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Mehrere Frontkameras beim iPhone 8? Versuch einer Erklärung

09.08.2017 | 11:00 Uhr |

Es gilt als sicher, dass Apples iPhone 8 statt Touch ID auf Gesichtserkennung setzt. Das könnte auch im Bereich AR nützlich sein und erinnert uns an Amazons Projekt Fire.

Das 2014 vorgestellte Smartphone Fire von Amazon war ein gigantischer Flop – dabei hat es ein cooles Alleinstellungsmerkmal. Mit vier Infrarotsensoren auf der Frontseite erkennt es den Blickwinkel des Betrachters, was die Darstellung von 3D-Inhalten auf dem Display ermöglicht(e). Außerdem gab es das Tool "Firefly", das Objekte identifizierte. Bei den Kunden fiel das Gerät allerdings durch. Die 3D-Darstellung sorgte bei vielen eher für Seekrankheit als Begeisterung und das Softwareangebot war enttäuschend. Einen ähnlichen Ansatz scheint überraschend wieder die Firma RED zu verfolgen, das von dem Kamerahersteller angekündigte High-End-Smartphone verfügt offenbar über ein sogenanntes holografisches Display .  Apple könnte es aber besser machen:

Das kommende iPhone 8 besitzt laut aktuellen Berichten wohl ebenfalls mehrere Frontkameras auf Infrarotbasis, eine Anmeldung per Fingerabdrucksensor wird wohl durch eine Gesichtserkennung ersetzt. Wie die durchgesickerte Firmware des Homepod verriet, handelt es sich dabei aber offensichtlich um ein sehr aufwendiges System – also keine simple Gesichts-Erkennung, die nur der schnöden Anmeldung des Besitzers dient. Ganz neu wäre das nicht, so gibt es schon mit dem Honor Magic ein Smartphone, das per Gesichtserkennung entsperrt werden kann. Eine reine Entsperr-Funktion wäre für Apple schon ziemlich enttäuschend.

Offensichtlich kann die Kamera sogar einzelne Gesichtsausdrücke wie Lächeln erkennen und auch bei weit entferntem Gesicht funktionieren – was eigentlich ein ganzes System aus herkömmlicher Frontkamera und mehreren Infrarot-Kameras nahe legt. Erste Grafiken des iPhone 8 bestätigen, dass hier Apple einigen Platz für das Kamerasystem schaffen musste, sieht man doch am oberen Rand eine große Einbuchtung – ein zentrales Designelement, das sehr auffällt.

Infrarot-Kameras und deren Möglichkeiten

Kaum ein Patent von Apple hat so viel Wirbel verursacht wie eins von Juli 2016. Die Nutzer hatten eine Petition gestartet, die sich an Tim Cook richtete . Apples CEO sollte demnach auf eine Technologie in kommenden iPhones verzichten. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der die iPhone-Kamera beispielsweise auf Konzerten deaktiviert, sobald ein Infrarot-Transmitter ein Signal an die Kamera übergibt.

Ob Apple tatsächlich eine solche Funktion im iPhone implementiert, bleibt abzuwarten, die Petition hat nach einem Jahr ihr Ziel noch knapp nicht erreicht. Dieses Patent und ein etwas ausführlicheres aus dem Jahr 2014 eröffnen in etwa, welche Möglichkeiten die Software in iOS 11 – ARKit – und die Kombination der Infrarotkameras und -Transmitter den Nutzern und Entwicklern eröffnen. Denn im Video-Patent handelt es sich um eine optische Übergabe der Dateien, ähnlich wie das schon jetzt die iBeacons via Bluetooth oder WLAN-Routers per Radiosignal möglich machen. Eine Video-Aufnahme mit dem automatischen Wasserzeichen oder ausgeblendeten Bereichen ist eben auch eine veränderte Realität, nur nicht eine erweiterte, sondern eine reduzierte. In einem weiteren Patent beschreibt Apple praktische Anwendungen für solche Infrarot-Daten: Im Museum muss man die Kamera auf das Objekt richten, der Transmitter übergibt gleich die Eck-Daten und die Geschichte des Ausstellungsstücks; ähnlich sollte es in einem Laden funktionieren, der Kunde mit dem iPhone erhält alle nötigen Angaben zum Produkt im Regal und kann via Apple Pay dieses gleich bezahlen. Die Möglichkeiten hier, mithilfe der iPhone-Kamera und eines zusätzlichen Infrarot-Transmitters die umgebende Objekte mit den zusätzlichen Informationen zu erweitern, sind nahezu grenzenlos. Wie auch im Fall mit den iBeacons steht und fällt alles mit der Bereitschaft der Museen, Supermärkte etc. diese Technologie zu implementieren.

Gesichtserkennung und wozu dies gut sein soll

Wir vermuten, dass das iPhone nicht nur einfach ein Gesicht scannen, sondern auch Eye-Tracking unterstützt. Wie Jason Snell in seinem Podcast berichtete , ermöglicht die Gesichtserkennung ja noch eine weitere Funktion: Blickt man auf das Display, werden Benachrichtigungs-Töne unterstützt. Guilhermo Rambo hat sich deshalb die Firmware des Homepod noch einmal näher angesehen und Hinweise auf diese Funktion gefunden (ARHWFaceDetection und ARFaceTrackingImageSensor). Anscheinend hat das iPhone einen eigenen Hardwaresensor, der nur für FaceTracking zuständig ist.

Das wäre weit interessanter, als es auf den ersten Blick klingt. Eine 3D-Darstellung wäre wie beim Fire möglich, wir vermuten aber, das mehr dahinter steckt. So ist auch für die von Apple stark geförderten Technologien Augmented Reality und Virtual Reality die Erfassung der Blickrichtung des Nutzers äußerst wertvoll. Echtes Eye Tracking ist zwar noch aufwendiger als das Verfolgen des Gesichtes, ist aber ein Schritt in die gleiche Richtung.

Bei einer AR-Brille wie Google Glass ist ja die Augenbewegung die wichtigste Bedienfunktion, aber auch für ein Smartphone gibt es viele interessante Optionen – etwa das Scharfstellen einer Kamera per Augenbewegung. Oder man blickt auf ein Objekt im Kamerabild und erhält automatisch Informationen angezeigt. Dass es bald eine AR-Brille von Apple gibt, ist ja keineswegs ausgeschlossen. Wichtigstes Produkt für Apple ist und bleibt aber das iPhone. So soll das neue iPhone ja nach Gerüchten sogar mit neuen Laser-Entfernungsmessern erscheinen, das eine genaue Ortung von Objekten im Sichtfeld der Kamera erlaubt – eine optimale AR-Erfahrung wäre dann auch ohne zusätzliche AR-Brille möglich. Auch bei VR-Anwendungen ist Facetracking wichtig, wird doch die Erkennung von Mimik beim so genannten Social VR neue Möglichkeiten - etwa dass ein Avatar die Mimik des Nutzers übernehmen kann. Eine Funktion, auf die Apples 2015 aufgekaufte Firma Faceshift spezialisiert war . ,

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Anders als beim früh verstorbenen Amazon Fire kann Apple außerdem auf eine ganze Entwicklergemeinde zählen und investiert vor allem in Augmented Reality große Summen. Ist das doch wohl auch die Technologie, die für iOS besonders interessant werden könnte und das iPhone 8 könnte zum Paradebeispiel werden. Erst vor wenigen Wochen hat Apple etwa die deutsche Firma Senso Motoric Instruments gekauft, einen seit 1991 bestehenden Spezialisten für Eye Tracking. Neben eigenen Eye-Tracking-Brillen ist die Firma auch Besitzer von zahllosen Patenten und Software-Lösungen für Virtual Reality und Augmented Reality. Aber auch schon vorher hat Apple stark in AR-Entwickler investiert, etwa in Faceshift und Metaio . So war es keine Überraschung, dass bei der Präsentation von ARKit bei der WWDC einige ehemalige Entwickler von Metaio zu sehen waren.

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