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”Lieben statt Liken”: Manifest gegen ausufernden Smartphone-Gebrauch

09.06.2017 | 09:50 Uhr |

Die ”Radikale Anti Smartphone Front” RASF wendet sich gegen ”Parallelkommunikation mit Abwesenden im Beisein anderer” und plädiert für ein authentischeres Leben in der realen Welt.

Pointiert sprechen die Initiatoren der Anti-Smartphone-Bewegung ”RASF” in ihrem Manifest von den ”neuen Prophet:innen aus dem Silicon Valley”, die nur scheinbar jedes Problem lösen könnten. Sie hinterfragen, ob das Ansehen von Katzenvideos mit der Familie wirklich die Lebensqualität steigert. Ferner beklagen sie, dass ”unsere Öffentlichkeit sich immer weiter in einzelne Fragmente zersplittert bis sich jeder Mensch in seiner personalisierten digitalen Blase bequem eingenistet hat und für die Probleme und Anliegen andersdenkender Menschen nicht mehr erreichbar ist”. Und anderes mehr. Der ausufernde und exzessive Gebrauch von Smartphones vergifte nach und nach unser Leben. Stattdessen fordern Wenzel und Benno auf ihrem Blog zum ”Lieben statt Liken” auf, zum ”Tanzen statt Twittern” und sind für ”Emotion statt Emoticon” – auch noch deutlichere Hinweise finden sich auf ihrer digitalen Protestmauer, wie unser Screenshot zeigt. Davon berichtet ausführlich auch der Bayerische Rundfunk auf seiner Website .

Smartphones sollen künftig nur noch ein nützliches Hilfsmittel zur Bewältigung des Alltags sein, aber diesen nicht gewissermaßen ersetzen. Laut BR gibt es auch durchaus Gegenwind zu den radikalen Thesen der Lebensphilosophen. So etwa vom Startup-Portal "Gründerszene", das auf die Wichtigkeit der digitalen Kommunikation hinweist  – ohne App sei ein Startup heutzutage kein Startup. Andererseits verweist der BR in seinem Bericht auf jüngste Untersuchungen zu gesundheitlichen Problemen, vorgelegt in einer Studie der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler, die einen deutlichen statistischen Zusammenhang von übermäßigem Smartphone-Gebrauch mit gestörtem Schul- und Sozialverhalten sowie anderen bedenklichen Konsequenzen aufweise.

Unser Kommentar

Schon immer gab es romantisch inspirierte Bewegungen wie ”Zurück zur Natur”, ”Back to the roots” und andere Motive, die absolut ihre Berechtigung haben und auch in der digitalen Gesellschaft diskutiert werden müssen. Es geht schließlich auch um unsere Gesundheit und um ein Leben, das real ist und nicht nur digital existiert. Insofern haben die beiden Initiatoren ein gesellschaftlich relevantes Thema aufgebracht. Problematisch ist dagegen die Nähe zum radikal-terroristischen Kürzel der ”RAF”, mit der sie nichts gemein haben, insbesondere was das Thema Gewalttätigkeit betrifft. Andererseits fühlt man sich an pazifistische Hippie-Parolen der Sechzigerjahre wie ”Make love, not war” erinnert – die sich freilich gegen den Vietnamkrieg richtete, der ganz real vielen Menschen das Leben oder die Gesundheit gekostet hatte und damals von größter politischer Relevanz nicht nur in den USA war.

Doch andere Zeiten, andere Probleme – man muss die Meinung insbesondere des Manifests der beiden Initiatoren ja nicht einfach für sich übernehmen. Diskussionswürdig ist es sicherlich. Auch auf Facebook – vielleicht wollen dort auch unsere ”Leser:innen” ihre Kommentare dazu hinterlassen. Falls sie sich nicht inzwischen, von den Parolen der Initiative angesteckt, aus dem sozialen Netzwerk abgemeldet haben

Übrigens kann man die Initiative unterstützen, ebenfalls auf der Website der ”RASF” – dass das dort ausgerechnet mit Selfies und vorgehaltenen Parolen im besten Sozialen-Netzwerk-Stil geschieht, ist jedenfalls nicht bar jeder Ironie :-)

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