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Morgenmagazin vom 11. Februar 2019

11.02.2019 | 06:48 Uhr |

Kalifornier klagt gegen 2FA +++ Ohne Notch? Das geht - aber wie +++ Die Unzulänglichkeiten von Apples Bug Bounty Programm +++ Spotify droht Adblocker-Nutzern mit Sperrung +++ Trotz Spionage-Vorwurf: Huawei darf wohl beim 5G-Aufbau mitmachen +++ Netflix: "Smart Downloads"-Funktion endlich für iOS +++

11. Februar: Emergency

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Was dem Amerikaner der 11. September ist, das ist dem Europäer der 11. Februar. Wir hoffen jedoch, dass sich diese Allegorie nur auf das Datum 9/11 und 11.2. bezieht, das jeweils den landesüblichen Notruf beinhaltet. Und niemals auf Ereignisse, in denen alle Notrufe nicht mehr helfen. 112 liest sich das heutige Datum, lässt man die Interpunktion weg und daher begehen die Länder der EU heute den Europäischen Tag des Notruf. Erst seit 1991 erhält man unter dieser Nummer Hilfe in allen europäischen Ländern, zuvor gehörte es zu den wichtigsten Reisevorbereitungen, sich die Notrufe des jeweiligen Urlaubslandes einzuprägen. Es hat durchaus sein Gutes, wenn nationale Grenzen aufweichen und Nachbarländer eines ganzen Kontinents sich auf gemeinsame Standards und Verfahren einigen. Das darf man nicht leichtfertig aufgeben.

So hoffen wir, dass es bei Ihnen keine Notfälle gibt, auch noch solche, in denen Sie am liebsten „Mac 112“ wählen wollten. Auch wenn es sich um ernsthafte Probleme handeln sollte, lebensbedrohlich sind solche mit dem Computer selten. Es sei denn, man regt sich so auf, dass man den medizinischen Notruf benötigt. Leicht gesagt: Aufregung hilft hier nicht weiter, sondern ein kühler Kopf und eine sachliche Suche ach Lösungen.

Vorbeugen ist hie wie da aber auch immer eine gute Idee. Das soll nicht dem Kranken oder den von Computerproblemen betroffenen eine Alleinschuld zuweisen, wer aber gesund lebt, Geist und Körper pflegt und auch auf seinen Computer achtet, wird in der Regel weniger Probleme haben oder  sie später bekommen.

Der zweite Montag im Februar ist als „Räume deinen Computer auf“-Tag definiert und auch wenn gut sortierte Datenspeicher kaputt gehen können, ist Ordnung auf der Festplatte und der SSD das halbe Leben. Überflüssige Daten gehören weg, wichtige doppelt und dreifach gesichert, es ist fast wie im richtigen Leben. Wenn Sie nach einem aktiven Wochenende - man will ja was für die Gesundheit tun - heute Vormittag noch etwas müde oder demotiviert sind, dann können Sie sich ja an das Aufräumen des Rechners machen – sicher kein schlechter Start in die Woche. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Fehlerreport : Die Lücke in Gruppenfacetime ist geschlossen und auch vom Schlüsselbund geht keine Gefahr mehr aus. Doch die beiden Fehler der letzten Woche zeigen auf, dass Apples Belohnungssystem für entdeckte Fehler ein wenig unzureichend ist. So konnten der Schüler und seine Familie den zufällig entdeckten Fehler in Gruppenfacetime erst nicht an Apple berichten, weil es keinen Weg dafür gab - nur registrierten Entwicklern steht diese Option offen. Doch hakt es auch an anderen Ecken, meint Dan Moren in seiner Kolumne "Stay Foolish" auf Macworld. Denn die Belohnungen, die Apple ohnehin erst seit 2016 ausbezahlt, sind nicht besonders hoch im Vergleich zu dem, was man auf dem Schwarzmarkt für Lücken in iOS erlösen kann. Desweiteren fehlt ein äquivalentes Programm für macOS, was die Meldung des Fehlers im Schlüsselbund erschwerte.

Widerstand: Apple will am Federation Square in Melbourne einen neuen Flaggschiff-Store eröffnen, wogegen sich nun Widerstand regt. Eine Initiative versucht 40 Millionen Australische Dollar per Crowdfunding aufzutreiben, um das Yarra Building zu retten, das dem geplanten Store weichen soll. Es sei weniger die Architektur, die störe, sondern die zunehmende Kommerzialisierung des öffentlichen Platzes, der zur Lobby für Apple verkommen würde. Apple hatte seine Pläne bereits ein wenig reduziert, der Store soll aber weiterhin vier Stockwerke einnehmen.

Klage: Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist sicher und sinnvoll, geht manchen Anwendern aber zu weit, die so viel Sicherheit offenbar nicht schätzen. In Kalifornien hat der Apple-Kunde Jay Brodsky daher eine Sammelklage gegen Apples Umgang mit der 2FA eingeführt. Gegen diese könne man sich kaum wehren, aber einmal aktiviert, beanspruche sie zu viel Zeit. Man müsse sich nicht nur ein Passwort für den Login merken, sondern auch noch ein vertrautes gerät griffbereit haben oder Zugang zu einer ebenso vertrauenswürdigen Telefonnummer. Der Rückschritt zu einer weniger sicheren und nervigen Methode sei nicht möglich.

Schräge Lösung: Die Kerbe an der oberen Vorderseite des iPhone X und seiner Nachfolge ist Geschmackssache, aber noch technisch notwendig, da noch keine Kameras serienreif sind, die durch das Display "schauen". Der chinesische Hersteller Oppo zeigt mit seinem Find X aber nun eine Lösung, wie man ein komplett rahmenloses Display doch mit einer Frontkamera mit Infrarotsensoren und 3D-Vermessung ausstatten kann. Die Lösung ist reichlich schräg und gewiss keine Vorbild für künftige Apple Designs: Denn die Kamera fährt am oberen Ende des Gehäuses aus, sobald die gebraucht wird. Ansonsten ist das Find X nicht nur seines Namens wegen sehr stark am iPhone X orientier, mit rahmenlosem Design und OLED-Display wirkt es beinahe wie ein Klon. Wäre da nicht die fehlende Notch, die einen reichlich schrägen Workaround erhält.

Weitere Nachrichten:

Spotify droht Adblocker-Nutzern mit Sperrung

Spotify wehrt sich gegen Adblock-Nutzer und hat dazu seine Nutzungsbedingungen geändert. Derzeit gilt die neue Regelung allerdings nur in den USA. In den deutschen Nutzungsbedingungen für Spotify findet sich nämlich die Änderung nicht - jedenfalls noch nicht. Die US-Nutzungsbedingungen stammen vom 7. Februar 2019, während die deutsche Übersetzung noch mit 15. August 2018 datiert ist.

Konkret wurde in Punkt 9 unter "User guidlines" (Nutzerrichtlinien) und dem Abschnitt "Sie sind verpflichtet, diese Regeln zu beachten und sollten auch andere dazu ermutigen. Folgendes ist unter keinen Umständen gestattet" der neu hinzugefügte Punkt:

"circumventing or blocking advertisements in the Spotify Service, or creating or distributing tools designed to block advertisements in the Spotify Service"

also

"Umgehung oder Blockierung von Werbung im Spotify-Dienst oder Erstellung oder Verteilung von Tools zur Blockierung von Werbung im Spotify Service."

Nutzern, die gegen diese (oder eine der anderen Bedingungen verstoßen), droht die Sperrung ihres Spotify-Kontos. Nutzer, für die die neuen Nutzungsbedingungen gelten, werden darüber auch bereits per Mail unterrichtet. Eine Bestrafung findet aber erst nach dem 1. März 2019 statt, so dass die betreffenden Nutzer noch die Gelegenheit haben, die Adblocker zu deaktivieren und Spotify regulär zu nutzen.

Die härtere Gangart kommt nicht allzu überraschend. Bereits im März 2018 hatte Spotify erklärt, das etwa 1,8 Millionen Nutzer die Werbung blockieren und damit dem Musik-Streaming-Dienst Einnahmen entgehen. Seinerzeit lag die Zahl der aktiven Nutzer bei 157 Millionen insgesamt, wovon 86 Millionen die Gratis-Version nutzten. Etwa 2 Prozent dieser Nutzer der Gratis-Version verwendeten Adblocker, so Spotify.

Trotz Spionage-Vorwurf: Huawei darf wohl beim 5G-Aufbau mitmachen

Die USA machen mächtig Druck auf Huawei und vermutlich auch auf die deutsche Bundesregierung: Huawei soll keine Geräte für den Aufbau des kommenden deutschen 5G-Netzes liefern dürfen, weil das chinesische Unternehmen unter Spionageverdacht steht. Der Vorwurf lautet, dass über Huawei-Netzwerkgeräte Daten aus den 5G-Netzwerken an die chinesischen Geheimdienste gelangen könnten. Huawei weist die Vorwürfe zurück.

Doch Huawei wird wohl trotz der US-Intervention am Aufbau des deutschen 5G-Mobilfunknetzes als Hardware-Lieferant teilnehmen dürfen, wie das Handelsblatt berichtet. Schärfere Sicherheitsstandards sollen das Abhören des 5G-Netzes beziehungsweise das Mitlesen der darüber übertragenen Daten unmöglich machen.

Die Bundesnetzagentur stelle derzeit den dafür erforderlichen Sicherheitskatalog zusammen. Diese Vorgaben sollen vor dem Start der 5G-Auktion, die sich wegen eines Eilantrags von Telefónica vielleicht ohnehin noch verschieben wird, fertig sein. Damit sollen die an der Auktion teilnehmenden Unternehmen Planungssicherheit bekommen. Zusätzlich soll das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein Zertifizierungs- und Lizenzsystem für Produkte für das 5G-Netz erarbeiten, wie die Zeit schreibt. Künftig sollen alle Lieferanten ihre Geräte einer "Gefährdungsanalyse" unterziehen. Außerdem sollen die Mobilfunk-Provider von sich aus auf „Huawei-Komponenten in ihrem Kernnetz verzichten“, so die Zeit.

Netflix: "Smart Downloads"-Funktion endlich für iOS

Der Streaming-Anbieter Netflix bietet Android-Nutzern seit einem halben Jahr mit Smart Downloads eine Funktion, die das Schauen von Serien und Filmen unterwegs deutlich vereinfacht. Nun wurde das Feature  auch für Nutzer der iOS-Apps freigeschaltet . Smart Downloads lädt automatisch eine oder mehrere Episoden einer TV-Serie herunter. Wurde die Folge unterwegs ohne Internetverbindung angeschaut, so lädt die App automatisch die nächste Folge herunter, sobald wieder ein WLAN-Netzwerk zur Verfügung steht. Die schon gesehene Folge wird im Gegenzug gelöscht, um Speicherplatz auf dem Mobilgerät zu sparen.

Smart Downloads erlaubt auch die Speicherung von Serienfolgen auf Vorrat: Wer die ersten zwei oder drei Episoden für die spätere Nutzung herunterlädt und eine Folge davon offline ansieht, stößt im Hintergrund den Download der vierten Folge an. Smart Downloads sorgt jedoch immer nur dafür, dass die nächste Folge heruntergeladen wird. Ein automatischer Download der gesamten Staffel ist darüber nicht möglich. Zudem stehen nicht alle im Netflix-Abo enthaltenen Inhalte für eine Offlinespeicherung zur Verfügung. Smart Downloads beschränkt sich weiterhin auf TV-Serien. Filme aus Reihen werden nicht automatisch gespeichert, wenn der erste Teil angeschaut wurde. Smart Downloads lässt sich wahlweise auch in der App deaktivieren.

Netflix: Neue Serien und Filme im Februar 2019  

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