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Morgenmagazin vom Dienstag, 11. Juli 2017

11.07.2017 | 06:51 Uhr |

Dritte Developer-Betas für iOS 11, tvOS 11 und High Sierra +++ Musikstreaming boomt +++ Änderungen bei den Ortungsdiensten in iOS 11 +++ Objekte mit Augmented-Reality-Lineal messen +++ Ransomware: Petya-Schlüssel veröffentlicht +++ Google Home ab 3. August in Deutschland? +++ Nokia 3310: Vergoldete G20-Edition mit Trump und Putin

11. Juli: Dabeisein ist längst nicht alles

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Die Vergabe Olympischer Spiele, die heute in Lausanne auf dem Programm steht, war auch schon mal spannender. Und kehrt gewissermaßen zur einseitigen Proklamation zurück, wie es zuletzt für die Spiele von Los Angeles im Jahr 1984 geschah. Als einziger Kandidat stand damals die Stadt an der Westküste zur Verfügung, alle anderen hatten dankend abgewunken. Zu groß die Ausgaben für das Weltsportfest, zu gering die Einnahmen.

Seither hat sich viel verändert, die Spiele von Los Angeles waren die ersten gnadenlos durchkommerzialisierten und vermarkteten, die Einnahmeseite hat sich deutlich verbessert. Aber weniger für die Ausrichterstädte, sondern eher für die "Herrn der Ringe", jener Kreis von nicht gerade gut beleumundeten Herren, die zuerst ihre eigenen Taschen zu füllen gedenken. So haben wieder zahlreiche und durchaus geeignete Städte für den zweifelhaften Spaß im Jahr 2024 dankend abgewunken, Hamburg etwa per Bürgerentscheid und Rom, nachdem dort eine Vertreterin der Radikalopposition der fünf Sterne zur Bürgermeisterin wurde. Es verblieben Paris und Los Angeles (sic!) im Ring und erneut wird es eine Proklamation geben: Paris soll die Spiele 2024 ausrichten und Los Angeles im Jahr 2028. Man wolle keine unglücklichen Verlierer mehr produzieren, so heißt es beim IOC, aber vermutlich sind Städte wie Hamburg, Rom und Boston durchaus froh, nicht schon wieder Milliarden für zwei Wochen im Sommer verschwenden zu müssen.

Natürlich kommen auf Paris und Los Angeles ähnliche Risiken zu, doch bemüht sich die Hauptstadt Frankreichs nun zum wiederholten Mal um ihre dritten Spiele; die wissen also, was sie tun. Zumal das Beispiel London 2012 gezeigt hat, dass es selbst für irrwitzige Sportstätten eine vernünftige Nachnutzung geben kann. Auch Los Angeles wird dann zum dritten Mal die Jugend der Welt einladen, wie das IOC seine Lieblingsfloskel bemüht. Das Olympiastadion von 1932 und 1984 steht noch und dürfte das dritte Mal zum Einsatz kommen (London hatte jeweils ein neues gebaut). Wir Kinder der Achtziger erinnern uns auch mit gewisser Wehmut an die Spiele von 1984, trotz des Ostblockboykotts, vor allem an die Eröffnungs- und Schlussfeier in der offenen Arena. Etwa an den Mann mit dem Raketenrucksack. Oder die Dutzenden blaubefrackten Pianisten, die an Dutzenden Flügeln George Gershwins "Rhaypsody in blue" zum Besten gaben. George Gershwin würde das mit Amerika und Paris am heutigen Tag ja vielleicht gefallen. Heute vor 80 Jahren ist der Komponist von "Ein Amerikaner in Paris" in Los Angeles verstorben. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Änderungen: In iOS 11 geht Apple erneut an die Ortungsdienste heran und will sie für Entwickler nützlicher und für Anwender transparenter machen. Derzeit muss eine jede App auf iPhone und iPad beim ersten Start fragen, ob sie die Ortsinformationen immer, nie oder nur, wenn sie aktiv ist, abfragen. Bei manchen Apps sind die Ortsinformationen nützlich, bei einigen sogar unerlässlich, man denke an Taxi-, Sport- oder Navigationsapps. Bisher musste sich eine App fügen, wenn der Anwender beim ersten Start auf "Nie" tippte, nur in den Systemeinstellungen selbst ließ sich das nachträglich ändern und somit wieder frei geben. Unter iOS 11 dürfen Apps hingegen nachfragen, ob sie nicht doch immer oder wenigstens bei Benutzung den Anwender und sein iPhone tracken dürfen. Auf der anderen Seite sind nun Apps sdazu verpflichtet, die Benutzung der Ortungsfunktion nicht nur mit dem Windrosen-Pfeil in der Menüleiste anzuzeigen, sondern mit dem blauen Balken in doppelter Höhe, der bisher etwa anmerkte, dass eine App auf das Mikrofon zugreift.

Verspätet und verteuert : Drahtloses Laden soll eines der wesentlichen neuen Features des für den Herbst erwarteten iPhone 8 werden. Doch werde es das Feature nicht sofort geben, die Softwareunterstützung werde erst mit iOS 11.1 vorliegen, spekuliert John Gruber auf Daring Fireball. Das sei vergleichbar mit dem Portrait-Modus des iPhone 7 Plus, das es zwar von Anfang an mit einer Dualkamera gegeben hat, den neuen Modus mit Bokeh-Effekt stellte Apple erst mit dem Update auf iOS 10.1 im Oktober letzten Jahres bereit. Gruber denkt auch nicht, dass das iPhone 8, das er iPhone Por nennt, eine günstige Angelegenheit würde. Die Preise würden bei 1200 US-Dollar beginnen, mit einem 64-GB-Modell.

Dritte Beta : Registrierte Entwickler können seit heute Nacht die dritte Beta-Fassung von macOS 10.13 High Sierra herunterladen und installieren. Vor zwei Wochen war die zweite Beta erschienen, die erste hatte es bereits zur WWDC Anfang Juni gegeben. Entwickler-Betas dürften auch in diesem Jahr wieder häufiger erscheinen als Public Betas, wann es für die öffentlichen Tester die zweite Version gibt, ist also noch ungewiss. Auch für iOS 11 und tvOS 11 gibt es für Entwickler jetzt jeweils die dritte Vorabversion.

Boom : Musikstreaming setzt sich immer mehr durch, wie die Experten von Nielsen Netratings in Erfahrung gebracht haben wollen. Im ersten Halbjahr 2017 habe es weltweit 184,3 Milliarden On-demand-Audio-Streams gegeben, 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Die größte Nachfrage habe es nach Streams von Drakes neuem Album More Life gegeben, der Rapper konnte in der ersten Jahreshälfte insgesamt 1,8 Milliarden Streams verzeichnen. Rund um ihren Superbowl-Auftritt war auch Lady Gaga im Stream extrem populär.

Warten : Apple wird seine ersten Stores in Indien nicht vor 2020 eröffnen, berichten lokale Medien. Derzeit suche der Mac-Hersteller nach Läden in bester Lage in Neu Delhi und Mumbai, sie sollen zwischen 1000 und 1500 Quadratmetern Fläche aufweisen und dem gläsernen Flaggship-Store aus Manhattan ähneln.

Weitere Nachrichten:

iOS 11: Objekte mit Augmented Reality-Lineal messen

Die App namens AR Measure , welche unter iOS 11 erscheinen soll, könnte eine der ersten Augmented Reality-Apps für iOS-Geräte werden, welche dem Entertainment-Faktor den Rücken zukehrt und tatsächlich für den Anwender im Alltag von großem Nutzen sein könnte.
 
AR Measure verwandelt das iPhone in ein Lineal oder eine Art Zollstock, das alles misst, was vor die Kamera kommt. Mithilfe von Augmented Reality kann die App die Entfernung zwischen zwei Punkten in einer 3D-Umgebung messen. „Bestimmen Sie die Größe von Dingen wie Möbeln, Türen, Tellern, Tischen, Teppichen, Bildern, Stühlen etc etc etc.“, so der Entwickler.
 
Die Anwendung soll demnach ganz leicht erfolgen: Ziel anvisieren, auf dem Bildschirm den Startpunkt festlegen und schon kann die Messung beginnen.
 
In einem kurzen Video zeigt der Entwickler, wie genau die App Objekte in der realen Welt messen kann, indem einfach die Vermessung eines Messbands vorgenommen wird. In dem Video wird zwar deutlich, dass die AR-Messskala nicht hundertprozentig mit dem echten Messband übereinstimmt, nichtsdestotrotz hat die App unglaublich viel Potential: 

Ransomware: Petya-Schlüssel veröffentlicht

Am Wochenende hat Janus, der Entwickler der Ransomware Petya, seinen privaten Schlüssel für die Verschlüsselungssoftware veröffentlicht. Seine ursprüngliche Malware wurde von Hackern gestohlen und modifiziert. Janus hat daraufhin das Petya-Projekt geschlossen und will nun betroffenen Nutzern helfen. 

Über Twitter postete er am Wochenende einen Link zur Hosting-Seite mega.nz. Die Sicherheitsexperten von Malwarebytes Labs sind dem Link gefolgt und haben die zugehörige Datei heruntergeladen – sie war ebenfalls verschlüsselt und durch ein Passwort geschützt. Das Passwort war jedoch einfach gewählt und konnte von den Experten erraten werden. In der entschlüsselten Datei fanden sie einen Schlüssel für die Ransomware Petya und seine Derivate Mischa und Goldeneye. Nutzer, deren Daten von diesen Tools verschlüsselt wurden, können also aufatmen. Voraussichtlich in wenigen Tagen wird es erste Gratis-Werkzeuge geben, mit denen sie ihre Daten entschlüsseln und retten können.

Der Masterkey wurde von Anton Ivanov, Senior Malware Analyst bei Kasperky, überprüft und getestet. Per Twitter bestätigte er , dass der Schlüssel zu Petya und seinen Unterformen passt. Wenig Hoffnung gibt es jedoch auch weiterhin für Opfer von EternalPetya und NotPetya. Diese beiden fiesen Malware-Versionen vernichten den Schlüssel direkt nachdem der Virus alle Daten verschlüsselt hat.

Die Ransomware Petya existiert bereits seit mehreren Jahren. Ihre jüngste Variante Goldeneye infizierte zuletzt unter anderem den Kondomhersteller Durex , die Reederei Maersk und den russischen Staatskonzern Rosneft. Mit dem aktuellen Schlüssel können nun auch diese Unternehmen ihre Daten wieder herstellen.

Google Home ab 3. August in Deutschland?

In den USA macht Google Amazons Echo mit dem smarten Lautsprecher Google Home bereits seit einigen Monaten Konkurrenz. Google hatte bereits im Frühjahr angekündigt, dass das Gadget im dritten Quartal 2017 auch in Deutschland verfügbar sein soll, einen konkreten Release-Termin blieb der Suchmaschinenkonzern jedoch bislang schuldig.

Wie Google in dieser Woche bekannt gab , wird Google Home ab 3. August 2017 in Frankreich erhältlich sein. Branchenexperten vermuten, dass der Marktstart am selben Tag auch hierzulande erfolgen könnte. Da Produktstarts in den vergangenen Jahren meist zeitgleich in Deutschland und Frankreich erfolgten. Auch der Preis in Höhe von 149 Euro könnte in Deutschland übernommen werden. Eine offizielle Bestätigung seitens Google steht bislang jedoch noch aus. 

Nokia 3310: Vergoldete G20-Edition mit Trump und Putin

Der russische Luxus-Accessoire-Hersteller Caviar will das erste Treffen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump am vergangenen Wochenende zum G20-Gipfel in Hamburg mit einem Handy würdigen. Dafür wirft das Unternehmen nicht etwa ein Smartphone, sondern das Feature-Phone Nokia 3310 in eine Special-Edition-Schale. Das Design: Geschmackssache. Das Handy ist in melierten Grautönen gehalten, goldene Akzente finden sich um das Display, um die Kamera und an der Rückseite.

Dort prangen die vergoldeten Köpfe von Putin und Trump – ähnlich einer Münze. Beide schauen in die selbe Richtung, was laut Hersteller für den „gemeinsamen Wunsch nach Fortschritt in den US-russischen Beziehungen“ stehen soll. Das Edel-Handy ist bei Caviar ab sofort zum Preis von 149.000 Rubel erhältlich (umgerechnet rund 2.166 Euro). 

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