt des Chipherstellers, von dem Intel nicht all zu viele Stück verkaufen dürfte. Das Gehäuse ist kompakt wie das des Mac Mini, die bunten Schnittstellen sind zwar nicht gerade Apple-typisch, doch lässt sich die 4 mal 4 Zoll große Hauptplatine mit allerlei Chips und Ports bestücken, auch mit Core-i5-Prozessoren der jüngsten Generation oder jeder Menge USB-, HDMI- und Ethernet-Buchsen. Apple könnte sich ruhig ein Beispiel am NUC nehmen, der nicht größer ist als ein Apple TV. Mal sehen, ob man das in Cupertino auch so sieht und vielleicht für den Herbst einen Mini plant, der dann wieder drei Jahre lang im Angebot bleiben kann.

Ursprüngliche Meldung:

Zwei Stunden und fünfzehn Minuten Vortrag, die üblichen Updates mit einem bloßen "Alles ist gut bei Apple" ersetzt und zwei gar nicht mal so unwichtige Nachrichten (Swift 1.5 und 70 Milliarden US-Dollar an Entwickler ausgezahlt): Apple bot gestern zur Eröffnung der WWDC wieder volles Programm. An sich sollte es ja um Software gehen, um die Neuerungen an den Betriebssystemen für Mac, iPhone/iPad, Apple TV und Apple Watch, aber wenn die Öffentlichkeit schon mal da ist, kann man ja auch gleich wieder ein bisschen Hardware hervorzaubern. Überfällige wie die Prozessorupgrades und sonstigen Verbesserungen bei den Macbook (Pro) und dem iMac, inklusive einiger Preissenkungen. Vielversprechende und lang erwartete wie den iMac Pro, der zwar gewiss nicht das versprochene Neukonzept des Mac Pro wird ersetzen, aber die Wartezeit erträglicher gestalten können. Und dann natürlich der Siri-Lautsprecher, der HomePod heißt und womöglich Amazon und Konsorten zeigt, wie man ein derart nützliches Gerät auch ohne Verletzung der Privatsphäre seiner User in deren Wohnzimmer stellen kann.

Und dennoch hat etwas gefehlt. Nein, nicht tvOS, da wird eine nächste Version vermutlich im Herbst zusammen mit aktualisierter Hardware kommen. Wir meinen den Mac Mini, der nun das am längsten nicht mehr renovierte Produkt in Apples Portfolio ist. Die letzte Version stammt vom Herbst 2014 und war damals auch nur eine leichte Verbesserung der Version von 2012. War's das mit dem Mac Mini?

Das hätten Phil Schiller und Craig Federighi etwa bei ihrem viel beachteten Interview im April so ankündigen können, die Kollegen hatten nach der überraschenden Verkündung Apples, den Mac Pro neu zu denken und dem iMac eine Profivariante zu spendieren, durchaus ankündigen können, flüchteten sich aber in die Floskel, der Mac Mini bleibe ein wichtiges Produkt im Portfolio.

Wie wichtig, weiß nur Apple, die Öffentlichkeit weiß nicht mehr, als dass Cupertino nur noch 20 Prozent Desktops verkaufe. Der Löwenanteil dürfte auf den iMac entfallen, der Mac Mini wird wohl eher noch weniger gekauft. Von wem auch? Die Idee aus dem Januar 2005 war zwar bestechend einfach: Bring Maus, Monitor und Tastatur mit, kaufe dir dazu deinen ersten Mac und komme von macOS (damals Mac-OS X) und dem iPod nicht mehr los, kaufe dir ein paar Jahre später einen besseren und größeren Mac.

Wer braucht noch einen Mac Mini und wofür?

Ob das je so funktioniert hat, der Mac Mini als Einstiegsdroge? Sicher, ein Mac für 500 bis 700 Euro hat einen potentiellen Kundenkreis. Behörden, große Unternehmen, Bildungseinrichtungen, die jeden Euro umdrehen. Kleine Arbeitsgruppen, die noch einen unkomplizierten Server benötigen - den Mac Mini gab es eine Zeitlang in einer dedizierten Servervariante, einen ganzen Serverschrank aber mit Minis vollzustopfen, ist angesichts der Desktopfestplatten in den Geräten eher ein wahnwitziges Projekt.

Wer heute sich einen Mac anschaffen will, bekommt mit dem iMac ein besseres Preis-Leistungsverhältnis. Das Einsteigergerät kostet seit gestern 1299 Euro, bringt zu diesem Preise eine 1-TB-Festplatte und 8 GB RAM mit. Das kostet im Mac Mini mit nominell schnellerem (2,6 GHZ statt 2,3 GHz), aber drei Jahre älterem Prozessor auch schon 819 Euro. Mit Maus 908 Euro. Eine vernünftige Tastatur kostet noch mal 50 Euro. Für einen Monitor in ähnlicher Größe wie der des iMac ist man mit 150 Euro gut dabei. Will man Siri nutzen, benötigt man noch ein Headset oder zumindest ein Mikrophon – immerhin ist ein eigener Audioeingang vorhanden. Der Einsteiger-iMac scheint das bessere Angebot, der Mac Mini mit 1,4-GHz-Prozessor zu 569 Euro kann in Sachen Leistung schon heute nicht mehr mithalten – vielleicht ist High Sierra das letzte System für den Einsteiger-Mac.

Dabei hätte der Mini durchaus Potential, sollte man meinen. Als unkomplizierter Rechner für Büroarbeiter. Als Spielerechner für die eher anspruchsloseren Titel. Als Server für kleine Arbeitsgruppen, als Medienserver für die Familie. Wobei: Wie errechnet, kommt ein iMac kaum teurer und für die zentrale Datenaufbewahrung hat man mit einem NAS oder einem RAID deutlich mehr vom digitalen Leben. Die letzte Stunde des Mac Mini scheint geschlagen zu haben, wenn Apple nicht bald ein respektables Update vorlegt, ist der Desktoprechner am unteren Ende der Preisskala keine Empfehlung mehr wert.

Aber in diesem Frühsommer kümmerte sich Apple vorwiegend um die Profis unter seinen Nutzern, für den Herbst steht bei Apple die nächste Keynote an. iPhone 8, Apple TV 5 und ein Mac Mini - das könnte wie ein harmonischer Dreiklang für die Consumer klingen.

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