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Morgenmagazin vom Dienstag, 18. Dezember 2018

18.12.2018 | 06:55 Uhr |

Apple wirbt Designer von Tesla ab +++ iOS 12.1.2 behebt Probleme mit eSIM-Aktivierung +++ Frankreich kündigt Digitalsteuer an +++ Fake-Kopf umgeht Gesichtserkennung von Android +++ Stromspeicher: Durchbruch bei Fluorid-Akkus +++ Große Phishing-Kampagne bei Office 365 entdeckt +++ Astro-Alex: Alexander Gerst kommt am Donnerstag von der ISS zurück

18. Dezember: Can't get no

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Mist, wir haben gestern Beethovens Geburtstag vergessen! Wobei: Der 17. Dezember 1770 ist der nachgewiesene Tauftag des kleinen Ludwig van, der ein so Großer wurde. Der Geburtstag dürfte der 16. Dezember gewesen sein - da war heuer der dritte Advent und wir mit Spekulatius beschäftigt.

Dafür feiern wir heute den dokumentierten Geburtstag einer anderen Legende: Keith Richards wird 75 Jahre alt – damit hat er schon 19 Jahre mehr auf dem Buckel als dem führende Komponisten der Wiener Klassik vergönnt waren. Richards hat auch ein paar Sachen mehr komponiert als die eine Oper, die neuen Sinfonien und die paar Klavierkonzerte des in Bonn gebürtigen Meisters.

Nun gut, bei allem Respekt vor dem Meister des locker aus dem Handgelenk geschüttelten Riffs, sind Beethovens Werke doch reichlich komplexer und vermutlich langlebiger als Richard’s musikalische Hinterlassenschaften.

Wobei es noch viel zu früh ist, über die Zeit nach Richards nachzudenken, 75 sind ja kein Alter für ein Urgestein wie ihn. Angeblich liegt schon seit Jahren ein Alterswerk der Stones in der Schublade, Richards und Jagger müssten es nur noch fertig mischen, hat einst das dritte Fossil Charlie Watts behauptet. Seit Richards letztem Solo-Album „Crosseyed Heart“ sind auch schon wieder drei Jahre vergangen, das Stones-Album mit Blues-Covern „Blue & Lonesome“ der vermutlich langlebigsten Band der Welt datiert aus dem Jahr 2016 - vielleicht bekommen wir ja 2019 endlich neues Material der alten Herren zu hören.

Oder Keith Richards geht nochmals ins Studio zurück, um seine Parts neu aufzunehmen. In einem Interview mit dem Rolling Stone hat er erst letzte Woche erklärt, er würde nach den Drogen auch noch den Alkohol aufgeben, als letzte Sucht bliebe ihm das Rauchen. Er trinke schon seit einiger Zeit nur noch ab und an ein Glas Wein oder eine Flasche Bier. Sein Gitarrenspiel habe sich enorm verbessert, seitdem er immer nüchtern ist.

Nüchtern Gitarre spielen? Haben wir versucht, ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man bemerkt plötzlich jeden Fehler. Vielleicht hat uns Keith Richards aber auch nur alle veralbert. Er hatte in einem Interview auch schon mal behauptet, die Asche seines Vaters mit einer guten Prise Kokain geschnupft zu haben. Das war aber eben so wenig wahr wie die Geschichte, dass ihn unter einer Palme eine Kokosnuss auf den Kopf gefallen sei - die Verletzung hatte er sich nach einem ganz profanen Sturz aus der Hängematte zugezogen.

So erheben wir heute nach Feierabend ein Glas auf und vielleicht auch mit Keith Richards und lassen ein ganz klein wenig Sympathy for the Devil ertönen. Huh-huh! Peter Müller

Lesetipp für den Dienstag

Totgeburt : Nach Ping stellt Apple mit Connect auch seinen zweiten Versuch eines sozialen Netzes innerhalb von iTunes respektive Apple Music ein. Die Plattform hatte aber von Anfang an keine Chance, weil Apple aus den Fehlern von Ping nicht gelernt habe, meint unser Macworld-Kollege Jason Cross. Connect sei nur halbherziges Marketing gewesen, die darin aktiven Künstler hätten über Facebook, Instagram, Twitter und andere Kanäle ihre Kundschaft auch viel besser erreichen können. Was Apple Music aber viel mehr brauche als ein soziales Netz seien soziale Funktionen. Freunde aus anderen Netzen suchen und finden sollte recht einfach gehen und nicht im letzten Untermenü versteckt sein. Apple Music brauche auch viel mehr an Kollaboration, etwa beim Erstellen und Teilen von Wiedergabelisten.

Update: Nicht ganz zwei Wochen nach dem letzten Update legt Apple mit iOS 12.1.2 nach. Dabei handelt es sich um einen Bugfix für ein bestimmtes Problem, die Aktivierung der eSim in iPhone XS, XS Max und XR konnte zu Problemen führen. Ein weiterer Fehler ist bei Mobilfunkverbindungen mit den neuen Geräten in der Türkei aufgetreten, auch diesen behebt das Update, das keine weiteren Neuerungen bringt.

Alleingang: Anfang Dezember hatte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire ein Ultimatum gesetzt. Wenn es der EU nicht bis März 2019 gelinge, eine Steuer für internationale Digitalkonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) aufzusetzen, werde man selbst handeln. Nun prescht Frankreich vor und kündigt bereits zehn Tage danach eine eigene Steuer an, die ab dem 1. Januar wirksam sein soll. Eine gemeinsame Steuer EU-weit zu erheben hält Le Maire nun für schwierig, im Alleingang will Frankreich im Jahr 2019 rund 500 Millionen Euro einnehmen. Vor allem Irland hatte sich unter Verweis auf die Beziehungen zwischen der EU und den USA gegen eine gemeinsame Steuer gewehrt. Vor allem Deutschland hatte die Pläne bisher unterstützt und eine dreiprozentige Steuer auf Online-Werbung vorgeschlagen. Bisher zahlen die Unternehmen nach Aussagen von Bruno Le Maire in Frankreich nur 8 bis 9 Prozent Steuern auf ihre Umsätze, wenn überhaupt. Andere Unternehmen würden mit 23 Prozent besteuert.

Umgangen: Apple hat am Montag ein Update für in China verkaufte iPhones veröffentlicht, das die von Qualcomm reklamierten Patentverletzungen außer Kraft setzen und damit das erwirkte Verkaufsverbot umgehen soll. Qualcomms Anwalt Don Rosenberg echauffiert sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Apple würde die Wichtigkeit der Gerichtsanordnung herunterspielen und auf vielerlei Weise das Rechtssystem verletzen, indem es die Anweisungen ignoriere. Apple selbst hat sich zu dem Fall nicht geäußert, der Sender CNBC geht jedoch davon aus, dass Apple die Anordnung allein auf iOS 11 beziehe und somit die iPhones des Jahrgangs 2018 nicht betroffen sieht. In dem Urteil ist zwar von Softwarefunktionen konkret die Rede, die Apple illegal nutze, aber nie von einer Betriebssystemversion.

Abgeworben : Eine Personalie in Cupertino befeuert neue Gerüchte um ein Apple Car. Teslas Designer Andrew Kim, der unter anderem an der Gestaltung der Modelle S, 3, X und Y beteiligt war, hat mit Wirkung zum 1. Dezember einen neuen Job bei Apple angetreten. Zuvor bereits hatte der Mac-Hersteller seinen ehemaligen VP of Mac-Hardware Doug Field von Tesla zurück geholt, wo er die Fahrzeugentwicklung leitete. In den letzten Jahren war es die allgemeine Ansicht, Apple entwickle in seinem Project Titan Software für autonome Fahrzeuge, habe aber die Entwicklung eines eigenen iCar längst aufgegeben. Die Personalien beweisen keinen erneuten Strategiewechsel, würden aber zu einem solchen passen.

Weitere Nachrichten:

Fake-Kopf umgeht Gesichtserkennung von Android

Face ID, Trusted Face, Smart Lock, Face Unlock. Hinter den verschiedenen Namen steckt eine Idee, nämlich das Handy schnell und bequem nur mithilfe des eigenen Gesichts zu entsperren. Doch wie so oft ist der Feind der Bequemlichkeit die Sicherheit. Experten spekulieren schon lange, ob die Gesichtserkennung am Smartphone wirklich eine sichere Methode ist, das Smartphone zu entsperren. Ein Redakteur des Forbes-Magazin hat das jetzt mit einem kreativen Ansatz auf die Probe gestellt.

Bis vor kurzem noch Science-Fiction, inzwischen Realität. Im 3D-Drucker eine Maske des eigenen Gesichts herzustellen ist relativ unkompliziert. Dafür bedarf es nur jede Menge Kameras, die richtige Software, einen entsprechenden 3D-Drucker und jede Menge Gips. Thomas Brewster vom Magazin Forbes hat genau das machen lassen, und zwar im englischen Burningham. Das ganze kostete lediglich 300 Pfund. Mit dieser Maske versuchte der Redakteur, die Gesichtserkennung verschiedener Geräte auszutricksen.

Insgesamt fünf Geräte wurden getestet, vier Android-Smartphones und ein iPhone. Das Ergebnis: Jedes der getesteten Android-Phones ließ sich mit der Maske täuschen, wenn auch manche einfacher als andere. Das One Plus 6 schnitt am schlechtesten ab und ließ sich schnell und problemlos mit der Maske entsperren. Das Samsung Galaxy S9 bietet verschiedene Einstellungsmöglichkeiten der Gesichtserkennung. Die vermeintlich sicheren hielten zwar etwas länger stand, ließen sich aber letztendlich mit dem Gipskopf trotzdem umgehen. Lediglich das LG G7 ThinQ ließ sich auf den höchsten Sicherheitseinstellungen nicht knacken. Wenn die Einstellungen aber auf schnelle statt sichere Gesichtserkennung gestellt ist gab auch das LG nach. 

Lediglich das iPhone erwies sich als komplett unnachgiebig. Egal in welchem Licht oder aus welchem Winkel, Face ID akzeptierte die Gipsattrappe nicht als echtes Gesicht. Die Technologie bestätigt damit ihren Ruf als sicherste Gesichtserkennungs-Software unter den Smartphone. Apple verwendet die eingebaute TrueDepth-Kamera sowie Infrarot um eine Tiefenkarte des Gesichts zu erstellen und in eine mathematische Gleichung umzuwandeln. Vor einem Jahr haben die Forscher von Bkav die Sperre mit Face ID angeblich erfolgreich ausgetrickst , doch die Vorgehensweise wurde angezweifelt. Seitdem gibt es keine erfolgreichen Versuche mehr, über die Face ID ins iPhone einzubrechen.

Stromspeicher: Durchbruch bei Fluorid-Akkus

Vom Smartphone bis zum E-Auto: Die meisten Anwendungen setzen derzeit auf Lithium-Ionen-Akkus. Die Technik scheint ausgereift, doch möglicherweise steht ihr Nachfolger schon in den Startlöchern. Das Magazin Science berichtet in der aktuellen Ausgabe von Fluorid-Akkus, die bei gleicher Größe die achtfache Energiemenge heutiger Akkus speichern können. Bislang stellte die Technologie Forscher jedoch vor ein riesiges Problem: Die Akkus funktionierten nur bei Temperaturen ab 150 Grad. Eine Arbeitsgruppe des Jet Propulsion Lab am Caltech konnte diese Einschränkung nun jedoch umgehen. Ihre Fluorid-Akkus funktionieren durch mehrere Anpassungen auch bei Raumtemperatur.

Möglich wurde dies durch bessere Elektrolyte, die die Ladung zwischen Kathode und Anode transportieren. In Kombination mit einem Lösungsmittel kann das eingesetzte Fluorid auch bei niedrigen Temperaturen hohe Spannungen abgeben. Die Anschlüsse mussten zudem mit einer Hülle aus Lanthantrifluorid überzogen werden, um ein Auflösen der Kupferkerne zu verhindern. Die ersten sieben Lade- und  Entladezyklen verliefen im Test problemlos. Dennoch dürfte die Marktreife von Fluorid-Akkus noch einige Jahre auf sich warten lassen. Schließlich müssen die Akkus auch im Dauerbetrieb sicher anwendbar sein.

 

Große Phishing-Kampagne bei Office 365 entdeckt

Kunden der Office 365-Dienste von Microsoft müssen derzeit auf der Hut sein: Mit sehr echt aussehenden Phishing-Mails versuchen Kriminelle, die Zugangsdaten von Nutzern abzugreifen. In den E-Mails täuschen die Betrüger eine Fehlermeldung vor, die zur Eingabe der Nutzerdaten auffordert. Konkret wird darin der fehlerhafte Versand von Nachrichten vorgetäuscht. Da die Mail der Original-Meldung von Office 365 sehr ähnelt und auch Rechtschreibfehler nicht auf eine Phishing-Attacke hindeuten, könnten viele Nutzer darauf hereinfallen.

Ein Klick in der E-Mail auf die „Erneut Senden“-Schaltfläche führt zu einem Login-Feld, welches ebenfalls dem Original sehr ähnlich ist. Danach leitet ein Link auf die Startseite von Outlook weiter. Auf diese Weise prüfen die Betrüger auch gleich, ob das Passwort tatsächlich stimmt. Privatanwender sollten derartige E-Mails derzeit besonders kritisch hinterfragen. Admins hingegen sollten die Verteilung der Betrüger-Mails am besten gleich unterbinden, damit Mitarbeiter nicht auf den Phishing-Angriff hereinfallen. Was genau die Betrüger mit den Anmeldedaten anfangen wollen, bleibt unklar. Doch schon aus datenschutzrechtlicher Sicht sollten die Konten bei Microsoft nicht in die falschen Hände gelangen.

Astro-Alex: Alexander Gerst kommt am Donnerstag von der ISS zurück

Am kommenden Donnerstag, den 20. Dezember 2018, kehrt der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst von der ISS zur Erde zurück. Damit endet der über sechs Monate dauernde zweite Aufenthalt von Astro-Alex auf der Internationen Raumstation. Während der zweiten Hälfte seines Aufenthalts war Gerst auch Kommandant der ISS. Gerst hat prominente Begleitung aus Deutschland mit dabei: die Maus und den blauen Elefanten aus der „Sendung mit der Maus“. Beide Stofftiere stecken selbstverständlich in Raumfahrtanzügen. Gerst berichtet im Laufe des Jahres 2018 in mehreren "Sendungen mit der Maus" über sein Leben auf der ISS.

Gerst und seine beiden Begleiter, die NASA-Astronautin Serena Auñón-Chancellor und der Roskosmos-Kosmonaut Sergej Prokopjew, kehren mit der gleichen Sojus MS-09-Kapsel zur Erde zurück, mit der sie am 6. Juni 2018 zur ISS geflogen waren. Also mit exakt der Sojus-Kapsel, in der ein zwei Millimeter großes Loch entdeckt wurde, das die Astronauten auf der ISS dann provisorisch geflickt haben. Allerdings ist der Teil der Sojus MS-09, in dem sich das notdürftig geschlossene Loch befindet, für die Rückkehr aus dem All nicht erforderlich. Denn es steckt im Orbitalmodul, das bei der Rückkehr ohnehin abgesprengt wird. Gerst und Kollegen müssen also nicht mit einer löchrigen Sojus in die Erdatmosphäre eintreten und die über 2000 Grad Reibungshitze sowie den harten Aufprall auf der kasachischen Steppe aushalten – die Besatzung befindet sich nämlich im unbeschädigten Landemodul.

Die Landung der Sojus-Kapsel ist am 20.12. für 06.03 Uhr Mitteleuropäischer Zeit geplant (11:03 Uhr Ortszeit). Gerst wird bereits am Landetag nach Köln geflogen, wo er sich längeren medizinischen Untersuchungen unterziehen wird. Alexander Gersts Ankunft in Köln wird am Abend des 20. Dezember 2018 um 20.15 Uhr im militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn erwartet.

Am Morgen des 22. Dezember 2018 (Samstag) wird Gerst von 11.15 bis 12.15 Uhr zusammen mit ESA-Generaldirektor Jan Wörner sowie Frank De Winne, Leiter des Europäischen Astronautenzentrums und Leiter ISS Betrieb, im Europäischen Astronautenzentrum der ESA in Köln eine Pressekonferenz geben.

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