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Mehr Speicher für das Macbook Air aufrüsten

08.01.2019 | 15:21 Uhr | Thomas Armbrüster

Beim alten Modell des Macbook Air lässt sich eine größere SSD einbauen. Wir testen das JetDrive 855 mit 480 GB von Transcend.

Das alte Macbook Air – zuletzt im Frühjahr 2015 nennenswert aktualisiert – ist ein Dauerbrenner, denn Apple hat es auch nach Veröffentlichung des Nachfolgers nicht aus dem Angebot gestrichen. Bei Apple und im Fachhhandel ist es zudem recht günstig zu bekommen, vor allem das Einstiegsmodell mit 128 GB Datenspeicher. Hier beginnen die Preise bei unter 900 Euro . Wie bei allen Macbooks verlangt Apple saftige Aufpreise, wenn man mehr Speicher benötigt. Man kommt aber mit 128 GB in vielen Fällen zurecht, wenn man sparsam mit den Daten umgeht und externe Datenspeicher für nicht ständig benötigte Dateien verwendet, so wie wir es in diesem Artikel beschrieben haben . Da die SSD im alten Macbook Air aber noch nicht wie beim neuen Modell von 2018 verlötet, sondern nur gesteckt ist, lässt sich diese auch durch eine größere SSD ersetzen. Leider kann man aber dafür nicht einfach ins Regal greifen und eine handelsübliche SSD im Format m2 kaufen, die inzwischen sehr preiswert zu bekommen sind. Denn Apple verwendet einen anders gepolten Steckplatz. Transcend bietet mit dem JetDrive speziell für den Mac entwickelte SSD-Speicherkarten an, die zu diesem Steckplatz kompatibel sind.

Transcend SSD: Verfügbare Modelle

Für das alte Macbook Air ab dem Modelljahr 2013 gibt es zwei Varianten des JetDrive: Das Modell 850/855, das den schnelleren Standard NVMe sowie PCIe mit vier Datenleitungen unterstützt, und das Modell 820/825, das das langsamere AHCI-Protokoll und PCIe mit zwei Datenleitungen verwendet. Als Speicherkapazitäten stehen jeweils 240 GB, 480 GB und 940 GB zur Verfügung. Die Modelle 855 und 825 unterscheiden sich von den anderen beiden Versionen durch das mitgelieferte Gehäuse mit Thunderbolt-2-Anschluss, in das man nach dem Tausch die interne SSD einbauen und dann als externes Laufwerk verwenden kann. Der Aufpreis für das Gehäuse beträgt im Handel momentan zwischen 65 und 75 Euro. Der Preisunterschied zwischen dem NVMe- und dem AHCI-Modell liegt im Handel momentan bei etwa 20 Euro.

Alle JetDrives sind außer zum alten Macbook Air 13" ab Mitte 2013 (Macbook Air 6,2/7,2) auch zum Macbook Air 11" von Anfang 2013 bis Anfang 2015 (Macbook Air 6,1/7,1), zum Macbook Pro 13" von Ende 2013 bis Anfang 2015 (Macbook Pro 11,1/12,1), zum Macbook Pro 15" von Ende 2013 bis Anfang 2015 (Macbook Pro 11,2/11,3/11,4 /11,5), zum Mac Mini von Ende 2014 (Mac Mini 7,1) und zum Mac Pro von Ende 2013 (Mac Pro 6,1) kompatibel. Die schnellere NVMe-Variante benötigt macOS 10.13 High Sierra oder neuer, da erst ab dieser Version NVMe unterstützt wird. Für das JetDrive 820/825 ist die Mindestvoraussetzung OS X 10.10 Yosemite.

Für unseren Test verwenden wir ein Macbook Air von 2017 mit 128 GB SSD und das JetDrive 855 mit 480 GB, also das schnellere Modell mit dem Gehäuse. Zum Testzeitpunkt kostete es im Handel etwa 340 Euro. Bei einem Neupreis von rund 880 Euro für das Macbook Air mit 128 GB kommt man so auf 1220 Euro. Verzichtet man auf das externe Gehäuse, muss man momentan für das JetDrive rund 270 Euro ausgeben, insgesamt also 1150 Euro. Zum Vergleich: Apple verlangt für das Macbook Air mit 500 GB SSD 1600 Euro.

Transcend JetDrive hier kaufen

Der Speicher ist im Lieferzustand in das externe Gehäuse aus Metall eingebaut, an das ein kurzes Thunderbolt-2-Kabel fest angeschlossen ist. Das Gehäuse ist sehr stabil und mit 85 Gramm für die Größe recht schwer. Formatiert ist es im Standard GUID und MacOS Extended (HFS+). Mitgeliefert werden außerdem ein Pentalobe-Schraubendreher P5 und ein Torx-Schraubendreher T5. Ersteren benötigt man, um das Macbook Air aufzuschrauben, der T5 kommt beim Lösen und Befestigen der SSD sowie beim Aufschrauben des externen Gehäuses zu Einsatz.

Das JetDrive 855 wird in einem externen Gehäuse sowie mit zwei Schraubendrehern für die Montage geliefert.
Vergrößern Das JetDrive 855 wird in einem externen Gehäuse sowie mit zwei Schraubendrehern für die Montage geliefert.
© Thomas Armbrüster

Vorbereitung und Umbau

Bevor wir an den Umbau gehen, aktualisieren wir zuerst das System auf die aktuellste Version von macOS Mojave . Dabei werden auch alle notwendigen Firmware-Updates auf dem Macbook Air installiert. Die letzte Fassung von macOS High Sierra tut es aber auch. Zudem erstellen wir auf einer SD-Speicherkarte mit dem Programm DiskMaker X 8 ein startfähiges Installationsmedium für macOS Mojave. Ein USB-Stick lässt sich aber ebenso verwenden. Als letzten Schritt machen wir ein Backup mit TimeMachine , aus dem wir dann später die Dateien wieder auf das Macbook Air übertragen.

Bevor man die alte SSD entfernt, trennt man den Akkuanschluss von der Hauptplatine, um einen Kurzschluss zu vermeiden.
Vergrößern Bevor man die alte SSD entfernt, trennt man den Akkuanschluss von der Hauptplatine, um einen Kurzschluss zu vermeiden.
© Thomas Armbrüster

Um das Macbook Air aufzuschrauben, verwendet man den Pentalobe-Schraubendreher (P5). Es sind insgesamt zehn Schrauben. Am besten legt man ein A4-Blatt daneben und positioniert die Schrauben dort so, wie man sie aus dem Bodendeckel entfernt hat. Die beiden mittleren Schrauben an der Rückseite sind länger als die acht anderen Schrauben.

Das Gehäuse mit dem JetDrive lässt sich leicht öffnen, um den Speicherbaustein zu entnehmen.
Vergrößern Das Gehäuse mit dem JetDrive lässt sich leicht öffnen, um den Speicherbaustein zu entnehmen.
© Thomas Armbrüster

Nach dem Öffnen zieht man als erstes den Stecker des Akkus an der Lasche aus dem Gegenstück auf der Hauptplatine in Richtung Akku heraus. Auf keinen Fall nach oben ziehen! Im Video auf der Transcend-Webseite ist eine andere Verbindung zu sehen, am besten orientiert man sich an der Anleitung bei iFixit . Danach löst man mit dem Torx-Schraubendreher (T5) die Befestigungsschraube des SSD-Speichers, hebt diesen ganz leicht am zuvor festgeschraubten Ende an und zieht ihn aus dem Steckplatz heraus.

Das JetDrive passt genau in den Steckplatz des Macbook Air.
Vergrößern Das JetDrive passt genau in den Steckplatz des Macbook Air.
© Thomas Armbrüster

Anschließend öffnet man das externe Gehäuse mit dem Torx-Schraubendreher (alle vier Schrauben sind gleich lang), löst die Befestigungsschraube der SSD und zieht sie aus dem Steckplatz heraus. Nun platziert man die Transcend-SSD im Macbook Air, schiebt sie in den Steckplatz ein und befestigt sie dann mit der Originalschraube. Anschließend verbindet man den Stromanschluss des Akkus wieder mit dem Steckplatz auf der Hauptplatine (auch hier darauf achten, nicht nach oben zu drücken) und schraubt das Macbook Air wieder zu. Die Original-SSD kommt dann in das externe Gehäuse.

Die neue SSD wird vom System problemlos erkannt, TRIM ist automatisch aktiviert.
Vergrößern Die neue SSD wird vom System problemlos erkannt, TRIM ist automatisch aktiviert.

Nun steckt man die SD-Karte oder den USB-Stick mit der Installationsdatei in den SD-Karten-Slot, startet den Mac mit gedrückter alt-Taste und wählt die Installationsdatei aus. Nach der Installation und dem anschließenden Neustart übernimmt man noch die Daten aus dem Backup. Der neue Speicher wird einwandfrei vom System erkannt, TRIM ist automatisch aktiviert.

Die Original-SSD nimmt dann den Platz im externen Gehäuse ein.
Vergrößern Die Original-SSD nimmt dann den Platz im externen Gehäuse ein.
© Thomas Armbrüster

Geschwindigkeit im Test

Transcend gibt für das JetDrive 850/855 maximal 1.600 MB/s beim Lesen und 1.400 MB/s beim Schreiben an. Für unseren Test verwenden wir die Programme Blackmagic Disk Speed Test (Einstellung 5 GB Dateigröße) und AJA System Test Lite (Einstellung 16 GB Dateigröße), beide findet man im App Store. Beide Programme lassen wir jeweils 15 Minuten im Akku-Betrieb in einer Schleife laufen. Parallel verfolgen wir mit dem Programm Trim Enabler die Temperaturentwicklung des Laufwerks. Beim Aja System Test Lite messen wir beim Schreiben 1160 MB/s und beim Lesen 1486 MB/s. Das Blackmagic-Programm kommt mit 1245 MB/s (Schreiben) und 1522 MB/s (Lesen) auf etwas höhere Werte. Beim Programm von Aja fängt der Lüfter gegen Testende leicht hörbar zu drehen an, ansonsten bleibt es ruhig. Die angezeigte Temperatur bleibt immer bei maximal 60° C, also innerhalb des von Transcend angegebenen Temperaturbereichs.

Die Schreib- und Lesewerte des JetDrives sind besser als diejenigen mit der Original-SSD.
Vergrößern Die Schreib- und Lesewerte des JetDrives sind besser als diejenigen mit der Original-SSD.

Die zum Vergleich gemessenen Werte mit der Original-SSD mit 128 GB sind bei beiden Programmen mit 691 MB/s beim Schreiben und 1112 MB/s beim Lesen fast identisch. Die deutlich niedrigeren Schreibwerte im Vergleich zur Transcend-SSD sind der geringen Speicherkapazität geschuldet, da dort weniger Datenleitungen für parallele Zugriffe verfügbar sind.

Mit dem Programm Trim Enabler kontrollieren wir die Temperatur während des Geschwindigkeitstests.
Vergrößern Mit dem Programm Trim Enabler kontrollieren wir die Temperatur während des Geschwindigkeitstests.

Außerdem messen wir auf dieselbe Weise noch die Speicherbausteine im externen Gehäuse, das per Thunderbolt-2-Kabel am Macbook Air angeschlossen ist. Die JetDrive-SSD kommt mit dem AJA-Programm auf 662 MB/s (Schreiben) und 764 MB/s (lesen), mit Disk Speed Test messen wir 677 MB/s und 774 MB/s. Das Gehäuse wird spürbar warm, lässt sich aber noch gut anfassen. Die gemessene Temperatur des Speichers liegt bei maximal 60° C. Die Vergleichswerte der Original-SSD sind 594 MB/s und 666 MB/s beim System Test Lite und 646 MB/s und 692 MB/s beim Speed Test von Black Magic.

Die Geschwindigkeit des JetDrives im externen Gehäuse wird durch den Thunderbolt-2-Anschluss limitiert.
Vergrößern Die Geschwindigkeit des JetDrives im externen Gehäuse wird durch den Thunderbolt-2-Anschluss limitiert.

Laufzeittest

Um die Akkulaufzeit mit den beiden SSDs zu testen, laden wir mit iTunes einen Film mit einer Laufdauer von anderthalb Stunden auf das Macbook Air und lassen diesen jeweils viermal durchlaufen (ohne Ton), also rund sechs Stunden. Vor Testbeginn wird der Akku komplett aufgeladen, und am Testende lesen wir die Akkuwerte mithilfe des Programms Aktivitätsanzeige unter „Energie“ ab. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen dem JetDrive und der Original-SSD. Während bei letzterer am Testende noch eine verbleibende Ladung von 55 Prozent und eine verbleibende Zeit von 6:24 Stunden angezeigt wird, sind die verbleibende Ladung bei der Transcend-SSD nur noch 33 Prozent und eine verbleibende Zeit von 3:03 Stunden. Nur geringe Unterschiede gibt es beim Ruhemodus. Hier verbraucht das Macbook Air pro Stunde jeweils rund 1,2 Prozent der Akkukapazität bei beiden Speicherbausteinen, gemessen über 9 beziehungsweise 10 Stunden.

 

Bei Abspielen eines Films in iTunes ist nach 6 Stunden beim JetDrive die verbleibende Ladung deutlich geringer als bei der SSD von Apple.
Vergrößern Bei Abspielen eines Films in iTunes ist nach 6 Stunden beim JetDrive die verbleibende Ladung deutlich geringer als bei der SSD von Apple.

JetDrive Toolbox

Mit dem englischsprachigen Programm JetDrive Toolbox von Transcend kann man sich einige Informationen über die SSD anzeigen lassen, den SMART-Status prüfen sowie, wenn verfügbar, die Firmware aktualisieren. Bei unserem Testexemplar war die Firmware schon auf dem neuesten Stand, sodass wir das nicht testen konnten. Unter „Optimize“ lässt sich TRIM ein- und ausschalten, die Einstellungen sind aber bei unserem Test deaktiviert, da TRIM vom System aktiviert wird. Außerdem gibt es noch eine Option „System Optimization“. Was diese genau bewirkt, lässt sich aber nicht aus dem Handbuch zur Software entnehmen, da dieses nicht aktuell und diese Option dort nicht beschrieben ist. In den Informationen auf der Support-Seite von Transcend finden wir dann einen Hinweis, dass damit unter anderem ein Problem beim Aufwachen aus dem Ruhemodus behoben wird das dazu führt, dass der Mac beim Aufwachen automatisch einen Neustart macht. Dieses Problem ist in unserer Testkonfiguration jedoch nicht aufgetreten und wir hatten die Toolbox während der Tests auch nicht installiert.

TRIM lässt sich in der JetDrive Toolbox nicht ein- und ausschalten, da das das macOS übernimmt.
Vergrößern TRIM lässt sich in der JetDrive Toolbox nicht ein- und ausschalten, da das das macOS übernimmt.

Fazit

Wer ein Macbook Air ab Baujahr 2015 mit wenig Datenvolumen besitzt (dieses Modell unterscheidet sich nur durch die Prozessorgeschwindigkeit vom aktuell noch angebotenen Modell von 2017) oder sich günstig ein neues Exemplar mit wenig Speicher besorgt, kann mit dem JetDrive von Transcend den Datenspeicher wesentlich kostengünstiger aufrüsten als bei Apple, wobei es von Apple gar keine Module für eine nachträgliche Aufrüstung gibt. Die Geschwindigkeit ist sehr gut, der Umbau relativ einfach, nur bei der Akkulaufzeit muss man Abstriche machen. Auch andere Macs kann man mit einem JetDrive aufrüsten, hier können aber Geschwindigkeit und Laufzeit anders sein als bei unserem Testexemplar.

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