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Morgenmagazin vom Dienstag, 15. Mai 2018

15.05.2018 | 06:59 Uhr |

Fünfte Beta von iOS 11.4 könnte die letzte sein +++ iPhone SE 2 nicht vor Herbst +++ Apple vs. Samsung: Jury berechnet Schadensersatz neu +++ Efail – EFF warnt vor PGP: Verschlüsselungstool sofort deaktivieren +++ NASA stellt autonomen Mars-Helikopter vor +++ Deutsche Bahn startet Digitalisierungsoffensive +++ Google: Smartphone-Kamera als Suchmaschine +++ Firefox: Mozilla arbeitet an besserem Tab-Management

15. Mai: We are Family

Wir wünschen allseits Guten Morgen! "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung", heißt es in Artikel 6, Absatz 1 des Grundgesetzes. In diesem Artikel und auch allen anderen steht nichts davon, wie eine Familie auszusehen hat und wer Ehen eingehen darf. Vernünftiger Weise hat das Parlament der letzten Legislaturperiode noch kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 endlich allen Paaren die Ehe erlaubt, ebenso vernünftiger Weise gibt es nur noch eine Altersbeschränkung nach unten.

Dennoch wird aus GG6 und den zugehörigen Bundesgesetzen unmittelbar hervor, dass nur zwei (und nicht mehr) Menschen die Ehe eingehen können. Das ist natürlich schade für unseren Mac, aber dem haben wir ohnehin lebenslange Treue geschworen, solange wir ihn alle paar Jahre gegen ein jüngeres Modell austauschen können. Das würde einem Ehepartner aus Fleisch und Blut ja nun nicht wirklich gefallen.

Es steht auch nicht im Gesetz, dass die Leute, die man täglich außerhalb der eigenen vier Wände sieht, Familie sind. Natürlich können Bürogemeinschaften, Sportvereine, Musikorchester sich "wie Familie" anfühlen, oder auch einzelne Familienmitglieder darin mitwirken, Familie ist im Sinne des Gesetzes jedoch etwas anderes. Das Motto des Weltfamilientages, seit 1993 auf den 15. Mai gelegt, lautet in diesem Jahr aber Families and inclusive societies - und weist darauf hin, dass nicht nur durch Biologie, Heirat oder andere Verbindlichkeiten geschlossene Verbände von Menschen die Gesellschaft zusammenhalten. Verlassen wir heute früh also doch für einen Arbeitstag die Kernfamilie und schließen uns für einen weiteren Arbeitstag unserer selbst gewählten Familie im Büro an.

Eine besondere Familiengeschichte nahm heute vor 33 Jahren in Cupertino ihr Ende. Apple stellte den Macintosh XL an jenem Tag im Mai ein, der kaum mehr als zwei Jahre vorher als "Lisa" herausgekommen war. Der erste Apple-Rechner mit Mausbedienung und grafischer Benutzeroberfläche, schick wie der ein Jahr später veröffentlichte Mac, aber viermal so teuer. Lisa war nach Steve Jobs' unehelicher Tochter Lisa Brennan-Jobs benannt, diese Familienkiste bestritt der Apple-Gründer aber lange Jahre. Weil er einerseits an der Vaterschaft wider jede Vernunft Zweifel hegte, womöglich aber auch, weil er aus dem Entwicklerteam der Lisa herausgeflogen war - und in Jef Raskins Macintosh-Team eine neue und erfolgreich abgeschlossene Aufgabe gefunden hatte. Lisa stünde für Local Integrated Software Architecture, ein nur mäßig inspiriertes und schlecht erfundenes Akronym. Aber Apple war zu der Zeit auch längst kein Familienunternehmen mehr, falls es das je war. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Nummer fünf: Apple hat gestern die fünfte Vorabversion von iOS 11.4 für Entwickler veröffentlicht, die fünfte Publc Beta dürfte heute folgen. Und recht lange wird es auch nicht mehr bis zur finalen Version dauern, denn der Download der Beat 5 ist immerhin 2 GB groß, was auf einen Release Candidate schließen lässt. In ein bis zwei Wochen könnte es soweit sein, rechtzeitig vor der WWDC, auf der Apple einen ersten Blick auf iOS 12 geben wird.

Später: Der japanische Blog Mac Otakara behauptet nun, das Nachfolgemodell des iPhone SE werde nicht vor September erscheinen. Apple habe die Produktion noch nicht begonnen, weil die finale Entscheidung über die Größe noch nicht gefallen sei. Dies habe man von einem Glashersteller erfahren, der drei Optionen vorbereite. Nur eine davon entspreche der bisherigen Größe, die beiden anderen gehen in Richtung sechs Zoll. Allen gemeinsam sei jedoch der Verzicht auf einen Aussparung für den Home-Button, eine Notch für die True-Depth-Kamera für die Face ID sei hingegen vorgesehen. Apple muss sich vor allem entscheiden, auf welchem Markt das neue SE erfolgreich sein soll, in Amerika und Europa verkaufen sich die kleineren Vierzoll-Modelle besonders gut, in Asien sind Smartphones mit großem Bildschirm populär. Ein "großes" SE könnte sich jedoch kaum noch von jenem spekulierten 6,1-Zoll-LCD-iPhone unterscheiden, das angeblich die neuen X-Modelle begleiten soll. Mit einer Veröffentlichung eines SE-Nachfolgers noch im Frühjahr, wie es Mac Otakara ursprünglich behauptet hatte, wird es aber eher nichts werden.

Neu berechnet: Eine Jury muss im langjährigen Patentstreit Apple vs. Samsung die Schadenssumme neu berechnen, die Apple entstanden ist. Der Beklagte Samsung argumentiert, dass sich höchstrichterlich nur drei Patentverletzungen des Designs ergeben, die rechteckige Form betreffend, sowie deren abgerundete Ecken und das dunkle Glas auf der Vorderseite. Apple habe daher nur Anspruch auf Erstattung der Schäden, die sich aus diesen drei Komponenten ergeben. Der iPhone-Hersteller sieht das naturgemäß anders und beharrt auf Erstattung von 400 Millionen US-Dollar, die sich aus anderen Prozessen, die seit 2011 laufen, ergeben haben. Die Verletzung des Designs sei holistisch zu begreifen und könne man nicht auf einzelne Komponenten herunter brechen. Der Prozess dauert an.

Ungewöhnlich: Kann man ein iPad als Monitor für einen Mac verwenden? Ja, das geht, erklärt auf Macworld Glenn Fleishman und führt uns auch ein wenig in die Historie der Fernwartung von "headless" Macs, die in klassischen Zeiten nur mit Software wie Timbuktu Pro möglich war - Macwelt.de hatte in seinen ersten Jahren diese Software auf ihrem Webserver installiert. Screensharing ist nun aber Bestandteil von macOS und lässt sich einfach einrichten - wenn auch zunächst nur mit angeschlossenem Monitor. Für das Ausspielen des Bildes benötigt man noch Software wie den VNC Viewer, schon kann man beispielsweise an einem Mac Mini Maus und Tastatur einsetzen und das Bild, das sonst auf dem nun nicht mehr angeschlossenen Monitor zu sehen wäre, auf ein iPad übertragen.

Retrolook: 20 Jahre ist es her, dass Apple mit dem iMac die Welt des Personal Computers auf den Kopf gestellt hat, mit dem iPhone X soll ähnliches mit dem Smartphone passieren. Der Hüllenhersteller Spigen führt beide Welten zusammen und stellt auf der Crowd-Sourcing-Plattform Indiegogo Hüllen für das iPhone X im G3-Look der späten Neunziger vor. Neben einer Hülle in Bondi Blue - "hello again" im Inneren eingeprägt - gibt es noch weitere Farbkombinationen wie Ruby, Sage, Snow White und Graphite. Dazu kommt auch eine Hülle, die den Look des Original-iPhones von vor elf Jahren imitiert, das ja nicht minder revolutionär war.

Efail – EFF warnt vor PGP: Verschlüsselungstool sofort deaktivieren

Mit OpenPGP und S/MIME verschlüsselte E-Mails sind anfällig gegen Angriffe, wie jetzt eine Forschergruppe nachgewiesen hat. Eigentlich war die Veröffentlichung für diesen Dienstag geplant, nach einigen Leaks der Forschungsergebnisse wurden die Ergebnisse bereits am Montag auf der Seite Efail.de öffentlich vorgestellt. 

Die Verschlüsselung PGP wird oft von Journalisten und Oppositionellen verwendet, um sich vor Staatsorganen zu schützen. Es ist als Angrifsszenario also durchaus möglich, dass der Angreifer Zugriff auf E-Mail-Server der Opfer hat, ihm fehlen nur die Schlüssel für die Entschlüsselung einer Nachricht. Die Verschlüsselung selbst wurde nicht geknackt, der Trick ist das Entschlüsseln per Absender: Mit einem Trick nutzt dazu der Angreifer den E-Mail-Client des Absenders, von den Forschern Direct exfiltration genannt: Ein Angreifer versteckt den zu entschlüsselnden Text in einer HTML-E-Mail – in einem Szenario in einem nicht geschlossenen Image-Tag. Sorgt ein Plug-in für die automatische Entschlüsselung, wird der verschlüsselte Code bei Öffnen der E-Mail entschlüsselt. Zurück zum Absender gelangt dieser Code per HTTP-Request. Von den 48 von den Forschern getesteten E-Mail-Client waren fünf für diesen Angriff besonders anfällig: Apple Mail, Apple Mail für iOS, Thunderbird, Postbox und Mail Mate. Bei den beiden Apple Mail-Versionen besonders kritisch: Die beiden Programme laden externe Bilddateien ohne Nachfrage, bei den anderen müssen die Nutzer zum Laden der Inhalte verleitet werden – etwa mit einem versteckten Formular. Auch gegen die Verschlüsselung S/MIME haben die Entwickler eine Angriffsmethode vorgestellt, hier sind aber eher Firmen betroffen.

Aktuell empfehlen die Forscher deshalb, bei E-Mail-Clients Plug-ins für die Entschlüsselung wie GPG-Mail zu deaktivieren. Man kann für das Verschlüsseln von Nachrichten gefahrlos externe Tools verwenden. Besonders gefährlich: Das Deaktvieren von HTML-Mail ist bei Apple Mail anscheinend nicht ausreichend. Grundsätzlich besteht aber immer die Gefahr, dass Inhalte versehentlich nachgeladen werden, weshalb auch die EFF aktuell das Deinstallieren der Verschlüsselungs-Plug-ins empfiehlt. 

Empört reagierten die Entwickler des Verschlüsselungsprojekts OpenPGP jetzt auf die Veröffentlichung und haben bereits eine Pressemitteilung veröffentlicht. Nach ihrer Meinung liegt das Problem nicht bei PGP und Open PGP sondern bei den Herstellern der E-Mail-Client: „It’s not an attack on OpenPGP.    It’s an attack on broken email clients that ignore GnuPG’s warnings and do silly things after being warned.“

Die Deinstallation des GPG-Plugins für Apple Mail ist einfach, man muss nur die  Datei „GPGMail.mailbundle“ im Library-Ordner Mail im Unterordner „Bundels“ löschen. (/Library/Mail/Bundles). Je nach Installationsart befindet sich die Datei im Library-Ordner des Benutzers oder des Systems (~/Library/Mail/Bundles). Tipp: Man kann die Pfadangaben  im Finder über „Gehe zu > Gehe zum Ordner...“ eingeben. Vor der Löschung muss man Mail beenden, das Entfernen aus dem Library-Ordner erfordert die Eingabe des Nutzerkennworts.

NASA stellt autonomen Mars-Helikopter vor

Bei der Erkundung benachbarter Planeten wie dem Mars kommen meist am Boden fahrende Rover zum Einsatz oder aber viele Kilometer über dem Boden kreisende Sonden. Nun hat die US-Raumfahrtbehörde erstmals einen Helikopter vorgestellt , der den roten Planeten aus der Luft erforschen soll. Der autonome Mars-Helikopter soll im Juli 2020 zusammen mit einem neuen Mars-Rover seine Reise zum Mars antreten. Die Forschungen am Helikopter begannen schon im August 2013. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ein 1,8 Kilogramm leichtes Fluggerät von der Größe eines Footballs. Die beiden gegenläufigen Rotorenblätterpaare sollen mit knapp 3000 Umdrehungen pro Minute rotieren. Auf der Erde würde ein Zehntel dieses Tempos zum Fliegen ausreichen.

Gleichzeitig ist der Mars-Helikopter mit Solarzellen ausgestattet, die einen Lithium-Ionen-Akku laden. Mit der so erzeugten Energie sollen die kalten Marsnächte überbrückt werden. Da die Atmosphäre des Mars nur ein Prozent der Dichte der Erdatmosphäre aufweist, kann der Helikopter laut NASA auf dem roten Planeten bis zu 30 Kilometer hoch fliegen. Im Gegenzug musste das Fluggerät aber so leicht wie nur möglich designt werden. Da die Erde bei der gesamten Mission mehrere Lichtminuten entfernt ist, muss der Helikopter außerdem autonom fliegen.

Deutsche Bahn startet Digitalisierungsoffensive

Personalvorstand Martin Seiler und Digitalisierungsvorstand Sabina Jeschke haben heute eine Digitalisierungsoffensive für die Deutsche Bahn angekündigt . Mehr als 60.000 Deutsche-Bahn-Mitarbeiter besitzen aktuell noch kein sogenannten „dienstliches Endgerät“. Das soll sich in den nächsten Monaten ändern. Bis Ende nächsten Jahres sollen die rund 60.000 Beschäftigten entweder ein Smartphone oder einen Tablet-PC von der Deutschen Bahn erhalten. Mit den Geräten sollen sich die Mitarbeiter informieren, relevante Apps nutzen oder die Entwicklung des Unternehmens aktiv mitgestalten können.

Von der Digitaloffensive sollen nicht nur die Bahn-Mitarbeiter, sondern auch die Kunden profitieren. So könnte das Servicepersonal in Fernverkehrszügen per digitalem Endgerät den Status von Zugtoiletten und Bordbistro schneller übermitteln und etwa Lieferungen oder Reinigungskräfte beauftragen. In diesem Jahr sollen 3.000 Mitarbeiter und 2.500 Auszubildende ihr mobiles Endgerät erhalten. Die übrige Mitarbeiterschaft wird im nächsten Jahr mit Smartphone oder Tablet-PC ausgestattet. Neben der Hardware erhalten die Angestellten auch ein eigenes E-Mail-Konto und Zugriff auf für sie relevante Dienste wie etwa das Bahn-Intranet DB Planet.

Google: Smartphone-Kamera als Suchmaschine

Einen Schwerpunkt auf Googles diesjähriger Entwicklerkonferenz Google I/O machte die Nutzung von Smartphone-Kameras für die Eingabe von Suchbegriffen und die Nutzung von Googles Suchmaschine aus. Während die Google-Suche in den vergangenen Jahren überwiegend durch die Texteingabe eines Suchbegriffs gestartet wurde, soll das künftig auch durch den Einsatz der Smartphone-Kamera möglich werden. Als Weiterentwicklung der Bildersuche ist die native Kamera-App dabei direkt an die Google-Suchmaschine angebunden und löst eine Suche über das Live-Bild aus.

Einen wichtigen Baustein dafür liefert die Google-KI Lens . Früher exklusiv für Pixel-Smartphones erhältlich, hat Google die Software mittlerweile auch per App für andere Geräte geöffnet. Im nächsten Schritt soll Lens in den nativen Kamera-Apps der Smartphone-Hersteller zum Einsatz kommen. Hier scannt die künstliche Intelligenz etwa automatisch Texte ein, zeigt Kartenpreise anhand von Konzertpostern an und findet ähnliche Artikel beim Online-Shopping.

Die Umsetzung erweist sich für Google als schwierig. Eine Herausforderung bestünde laut Google-Managerin Aparna Chennapragada darin, nur wirklich relevante Informationen in der Kamera-App-Suche einzublenden. Für die Analyse kommen gleich mehrere spezialisierte Programme zum Einsatz, die das gefilmte analysieren und ihr jeweiliges Wissen zum Objekt besteuern. Ein übergeordnetes System entscheidet dann, welche Details dem Nutzer tatsächlich angezeigt werden. Die zweite Hürde stellt die korrekte Erkennung von Objekten dar. Google Lens müsse in der Lage sein, Objekte zu erkennen, auch wenn sie schlecht ausgeleuchtet oder halb verdeckt sind. Es bleibt abzuwarten, um welche Funktionen der Konzern seine KI künftig noch erweitern wird.

Firefox: Mozilla arbeitet an besserem Tab-Management

Die Firefox -Macher bei Mozilla arbeiten an einem neuen Feature für den Browser , mit dem Nutzer mit mehreren Tabs gleichzeitig interagieren können. Bislang kann immer nur ein Browser-Tab verschoben oder geöffnet werden. Künftig lassen sich per Strg-Taste (alternativ Cmd-Taste am Mac) mehrere Tabs markieren und verschieben. So entstehen aus mehreren Tabs eigene Browser-Fenster mit der vorher geöffneten Seite. Zusätzlich sollen sich alle Tabs rechts vom ausgewählten Tab mit einem Klick schließen lassen. Auch doppelte Tabs sollen mit einem Handgriff verschwinden.

Momentan ist die Schaltfläche aller Tabs nur dann zu sehen, wenn diese nicht alle auf den Bildschirm passen. Diese Funktionalität soll künftig immer vorhanden sein. Bei nervigen Sounds von Webseiten soll eine generelle Stummschaltung aller Tabs helfen. Die neue Tab-Funktionalität wird derzeit integriert und später über die Adresse about:config konfigurierbar sein. Derzeit lässt sich mit der standardmäßig deaktivierten Einstellung browser.tabs.multiselect lediglich eine Fettung der Schrift erreichen. Wann die neue Funktion Einzug in die offizielle Version von Firefox halten wird, ist noch unklar. Zuerst wird Mozilla das Feature wohl in den Nightly-Versionen des Browsers testen. Diese Vorabversionen bietet Mozilla an dieser Stelle kostenlos für alle interessierten Nutzer an.

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