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"Mit neuem Algorithmus stellt Facebook Stühle auf Titanic um"

23.01.2018 | 09:55 Uhr | Peter Müller

Facebook will erneut seinen Algorithmus ändern und verstärkt auf privat generierte Inhalte setzen.

Zeitenwende: Facebook hat vermutlich die Grenzen seines Wachstums erreicht, was die Anzahl der registrierten Nutzer betrifft. Um weiter zu wachsen, muss das soziale Netzwerk also die Nutzungsdauer erhöhen, was es mit einem Umbau seiner Algorithmen versucht. Nachrichtenseiten als Quellen werden irrelevant, nur die von Nutzern geteilten Links erscheinen in den Timelines. Somit will Facebook für mehr Emotion sorgen – meist negative wie Wut und Hass, das zieht einfach besser.

Der Technikexperte Andrew Keen sieht das im Podcast Recode Decode als verzweifelten Versuch, ein überholtes Geschäftsmodell zu retten. Facebook und auch der Rest von Silicon Valley stecke in einer Todesfalle, die mit der zu vergleichen ist, in die die US-Autoindustrie in den 70er-Jahren geraten war. Zwanzig Jahre zuvor beherrschte Detroit noch den Weltmarkt, baute dann aber Autos, die die Welt so nicht mehr brauchte. Nun benötige Silicon Valley unternehmerische Innovationen, anstatt immer nur neue Dienste die nach dem Modell handelten: "Wir geben euch Zeug für lau, dafür Ihr uns Eure Daten, damit wir immer mehr und mehr von Euch wissen." Derartige Geschäfte seien auf dem absteigenden Ast, weswegen Apple in einer besseren Position als Google und Facebook stecke: Cupertino sammle eben nicht die Daten seiner Nutzer, um sie zu monetarisieren.

Für die Situation bei Facebook findet Keen ein drastisches Bild: Mark Zuckerberg habe lediglich die Liegestühle an Deck der Titanic neu arrangiert. Es seien aber nicht nur die Erkenntnis des Problems gefragt, sondern vor allem radikale Lösungen. In seinem am 6. Februar erscheinenden neuen Buch "How to fix the Future" will Keen einige Lösungsansätze präsentieren. Die Bosse des Silicon Valley sollten sich etwa ein Beispiel an dem Industriellen Andrew Carnegie nehmen, der sich als Philanthrop und Wohltäter neue erfand und etwa für öffentliche Infrastrukturen und das Bildungswesen massiv spendete und investierte. Am ehesten sei derartiges noch von Amazon-CEO Jeff Bezos zu erwarten, meint Keen.

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