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Morgenmagazin vom 19. September 2017

19.09.2017 | 06:42 Uhr |

Vorerst kein APFS für das Fusion Drive +++ Teures iPHone X überprüft ökonomische Theorie +++ FaceID für Entwickler einfach zu nutzen +++ True-Depth-Kamera im iPhone X kann Kinect ersetzen +++ Studie kritisiert Apples Privatsphäre-System Differential Privacy +++ Pirate Bay nutzt CPUs der Besucher für Krypto-Mining +++ Teamosa: Kickstarter-Projekt verspricht perfekten Teegenuss mit App +++ China: Kurseinbrüche bei Bitcoin und Ethereum

19. September: Die Zeichen der Zeit

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Mit dem iPhone X kommt jetzt endlich ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Kommunikation auch in ihre schriftliche Abteilung: Mimik. Seitdem wir uns immer mehr über E-Mails und Messages unterhalten, entstehen häufiger Missverständnisse, Ironie lässt sich schlecht in Worten transportieren. Wenn dann auch noch die Autokorrektur zuschlägt, ist alles zu spät... Wenigstens erlauben es Messages, WhatsApp und Konsorten schon seit geraumer Zeit, mit Emoticons eine Stimmung auszudrücken, aber selbst hier lauern Fallen. Denn Apple hat zwar aus  nachvollziehbaren Gründen das Pistolen-Emoji durch ein Abbild einer Wasserpistole ersetzt, was aber der Absender auf seinem Mac oder iPhone vielleicht als fröhliche Einladung zur Wasserschlacht versteht, kommt beim Android-Nutzer womöglich als Bedrohung an, da er ein weit martialischeres Icon sieht.

Bleiben Sprachnachrichten. Immerhin vermögen wir mit unserer Stimme einem gesprochenen Satz eine zweite Bedeutung über das hinaus zu verleihen, was verschriftlicht würde. Aber auch das ist nicht perfekt, womöglich kann oder will man in bestimmten Situationen nicht sprechen. So heben aber nun die Animoji die digitale Kommunikation auf eine neue Stufe. Der Empfänger erkennt - zumindest in der Theorie - was der "Gesicht"sausdruck des animierten Huhnes, Fuchses, Affens, Außerirdischen oder Kackhäufchens sagen möchte. Das ist weit mehr als eine Spielerei, wenngleich so manche der Animoji-Vorlagen durchaus Anlass zu weiteren Missverständnissen geben könnten.

Um die neuen Möglichkeiten zu nutzen, benötigt man aber nun das neue iPhone X, am besten schaffen sich das beide an der Kommunikation beteiligten an, so kann man auf ein frech grinsendes Huhn mit einem gierigen Fuchs antworten - der Möglichkeiten bestehen viele. Apple hat die Animoji nicht künstlich eingeschränkt, um ein weiteres Kaufargument zu liefern, nur die mit FaceID verknüpften Sensoren können den Raum und das darin agierende Gesicht genau genug vermessen. So ist das Animoji auch mehr eine Technikdemonstration, Entwickler von AR-Apps werden bedeutend seriösere Ideen haben und umsetzen.

Wäre ja nicht das erste Mal, wenn aus einer Spielerei eine ernsthafte Nutzung wird oder ein Nebenprodukt einen ganz neuen Kommunikationskanal öffnet. Die SMS etwa war von Mobilfunkprovidern zunächst auch nur gedacht, um den Kunden Wartungsinformationen auf die Handys zu schicken.

Dass miteinander vernetzte Computer nicht einem Selbstzweck genügen, sondern neue Welten des Miteinaderredens eröffnen, war den Pionieren der Technik auch schon vor 35 Jahren klar. Und da die Schriftsprachen dieser Welt kein Ironiezeichen kennen und auch keines, das Freude oder Zustimmung ausdrückt, mussten ASCII-Kombinationen zunächst dafür herhalten. Am 19. September 1982 schlug der Informatiker Scott E. Fahlmann im Arpanet vor, die Zeichenkombination :-) für Scherze zu verwenden, das erste Smilie machte rasch die Runde und fand bald zahlreiche Geschwister. Im heutigen Unicode sind mittlerweile 2.666 Zeichen definiert. Der 19. September sollte also der Ehrentag des Emoticons sein und nicht nur der Talk-Like-A-Pirate-Day, arr. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Schräge Theorie : Warum ist das iPhone X so teuer? Apple sagt, die darin verbaute Technologie mache den Wert aus. Eine andere Theorie besagt, Apple halte den Preis künstlich hoch, um die Nachfrage nach dem derzeit noch schwer in Massen zu produzierenden Gerät zu deckeln. Dem widerspricht nun das Wall Street Journal mit einer weiteren These, die auf den norwegischen Ökonomen Thorstein Veblen zurückgeht. Demzufolge ist der Smartphonemarkt mehr oder minder gesättigt und Apple sucht seinen Erfolg in einem neu definierten Luxussegment - das ja auch Samsung mit dem Galaxy Note 8 anspricht. Das sei ein ähnlicher Effekt wie in der Automobilsparte, in der sich Luxusmarken auch erst später etablierten. Immerhin ist die Marge Apples geringer als beim iPhone 7, meinen die Experten der Susquehanna International Group. Die Komponenten für das X kosten demnach 581 US-Dollar, die für das iPhone 7 248 US-Dollar.

Kein Schritt zurück: Apple beweist Mut, indem es im iPhone X lediglich die neue FaceID als Authentifikationsmethode anbietet – neben dem Passwort - und auf Touch ID völlig verzichtet. Damit Entwickler von Apps, die auf Touch ID setzten, wie etwa Amazon oder einige Banken, gar nicht erst auf die Idee kommen, von TouchID zurück auf Passworte zu wechseln, hat Apple das mehr oder minder  unmöglich gemacht. Denn die API für FaceID ist aus Entwicklersicht praktisch identisch mit der für TouchID und somit einfach zu nutzen. FaceID arbeitet quasi "aus der Box", wenn der Entwickler nichts unternehme, greife seine App statt auf TouchID eben auf die Gesichtserkennung zurück.

Nicht für alle: APFS, das neue Dateisystem von macOS High Sierra wird nicht für Macs mit Fusion Drive laufen, sondern nun auf solchen, die lediglich eine SSD verwenden. In den ersten Betas war die Unterstützung für das Fusion Drive noch eingebaut, in späteren Fassungen nicht mehr. Wer im Laufe des Beta-Tests seinen iMac bereits auf APFS umgestellt hat, bekommt von Apple nun genaue Instruktionen , wie man zurück zu HFS+ gelangt. Dafür ist unter anderem ein TIme-Machione-Backup notwendig und eine Neuformatierung des Fusion Drives mit dem Festplattendienstprogramm von einem externen, bootfähigen Installer. APFS werde vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Update von macOS High Sierra auch auf Fusion Drives kommen.

Verfügbarkeit: Wenn man das iPhone 8 (Plus) heute bestellt, wird man es nicht schon zum Verkaufsstart am Freitag in den Händen halten können. Doch beträgt die Lieferzeit laut Apple Store derzeit angenehme "1- 2 Wochen". Am Sonntag hatte der Analyst Gene Munster die Situation näher betrachtet und festgestellt, dass einige Anbieter auch am dritten Tag nach Eröffnung der Vorbestellung noch einen Zustellung am Freitag garantierten, mehr als zwei Wochen hätte demnach niemand warten müssen. Die Liefersituation ist damit wesentlich entspannter als in vergangenen Jahren. Das kann aber allenfalls ein Hinweis darauf sein, dass ein großer Anteil der Kunden das iPhone 8 (Plus) links liegen lässt und lieber auf das iPhone X wartet, kein Beweis. Wie knapp das Jubiläumstelefon wird, zeigt sich bald nach dem 27. Oktober, aus der Ende Januar 2018 veröffentlichten Quartalsbilanz wird man Rückschlüsse ziehen können, wie gut sich das neue Modell verkauft hat und ob es tatsächlich das iPhone 8 (Plus) kannibalisiert hatte.

Smarte Lampe: Während etwa Libratone mit der Unterstützung von Alexa den smarten Lautsprecher von Amazon auf ein klanglich anspruchsvolleres Niveau hebt, geht das C by GE Sol akustisch in die andere Richtung. Denn das merken die Tester von TechHive an, der Sound des Gerätes ist kaum anders als der eines billigen Transistorradios und mangels eines Audioausgangs auch nicht besser auf externe Speaker zu bekommen. Das Sol (sprich: Soul) tritt aber in einer anderen Kategorie an, für Sprachausgabe langt die Qualität, Musik muss man anderweitig genießen. Denn hier handelt es sich im Wesentlichen um die erste Lampe mit Alexa-Integration. Außergewöhnlich ist das ringförmige Design mit LEDs an dessen Innenseite, die Farbtemperaturen  zwischen 2000 und 6500 Kelvin einstellen können. Die Helligkeit erreicht gerade einmal 550 Lumen, was der einer 60-Watt-Birne entspricht. Mangels Lampenschirm aber strahlt das C by GE Sol diffus in alle Richtungen und schafft ein angenehmes Ambiente. Mit einem Preis von 200 US-Dollar handelt es sich aber um ein eher teures Licht...

Weitere Nachrichten:

True-Depth-Kamera im iPhone X kann Kinect ersetzen

Das Highlight des  kürzlich enthüllten iPhone X  ist – neben dem fast randlosen Display – zweifelsohne die Freischaltung per Gesicht namens  Face ID . Hierfür greift Apple auf eine ähnliche Technologie wie Microsoft bei der  Xbox-360-Kamera Kinect  zurück. Sowohl die Konsolen-Kamera als auch die True-Depth-Kamera des iPhone X verfügen über Mikrofon, Lichtsensoren, Tiefensensoren und Infrarot-Kameras. 

Die mit Microsoft im Vorfeld der Kinect-Enthüllung im Jahre 2009 kooperierende Firma PrimeSense war auf die Projektion vieler Infrarotpunkte auf eine Oberfläche spezialisiert. 2013 kaufte Apple das israelische Unternehmen PrimeSense. Aus diesem Zukauf ging die erst kürzlich enthüllte Technologie Face ID hervor, die das Freischalten des iPhone X per Gesicht ermöglicht. Die grundlegende Funktionsweise ähnelt der der Xbox-Kamera. Sie benötigt im iPhone X aber deutlich weniger Platz und hat wohl auch eine bessere Auflösung als die mickrigen 320 x 240 Pixel der Kinect-Hardware. Dennoch war Kinect ein wichtiger Meilenstein, auch wenn Gamer die Kamera heute eher als Spielerei abtun. Für die Umgebungserkennung experimenteller Roboter war Kinect ebenfalls sehr wichtig, gab es hier doch leistungsfähige Hardware zum vergleichsweise kleinen Preis.

Studie kritisiert Apples Privatsphäre-System Differential Privacy

Bei der Weiterentwicklung seiner Plattformen hat Apple ein Problem: Um Safari, Siri oder iTunes Music zu verbessern, sind Informationen über das Nutzerverhalten wichtig, gleichzeitig will Apple aber den Schutz der Privatsphäre gewährleisten.
Lösen soll diesen Widerspruch das System Differential Privacy : Daten werden vor der Übermittlung an Apple anonymisiert, Rückschlüsse auf einzelne Nutzer sollen so unmöglich sein. So heißt es in den Erläuterungen unter der Systemeinstellung Sicherheit: "Die Daten aus deinem iCloud-Account werden erst nach einer Reihe von Datenschutzmaßnahmen analysiert, z. B. Differential Privacy, sodass sie nicht mit dir oder deinem Account verknüpft sind." Laut einer neuen Studie soll dies aber nicht ganz zuverlässig funktionieren, wie Wired in einem längeren Beitrag berichtet . Fünf Wissenschaftler der Universitäten University of Southern California und Tsinghua University hatten das Verhalten von Apples neuem Privatsphäre-System unter Sierra und iOS 10 beobachtet und einige problematische Eigenschaften festgestellt: So kann Apple anscheinend selbst festlegen, wie stark privaten Daten wie Links, Emojis, oder neue Wörter anonymisiert werden, was sich während des Tests auch änderte. Nach Meinung der Professorin Aleksandra Korolova, die für Google ein eigenes Differential Privacy System namens RAPPOR entwickelt hat, ist der Grad der Anonymisierung zu schwach. Vor allem iOS ist anscheinend betroffen, der als „Epsilon“ bezeichnete Grad der Anonymisierung erreiche hier gerade einen Wert von 14, bei macOS einen Wert von 5. Laut dem Entwickler Frank McSherry sei aber jeder Wert über eins problematisch, bei einem Wert von 14 aber wirkungslos. Bedenklich sei vor allem, dass bald auch Gesundheitsdaten ausgewertet werden. Vor allem seltene Erkrankungen könnten eine schnelle Identifizierung eines Nutzers ermöglichen. Gegenüber Wired hat Apple die Ergebnisse der Studie bestritten, so hätten die Forscher bei der Wertung die Werte mehrerer Datentypen zusammengezählt und es gäbe weitere Methoden für die Gewährleistung der Privatsphäre – etwa den Verzicht auf das Erstellen von Profilen oder Sammeln von IP-Adressen.

Unsere Meinung: Die Bewertung der Studie ist nur schwer möglich, da Apple bisher sein Konzept der Differential Privacy nie genauer dokumentiert hat. Zumindest der Vorwurf der Forscher, Apple solle seine Technik genauer erläutern, klingt für uns aber sehr gerechtfertigt. Die These, Google habe mit dem System RAPPOR das überlegene System, erscheint uns dagegen zweifelhaft. Anscheinend hat Google RAPPOR zwar entwickelt, aber  im Unterschied zu Apple System gar nicht in Gebrauch. Nur Firefox scheint den Einsatz zu testen .

Pirate Bay nutzt CPUs der Besucher für Krypto-Mining

Nutzer der Torrent-Seite The Pirate Bay sind auf ein Skript gestoßen, mit dem die Seitenbetreiber die CPU-Leistung der Besucher zum Mining der Kryptowährung Monero nutzen. Aufgefallen war dies durch eine besonders hohe CPU-Auslastung beim Besuch der Seite. Dies führte wiederum zu zahlreichen Beschwerden der Nutzer. Nun hat der Betreiber Stellung bezogen . Demnach handle es sich um einen 24-stündigen Testlauf, mit dem neue Einnahmemethoden getestet werden sollten. Das Mining im Hintergrund könnte demnach langfristig andere Werbeformen ersetzen.

Gleichzeitig entschuldigten sich die Betreiber, dass der Testlauf nicht angekündigt wurde. Zudem sei der Anteil der CPU-Auslastung im Testbetrieb zu hoch gewesen. Künftig soll der Prozessor der Besucher maximal 20 bis 30 Prozent ausgelastet werden. Dies gilt auch, wenn The Pirate Bay in mehreren Tabs geöffnet wird, der Krypto-Miner soll auch dann nur in einem Fenster laufen.

Bitcoins lassen sich übrigens auch mit dem eigenen Computer herstellen - schnelle Ergebnisse sollte man aber dabei lieber nicht erwarten.

Teamosa: Kickstarter-Projekt verspricht perfekten Teegenuss mit App

Ein Kickstarter-Projekt will für perfekten Teegenuss sorgen: Teamosa. Dabei handelt es sich um eine Tee-Aufbrüh-Maschine, die der Tee-Trinker, wie könnte es auch anders sein, per App steuert.

Sie füllen die nötige Menge loser Teeblätter in den Teamosa. Als Alternative zu offenem Tee können Sie auch fertig abgepackte Tee-Kapseln von Teamosa verwenden. Wie bei allen Kaffee- und Teesystemen mit Pads oder Kapseln basiert das Geschäftsmodell sicherlich auf dem Verkauf der Kapseln. Außerdem müssen Sie noch Wasser in den Tank von Teamosa einfüllen.

Die Macher des Projekts werben mit ihrer besonderen Ultraschall-Brühtechnik. Der Clou soll aber vor allem die App zur Brühmaschine sein. In der App können Sie die Stärke des Tees und die Brüh-Temperatur einstellen und angeben, wie groß die Tasse ist.

Das Super Early Bird-Angebot auf Kickstarter können Sie für 239 Dollar vorbestellen. Es umfasst neben der Teamosa-Maschine, noch zwei Tassen, eine kleine Kanne und zehn Kapseln. Die weltweite Auslieferung soll im September 2018 beginnen.

Ob passionierte Tee-Trinker wirklich App und Smartphone benötigen, um den perfekten Tee-Genuss zustande zu bringen, lassen wir mal dahin gestellt. Ebenso wie die Frage, ob Tee aus Kapseln wirklich das höchste der Gefühle ist. Von den Folgekosten durch die Kapseln ganz zu schweigen.


China: Kurseinbrüche bei Bitcoin und Ethereum

In China sind ab sofort Börsengänge mit Kryptowährungen – so genannte Initial Coin Offerings (ICO) – verboten . Im Zuge dieser Regierungsentscheidung machte in der vergangenen Woche Chinas größte Börse für Kryptowährungen, die BTC China, dicht. Ende September will auch Konkurrent ViaBTC seinen Dienst einstellen. Das sorgt wiederum für massive Kurseinbrüche bei den Kryptowährungen.

Während der Bitcoin-Kurs Ende August noch bei fast 5.000 US-Dollar lag, ging er seit vergangener Woche auf Talfahrt . Ihren Tiefpunkt erreichte die Kryptowährung am vergangenen Freitag bei nicht einmal 3.000 US-Dollar. Mittlerweile liegt der Wert eines Bitcoins wieder bei 4.000 US-Dollar. Schlimmer noch traf es die Kryptowährung Ethereum. War sie vor kurzem noch rund 500 US-Dollar wert, fiel der Kurs vor dem Wochenende zeitweise auf 200 US-Dollar. Aufgrund des ICO-Verbots in China und den damit verbundenen Schließungen von Kryptowährungsbörsen versuchen viele Anleger nun, ihre Bitcoins wieder in US-Dollar umzutauschen. Spekulanten sehen jetzt hingegen eine gute Chance, um Kapital in Kryptowährungen anzulegen. Damit ist jedoch auch das Risiko verbunden, dass sich die Kurse eventuell nicht wieder erholen.

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