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Kommentar: Das iPhone floppt, aber das Apple-Ökosystem wächst und gedeiht

30.01.2019 | 15:45 Uhr | Stephan Wiesend

Die Verkaufzahlen des iPhone könnten besser sein, ein Trost ist die stetig wachsende Zahl der Apple-Nutzer.

Mit Erleichterung hat die Börse auf den aktuellen Quartalsbericht von Apple reagiert, trotz des bereits bekannten Umsatzrückgangs durch iPhone-Verkäufe.

Mit seiner schockierenden Umsatzwarnung vom 2. Januar hatte Tim Cook die Enttäuschung über mäßige iPhone-Umsätze bereits vorweggenommen und es gab viele positive Aspekte in der Bilanz. So sind die iPhone-Umsätze zumindest in den USA und Japan sogar gestiegen. Ein sehr positives Signal ist aber vor allem die steigende Anzahl der Apple-Nutzer: Wie Tim Cook in einem Gespräch mit Investoren erklärt, gab es noch nie so viele Nutzer eines Apple-Produktes – zwischen Januar und Dezember ist die Anzahl aller aktiv verwendeten Apple-Geräte von 1,3 auf 1,4 Milliarden gestiegen – Air Pods nicht mit gerechnet. Wohl um die Investoren etwas zu beruhigen, hat Luca Maestri außerdem erstmals die Zahl aller weltweit aktiv genutzten iPhones genannt: Aktuell gibt es beeindruckende 900 Millionen aktiv genutzter iPhones! Allein in den letzten 12 Monaten soll diese Zahl um 75 Millionen gestiegen sein. Warum ist das aber für viele Analysten so wichtig? Oder sind das nur Durchhalteparolen?

Wachstumsmarkt Services

Die hohen Nutzerzahlen sind vor allem deshalb so wichtig, da für Apple der Bereich Dienste bzw. „Services“  immer wichtiger wird. Steigende Mitgliederzahlen im Apple-Ökosystem sind da eine gute Nachricht. Längst macht ja Apple nicht nur mit dem Verkauf von iPhones und Apple-TVs Umsätze, sondern auch mit Apple-Music-Abos, Apple-Pay-Gebühren und iPhone-Zusatzversicherungen. So kann selbst das alte iPhone 6 eines wenig zahlungskräftigen Studenten per Apple Music viel Geld in Apples Kassen strömen lassen. Das Geschäft scheint gut zu laufen: Im Dezemberquartal stiegen die Umsätze um 19 Prozent auf ansehnliche 10,8 Milliarden Dollar. Rekordumsätze erzielte Apple beim Garantie-Geschäft Apple Care, aber auch Apple Music hat aktuell bereits 50 Millionen Abonnenten – regelmäßig zahlende noch dazu. Nicht zu vergessen: Mit einer Marge von 62,8 Prozent sind diese Dienste weit profitabler als Hardware Produkte wie iPad und Macbook, die laut Angaben von Apple nur 34,4 Prozent abwerfen.

Apples Gesamtumsatz (violett) hängt noch stark von dem des iPhones ab (grün). Die Services bringen aber stetig mehr ein (rot) - saisonunabhängig.
Vergrößern Apples Gesamtumsatz (violett) hängt noch stark von dem des iPhones ab (grün). Die Services bringen aber stetig mehr ein (rot) - saisonunabhängig.

Apples Strategie, hochpreisige Produkte zu verkaufen, ist leider weiter notwendig, um die Umsätze zu stabilisieren. Mit 300-Euro-iPhones kann ein Konzern wie Apple keine soliden Gewinne erzielen und auch andere Smartphone-Hersteller leiden unter einem gesättigten Markt, in dem die Kunden nur noch unregelmäßig ihre Smartphones upgraden. Langfristig sollte Apple seine hohen Umsätze zwar halten können, braucht aber dringend neue Produkte, die zusätzliche Umsätze erschließen. Die größten Hoffnungen liegen dabei laut Tim Cook im Bereich Dienste, wozu Apple so unterschiedliche Bereiche wie Apple Care, iCloud, Apple Pay und Apple Music zählt.

Wichtig für Apple sind dabei aber nicht nur viele Kunden, sondern viele Entwickler. Hier hat Apple gute Grundlagen, allein in China soll es laut Cook schon 2,5 Millionen registrierte iOS-Entwickler geben – angesichts einer jährlichen Gebühr handelte es sich dabei nebenbei wohl kaum um „Karteileichen“. Der Apple-Nutzerkreis wächst also stetig, mehr als zwei Drittel der Käufer eines Macs oder iPads waren in China außerdem Erstkäufer.

Macs und iPads

Gut sieht es also für iOS aus. Hat sich aber auch die Zahl der Mac- und iPad-Anwender gesteigert? Neben dem Umsatzbringer iPhone sind Macs und iPads in den letzten Jahren etwas aus dem Blickfeld geraten. Laut Apple haben sie sich im letzten Quartal aber hervorragend gehalten. Die Umsätze mit Macs stiegen um 9 Prozent, bei iPads dank des iPad Pro sogar um 18 Prozent. Apple Watch und Air Pods verkauften sich ebenfalls hervorragend. Auf Erfolgsmeldungen beim Homepod musste Apple dagegen leider verzichten, gegen Amazon Alexa und zahllose Konkurrenten scheint Apples Lautsprecher weiterhin keinen Stich machen zu können.

Beim Thema Mac handelt es sich also um eine Erfolgsmeldung? Im Prinzip schon, es könnte aber nach unserer Einschätzung besser laufen. Leider ist bisher die Zahl der verkauften Geräte nicht bekannt und steigende Umsätze bedeuten noch keine steigenden Nutzerzahlen. Das Unter-Ökosystem-Mac scheint kaum noch zu wachsen, ganz im Gegensatz zur iOS-Plattform. Vielleicht kann aber die für 2019 erwartete neue Generation von iMacs helfen, wünschenswert wäre dies jedenfalls.

Fazit

Für Apple sieht es langfristig recht positiv aus. Die Zeiten jährlicher Umsatzsprünge und Börsenrekorde sind vielleicht erst einmal vorbei, an der Profitabilität und Stabilität der Firma selbst gibt es aber nichts zu bemängeln. Die schlechten Verkaufszahlen in China könnten sich außerdem schnell bessern: Apple plant nämlich eine Preissenkung in vielen Auslandsmärkten. Bisher hatte sich Apple bei seinen Preisen am Dollarkurs orientiert, was dank starkem Dollar zu herben Aufpreisen in fast allen Ländern führte. Den Verkaufszahlen könnte dies helfen: So haben wir schon öfter vermutet, dass sich das iPhone XS mit einem Verkaufspreis von 999 Euro weit besser verkaufen würde.

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