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Morgenmagazin vom Dienstag, 23. Mai 2017

23.05.2017 | 06:59 Uhr |

Patenttrolle können nicht mehr nach Osttexas +++ Klage gegen Apple Pay +++ App spezifische Passwörter für iCloud +++ ARM baut Chip für menschliches Gehirn +++ Unitymedia schaltet analoges Kabelfernsehen ab +++ 1&1 bietet VDSL-Geschwindigkeit für den Basis-Tarif

23. Mai: In guter Verfassung

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Mit dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident im Frühsommer 2010 wurden nicht nur alsbald Neuwahlen des Staatsoberhauptes notwendig (bald darauf von einem weiteren Rücktritt gefolgt...) sondern es endete deshalb auch eine schöne, wenn auch kurz Tradition. Denn von 1979 an (Karl Carstens) bis 2009 (Horst Köhler zur zweiten Amtszeit) wählte die Bundesversammlung alle fünf Jahre stets am 23.Mai das (neue) Staatsoberhaupt. Das Datum ist jenes, zu dem im Jahr 1949 das Grundgesetz in der sogenannten Trizone mit Ausnahme des Saarlandes in Kraft trat und somit den Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland markiert. Doch seitdem Köhler sich über Kritik an seinen in einem Interview getätigten Äußerungen dermaßen ärgerte und als erster Bundespräsident von seinem Amt zurücktrat, ist der Verfassungstag auch in den Jahre, in denen eine Präsidentenwahl ansteht, kein besonderer mehr. Der neue ist am 12. Februar dieses Jahres gewählt und am 19. März in das Amt gekommen, exakt fünf Jahre, nachdem es Joachim Gauck im zweiten Anlauf in das höchste Amt geschafft hatte.

Nun ist es eher unwichtig, ob der Bundespräsident, der Kanzler oder die Kanzlerin an einem symbolträchtigen Tag gewählt werden oder an einem ganz normalen, der 23. Mai sollte aber dennoch besondere Beachtung bekommen. Denn in seiner Bedeutung steht er dem 3.Oktober in nichts nach, der im Jahr 1990 auch eher willkürlich für den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetztes von der Volkskammer ausgewählt wurde. Freunde von Verschwörungstheorien mögen ja behaupten, Deutschland habe keine Verfassung, weil auf dem Dokument nichts von Verfassung stehe, sondern nur von "Grundgesetz". Aber damit eine Verfassung oder auch nur eine staatliche Verfasstheit funktioniert, braucht es das Stichwort nicht als Überschrift. Das Vereinigte Königreiche beispielsweise kennt überhaupt keine Verfassung und funktioniert dennoch besser als so manches Gemeinwesen, das trotz einer  Verfassung, die Gewaltenteilung beschreibt und beschrieb, sich in Richtung Autokratie bewegt. Das Grundgesetz indes funktioniert hervorragend seit nunmehr 68 Jahren, teilweise zu gut. Denn sicherlich wäre es eine Möglichkeit gewesen, angesichts des historischen Umbruchs in der DDR eine neue Verfassung aus dem Grundgesetz heraus gemäß Artikel 146 zu entwickeln und in freier Entscheidung zu beschließen. Die erstmals frei gewählten Volksvertreter des aus der "Ostzone" hervorgegangenen Staates entschieden sich aber frei dafür, den damaligen Artikel 23 als Abkürzung zu nehmen. Dieser war an sich für das Saarland konzipiert, das ihn im Jahr 1955 auch zum Beitritt zum Bundesgebiet verwendete.

Kleine Änderungen der Ausgangslage können gewaltige Folgen für das Gesamtsystem haben. Das hat nicht nur für die Jahre 1989/90 gegolten, eine wiedermal gefälschte Kommunalwahl im Mai löste schließlich den Sturm aus, der das SED-Regime im herbst davon wehte. In der Meteorologie kennt man das als Schmetterlingseffekt, der aber gerne mal falsch verstanden wird. Denn es ist keineswegs so, dass heute am Verfassungstag durch die Lüfte schwebenden Schmetterlinge aufgrund eines falschen Flügelschlages schwere Herbststürme in China auslösen können. Nein, der heute vor 100 Jahren geborene Mathematiker Edward N. Lorenz stellte fest, dass bei der Berechnung von chaotischen Systemen wie dem Wetter kleinste Abweichungen der Ausgangslage zu komplett abweichenden Ergebnissen im System führen. Will man also genau vorhersagen, wann es wo in China im Herbst stürmt, müsste man die Ausgangsbedingungen auf den Schlag eines Schmetterlingsflügels genau kennen, beziehungsweise noch genauer. Die unter anderem von Lorzen entwickelte Chaostheorie beschreibt mithin nichts weiter als die Grenzen des Determinismus, wenn nicht gar sein völliges Ende. Es gibt aber im Chaos im Allgemeinen und beim Wetter im Speziellen noch eine gewisse Resthoffnungen, gewissermaßen Inseln der Stabilität, besondere Zustände, auf die chaotische Systeme zusteuern können. Eines dieser Konstrukte heißt nach seinem Entdecker Lorenz-Attraktor. Das ist unter anderem der Grund, warum man das Wetter im Großen und Ganzen dann doch für ein paar Tage vorhersehen und darüber hinaus zumindest gut schätzen kann. Eben nicht ein jeder Schmetterling löst einen Sturm aus. Die nächsten Tage wird es im Sendegebiet weiterhin sonnig und warm sein. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Nicht nur Pokemon: Angeblich soll Augmented Reality das nächste Große Ding für das iPhone werden. Bislang konnte man sich unter der erweiterten Realität wenig vorstellen, doch sind schon heute jede Menge AR-Apps in Betrieb, die die Umgebung mit Zusatzinformationen und -inhalten anreichern - und seien es kleine Monster. Macworld hat eine Reihe von AR-Apps gesammelt, die einen Einblick in die kommende Technologie geben.

Klage: Apple Pay hat es nun schon seit mehr als drei Jahren nicht nach Deutschland geschafft, vielleicht klappt es ja bis Ende 2017. Ungemach droht Apples Bezahlsystem nun jedoch vor Gericht. Denn die in Boston ansässige Firma Universal Secure Registry behauptet in einer Klage, dass Apple und Visa mit Apple Pay seine Patente verletzen würden. Insgesamt seien 13 Technologien zur Authentifizierung bei Bezahlvorgängen betroffen, mit der Klage befassen muss sich nun ein Gericht im Ostküstenstaat Delaware. Apple und Visa wüssten seit dem Jahr 2010 von den Patenten, hätten aber keinerlei Anstalten gemacht, diese zu lizenzieren.

Trolle : Eine Entscheidung des obersten Gerichts der USA schiebt einen Riegel vor zahlreiche Patenteprozesse. Wie der Supreme Court entschied, dürfen in Zukunft Patentklagen nur am Gerichtsstand des beklagten Unternehmens eingereicht werden, im Falle von Apple ist das Kalifornien. Damit wäre das Gericht des Bezirks Ostteaxas in Tyler aus dem Rennen, das in vielen Fällen angerufen wurde, weil seine Entscheidung meist zu Gunsten der Patenthalter beziehungsweise der Patenttrolle ausfielen. So verurteilte es etwa Apple im Jahr 2015 dazu, 533 Millionen US-Dollar an Smartflash LLC zu zahlen, erst im letzten September waren 22 Millionen US-Dollar an Acacia Research fällig, das Patente von Nokia übernommen hatte. Die Entscheidung des Supreme Courts war im Rahmen eines Streits zwischen der Heartland Food Products Group und Heinz Ketchup gefallen, hat aber Folgen für alle Patentprozesse in den USA.

Trend : Apple hat im März-Quartal nach Ergebnissen der Marktforscher von Trendforce 3,4 Millionen mobile Macs verkauft und damit 15,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres - das neue Macbook pro mit Touchbar hat also seine Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Apple behauptet damit mit einem Marktanteil von 9 Prozent den fünften Platz, hinter HP, Lenovo, Dell und Asus.

Sicherheit: Ab dem 15. Juni verlangt Apple App-spezifische Passworte für Apps von Drittherstellern, die sich mit iCloud verbinden, um über Apples Server etwa Mails zu verschicken oder Termine und Kontakte zu pflegen. Davon betroffen sind Apps wie Thunderbird oder Busy Contacts und Fantastical. Was eine zusätzliche Sicherheitsfunktion bedeutet, kann aber zu Probleme führen, etwa dann, wenn zahlreiche Anwender ab dem Stichtag plötzlich keinen Zugriff mehr auf iCloud haben und nicht mehr wissen warum. Glenn Fleishman hält die Entscheidung Apples aber nicht nur aus diesem Grund für wenig zielführend, mehr Sicherheit hätte Apple auch erreichen können, wäre das Identifizierungssystem OAuth zum Einsatz gekommen, auf das unter anderem auch Google und Facebook für die Anwendungen Dritter setzen.

Weitere Nachrichten:

ARM baut Chip für menschliches Gehirn

Um Krankheiten wie Alzheimer oder Rückenmarksverletzungen besser verstehen zu können, entwickeln das Center for Sensorimotor Neural Engineering (CSNE) der Universität Washington und Chip-Entwickler ARM einen SoC, der direkt ins Gehirn eingesetzt werden kann. Das Projekt „The Brain and Beyond – Brain-Implantable Chips“ ist auf mehrere Jahre ausgelegt und steht derzeit noch am Anfang. Ziel ist es, einen Chipsatz zu entwickeln, der als Schnittstelle zwischen Gehirn und externen Hilfsmitteln und Geräten agiert.

Direkt im Gehirn verpflanzt, soll der Chipsatz über ein bidirektionales Brain-Computer-Interface (BCI) kommunizieren. Das heißt, er wandelt die elektrischen Hirnströme in digitale Signale um, die wiederum an digitale Geräte außerhalb des Patienten weitergeleitet und von diesen verstanden werden. Das SoC soll vorerst dazu dienen, Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer direkt im Gehirn zu erforschen und damit besser zu verstehen.

Hoffnung soll der Chipsatz auch Menschen geben, die nach einer Rückenmarksverletzung gelähmt sind. Der in ihrem Gehirn verpflanzte Chip könnte mit einem Stimulator im Rückenmark verbunden werden, der Muskeln durch Elektroimpulse aktiviert. Über eine langfristige Therapie könnten gelähmte Gliedmaßen so wieder benutzbar sein. Laut ARM und den Forschern des SCNE wolle man mit dem Projekt auf die Selbstheilungskräfte des Gehirns setzen.

ARM und das SCNE haben bereits erste Prototypen des SoC auf Basis des Cortex-M0-Kerns entwickelt. Bis zum fertigen Produkt ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die Herausforderung besteht darin, ein außreichend kleines SoC zu entwickeln, das kaum Energie benötigt und so gut wie keine Wärme abgibt.

Unitymedia schaltet analoges Kabelfernsehen ab

Unitymedia stellt im Zeitraum vom ersten bis 30. Juni die analoge Übertragung im Kabelfernsehen ein. Den Anfang macht Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen und Nordrhein-Westfalen. Analog-Zuschauer sehen nach der Umstellung nur noch ein Standbild mit einem Hinweis zur Abschaltung. Ab Juli wird die Sendetechnik durch die regionalen Versorgungszentren abgebaut. Dann wird nur noch das digitale Fernsehsignal gesendet.

In den drei betroffenen Bundesländern zählen noch rund 640.000, meist ältere Menschen zu den Analog-Zuschauern. Unitymedia will diese Kunden über eine Informationskampagne im Vorfeld der Abschaltung erreichen. Einen konkreten Zeitplan hat das Unternehmen bereits aufgestellt. Die Abschaltung beginnt am 1. Juni im Norden von Baden-Württemberg, am 6. Juni folgt der Süden des Bundeslandes. Die Abschaltung in Hessen startet am 13. Juni. Das Schlusslicht bildet Nordrhein-Westfalen. Der Norden wird hier ab 20. Juni vom Netz genommen. Ab 27. Juni erscheinen die Analog-Standbilder auch im Süden. Wann genau Sie von der Abschaltung betroffen sind, können Sie per Postleitzahlen-Suche auf der Website von Unitymedia ermitteln.

Wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie analog oder digital schauen, gibt es einige Hinweise, die bei der Bestimmung helfen. Haben Sie einen Röhrenfernseher, steckt ihr Antennenkabel ohne Empfangsbox direkt im Fernseher oder empfangen Sie weniger als 30 Kanäle, sind Sie wahrscheinlich Analog-Kunde. Bei neueren TV-Geräten hilft auch ein Blick in die Einstellungen. Nutzen Sie ein älteres TV-Modell, müssen Sie zur Umstellung eine Empfangsbox kaufen oder bei Unitymedia mieten. Kann ihr Fernseher sowohl analoges als auch digitales Kabelfernsehen empfangen, müssen sie lediglich den Empfang von analog auf digital umstellen.

1&1 bietet VDSL-Geschwindigkeit für den Basis-Tarif

Der Telekommunikationsanbieter 1&1 hat bei seinem DSL-Basis-Tarif nachgebessert. „1&1 DSL Basic 50“ bietet nun VDSL-Geschwindigkeiten mit bis zu 50 Mbit/s Download und einem Upload von bis zu 10 Mbit/s. Beim Basic-Tarif handelt es sich allerdings um einen Tarif mit Bandbreiten-Begrenzung. Monatlich inklusive sind 100 GB. Wird dieses Volumen überschritten, drosselt 1&1 die maximale Bandbreite für den restlichen Monat auf 1.024 kBit/s.

„1&1 DSL Basic 50“ hat eine Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten. In den ersten zwölf Monaten nach Vertragsabschluss kostet der Tarif monatlich 9,99 Euro. Ab dem 13. Monat steigt die Gebühr auf stolze 24,99 Euro. Inklusive ist das 1&1 DSL-Modem. Eine Telefon-Flatrate ist wie bei den anderen ungedrosselten Tarifen nicht mit an Bord. Kunden zahlen für Anrufe ins deutsche Mobilfunknetz 19,9 Cent pro Minute. Telefonate ins deutsche Festnetz schlagen mit 2,9 Cent pro Minute zu Buche.

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