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Mitentwickler des ersten iPhones äußert sich zu dessen Nachteilen

28.08.2018 | 10:45 Uhr | Thomas Hartmann

Imran Chaudhri war von 1995-2017 bei Apple und verantwortlich für das User-Interface sowie Mitglied des ersten sechsköpfigen Teams zur Entwicklung des iPhones.

Der britische Designer hat nach eigener Auskunft von Anfang an das Problem der Ablenkung und der möglichen mentalen Probleme gesehen, die der alltägliche Umgang mit einem Gerät wie dem iPhone mit sich bringen würde. Dies erzählt Chaudhri in einem Interview mit Katharine Schwab, welches diese bei "Fast Company " zusammengefasst hat. Demnach nahmen die Entwickler und Techniker des ersten iPhones und seiner Prototypen Exemplare mit nach Hause, um deren Alltagstauglichkeit zu testen. Schnell bemerkte Imran Chaudhri nach seinen Worten, dass all die Benachrichtigungen und blinkenden Lichter dringend einen ”Gatekeeper” zum Schutz des Nutzers brauchten, weshalb er schon früh die Option ”Nicht stören“ entwickelte und implementierte.

Auch Steve Jobs habe diese kritischen Aspekte schon erkannt, aber strittig war, wie viel Kontrolle man dem User über das Gerät einräumen wollte – die Marketing-Abteilung habe das Ausmaß wieder zurückgeschraubt, aus Sorge, das iPhone würde dadurch ”uncool”.

Für Chaudhri war dagegen klar, schon bei den frühen Prototypen der iPhones, die er testete: Ihr größter Fehler war ihre Fähigkeit zur Ablenkung des Users, seine Aufmerksamkeit ganz an sich zu ziehen. Und Apple habe nicht genug Tools eingebaut, um dem Nutzer die Kontrolle zu überlassen.

Andererseits, meint der Ingenieur, sei die Kontrolle für einen selbst durchaus vorhanden, man müsse sich allerdings dann in der Tiefe mit dem System beschäftigen, was die allermeisten nicht täten. Zu spät merkte man auch, dass man von den vielen Apps, die man installierte, nur wenige wirklich brauche. Diese aber würden einen fortan wie Facebook ausspionieren und Daten verkaufen oder permanent Mitteilungen an den User schicken und ihn stören. Man sollte sich selbst fragen, ob man diese Dialoge wirklich brauche oder ob man möchte, dass Facebook die Daten aus dem eigenen Adressbuch nutze, selbst, wenn man sich gar nicht mehr bei Facebook einlogge.

Es gebe viele Wege, die Nutzer daran zu erinnern, man müsse das nur entsprechend designen. Nun aber habe Apple offenbar auf die vielen Klagen auch aus der Presse gehört und werde mit iOS 12 Mittel bereitstellen, mit denen User vor allem die Häufigkeit und Dauer ihrer Benutzung des iPhones und seiner Apps überwachen könnten. Dies sei im Grunde eine Erweiterung des ursprünglichen Features ”Nicht stören”.

Er selbst halte sein iPhone schlank, benutze immer noch denselben schwarzen Hintergrund auf den Bildschirm wie seit den allerersten Tagen und lasse sich insgesamt nicht von zu vielen Dingen ablenken. Viele der Nachteile ergeben sich laut Chaudhri einfach daraus, wenn Menschen mit Maschinen interagieren. Um überflüssige Aktionen zu vermeiden, sei es wichtig, schlau genug zu sein und voraus zu denken und entsprechend auch das System zu programmieren, damit es dem User mehr nützt als schadet.

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