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Morgenmagazin vom Dienstag, 11. Dezember 2018

11.12.2018 | 07:10 Uhr |

Apple Pay startet in Deutschland +++ Vestager: Amazon und Google bleiben auf den Schirm, bei Apple Pay erst mal abwarten +++ Qualcomm erwirkt iPhone-Verbot in China ‚Äď Apple legt Widerspruch ein +++ Patentantrag: Tesla will GPS-Positionierung verbessern +++ Google Maps bekommt neuen "F√ľr dich"-Bereich +++ Online-Boom: Paket-Lieferungen werden teurer +++

11. Dezember: Alter Schwede

Wir w√ľnschen allseits Guten Morgen! Und hoffentlich einen stressfreien, nach dem gestern die Woche wirklich schauderlich angefangen hat. Man konnte sich ja schon fast nicht mehr an den letzten Bahnstreik erinnern, vor allen nicht mehr an jenen unbefristeten, der uns im Mai 2015 gleich drei bahnfreie Tage hintereinander bescherte. Leider ist es die Gefahr eines weiteren Ausstands nicht gebannt, das kann noch eine recht stressige Woche werden. Und selbst wenn die EVG keine weiteren Arbeitsniederlegungen veranlasst - an manchen Tagen wei√ü man als Pendler gar nicht, ob die schon streiken oder noch an einem maroden System herumfuhrwerken. Zugausf√§lle und -versp√§tungen, √ľberf√ľllte Bahnen und teils irre f√ľhrende Informationen - das kennt man an sich das ganze Jahr √ľber, nicht nur w√§hrend Tarifkonflikten. Es ist zum aus der Haut fahren!

Aber, aber, lassen wir uns in der angeblich staaden Zeit doch nicht zu sehr stressen. Und ein wenig unser modernes Leben relativieren. Klar, wir sind st√§ndig auf Achse, die Work-Life-Balance spielt sich zu h√§ufig auf Schienen und Stra√üen ab. Und st√§ndig und √ľberall m√ľssen wir erreichbar sein. Da wir aber auch immer und √ľberall erreichbar sind, m√ľssten wir doch gar nicht so viel pendeln.

Ein Bonmot √ľber stressgeplagte Gro√üst√§dter des 21sten Jahrhunderts geht ja so: Wir sollen uns nicht gr√§men, dass wir immer und √ľberall erreichbar sein m√ľssen, im Drei√üigj√§hrigen Krieg waren die Leute rund um die Uhr f√ľr die Schweden erreichbar. Das war richtiger Stress.

Heute lachen wir vor allem dar√ľber, weil der Drei√üigj√§hrige Krieg so tief in der Geschichte liegt, dass man seine Schrecken nur schwer sich vor Augen f√ľhren kann. Und was ist mit den Schweden? Jenen netten, so sozialen Nordlichtern, die bei europ√§ischen Sportveranstaltungen vor allem mit sehr blonden Haaren und sehr falschen Wikingerhelmen auffallen, die aber kein W√§sserchen tr√ľben k√∂nnen? F√ľr solche Leute ist man doch gerne erreichbar.

Aber in den drei Dekaden, die vor etwas mehr als vierhundert Jahren begannen, waren die Schweden f√ľr die Bewohner Zentraleuropas alles andere als putzige Nachbarn, sondern eine regionale Gro√ümacht, die in den deutschen Landen vor allem ihre Interesse gegen die Interessen anderer teils erst aufstrebender Gro√üm√§chte beanspruchte. Vor exakt dreihundert Jahren jedoch markiert das Datum des 11. Dezember 1718 eine wesentliche Trendwende. K√∂nig Karl XII bekam bei der Belagerung der norwegischen Festung Fredriksten eine Kugel in den Kopf, die m√∂glicher Weise sogar aus den eigenen Reihen auf Schwedenk√∂nig abgefeuert wurde. Der pl√∂tzliche Tod des Monarchen bedeutete das Ende der schwedischen Hegemonie. Im Ostseeraum schickte sich bereits eine neue Gro√ümacht an, in das gro√üe Spiel um Einfluss und Macht in Europa und der Welt einzugreifen: Russland. Nicht von ungef√§hr lie√ü Zar Peter der Gro√üe zu jener Zeit die Hauptstadt des Reiches vom eher abgelegenen Moskau in die Neugr√ľndung Sankt Petersburg an der M√ľndung der Newa verlegen, in ein Gebiet, das vorher zu Schweden geh√∂rt hatte. Peter M√ľller

Lesetipps f√ľr den Dienstag

Erst mal bezahlen: Apple Pay startet heute in Deutschland. Gegen sieben Uhr morgens versandte der iPhone-Hersteller eine entsprechende Pressemitteilung, schon vor Wochen hatte Cupertino versprochen, noch im Laufe des Jahres Apple Pay nach Deutschland zu bringen. Wer eine Kreditkarte bei einer der teilnehmenden Baken besitzt - etwa HypoVereinsbank, Deutsche Bank oder N26 besitzt, kann diese in seiner Wallet hinterlegen und mit iPhone, iPad, Mac und Apple Watch bei ausgew√§hlten Einzelh√§ndlern und im Internet bezahlen. In einem ausgesprochenen Bargeldland wie Deutschland wird sich das ber√ľhrungsfreie Bezahlen mit der Kreditkarte wohl noch so schnell durchsetzen. Den Anfang machen aber prominente Anbieter: Ab heute kann man in der Allianz Arena, dem Stadion des FC Bayern M√ľnchen, per Apple Pay Tickets, Bier, Bratw√ľrste und Fan-Artikel erwerben. In Berlin ist der √∂ffentliche Nahverkehr auf Apple Pay vorbereit, die Bezahlung √ľber die BVG-App geschieht nun auch optional mit Apple Pay. Auch Unternehmen wie Tchibo und Esprit sind beim Start mit dabei. Kunden der Sparkassen, der Volks- und Raiffeisenbanken und anderer Kreditinstitute m√ľssen aber nicht warten, bis ihre Banken sich dem System anschlie√üen. Das zu Wirecard geh√∂rende Unternehmen Boon bietet die M√∂glichkeit, √ľber Umwege seine Girocard f√ľr Apple Pay freizugeben, indem man ein Konto bei Boon er√∂ffnet, die Girocard dort hinterlegt und sein Boon-Konto in Apple Pay einspannt. Wir werden im Laufe des Tages vom Deutschland-Start von Apple Pay n√§her berichten. Mittlerweile trudelnd auch die Pressemitteilungen der beteiligten Banken nach und nach ein. Warum aber Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken nicht dabei sind, ist nicht ganz klar, aber es gibt Hinweise auf deren Gr√ľnde. Einerseits setzen diese Institute auf ihre eigenen NFC-Bezahlmethoden, andererseits will Apple bei jeder Transaktion via Apple Pay mitverdienen. Der Beitrag, den Apple dabei fordert, war wohl deutschen Banken allgemein zu hoch gewesen, weswegen sich die Einf√ľhrung von Apple Pay solange hinzog. Dem Sparkassenverband und die Genossenschaftsbanken sind vermutlich die von Apple geforderten Geb√ľhren immer noch zu hoch.

Erst einmal abwarten : Die f√ľr den Wettbewerb zust√§ndige EU-Kommissarin Margrethe Vestager hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters bekr√§ftigt, dass sie bis zum Ende ihrer Amtszeit Ende n√§chsten Jahres Google und Amazon im Visier behalte und Verst√∂√üe gegen das Wettbewerbsrecht ahnden werde. Aber auch Apple hat Vestager auf dem Schirm, wenngleich der Mac-Hersteller in Sachen Apple Pay derzeit keine Priorit√§t genie√üt. Apple muss sich auch hier prinzipiell auf den Vorwurf einrichten, die Technologie w√ľrden den¬† Wettbewerb verhindern. Apple bevorzuge bei NFC den eigenen Bezahlservice, respektive lasse die Technologien von Konkurrenten nicht zu, ein entsprechende Untersuchung l√§uft in D√§nemark. Vestager will aber derzeit kein neues Fass aufmachen, erst wenn es offizielle Beschwerden an Apples Praxis gebe, k√∂nne man aktiv werden. In der EU ist Apple Pay derzeit in Frankreich, UK (also, gerade noch EU), Italien, Spanien, Schweden und D√§nemark aktiv - und an heute auch in Deutschland .

Noch ein Leck: Google muss ein weiteres Datenleck in seinem sozialen Netzwerk Google+ einr√§umen. Davon betroffen sind nun 52,5 Millionen Konten, 100 mal so viele wie beim letzten Vorfall vor ein paar Monaten. Wie damals lagen wegen eines Fehlers Name, Adresse, E-Mail und Alter f√ľr Drittentwickler offen. Google versichert, keine noch sensibleren Daten wie Passw√∂rter oder Bezahlinformationen w√§ren nach au√üen gelangt, innerhalb einer Woche nach Entdeckung habe man den Fehler behoben. Das bereits beschlossene Ende von Google+ hat diese neue L√ľcke aber beschleunigt, Google will nun schon im April mit dem Netzwerk Schluss machen, statt wie¬† geplant erst im August kommenden Jahres. Die APIs f√ľr Google+ werde man binnen 90 Tagen abschlie√üen. Laut Zahlen von Google dauern 90 Prozent der Nutzungsvorg√§nge auf Google+ nur f√ľnf Sekunden und weniger, an sich w√§re es kein Schaden, den Laden schon heute dicht zu machen.

Einspruch: Gegen das von Qualcomm erwirkte Verkaufsverbot einiger √§lterer iPhones hat Apple nun Widerspruch erhoben. Bereits am Montag habe man beim Gericht eine entsprechende Eingabe gemacht, dieses soll sein Urteil √ľberdenken. W√§hrend Qualcomm behauptete, das Verbote betreffe Varianten von iPhone 6s bis einschlie√ülich iPhone X, sagt Apple, dass weiterhin alle iPhone-Modelle in China f√ľr die dortige Kundschaft erh√§ltlich blieben.

N√§chste Runde : Erst letzte Woche hatte Apple macOS Mojave auf Version 10.14.2 aktualisiert, nun erhalten Entwickler die erste Beta-Fassung von macOS 10.14.3. Bisher ist nicht bekannte, welche Verbesserungen oder Fehlerbehebungen das n√§chste Wartungsupdate erhalten wird, das wohl nicht vor Februar 2019 final sein d√ľrfte.

Bel√§stigt: Apple versucht es offenbar mit allen Mitteln, das wohl nicht besonders gut laufende iPhone XR an den Mann oder die Frau zu bringen. Nun nutzt der Hersteller seine App Apple Store, um Benachrichtigungen auf den Bildschirm zu bringen, die in den n√§chsten Apple Store locken sollen, weil dort ein iPhone XR warte. Keine Missverst√§ndnisse: Es handelt sich nat√ľrlich nicht um ein Fake-Gewinnspiel, iPhone-Nutzer k√∂nnten sich von der ungew√∂hnlichen Werbung aber durchaus in der gleichen Art bel√§stigt f√ľhlen.

Weitere Nachrichten:

Qualcomm erwirkt iPhone-Verbot in China

Schon seit Jahren sind Apple und der Chip-Hersteller Qualcomm in juristische Konflikten verstrickt, immer wieder versucht Qualcomm auch Importverbote f√ľr Apple durchzusetzen. Diesen Montag hat Qualcomm bei einem Gericht in Fuzhou nun erfolgreich ein Import- und Verkaufsverbot von iPhones gegen Apple erwirkt. Grund sind Patentverletzungen in den Bereichen Foto-Skalierung und App-Verwaltung, die Klage stammt von 2017. Betroffen sind laut einem Bericht von Reuters die Modelle iPhone 6S, iPhone 7, iPhone 8 und iPhone X. Laut Apple bleiben allerdings in China alle iPhones weiter im Handel. Ger√§te mit aktuellem System iOS 12 w√§ren von der Patentverletzung n√§mlich nicht betroffen, anscheinend nur Ger√§te mit iOS 11.

Laut einem Bericht von Reuters kann Apple durch √Ąnderungen an der Software die Patente umgehen und sie im immens wichtigen Markt China weiter verkaufen. Trotzdem fiel der Aktienkurs von Apple bis Redaktionsschluss um 3,66 Prozent.

Patentantrag: Tesla will GPS-Positionierung verbessern

F√ľr autonome Fahrzeuge ist die Positionsbestimmung via GPS noch wichtiger als f√ľr herk√∂mmliche Autos. Der US-Hersteller Tesla will die Genauigkeit mit unterschiedlichen Ma√ünahmen weiter verbessern. In einem Patentantrag aus dem Jahr 2017 mit der Bezeichnung Technologies for vehicle positioning , der erst jetzt ver√∂ffentlicht wurde, will Tesla die Positionsgenauigkeit durch Kameras verbessern. Diese sollen den Ort erkennen und auch andere Fahrzeuge des Tesla-Fuhrparks als Referenzstationen mit einbeziehen.¬†

Nach Angaben des Herstellers k√∂nnte auf diese Weise auch in Geb√§uden, unter Br√ľcken oder in dicht bewaldeten Regionen eine h√∂here Genauigkeit bei der Positionsbestimmung erreicht werden. Das Unternehmen will diese Technologie f√ľr sein Autopilotsystem verwenden. Autonome Fahrzeuge sollen damit auch ihren genauen Standort erfassen k√∂nnen, wenn dies durch bauliche oder nat√ľrliche Gegebenheiten allein durch die GPS-Bestimmung sonst nicht genau genug m√∂glich w√§re. Im Jahr 2020 will Tesla die Produktion des neuen Model Y starten. Bis dahin fehlen dem Hersteller die Produktionskapazit√§ten f√ľr das Crossover-SUV-Modell. Im dritten Quartal 2018 konnte der Autobauer erstmals seit zwei Jahren wieder einen Gewinn einfahren. Auch f√ľr das vierte Quartal wird ein Nettogewinn erwartet.

Google Maps bekommt neuen "F√ľr dich"-Bereich

Google hat seinen Kartendienst Google Maps unter Android mit einem Bereich namens ‚ÄěF√ľr dich‚Äú erweitert. Teilnehmer am Beta-Programm von Google Maps k√∂nnen in Version 10.6.0 ab sofort auch in Deutschland auf die Schaltfl√§che zugreifen. Im neuen Bereich macht Google pers√∂nliche Vorschl√§ge zu Orten, an denen der Anwender interessiert sein k√∂nnte. Damit die Tipps von Google nicht zu weit von den eigenen Vorlieben entfernt sind, k√∂nnen im Bereich ‚ÄěF√ľr dich‚Äú Ortskategorien angegeben werden, die prim√§r von Interesse sind.

Google nutzt diese Auswahl in Google Maps, um neben den interessanten Orten auch passende News zu den Locations anzuzeigen. Wird ganz allgemein nach einem Ort in Google Maps gesucht, landet auch dieser im ‚ÄěF√ľr dich‚Äú-Bereich. Es ist also nicht zwingend n√∂tig, eigene Bereiche festzulegen, Google stockt die Sammlung mit der Zeit immer weiter auf. Wann die Funktion auch au√üerhalb der Beta angeboten wird, steht noch nicht fest. Die Aktivierung in Deutschland f√ľr Beta-Teilnehmer deutet aber darauf hin, dass die Funktion bald allen Nutzern von Google Maps unter Android zur Verf√ľgung stehen wird. F√ľr den Beta-Test k√∂nnen sich Anwender ganz einfach √ľber diesen Link anmelden . Die Schaltfl√§che ‚ÄěTester werden‚Äú f√ľhrt zum entsprechenden Download.

Online-Boom: Paket-Lieferungen werden teurer

Online-Handel boomt, Paketzustellungs-Dienste profitieren ebenfalls vom verbreiteten Online-Handel, sorgen allerdings auch f√ľr gesteigerte Personalkosten. Und nicht nur das: Die Suche nach Fahrern erweist sich bei den relativ niedrigen L√∂hnen als weitere Herausforderung.

‚ÄěDer Arbeitsmarkt ist leergefegt. Das E-Commerce-Wachstum war in den letzten Jahren sehr gro√ü. Es gibt Mitbewerber, die in der Lage sind, h√∂here L√∂hne zu zahlen. Teilweise wird gezielt abgeworben. Im Laufe des Jahres haben wir dadurch etwa 1000 Fahrer verloren.‚Äú sagte Hermes-Deutschland-Chef Olaf Schabirosky dem Hamburger Abendblatt (Samstag).¬† F√ľr Hermes sind rund 10.000 Fahrzeuge im Einsatz, im Weihnachtsgesch√§ft sogar 13.000.

Auch die Deutsche Post mit dem Paketlieferdienst DHL hat mit diesen Umst√§nden zu k√§mpfen. Der Chef der Deutschen Post, Frank Appel, √§u√üerte sich folgenderma√üen: ‚ÄěUnsere Branche hat ein grunds√§tzliches Problem, weil die Zustellung zu gering bezahlt wird. Faktisch sind die letzten 50 Meter bis zur Haust√ľr der teuerste Teil unserer Dienstleistung. Genau dort l√§sst sich aber die Effizienz kaum mehr steigern.‚Äú

√úber einen Portoaufschlag f√ľr die Lieferung bis an die Haust√ľr denke die Post im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern allerdings nicht nach, jedoch wird wohl relativ Zeitnah das Porto f√ľr Briefe und Pakete angehoben werden: ‚ÄěWir brauchen ein h√∂heres Porto, weil unsere Personalkosten jedes Jahr um etwa drei Prozent steigen und gleichzeitig die Briefmengen um einen √§hnlichen Wert sinken‚Äú.

Insgesamt soll der Preis f√ľr ein Paket um die 50 Cent bei Hermes steigen. Mit den h√∂heren Kosten f√ľr den Kunden sollen die Paket-Lieferanten besser bezahlt werden k√∂nnen. Auch Konkurrent DPD hat eine baldige Preiserh√∂hung angek√ľndigt. Zum Jahreswechsel sollen die Preise um rund 6,5 Prozent erh√∂ht werden.

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