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Kygo A9/600: DJ-Kopfhörer mit Wucht und Feinheiten

14.02.2019 | 16:58 Uhr | Peter Müller

Akustisch gut abgeschirmt von der Umgebung können wir uns auf die Musik konzentrieren, quer durch viele Genres. Der Equalizer treibt es bunt.

Musik, sonst nichts – das verspricht der Kopfhörer A9/600 für den der norwegische Produzent und DJ Kygo seinen Namen hergibt. Weder als Headset für das Büro oder für den Weg dorthin und wieder nach Hause wollen wir den Kopfhörer einsetzen, obwohl wir durchaus erreichbar wären, solange wir den OverEar mit unserem iPhone gekoppelt haben. Eingehende Telefonate sind mit einem Tipp auf die Mitte der rechten Ohrmuschel angenommen, nur können wir nicht auf diese Weise via Siri einen ausgehenden Anruf initiieren.

Ansonsten bietet die Gestensteuerung die wesentlichen Funktionen. Per Wisch und nicht per Druck von linsk nach rechts und umgekehrt kommt man zum nächsten oder vorherigen Stück, von unten nach oben wischen macht die Musik lauter, in der Gegenrichtung geht das Volumen herunter. Diese Kontrollen und die Telefonie funktionieren aber nur, wenn der Kopfhörer, der auch aptX und AAC unterstützt, per Bluetooth 4.1 gekoppelt ist, bei Benutzung mit Kabel muss man die Steuerelemente des Players nutzen.

Der Kygo A9/600 durchaus auch als Reisekopfhörer zu gebrauchen, auch ohne Active Noise Cancelling. Denn die Hörmuscheln schirmen Außengeräusche sehr gut auf, wir können uns ganz auf die Musik konzentrieren. Mehr wollen wir ja nicht  von dem Kopfhörer

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Das 3,5-mm-Klinkenkabel ist wie das Micro-USB-Ladekabel ein klein wenig im Karton des A9/600 versteckt, wir müssen die Schale, die den Kopfhörer hält, erst einmal anheben und finden darunter ein kleines Stoffsäckchen für den Transport des eleganten Hörers - und auch die Kabel, in der Farbe unseres Testmodells (weinrot) gehalten ist. Beim Design stimmt schon einmal alles, auch in Sachen Funktionalität. Den Bügel können wir weit genug ausfahren, damit der A9/600 gut über unseren Schädel passt - das war uns nicht bei allen bisher probegehörten Geräten vergönnt. Das Kabel ist mit etwa 1,10 Meter aber ein wenig kurz, auch im Studio oder im DJ-Pult wünscht man durchaus Bewegungsfreiheit - und das ohne die mit Bluetooth verbundenen Latenzen.

Taugt nicht nur für den Disco-Beat

Kommen wir zur Musik, wir hören zunächst am Mac Probe, ohne weitere Manipulation am Klang. Wenig überraschend klingt der Kygo A9/600 mit elektronischer Tanzmusik wie von Avicii und eben Kygo recht anständig, mit druckvollem, aber nicht zu aufdringlichen Bass und klaren, aber nicht schrillen Höhen.

Wir gehören aber einer anderen Zielgruppe an, also lassen wir mal wieder "The Dark Side of the Moon" sprechen . Es begrüßt uns der alt bekannte Bass-Herzschlag mit seinem Crescendo und der allmählich einsetzenden Soundkulisse – gar nicht übel, aber das hatten wir letztens erst noch besser gehört . Aber mal in die Hotel Hobbies von Marillion reinhören, in den Re-Mix von 2018 und dem CD-Original von 1987: Der glasklare Sound des A9/600 lässt uns erst so richtig die Unterschiede hören – schön.

Gehen wir aber noch mal mit Lorin Maazel und dm Symphonieorchester des Bayerischen Rundfuks auf eine virtuelle Bergwanderung, auf der uns Richard Strauss mit seiner Alpensymphonie führt. Klingt zwar alles recht wohl definiert, aber ein wenig flach, der Dynamikumfang scheint seine Grenzen zu haben. Den Eindruck bestätigt uns die Leningradskaya von Dimitri Schostakowitsch - doch dank der wirklich guten Abschirmung von Außengeräuschen können wir auch im Büro die leisen Takte noch gut hören. 

Und was ist mit Jazz? Greifen wir zunächst auf eine Strauss-Adaption zurück: "Also Sprach Zarathustra" von Deodato . Dafür ist der Kygo A9/600 wie gemacht, sehr präzise links oben die Percussion, der Akustikbass leicht rechts von der Mitte, Jazzorgel, Gebläse und Gitarre treten sich in der Mitte aber nicht auf die Füße. Und in " Spain " tanzt Al Jarreaus Stimme virtuos durch den fein definierten Raum. Scharfer Kontrast dazu, etwas mit Wumms: Metallica, " Hardwired ". Auch hier werden wir nicht enttäuscht. Laut, hart, aber nicht klirrend verzerrt, sondern auch bei hohen Lautstärken nicht unangenehm.

Grafischer Equalizer, der es bunt treibt

Bisher haben wir die Musik so gehört, wie sie gedacht war, zumindest so nahe dran, wie das in dem Setting möglich ist. Auf dem iPhone nutzen wir den Equalizer von Kygo, der vor allem einen interessanten grafischen Ansatz bietet. Wir justieren keine Frequenzbänder, sondern ziehen auf einem Rechteck den Klangpunkt in die gewünschte Position. Die Seiten des farblich veränderlichen Rechtecks sind mit "Bergen" (oben), "Ibiza" (unten), "New York" (rechts) und "Los Angeles" (links) bezeichnet - am Besten gefällt uns der Klang aber immer noch in der Mitte. Es würde wohl Stunden und Tage dauern, bis wir den für unsere Ohren optimalen Sound finden, es ist ja auch eher ein rumprobieren als ein justieren oder gar kalibrieren , also lassen wir das besser - und schalten auch den Bassboost wieder aus.

Das Hören von Farben nennt man Synästhesie - hier sind die Farben für den grafischen Equalizer aber eher ein Gag.
Vergrößern Das Hören von Farben nennt man Synästhesie - hier sind die Farben für den grafischen Equalizer aber eher ein Gag.

Fazit

Das Design gefällt sehr gut, der Klang ist auch für vielerlei Genres sehr angenehm, die (passive) Abschirmung gegen Außengeräusche sehr gut, der Preis von 199 Euro fair - wer Musik hören oder produzieren will, bekommt mit dem Kygo A9/600 ein Paar hochwertige OverEars. Allein beim Tragekomfort muss man als Brillenträger ein paar Abstriche in Kauf nehmen, die Schalen drücken dann doch recht stark auf die Ohren. Den Kygo A9/600 gibt es in fünf schicken, aber dezenten farben.

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