2363775

Lahm unter Last? Kritik am Kühlsystem des neuen Macbook Pro

18.07.2018 | 13:33 Uhr |

Das Kühlungssystem der neuen Macbook Pro stößt an Grenzen, was wohl fehlende Upgrades für das 13-Zoll-Modell erklärt.

Apples neues Macbook Pro 15-Zoll kann gegen Aufpreis mit einem neuen 6-Kerner von Intel mit 2,9 GHz aufgerüstet werden, einem Core i9 mit einem Turbo Boost von 4,8 GHz. Bei ersten Benchmarks mit Tools wie Geekbench hat dieses System erstklassige Werte geliefert, bei Geekbenchs etwa bis zu 24 000 Punkte. Auch SSD und Grafikkarte ziehen laut ersten Messungen am Vorjahresmodell vorbei.

Anscheinend gerät das interne Kühlsystem des Macbook Pro aber bei längerer Rechenzeit an seine Grenzen. So stellte Youtuber Dave Le bei seinem Test, dem längerem Rendering eines Videos mit Premiere Pro, ein sehr schnelles Heruntertakten der CPU fest: Bei starker Erwärmung reduziert die CPU die Taktung im Schnitt von 2,9 auf 2,2 GHz. Das reduziert die Performance: Mit einer Renderzeit von knapp 39 Minuten benötigte das neue Modell damit aber sogar vier Minuten länger als ein Macbook Pro i7 von 2017  – war also lahmer. Bei einem Gaming-Notebook, dem Aero 15X mit gleicher CPU trat dieses so genannte Thermal Throttling sogar gar nicht auf. Testweise stellte Lee das Macbook in einen Kühlschrank und führt den Benchmark erneut durch. Jetzt dauerte das Rendern nur noch 27 Minuten. Schuld sieht Lee im Kühlsystem des Macbook Pro, das er damit Pro-Anwendern nicht empfehlen will.

Das enttäuschende Ergebnis können weitere Tester bestätigen. Ein ähnlich überraschendes Ergebnis lieferte ein Rendering-Test von Zollotech mit der Komprimierung eines 4K-Videos in Final Cut Pro X: Auch hier benötigte das neue i9-Modell mit 15:17 Minuten länger als das Vorjahresmodell, das nur 13:50 Minuten benötigte.

Das neue Macbook Pro 13-Zoll mit seinen neuen Quadcore-CPUs ist anscheinend ebenfalls betroffen, wie ein Test der Seite Notebookchek zeigt . Auch hier lag die Performance des Macbook Pro bei längeren Messungen mit dem Benchmark Cinebench R15 unter den Erwartungen. Hier kritisieren die Tester aber eher Intel und die Effizienz der von Apple verbauten Coffe-Lake-U-Chips.

Unsere Meinung:

Ein englischer Politiker würde sagen: Man sollte nur Benchmark-Ergebnissen vertrauen, die man selbst gefälscht hat. Die Kritik von Lee klingt berechtigt, allerdings ist das Heruntertakten einer überhitzten CPU vom Hersteller so vorgesehen und schützt das System vor Hardwareschäden oder Instabilität. Ein Render-Test mit 40 Minuten Renderzeit provoziert dieses Heruntertakten geradezu und bei Alltagsaufgaben und einem kürzeren Video würde das neue Macbook (ohne Throttling) wohl wieder das alte schlagen. Eventuell könnte man auch die Lüfterdrehzahl steigern oder auf ein Update von Apple hoffen. Die Frage für Pro-Anwender bleibt aber wohl eher, ob ein Macbook Pro einen iMac Pro oder einen Mac Pro ersetzen kann. Fraglich ist auch, ob sich der Aufpreis für die i9-CPU beim Macbook Pro 15-Zoll wirklich lohnt.

Es ist aber vielleicht kein Zufall, dass Apple zeitgleich mit den neuen Macbook Pro eine externe GPU vorgestellt hat – die viel Rechenleistung auf den externen Grafikprozessor auslagert und sich für lange Renderzeiten anbietet. Die hohe Wärme der neuen Intel-CPUs könnte aber erklären,  warum Apple nicht alle Macbook Pro-Modelle aktualisiert hat, so erhielten doch nur die Modelle mit Touchbar die neuen CPUs. Die Macbook Pro ohne Touchbar beinhalten nämlich ein weniger effektives Kühlungssystem mit nur einem Lüfter und sind intern für weniger energiehungrige CPUs ausgelegt. Im Unterschied zu den Modellen mit Touchbar wären sie deshalb  wohl von den hitzigeren CPUs der Touchbar-Modelle überfordert – was zu nervenden Lüftern oder ständigem Heruntertakten führen würde.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2363775