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Kommt das 1300-Euro-iPhone? Ja, aber mit Alternativen

18.04.2018 | 16:42 Uhr | Stephan Wiesend

Analysten erwarten, dass Apple die Preise für das iPhone X weiter anhebt, was einigen Protest auslöste.

Ende Herbst wird Apple eine neue verbesserte Version des iPhone X präsentieren – so wie jedes Jahr. Ein kleines Online-Beben hat letzte Woche allerdings eine Studie der UBS-Analysten Steven Milunovich und Benjamin Wilson ausgelöst, das nächste iPhone X könnte 1100 US-Dollar kosten, in Deutschland also 1300 Euro.

Eigentlich nur eine These, die aber zu Stürmen der Entrüstung geführt hat. Ist doch das iPhone X nach Meinung vieler Kommentatoren ein Misserfolg, da der Preis einfach zu hoch sei. Ein noch teureres Modell klingt da fast nach Hybris von Apple, die Autoren wurden aber teils auch missverstanden.

Was in der Diskussion leider von einigen Journalisten übersehen wurde: Es ist das neue Top-iPhone X das 1100 Dollar kosten soll. Laut Berichten plant Apple ja, zusätzlich zum aktuellen iPhone-Modell mit 5,8 Zoll ein noch größeres Modell mit 6,5-Zoll-Display auf den Markt zu bringen – eigentlich ist ja erst dieses Modell dann der „echte“ Nachfolger des iPhone 8 Plus und es gibt wieder ein Modell-Paar aus iPhone X und iPhone X Plus.

Da der Bildschirm des iPhone X recht schmal geraten ist, wäre ein größerer Display schließlich durchaus nötig. Wie kommen die Analysten aber auf 1100 US-Dollar? Die Kurzfassung: Weil Apple es muss. Bei der ausführlichen Erklärung wird es etwas komplizierter:

Die Einschätzung von UBS ist nicht aus der Luft gegriffen und die Analysten können sie gut begründen: Die Preise eines iPhones werden von Apple nicht frei erfunden, sondern nach einigen simplen Gesetzmäßigkeiten festgelegt. So werden Top-Funktionen der iPhone-Modell bei Apple über den Produktzyklus „nach unten“ weitergereicht. Ein Vorjahresmodell wie aktuell das iPhone 7 bleibt mit Rabatt im Programm. Höhere Preise werden dabei durch neue Funktionen gerechtfertigt. Es gibt aber ein relativ neues Problem, warum die Preise steigen müssen: Apple muss seine zahlungskräftigen Kunden zu immer höheren Ausgaben verleiten – ist doch der Smartphonemarkt in allen zahlungskräftigen Märkten wie Japan, USA und Europa gesättigt und Apple muss wie jedes Unternehmen seine Umsätze steigern können. Das geht kaum noch durch die Erhöhung der Verkaufszahlen, nur noch durch die Steigerung des Durchschnittspreises der Geräte.

Es gibt aber auch einen interessanten Aspekt für Normal/Gering-Verdiener: Apple darf die Erschließung neuer Märkte nicht vernachlässigen. Für Märkte mit wenig Kaufkraft müssen auch günstige Geräte im Angebot sein. Apple versuchte bisher, diesen Widerspruch durch ältere iPhones zu lösen. So soll ja Apple in Indien gerade die Produktion des iPhone 6S neu gestartet haben – einem alten aber günstigen iPhone-Modell. Aus Sicht von wenig kaufkräftigen (China) oder geizigen (Deutschland) Märkten sind aber 999 Dollar oder 1149 Euro einfach zu viel, weshalb Apple angeblich erstmals eine neue aber günstige Produktvariante einführen – einen Nachfolger des iPhone 8 Plus mit LCD-Display und wohl einigen Einschränkungen wie nur einer Kamera. Face ID ist ja gekommen, um zu bleiben und wird vom neuen „Zwischenmodell“ unterstützt werden.

US-Dollar

Euro

iPhone SE

300

345

iPhone 7

599

629

iPhone 8

699

799

iPhone Plus

799

909

iPhone X

999

1149

iPhone X Plus

1099

1249

Was ist also zu erwarten? Sicher wird Apple die vertraute Produktmatrix aufmöbeln. Es wird weiter ein „Old-School“ iPhone 8 für 699 Dollar geben. Apple könnte den Preis natürlich auf 599 Dollar senken – aber warum sollten sie? Die Rolle des aktuellen iPhone 8 Plust wird dann das neue 6,1-Zoll-Modell, eine Art iPhone Plus mit LCD einnehmen. Nach üblicher Preisstaffelung wird es dann wie das aktuelle iPhone 8 Plus für 799 Dollar und das neue (aktualisierte) iPhone X für 999 geben. Aber das kommende iPhone X Plus wird ebenfalls mehr als das iPhone X kosten, vermutlich 1099 Dollar oder per iPhone Upgrade-Program für 55 Dollar. Das aktuell angebotene iPhone X könnte Apple aber erstmals nicht vergünstigt im Angebot belassen, sondern durch eine aktualisierte Version ersetzen: Einfach um den unter viel Protest eingeführten Preis von 999 US-Dollar zu halten. Weiter spannend bleibt außerdem, welche Strategie Apple mit dem iPhone SE verfolgt. Eigentlich hatten viele auf eine neue Version des iPhone SE gehofft – vermutlich wird aber Apple nur den Preis etwas senken – um im Einstiegssegment einen Fuß in der Tür zu lassen, aber auch nicht zu sehr die anderen Modelle zu beeinträchtigen.

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